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Veröffentlicht am 21.05.2019

Eine neue Heimat

Das Versprechen der Islandschwestern
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In dem Versprechen der Islandschwestern geht es um die Geschichte zweier Schwestern, Helga und Greta, die um Trümmer- Deutschland und all den schlimmen Erinnerungen zu entfliehen im fernen Island als Landarbeiterinen ...

In dem Versprechen der Islandschwestern geht es um die Geschichte zweier Schwestern, Helga und Greta, die um Trümmer- Deutschland und all den schlimmen Erinnerungen zu entfliehen im fernen Island als Landarbeiterinen anheuern. Doch die einst so innige Schwesternfreundschaft scheint zerrüttet, als ca. 60 Jahre später die nun wieder in Hamburg lebende Greta mit Enkelin Pia und Urenkelin Leonie zum ersten Mal seit jahrelanger Funkstille zum 90 Geburtstag Helgas nach Island eingeladen werden. Sie entscheiden sich zu kommen und die verborgene Geschichte nimmt ihren Lauf. Doch nicht nur für die Schwestern weht ein frischer Wind ins Haus – schon bald macht Pia Bekanntschaft mit dem ebenso attraktiven wie charmanten Pferdewirt Ragnar und auch Leonie schließt neue Freundschaften.

Anders, als aus dem Klappentext heraus erwartet spielt die Geschichte in zwei unterschiedlichen Zeitsträngen. Für mich macht dies die Geschehnisse authentischer und spannender zu lesen. Es ist einfach ein gefühlter Unterschied, ob man aus dem nach hinein erzählt liest, wie es damals war, oder direkt in dieser Zeit erzählt wird.
Zweiteres ist für mich immer ergreifender. So haben wir einmal die Monate der Überfahrt, Ankunft und des Lebens auf dem isländischen Gutshof, als Helga und Margarete (Greta) noch junge Frauen waren, erzählt aus der Sicht Gretas, der jüngeren Schwester. In einem anderen Zeitstrang lernen wir dann im Jetzt (2017 hier) Pia, Leonie und Ragnar kennen, und die beiden Omas als alte Frauen. Hier ist die Geschichtserzählung ebenfalls nochmals unterteilt, einmal in Pias und einmal in Ragnas Sichtweise der Dinge. Das kann zwischendurch auch in einer Szene öfters mal wechseln und macht für mich einen besonderen Reiz dessen aus, wie die beiden sich gegenseitig umschleichen. Besonders gut gefällt mir die erste Begegnung, der Zufall des weiteren Kontakts und die Entwicklungen zwischen den beiden gegen Ende des Buches.

In diesem Roman habe ich den Eindruck, dass was die Charaktere angeht wirklich an alles gedacht wurde, alle sehr unterschiedlich und doch sehr sympathisch.
Den nächsten Bezug habe ich zu Pia und Margarete, was wohl auch daran liegt, dass wir über die beiden im Laufe des Buches so viel erfahren. Besonders den Mut der jungen Greta bewundere ich, alles hinter sich zu lassen um ein neues Leben für sich und ihre Schwester zu ergattern, auch wenn sie mir zwischenzeitlich ein wenig naiv wirkt. Es tut mir lange Zeit im Buch sehr leid für sie, was sich schon über viele Seiten hinweg abzeichnet. Helga macht für mich die heftigste Entwicklung durch. Lernen wir sie zu Beginn der Überfahrt als eher schüchterne, reservierte und vom Kummer noch schwer geschafftes Mädchen kennen, begegnen wir ihr in späteren Jahren als eine lebensfrohe, herzensgute alte Dame.
Pia und Leonie dagegen sind ein typisches Mutter – Tochter Gespann, schwer geprägt durch die aufblühenden Pubertät Leonies. So sind Zickerein an der Tagesordnung und über den Besuch der weiterführenden Schule wird ausgiebig immer wieder verhandelt, für Leonie ist klar: So nicht! Pia dagegen möchte als doch sehr beschützende Mutter selbstverständlich das Beste für ihre Teenagerin. Hinzu kommt der ständige Streit mit Ex-Mann und Klienten-ferne Fälle bei ihrer Arbeit beim Jugendamt. Pia lernt auf diesem Urlaub nicht nur viel über ihre Familie, sondern auch mal auf ihr Herz zu hören. Und ein Schlüssel hier ist Ragnar, der sympathische Neuzeit- Wikinger vom Pferde - Hof nebenan. Er gefällt mir total gut, wirkt sehr bodenständig und doch gefühlsbetont, sorgt sich um seine kleine Tochter, die bei seiner Exfrau lebt. Somit haben er und Pia so einiges gemeinsam. Es ist sehr unterhaltsam, den beiden dabei zuzuschauen, wie sie sich auf oberflächlicher Ebene umschleichen und die Dialoge wurden mich viel Herz und Humor verfasst. Ein genialer zweiter Handlungsstrang, der den ersten in früheren Jahren, der teil etwas melancholisch und schwermütig daherkommt mit einer beschwinglichen Leichtigkeit ergänzt.

