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Veröffentlicht am 19.10.2025

Treffende Zusammenfassung

Wie fühlst du dich? Über unser Innenleben in Zeiten wie diesen
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Axel Hacke, Buchautor und Kolumnist, liest selbst mit einer angenehmen vertrauenswürdigen Stimme. Man fühlt sich gleich angesprochen und aufgehoben.

Gefühle leiten durch das Leben. Axel Hacke fühlt, ...

Axel Hacke, Buchautor und Kolumnist, liest selbst mit einer angenehmen vertrauenswürdigen Stimme. Man fühlt sich gleich angesprochen und aufgehoben.

Gefühle leiten durch das Leben. Axel Hacke fühlt, beobachtet und analysiert diese.
Er vergleicht Theorien und Erfahrungen bedeutender Frauen und Männer, stellt Gefühl und Vernunft gegenüber und dies im Wandel der Zeit.

Er spricht von eigenen Erfahrungen und erinnert Zeiten, in denen Gefühle weniger artikuliert wurden. Doch bezieht er seine Gedanken und treffenden Beobachtungen auf die Gegenwart - denn „die Zeiten haben sich radikal geändert“ Es gibt neue Erfahrungen und Erkenntnisse, wie man mit Gefühlen besser lernen kann umzugehen.
Heute gäbe es ein „Psychovokabular“ und die Konsumindustrie wäre ohne Gefühle undenkbar, bemerkt er. Gefühle werden dem Marktdenken unterstellt.

Soziale Netzwerke stellen emotionale Verbindungen her statt unmittelbare und unsere Gefühle sollen den Vorstellungen des Marktes unterworfen werden. Wir sind auf „mehr“ ausgerichtet und alles Alte soll durch besseres ersetzt werden. Durch die gesellschaftlichen hohen Erwartungen ist das Lebensgefühl nie wirklich gut, bemerkt er. Das Tempo der Beschleunigung überfordere den Menschen. Axel Hacke zeigt deutlich auf, spricht von den Strategien der Rechtspopulisten wie der Techmilliardären. Was dort behauptet, wird muss nicht stimmen oder mit den eigenen Gefühlen übereinstimmen.„Haben wir es nicht satt, unsere Gefühle schwerreichen Asozialen zur Verfügung zu stellen?“

Eine Frage, die wir uns täglich stellen sollen: Wie fühlst du dich. Es geht um die Fähigkeit der Reflexion und Eigenständigkeit. Man könne seine Gefühle nicht ändern, aber den Umgang damit. Er beleuchtet Angst, Hass und mehr und bietet Lösungsmöglichkeiten an, die uns selbst betreffen und unseren Umgang mit uns und der Welt.
„ Nur wer die Fallen kennt, die wir uns selber stellen kann sie vermeiden“.

Er stellt all dies dar in einer unterhaltsamen und erfrischenden Weise. Auch ist jeder Satz bedeutsam und vieles regt zum Nachdenken an. Mag es um eigene Erfahrungen mit Gefühlen gehen oder das Nachlesen der vielen Quellen, die er hinzuzieht. Lehrreich, informativ und umfangreich ist der große Schatz von philosophischen literarischen, wissenschaftlichen und künstlerischen Beispielen, die das Buch ergänzen. Er drückt das aus, was viele quält, aber niemand so deutlich und ansprechend formulieren konnte. Mit einer einfachen humorvollen Sprache und einer Stimme, der man sich angesprochen und auch getröstet fühlt, erreicht er die Zuhörer. Ein wichtiges Buch!

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Veröffentlicht am 18.10.2025

Bewegender und anregender historischer Roman!

Adama
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Adama -Ein Generationenroman, der auch die Geschichte Israels aufzeigt.
Das Buch ist in Abschnitte aufgeteilt, die die Ereignisse in unterschiedlichen Jahren mit unterschiedlichen Protagonisten einer Familie ...

Adama -Ein Generationenroman, der auch die Geschichte Israels aufzeigt.
Das Buch ist in Abschnitte aufgeteilt, die die Ereignisse in unterschiedlichen Jahren mit unterschiedlichen Protagonisten einer Familie darstellen.
Die Geschichte umfasst die Zeit von 1946 bis 2009 und beginnt mit Hannah, der Enkelin Ruths, die den Tod ihrer Mutter Esther erlebt und als deren Nachlass ein Kästchen mit Fotografien erhält. Sie fühlt sich trotz Trauer befreit, kann jederzeit die ihr unbekannte Vergangenheit ihrer Vorfahren ansehen, ohne beteiligt zu sein. Ein spannender Einstieg, der neugieríg macht. Doch, was hinter den Fotos steckt ist hochexplosive Geschichte, die verwoben ist mit persönlichem sowie dem Schicksal Israels.
Auf den noch folgenden Seiten wird man geschickt und schnell in die Dramatik des Lebens ihrer Großmutter Ruth geworfen, so dass einem kaum Luft bleibt.

