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Veröffentlicht am 24.03.2024

Ein ereignisreicher Tag aus dem Leben eines Fae

Der Weg der Wünsche
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„Der Weg der Wünsche“ ist eine weitere, großartige Novelle aus der Königsmörder-Chronik, geschrieben von Patrick Rothfuss.

In diesem Band geht es um den Fae Bast, eine Figur, die bereits aus den vorherigen ...

„Der Weg der Wünsche“ ist eine weitere, großartige Novelle aus der Königsmörder-Chronik, geschrieben von Patrick Rothfuss.

In diesem Band geht es um den Fae Bast, eine Figur, die bereits aus den vorherigen Büchern bekannt ist. Man erlebt einen ganzen Tag, von der Morgendämmerung bis zur Mitternachtsstunde, aus dem Leben von Bast. Dadurch ist man stets hautnah dabei, wenn er die kleinen und größeren Abenteuer und Aufgaben meistert, die seinen Tag schmücken.
Bereits die ersten Bände dieser Chronik „Der Name des Windes“ und „Die Furcht der Weisen I+II“ haben mich unheimlich begeistert und so wurde ich schon vor einigen Jahren von den Schreibkünsten des Autors und seiner nie endenden Fantasie überzeugt. Wie Rothfuss in seinem Nachwort von diesem Werk über Bast jedoch anmerkt, passiert in diesem kleinen Buch vergleichsweise wenig. Versteht mich nicht falsch, dieser eine Tag aus dem Leben von Bast ist wirklich sehr ereignisreich. Anders als man es vielleicht aus anderen Fantasy-Romanen gewohnt ist, kommt es in dieser Novelle jedoch nicht zu solch komplexen Handlungssträngen. Da ich dies bereits im Voraus wusste, konnte ich jede einzelne Seite dieses Buches gleichwohl genießen. Wer auch die andere Novelle dieser Chronik über Auri „Die Musik der Stille“ kennt, kann vielleicht ein wenig nachvollziehen, was ich meine. Tatsächlich mochte ich den Einblick in Basts Alltag sogar noch mehr als die kurze Geschichte über Auri.

Es fällt einem so wunderbar leicht, wieder in diese fantastische Welt einzutauchen – eine mystische Welt voller Geheimnisse, von denen noch unsagbar viele nicht gelüftet sind, trotz der umfassenden ersten Königsmörder-Romane. Durch die Erzählungen des Autors wirkt der Charakter von Bast hier regelrecht wie ein kleiner Junge. Allerdings wird im Verlauf des Buches immer wieder betont, dass Bast ja schon volljährig ist. Durch den wundervollen, mitreißenden Schreibstil von Patrick Rothfuss gelingt ihm so eine fabelhafte und nur allzu realistische Illusion. Geht es nicht vielen Erwachsenen so, dass sie sich im Inneren eigentlich noch ganz jung fühlen? Diese Erkenntnis, in Kombination mit einer herausragend eingearbeiteten Menschenkenntnis, macht die Lektüre zu einem echten Leseerlebnis, wodurch man nur so über die Seiten fliegt.

Während dieses Werk für Neulinge dieser fantasievollen Welt vielleicht nicht unbedingt geeignet ist, kann ich Basts Kurzgeschichte jedoch allen Fans der Königsmörder-Chroniken wärmstens empfehlen! Nun bleibt nur zu hoffen, dass wir den nächsten Band dieser Reihe auch bald lesen können! Ich kann ihn schon jetzt kaum erwarten.

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Veröffentlicht am 21.03.2024

Vom Außenseiter zum Meisterdieb mit Herz

Schule der Meisterdiebe
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Mit dem Jugendroman „Schule der Meisterdiebe“ liefert J. J. Arcanjo ein unheimlich spannendes Leseabenteuer mit vielen wertvollen Lektionen über das Leben und das menschliche Miteinander.

Schon auf den ...

Mit dem Jugendroman „Schule der Meisterdiebe“ liefert J. J. Arcanjo ein unheimlich spannendes Leseabenteuer mit vielen wertvollen Lektionen über das Leben und das menschliche Miteinander.

Schon auf den ersten Buchseiten lernt man den Jungen Gabriel, seine besonderen Talente und seine Oma kennen. Als Baby wurde er von seinen Eltern unter mysteriösen Umständen verlassen, daraufhin hat ihn die liebenswerte ältere Frau, ohne zu zögern, bei sich aufgenommen. Er wuchs fortan bei seiner „Großmutter“ auf. Doch nun leben die beiden in sehr ärmlichen Verhältnissen. Nicht selten überlässt die Oma ihrem Enkel auch ihren Anteil an einer Mahlzeit. Gabriel nutzt daher seine erstklassigen diebischen Fähigkeiten regelmäßig, um sich und seiner Großmutter ein wenig Geld dazuzuverdienen. Nur bei dem einen Diebstahl am Bahnhof wird er von dem fremden Mann mit silbrigen Haaren überlistet. Aber nicht nur das – statt einer Strafanzeige erhält er von ebendiesem Mann eine rätselhafte Einladung inklusive eines Vollstipendiums für die äußerst geheime Schule „Crookhaven“. Dieses Internat liegt verborgen auf einer Insel und ist darauf ausgerichtet, angehende Gauner mit einzigartigen Diebeskünsten oder mit berühmt-berüchtigten Gauner-Eltern zu Meisterdieben auszubilden. Jedoch dient das dortige Training ausschließlich dem Zweck, etwas Positives zu bewirken.
Ausgerechnet an diesem Ort für Außenseiter trifft Gabriel auf einige Gleichgesinnte mit ähnlich speziellen Begabungen – und doch hat ein jeder und eine jede von ihnen seine ganz eigenen Stärken. Zum ersten Mal in seinem Leben kann er echte Freundschaften schließen. Gemeinsam mit den neuen Freunden schmiedet er den Plan, den diesjährigen Gaunerpokal aus dem Schulleiterbüro zu stehlen. Können Gabriel und seine Mitschüler:innen diesen unmöglich erscheinenden Wettbewerb gewinnen? Und was hat es mit dem Verschwinden seiner leiblichen Eltern auf sich?