Ein wenig polarisiert dagegen hat für mich die immer mal wieder unterschwellig genannten Erziehungstipps im Buch. Zum einen fand ich es authentisch, dass man sich als Eltern natürlich viel über sowas unterhält, gerade auch, wenn unterschiedliche Kulturen wohl andere Sichtweisen auf bestimmte Entwicklungen haben. Zum anderen war mir das teils zu viel und wirkte wie überflüssig in Szene gesetztes Besserwisserei zu einem Klischee Thema, das einfach weit von der eigentlichen Geschichte entfernt liegt.
Am tiefsten bewegt hat mich, ganz dem Titel nach, die Geschichte, die die beiden Schwestern verbindet, sowie die Auflösung gegen Ende des Buches. Das war wirklich wunderschön zu lesen!
Neben dem Hauptstrang ist auch die Kulisse atemberaubend. Die Darstellung Islands läd zum träumen ein und hat eindeutiges Reise- Sucht Potential! Außerdem gefallen mir die vielen kleinen isländischen Anekdoten und die einfließende Sprache.

Fazit: Ein schöner Roman, der von allem ein bisschen zu bieten hat. Es macht wirklich Spaß ihn zu lesen, einen bleibenden Eindruck hinterlässt er aber eher nicht.

Veröffentlicht am 21.05.2019

Zeitlose Begegnung

Siebzehnter Sommer
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Mit dem „Siebzehnten Sommer“ hat Maureen Daly ein klassisches, atemberaubendes und absolut zeitloses Meisterwerk eines frühen Jugendbuches über die erste große Liebe und einen unvergesslichen Sommer geschaffen. ...

Mit dem „Siebzehnten Sommer“ hat Maureen Daly ein klassisches, atemberaubendes und absolut zeitloses Meisterwerk eines frühen Jugendbuches über die erste große Liebe und einen unvergesslichen Sommer geschaffen. Die US - Geschichte spielt vor vielen Jahren in der verschlafenen amerikanischen Kleinstadt Font du Lac, 1942, doch die Gefühle sind waschecht, damals wie heute. Die Siebzehnjährige Angie ist ein typisch unschuldiges Mädchen vom Lande. Aufgewachsen als mittlere von 4 Schwestern lebte sie ein behütetes Leben, das jäh auf den Kopf gestellt wird, als Jack auftaucht. Der sympathische Bäckersjunge klopft an die Gartenpforte und lädt Angie zu einem abendlichen Bootstrip ein, der in ihr Gefühle weckt, die sie zuvor nie kannte. Zuerst nur leicht euphorisiert, erkennt sie bald, dass sie sich mitten im größten Abenteuer ihres Lebens befindet. Doch empfindet Jack das gleiche auch für sie? Die beiden bauen langsam Vertrauen und eine Beziehung zueinander auf, und zwischen zartester Romantik und knisterndem Vortasten erlebt Angi die Tage, die „der wundervollste Sommer, meines Lebens“ sein sollten. Die Entwicklungen zwischen dem jungen Liebespaar gehen Hand in Hand mit den Geschehnissen des Sommers und schon bald rückt die Erkenntnis näher, dass die zweisamen Sommertage gezählt sind. Für Angi wird es ans College gehen und der lang verdrängte Abschied rückt näher.