Die Rahmenhandlung kreist um Ruth, die 1946 nach Palästina emigriert. Sie ist eine Überlebende des Holocaust und schließt sich dem (fiktiven) Kibbuz Trashim an, den sie als “Heilige Erde“ - Adama - betrachtet, um sich ein neues Leben aufzubauen.
Eigentum und Arbeitskraft werden gemeinschaftlich geteilt, die Kinder gemeinsam erzogen, eine ideale Lebensgestaltung mit harter Arbeit, um eine bessere Zukunft zu erschaffen. Das ist die Idee, ein Traum. Doch dann rüttelt dort eine gänzlich veränderte Lage auf und schockiert im Jahr 1989; wie hat sich die einstige Vorstellung entwickelt?

Erst Teil 3 erzählt die Geschichte wie es zur Emigration gekommen ist.
Mord, Flucht, verlorene Lieben, Sehnsüchte, Mord zum Überleben, Mord aus Hass, Mord um das Land zu erweitern.
Mehr dramatische Schicksalsschläge als Frieden und Frohsinn peitschen die Geschichte voran, jedoch die Handlungsweisen und Charaktere der Mitspielenden sind nachvollziehbar und farbig gestaltet und erwecken Empathie. Beeindruckende und anregende Verknüpfung von Generationengeschichte stimmt sich ab mit historischen Ereignissen. Die Protagonisten bleiben individuell und greifbar.

1948 ist ganz Galiäa ein Kriegsgebiet. Das Land soll den Juden gehören. „Es gibt kein Adama ohne Dam(Blut)“. Dann der 6-Tageskrieg 1967,der Jom-Kippur-krieg 1973.
Informativ, bewegend, gnadenlos, anhand von Einzelschicksalen bewegend erzählt, ein Plot mit hochdramatischen und abenteuerlichen Situationen, die zu einer Spirale von Konsequenzen führt.

Wie prägen diese Ereignisse die Überlebenden, welche Konsequenzen ziehen sie daraus und wo bleiben ihre Träume? Lavie Tidhar geht dieser Frage nach, alles wirkt real.
Der Kibbuz sollte Vereinigung erschaffen, Gemeinsamkeit - bringt jedoch durch die äußeren Umstände Individuen hervor, die, wenn es darauf ankommt vor nichts zurückschrecken, sei es wegen dem Selbstschutz, der Ideologie oder den militärischen Anforderungen des Staates zur Gebietsverteidigung und -erweiterung.

Das Cover der Originalversion ist ohne das Maschinengewehr abgebildet.
de Getreidezweig weist auf Fruchtbarkeit und Verbundenheit hin.
Das deutsche Cover zeigt ein Maschinengewehr, das gehalten wird mit dem Getreidezweig – dies ist für mich eine gelungene Zusammenfassung der folgenden Ereignisse des Romans.
Lavie Tidhar beschreibt unterhaltsam und gibt sehr viel Stoff zum Nachdenken mit ausdrucksvoller Sprache. ( z.B. „Das Haus verkroch sich in der Dämmerung“). Ich habe mich anschließend noch weiter informiert über Israels Geschichte, denn dieses Buch zeigt auch schonungslos andere Aspekte auf, als die, die mir bekannt waren.

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Veröffentlicht am 14.09.2025

Schöner Schreibstil mit Längen

Weißes Licht
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Eric Puchner erzählt eine Generationsgeschichte, die in Montana spielt.
Cece bereitet ihre Hochzeit vor und lernt den besten Freund ihres Mannes Charlie kennen. Nach anfänglicher Abneigung verliebt sie ...