Durch die zeitlichen Entwicklungen gibt es einige Besonderheiten zu beachten, zum Beispiel dass Angie als Siebzehnjähriges Mädchen eine Naivität und Unwissenheit zum „Schmusen“ hat, wie sie heute selten zu finden wäre. Auch war es damals nicht selbstverständlich, dass ein Mädchen nach der Schule das College besuchen darf, so wie Angi und ihre Schwestern oder ein Junge den Betrieb eines Vaters mit zu versorgen hat, wie es bei Jack der Fall ist.

Das Buch hat mich bereits auf den ersten Seiten tief beeindruckt. Ich mochte den verträumten und ruhigen Ton so unglaublich gerne, in dem von Angie und ihrer Welt erzählt wurde. Das klang authentisch und schaffte sofort Atmophäre. Die leichten Worte schwingen taktvoll, vermitteln das Gefühl, voll im Moment anzukommen. Die Landschaft, das drumherum, alles wird sehr detailreich und lebendig dargestellt, Maureen Daly schafft viele geflügelte Vergleiche und bringt die Umgebung zum klingen. Die Sprache ist vollmundig, rund und vielseitig. So „gurgeln Rinnsale zwischen Bachläufen hindurch“, „tschilpen aufgeregt flatternd die kleinen Spatzen“ oder mit „leisem Seufzen streicht der Wind“. Es macht einfach Spaß, diese schönen Worte zu lesen und einzutauchen. Und ebenso echt, wie die Umgebung, so wahrhaftig wirkt auch Angies Empfindung. Der besondere Flair der Erzählungen krabbelt bis unter die Haut und ruft eigene Erinnerungen an die Jugendtage wach.

Auch der Inhalt an sich ist sehr lebensnah gestaltet. Wir lernen Angi mit all ihren vorsichtigen Empfindungen und aufbrausenden Gefühlen, den täglichen Gedanken, aber auch ihre Familie und genaueren Lebensumstände kennen. Da sind unter den einzelnen Charakteren schon so ganz eigene Nummern für sich. Auch der Freundeskreis in den Angi langsam eingeführt wird nimmt eine wichtige Rolle ein und hält so manche Überraschung bereit. Alles in allem fand ich neben Angi und Jack doch eine Reihe von Nebenfiguren sympathisch, an manchen Stellen wäre ich noch etwas neugieriger gewesen. Doch genau wie Angi vieles verbrogen bleibt, bleibt es auch uns Lesern unerschlossen. Genau solches macht mitunter aber eben auch den realistischen Reiz aus. Ganz klar bleibt Angi die Heldin im Herzen.

Fazit: Genial! Wie die Tage von denen der Siebzehnte Sommer erzählt bleibt diese Lektüre einzigartig. Ich finde es wirklich schade, dass diese Autorin nie sehr viel mehr als dieses Buch geschrieben hat, bzw. auch ins Deutsche übersetzt wurde. Der Sprachstil ist einfach umwerfend bezaubernd. Diese Verschnörkelung schlichter Schönheit bewog mich sogar über diesen Roman hinaus auch in meinem Alltag öfters mal inne zu halten und achtsam im Augenblick zu lauschen, die Welt um mich herum still zu beobachten und nach ähnlich klingenden Worten zu suchen, die auch das, was alltäglich um uns herum ist, in solch berauschend schimmernden Licht zu zeigen, wie es Maureen Daly mit Angis Dorf gelingt.

Veröffentlicht am 02.05.2019

Einfach loslegen!

Sag dem Abenteuer, ich komme
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Eine Frau, ein Motorrad namens Cleo und Einmal um die Welt. Spannend und ergreifend berichtet die junge Autorin Lea von ihrer ersten Langzeitweltreise. Heraus aus dem grauen Alltag, mit dem Wunsch, einfach ...

Eine Frau, ein Motorrad namens Cleo und Einmal um die Welt. Spannend und ergreifend berichtet die junge Autorin Lea von ihrer ersten Langzeitweltreise. Heraus aus dem grauen Alltag, mit dem Wunsch, einfach mal etwas anderes zu sehen, seine Träume zu leben und Freude am Reisen macht sie sich auf unbekanntes Land zu entdecken.

Vorweg: Das finde ich verdammt mutig und ich habe vor jedem und jeder einen Heiden-Respekt, der sich auf eine so große Reise begibt und den Mumm aufbringt für solch lange Zeit einfach auf Achse zu sein, seine Familie, Freunde und Job hinter sich zu lassen und einfach treiben zu lassen. Oder auch geplant zu reisen. Alleine oder zu zweit, alleine als Frau ist es sicher noch schwieriger und es gab so manche Situation, in der ich der Autorin nachträglich noch die Daumen drückte und erleichtert aufatmen musste, das da so einiges doch nochmal gut gegangen ist. Aber das ist halt auch das Risiko das auf uns wartet, wenn wir unsere bekanten Bahnen verlassen. Und die Chance.
Es gibt ein Zitat, dass dieses Buch mit begleitet und das ich für besonders treffend halte: „Das Schicksal ist ein gepackter Esel und wartet darauf, von dir in eine Richtung geführt zu werden.“
Es gibt einfach Kraft, was neues auszuprobieren und macht augenblicklich Lust auf Reisen.

Leider muss ich aber sagen, dass mich das Buch sonst nicht so angesprochen hat, zumindest verglichen mit manchen anderen Reiseberichten oder Blogs die ich gerne mal durchstöber. Das Cover ist zwar sehr einladend und verleitet mich immer wieder den Roman erneut aufzuschlagen, der Text ist für mich aber nicht ansprechend genug geschrieben. Mir fehlt irgendetwas, ohne dass ich jetzt ganz genau beschreiben könnte, was das eigentlich ist. Er hält meistens ein Hauptereignis in einer Stadt oder einem Land als besonders prägend fest, oft verbunden mit einem Thema der inneren Reise (Leidenschaft, Glaube, Karawanenleben,...) das dazu anregt, sich selber auch Gedanken darüber zu machen. Das steht für mich von Anfang an in Kontrast zu dem ursprünglich einfachen Wunsch, einfach rauszufahren und Freude am Unbekannten entdecken zu haben statt so einen Selbstfindungstrip zu machen, der es aber letztendlich doch teils ist (zumindest erweckt die Buchaufmachung sehr diesen Eindruck). Vielleicht kann man sogar soweit gehen zu sagen dass man zeitweise das Gefühl hat, ein kleines Stück mitzureisen und einige Szenen sind sehr authentisch und abwechslungsreich. Aber oft fehlt mir, auch wenn die Reise in einem Stück beschrieben ist, ein roter Faden der über das innere Erleben, bzw. Beschreiben hinaus geht. Mir kommt dieses Buch sehr auf sich selbst und die Beziehung zum Motorad bezogen vor, was für Maschinen Liebhaber sicher ein großes Plus ist, für mich aber nicht. Die Tatsache an sich mit dem Motorrad loszuziehen und auch darüber zu schreiben ist aber weiterhin selten und interessant und bringt neue Impulse für mich. Ich hätte mir aber ein paar mehr Infos über die jeweils am Ort lebenden Menschen gewünscht. Nun weiß ich als Leserin nicht, ob die Reisekontakte nicht tiefergehend waren, oder viel Atmosphäre einfach der Menge der besuchten Orte weichen musste, um noch in einen Roman zu passen der nicht die Regale sprengt? Mir erging es beim Lesen oft so, dass ich, sobald meine Neugierde auf ein Land oder einige Menschen dort erst richtig geweckt wurde, die Reise schon wieder weiter ging. Dies Erzählprinzip unterstreicht natürlich auch wunderbar die Heimatlosigkeit einer Langzeitreisenden und den Hunger auf den nächsten Tag, bzw. auch das Gewicht des einzelnen kostbaren Moments, der als solcher für sich einfach stehen bleibt.
Ein großes Plus sind die Fotos zwischendrin, sie fangen oft mehr ein, als in den Worten geschrieben steht und haben mir geholfen, mich mehr in die Reise einzufühlen. Es hätten gerne noch mehr und im Buch verteilter sein können.
Was ein Punkt ist, der für mich mit einer solchen Reise streng zusammenhängt, über dessen Logistik in dem Buch jedoch nicht so viel erzählt wird, sind die Reisekosten. Ich hätte es schön gefunden, wenn hier noch irgendwo Hinweise gewesen wären, die jeden, der auch so eine Reise machen wollen würde ein wenig unterstützen würde, und den Leser nicht mit dem „für mich wäre da wohl sehr sehr lange Zeit Hostel und Spritkosten -Sparen angesagt, bevor irgendwas losgehen kann“-Gefühl zurücklässt.