Eric Puchner erzählt eine Generationsgeschichte, die in Montana spielt.
Cece bereitet ihre Hochzeit vor und lernt den besten Freund ihres Mannes Charlie kennen. Nach anfänglicher Abneigung verliebt sie sich in Garrett und das Schicksal nimmt seinen Lauf. Cece ist für Garrett so etwas wie die Rückkehr in die Welt“, was dann zu einer schicksalsträchtigen Entscheidung führt.
Auf über 500 Seiten und 50 Jahren erleben wir die Beziehungen zwischen Cece, Garrett, Charlie und deren Kindern. Der Roman erzählt von Freundschaft, Liebe, Tragödien, Trennungen und Versöhnung.
Gerade anfänglich bezaubert der Roman durch originelle Mitspieler, die für eine gute Unterhaltung sorgen; humorvolle Gedanken, Betrachtungen und Metaphern in witzigen Dialogen bringen Spaß. Die angenehm überschaubaren Charaktere spiegeln eine amerikanische Realität wider, und erwarten keine große Sympathie. Ich empfand eine gewisse Distanz, das mag an den Zeitsprüngen liegen, die Geschehen vorwegnehmen, was sich später aber wieder fügte - ein interessantes stilistisches Mittel. Die Beschreibung ihrer Lebensgeschichte über einen Zeitraum von 50 Jahren ist das Anliegen, ein Generationsroman.
Der Roman ist geschickt konstruiert. Rückblenden und verschiedene Sichtweisen beleben ihn. Eric Puchners Schreibstil ist unaufdringlich und gekonnt. Mir haben besonders die Dialoge sehr gut gefallen, ebenso die beeindruckenden Landschaftsbeschreibungen.
Gerade den Anfang fand ich sehr vielversprechend und beste Unterhaltung mit Esprit, 500 Seiten waren mir aber zu viel – obwohl geschickt aufgebaut und verzahnt, konnte mich weder die Story noch die Mitspieler richtig mitreißen, ich blieb oft distanziert, der Roman war mir zu mühselig lang und ich hätte mir gewünscht, dass er besser nachhallt.
Auffallend ist, dass Eric Puchner gekonnt formulieren und konstruieren kann, was bestimmt viele Leser mitreißt. Mich hat die Story an sich nicht gefesselt.

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Veröffentlicht am 13.09.2025

Intensive und berührende Wahrheitssuche!

Die Farbe des Schattens
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Winter 1992 – Polizeihauptkommissar Arno Groth hat sein Hamburger Revier vor 3 Monaten verlassen, um als Aufbauhelfer Ost ins mecklenburgische Wechtershagen zu ziehen. Anders als in der Großstadt Hamburg ...

Winter 1992 – Polizeihauptkommissar Arno Groth hat sein Hamburger Revier vor 3 Monaten verlassen, um als Aufbauhelfer Ost ins mecklenburgische Wechtershagen zu ziehen. Anders als in der Großstadt Hamburg ist er mit den Sorgen und Nöten einer Kleinstadt konfrontiert in all der Unsicherheit und Zukunftsangst nach der Wende. Die Menschen müssen sich neu orientieren. Arbeitslosigkeit, Geldentwertung, schwere persönliche Schicksale erwarten ihn.

Doch auch die jungen Jugendlichen sind dabei sich zu orientieren aufgrund der beginnenden Pubertät. Ein 11-jähriger Junge wird vermisst, Matti Beck. Die Becks wohnen in einem 5-stöckigen Plattenbau. Hauptkommissar Groth führt die Ermittlungen. Und da ist Ina, vor Kurzem nach Wechtershagen gezogen; was verschweigt die Taxifahrerin?
Dann taucht ein alter Fall vor 6 Jahren auf – gibt es einen Zusammenhang?

Falsche Fährten schärfen die Sicht auf die damalige Zeit. Spuren, die im Nichts verlaufen, aber für Hochspannung sorgen. Dann bewegt sich die Düsternis und Ungewissheit in der Geschichte, als ein wichtiges, bewusst zurückgehaltenes Ereignis ausgesprochen wird. Jetzt durchzieht die Hoffnung und das Vorankommen. Arno Groth trifft eine persönliche Entscheidung.

Der Hauptkommissar Groth ist sympathisch. Er begreift, obwohl vorher 25 Jahre in Hamburg, wie ein Kleinstädter im Osten angesehen wird. „Die Leute fühlen sich abgeschrieben“.
Der auf den Punkt gebrachte Zeitabschnitt, fast sezierend, zeigt die damalige Realität.

Es ist ein mühsamer aber sehr intensiver Weg der Aufklärung dieses Kriminalfalles. Trübe Stimmung aber eine sehr gründliche Suche. Präzise Beobachtungen und Beschreibungen beleuchten den Roman, schnörkellos werden die Lebenssituationen und das Umfeld aufgezeigt. Treffend ist das Zitat am Anfang von Uwe Johnson: “Die Dämmerung schärft die Lichter“.
Nicht unbedingt das Auffinden des Täters, sondern die genaue Beobachtung und Psychologie der Mitspieler mit deren Begegnungen in deren Umfeld nach der Wende sind maßgeblich für die Spannung in diesem Roman.
Die Erkenntnisse, die den Hauptfiguren neuen Lebensmut vermitteln, das genaue Hinsehen auf den Schmerz und wie jeder damit umgeht, ist berührend. Das Hautnahe wird betont durch die Gegenwartsform des Romans.
Susanne Tägder erzeugt auch mit ihrer flüssigen unabgelenkten Schreibweise einen speziellen Sog, dem man sich nicht entziehen kann.