Fazit: Eine nette kleine Lektüre für zwischendurch mal, ein wenig zum Träumen, ein wenig für den Kopf, und eine toller Tipp für Motorrad-Fahrer sowie jeden mit einer verrückten Idee im Kopf, der einen kleinen Schubs braucht, es einfach zu wagen.

Veröffentlicht am 02.05.2019

Goldene Jahre einer Sängerin

Madame Piaf und das Lied der Liebe
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In „Madame Piaf und das Lied der Liebe“ nimmt uns Autorin Michelle Marly (die wir bereits von Madame Coco kennen) mit ins Paris der 1937 iger Jahre und erzählt uns die Geschichte der französischen Sängerin ...

In „Madame Piaf und das Lied der Liebe“ nimmt uns Autorin Michelle Marly (die wir bereits von Madame Coco kennen) mit ins Paris der 1937 iger Jahre und erzählt uns die Geschichte der französischen Sängerin Edith Piaf.

Häufige Schauplätze des Geschehens sind neben Ediths wechselnden Apartments die großen Bühnen Frankreichs und diverse Kneipen, besonders die gehobene Pariser Musikwelt dürfen wir hier kennen lernen. Durch Ediths Erfolg sehen wir vor allem die glänzenden Seiten der Stadt und die Bandagen, mit denen für gewöhnlich um Publikum gekämpft wird, erscheinen nicht ganz so hart. Denn das Edith bereits ein Star ist, steht außer Frage. Nur durch Yves, der zu diesem Zeitpunkt ja auch nicht gänzlich unbekannt ist, erfahren wir ein wenig mehr über den Aufstieg.
Ein großes Plus dieses Romans ist die stimmungsvolle Darstellung der einzelnen Szenen, die das Gefühl vermitteln, als stummer Beobachter Ediths mit im Raum zu sitzen. Es wirkt beinahe gegenläufig, der Kontrast zwischen Ediths goldenen Erfolgsjahren und dem vom Krieg gebeutelten Land. Auch Edith ist aus ihrer Vergangenheit mit der Armut vertraut. Michelle Marly zeichnet sie als einen sehr vielschichtigen Charakter mit vielen Ecken und Kanten, nicht immer edlen Motiven, doch dafür umso menschlicher. Die Geschichte wird rein aus Edith Sicht erzählt und wirkt beim Lesen authentisch.