Für mich ein sehr lesenswerter und berührender Roman, der Zeitgeschichte und Kriminalfall auf eine spannende Weise vereint und lange nachhallt.

Susanne Tägder arbeitete zeitweise auch als vorsitzende Richterin im Karlsruher Sozialgericht.
Sie widmet dieses Buch all jenen, die bereit sind auf der Suche nach Wahrheit selbst der ungewissensten Spur zu folgen.


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Veröffentlicht am 28.08.2025

Wortwitzige Verknüpfung von Spionageroman und Sozialkritik

Dr. No
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Der Roman fängt schon mit einem Paradoxon an: “Weißt du noch, wann du deinen Geburtstag vergessen hast?“
Würden wir uns an alles erinnern, hätten wir keine Sprache für das Erinnern und Vergessen. Dann ...

Der Roman fängt schon mit einem Paradoxon an: “Weißt du noch, wann du deinen Geburtstag vergessen hast?“
Würden wir uns an alles erinnern, hätten wir keine Sprache für das Erinnern und Vergessen. Dann wäre nichts wichtig.“
Wala Kitu ist Professor für Mathematik. Experte für das Nichts.
Er trifft auf John Milton Bradley Sill, Milliardär, der ein James Bond Schurke sein will und eine Box, in der das Nichts sein soll in Fort Knox vorhat zu stehlen. Wala Kitu soll ihm dabei helfen und bekommt eine ansehnliche Summe überwiesen. „Ich will ihre ehrliche Verwirrung“ sagt Sill zu Wala. Auch Kitus Kollegin Eigen Vector ist bei dem Abenteuer dabei. Ebenso ein sprechender Hund mit nur einem Bein namens Trigo.
Doch ein Milliardär, der Schurke sein will, tut, was er für nötig hält, eine Moral scheint nicht zu existieren. So macht sich Wala Kitu bald mit Hund und Eigen Vector auf die Flucht und erlebt so einige Begrenzungen und Überraschungen.
Wala Kitu ist 35 Jahre alt, hat das Asperger Syndrom, ist weltfremd, unbedarft und genial. Er verkörpert das Gegenteil von der heldenhaften Vorstellung eines 007, der so alles im Griff zu haben scheint. Hier werden die bekannten James Bond Szenarien auf die Schippe genommen und parodistisch beleuchtet. Alle Klischees werden bedient. Gespickt wir dies mit mathematischen und philosophischen Formeln und Erkenntnissen. Die Konversation ist köstlich und auch teilweise ermüdend, denn „die ehrliche Verwirrung“ liegt beim Leser, versteht man das Wenigste, wenn es um mathematische Fachsimpelei geht.

Doch ist man amüsiert durch den, nicht immer entschlüsselten hintergründigen Wortwitz, der mitunter auch vordergründig ist, wenn z.B. der schwarze Kitu, der noch keinen Führerschein hat, von einem weißen Polizisten angehalten wird und die Situation völlig überraschend endet. Die Hauptdarsteller sind Schwarz. Und ebenso bezeichnend ist in Percival Everetts Romanen sind die Namen der Mitspieler, die jeweils eine Bedeutung haben, mag es eine geschichtliche oder aus anderen Romanen (eigenen oder fremden) entliehene oder wie Wala Kitus Name, der Nichts Nichts bedeutet. Eigen Vector ist ein Vector, der sich immer in eine Richtung bewegt. „Dinge müssen bezeichnet werden, alles was kein Ding ist, hat keinen Namen“, ist quasi ein Nichts.
Ein sprühendes, intelligentes Feuerwerk an Ideen und komischen und absurden Situationen. Bis zum Schluss weiß man nicht, was für eine Verbindung zwischen Wala Kitu und John Sill besteht und der Leser atmet auf, dass nicht auch Wala Kitu - wie ein Nebenbuhler, ebenso wie eine Kleinstadt im Nichts verschwindet, als hätte er nicht existiert.
Man genießt den Roman durch die einzelnen Gespräche und Kuriositäten: alles zu hinterfragen ist nicht das Anliegen. Es kommt der Spaß rüber, den Percival Everett offensichtlich beim Schreiben seines Romans hatte. Zum Nachdenken anregend ist die sozialkritische und politische Komponente.

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