So wie Ediths Geschichte in die der Welt verknüpft ist, gibt es in dem Buch verschiedene Handlungszweige, die verstärkt in den Fokus gerückt werden. Dabei liegt der Fokus vor allem auf der Darstellung von Ediths Erfolg, ihrem Wunsch ihren geliebten Schützling Yves Montand zum angesehene Sänger zu fördern und der Leidenschaft zum Chanson. Ich erfahre in diesem Buch so einiges übers Lieder dichten, Texte und vermittelte Geschichte, Vortragsarten, sowie der Stimmigkeit zwischen Chanson und Sänger. Eben all das, was bei einem guten Lied das Kribbeln auf unserer Haut ausmacht. Hautkribbeln verspricht hier nicht nur die Musik, sondern auch viele schöne Stunden zwischen Edith und Yve, die sich schnell auch außerhalb der Schulungsstunden näher kommen. Die Tiefe hinter der Musik und dem Chanson ist allzeit spürbar. In Madame Piaf geht es zudem um ein ganz besonderes Chanson, dass Edith Piaf unvergesslich machte: „La Vie en Rose“. Ein Ohrwurm, der dem Leben eine bestimmte Richtung gibt, in einer Zeit, die alles andere als rosarot war. Ein weiterer Erzählfokus liegt auf den Entwicklungen und Gesprächen zwischen Edith und Yves, die zueinander unterschiedliche Rollen zwischen Liebenden und Förderer einnehmen. Die zwei stellen für mich ein intererssantes Paar dieser Zeit da und wirken zusammen herrlich erfischend. Weniger Raum nimmt dafür die im Klappentext beschriebene Anklage Ediths ein. Sie verkommt eher zu einem kaum bemerkbaren Nebenstrang. Doch ich denke, das ist für das, was dieses Buch erzählen wollte, nicht so schlimm. Dafür wirken die goldenen Jahre der Edith Piaf umso strahlender.

Ich finde die Wahl der Jahre, die aus dem Leben der Sängerin erzählt wurden interessant. Zusätzlich gewünscht hätte ich mir, dass aus der Anfangsbeschreibung diese bewusste Wahl mehr hervorgegangen wäre. Trotz dass uns das Buch nur diesen Ausschnitt ihres Lebens zeigt, bekommen wir als Leser dennoch einen Überblick über ihren ganzen Lebensweg. Die Vergangenheit wird in kleinen eingeschobenen Rückblenden beschrieben, was den Moment eingebundener wirken lässt, über die Zukunft lesen wir im Nachwort der Autorin. Dieses Nachwort, das hat es in sich und ich bin wirklich froh, dass es noch dabei ist, auch wenn mich einige Fakten hier sehr traurig gemacht haben, andere wiederum waren sehr freudig.

Fazit: Anders als erwartet, dennoch eine absolut lesenswerte Geschichte über eine so kleine so große Frau, die trotz aller Tränen in ihrer goldenen Zeit mit „La vie en rose“ zur „Legende“ wurde.

Veröffentlicht am 09.04.2019

Ein Fall für Mac Amor

Eine Samtpfote zum Verlieben
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Als Jamie mit ihrem Kater Mac Guyver nach Hollywood zieht und die Möglichkeit einer einjährigen beruflichen Auszeit bekommt, ruft sie stolz „Jamies Jahr“ aus – ein Jahr, in dem sich selbst finden möchte ...


Als Jamie mit ihrem Kater Mac Guyver nach Hollywood zieht und die Möglichkeit einer einjährigen beruflichen Auszeit bekommt, ruft sie stolz „Jamies Jahr“ aus – ein Jahr, in dem sich selbst finden möchte und das, was in ihrem Leben wirklich zählt. Dabei hat sie nicht mit ihrem frechen Kater Mac gerechnet, der da schon seine ganz eigenen Pläne für sie hat. Denn Mac riecht an ihr eine traurige Einsamkeit und möchte sein „nasendummes“ Frauchen unbedingt glücklich machen. Und wenn ein paar Straßen weiter der attraktive Single - Bäcker David wohnt - Warum nicht ein wenig Starthilfe geben? Und so zieht unsere Samtpfote heimlich los und macht nachts als gewiefter Dieb die Nachbarschaft „unsicher“.

Bereits das Cover warnt uns: „Achtung! Dieser Kater wird ihr Herz stehlen!“ - und das ist nicht zuviel versprochen! Der neue (und Erste!) Katzenroman von Melinda Metz könnte kaum drolliger sein. Mit Witz und Charme erzählt die Autorin nicht nur die Zweibeiner - Liebesgeschichte von Jamie & David, sondern auch die eines treuen Katerchens zu „seinem“ Menschen, der alles dafür tun würde, dass Frauchen glücklich ist – selbst wenn das bedeutet den Dummkopf von nebenan (Davids Hund Diogee) in sein streng behütetes Katzenreich zu lassen.
Die Geschichte wird dabei in leicht und fröhlicher Schreibweise abwechselnd aus der Sichtweise der drei Protagonisten Mac, Jamie und David erzählt. Dabei bekommen wir im jeweiligen Kapitel oft noch wertvolle Nebeninformationen zu den drei Charakteren. Wir erfahren einiges über ihr bisheriges und auch jetziges Leben, ihre Motive und erleben das sich anbahnenden Wechselbad der Gefühle hautnah mit. Denn eigentlich möchte weder Jamie in „ihrem Jahr“ einen Mann, noch fühlt sich David bereit für etwas Neues und so kommen die beiden zu einer höchst interessanten Vereinbarung... Manchmal möchte man wirklich durch die Seiten greifen und ihnen sagen: „Hey, denk doch mal nach, da ist... und du...“ und muss bei so manchen Vermutungen die sie für sich anstellen schmunzeln – denn ich als Leserin weiß natürlich schon längst, wie es um die anderen bestellt ist. Es macht Spaß, dieses „Mehr-Wissen“ und noch aufregender ist es, den Dreien bei der „Aufklärung“ zuzuschauen. Am liebsten habe ich natürlich die Sichtweise des Katers gelesen. Sie ist einfach zu putzig und mit so viel Herz geschrieben. Leider kommen diese Kapitel im Buch, gerade gegen Ende zunehmend, immer weiter zu kurz. Ich bekam das Gefühl, dass je mehr wir über das Menschen-Paar erfahren, immer weniger aus Katzensicht erzählt wird, es scheint in den Hintergrund zu rücken, was ich persönlich schade finde, da genau dieser Aspekt den Roman so besonders gemacht hat und eben Macs Seiten immer die waren, auf die ich mich besonders gefreut habe. Auch hätte ich mir gewünscht, dass der Fokus nicht alleinig so stark auf dem Menschen-Glück liegt, sondern wir vielleicht auch hätten miterleben dürfen, wie Mac mit anderen Katzen in der Nachbarschaft reagiert, sich vielleicht Revier und Katzenfreundschaften aufbaut.
Besonders gelungen finde ich dagegen die vielen lebhaften Nebencharaktere in Freundeskreis und Nachbarschaft, die mir alle sehr charakterstark und sympathisch wirken. Sie tragen dazu bei, einen Ort entstehen lassen, wo man das Gefühl bekommt „da lässts sichs gut leben“, dort ist eine schöne Gemeinschaft (mitten in Hollywood) die, durch Macs sich stets ausdehnende Mission, eine kleine Starthilfe in punkto Zusammenfinden erfährt.
Der Star des Buches ist natürlich ganz klar Mac. Seine Katzensicht auf die Welt wird unglaublich einfühlsam und treffend beschrieben. Ein nicht ganz kleiner Spagat bei dem Thema des Buches und seiner vermenschlichten Mission. Er wirkt zeitweise mehr wie ein Superheld auf vier Pfoten denn wie ein gewöhnliches Stubenkätzchen. Aber genau das macht den Zauber dieses Buches aus, Kater MacGuyver macht seinem Namen alle Ehre! Und an all die Katzenliebhaber da draußen – wer hat sich nicht schonmal beim Anblick seines geliebten Vierbeiners in irgendeiner verschrobenen Situation gefragt, wie er/ sie dass nun tatsächlich geschafft hat?!

Fazit: Ein absolut charmanter Liebesroman für zwischendurch – nicht nur für Katzenliebhaber! (aber natürlich besonders für die!)