Dieser Auftakt der Reihe rund um Gabriel ist einfach wundervoll geschrieben. Die Charaktere sind herrlich vielfältig und tiefgründig. Die liebevolle Ausarbeitung der Figuren hat mir solch ein Vergnügen beim Lesen bereitet, dass ich das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen konnte. Hier und da gab es ein paar kleinere Ähnlichkeiten mit Harry Potter, aber genau das hat mich oft zum Schmunzeln gebracht. Letztendlich ist der Schulalltag im Internat „Crookhaven“ jedoch von J. J. Arcanjo so außergewöhnlich konzipiert, dass er für die jungen Leser:innen so einige Überraschungen bereithält. Zudem sind die Erlebnisse der Schüler:innen mit vielen kleinen und großen lehrreichen Botschaften in angenehm kurze Teilgeschichten verpackt.

Überhaupt fällt es erstaunlich leicht, in die fantasievoll gestaltete Geschichte über Freundschaft, Zusammenhalt und gegenseitiges Vertrauen einzutauchen. Die durchweg fesselnde Handlung hat mich in diesem ersten Band wahrlich mitgerissen. Ein wirklich tolles Buch, das nachdenklich macht und gleichzeitig zum Lachen und Miträtseln einlädt! Mit diesem spannenden Cliffhanger freue ich mich jetzt umso mehr auf das nächste Abenteuer von Gabriel und seinen Freunden.

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Veröffentlicht am 08.03.2024

Starke Frauen, keine Scheu vor Tabuthemen und eine wundervoll emotionsgeladene Liebesgeschichte

Infinity Falling - Change My Mind
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Mit "Infinity Falling – Change My Mind" hat Sarah Sprinz eine unheimlich gefühlvolle Lovestory am Set des Blockbusters "Infinity Falling" mit großartigen Rivals-To-Lovers-Vibes erschaffen!

Holly Triano, ...

Mit "Infinity Falling – Change My Mind" hat Sarah Sprinz eine unheimlich gefühlvolle Lovestory am Set des Blockbusters "Infinity Falling" mit großartigen Rivals-To-Lovers-Vibes erschaffen!

Holly Triano, die Managerin von Aven, kann ihren Kollegen oder vielmehr Konkurrenten Ruben Belton nicht ausstehen. Ruben ist der wohlhabende Sohn eines britischen Medienunternehmers und dafür bekannt, sich die Klienten seiner Kolleg:innen rücksichtslos unter den Nagel zu reißen. Allein sein Nachname scheint zu genügen, damit ihm jegliche Wünsche mit nur einem einzigen Fingerschnippen erfüllt werden. Wohingegen Holly sich ihren Erfolg sehr hart selbst erarbeiten musste. Doch ausgerechnet Ruben managt Avens Schauspielpartner und festen Freund Hayes. Während ihrer Arbeit sind Ruben und Holly auf diese Weise gezwungen, eng zusammenzuarbeiten und sich bei Veranstaltungen gut abzustimmen. Dabei müssen die beiden immer wieder feststellen, dass sie sich vielleicht doch nicht so unsympathisch sind …

Bisher habe ich alle veröffentlichten Werke von Sarah Sprinz gelesen und die Geschichten und ihren Schreibstil jedes Mal sehr genossen! Schon den ersten Band von "Infinity Falling" habe ich mit all seinen Charakteren geliebt, die mir unheimlich ans Herz gewachsen sind. Tatsächlich gefällt mir dieser zweite Band sogar noch besser als der erste! Auch hier wurde ich wieder durch den wundervollen Erzählstil schnell in die Geschichte eingesogen und konnte mit den Protagonist:innen mitfühlen. Ganz besonders hat mir dabei gefallen, dass die Autorin die beiden Perspektiven von Holly und Ruben so unglaublich toll ausgearbeitet hat, sodass man beim Lesen wirklich recht gegensätzliche Personen und Meinungen kennenlernen kann. Dass man sogar die gleichen Events aus (größtenteils) recht verschiedenen Sichtweisen erleben kann, hat mich dann vollends überzeugt! Und als kleinen Bonus obendrein erfährt man immer mal wieder etwas Neues von Aven und Hayes, den beiden Protagonisten aus dem ersten Teil der "Infinity-Falling"-Reihe.

In diesem zweiten Band der Trilogie kann ich mich sehr mit Holly und ihrem Job, der derzeit leider noch von Männern dominiert wird, identifizieren. Frauen begegnen auch heutzutage diesem Phänomen und den damit verbundenen zusätzlichen Herausforderungen in den unterschiedlichsten Berufen. Es wird definitiv immer noch zu wenig darüber gesprochen und nicht ausreichend nach umsetzbaren Lösungen für solche Problematiken gesucht!
Nun ebenfalls Rubens Perspektive und seine Gedanken kennenzulernen, war wirklich ein überraschendes Leseerlebnis – er ist ein so unerwartet tiefgründiger und vielschichtiger Charakter! Aber auch in diesem Buch müssen beide Charaktere neben all dem Drama noch ihr eigenes emotionales, problembehaftetes Päckchen tragen. Die jeweiligen Schwierigkeiten in Hollys und Rubens Leben wirken auf mich jedoch sehr authentisch und, dass man deren Probleme auf den ersten Blick (so wie man die beiden aus Avens und Hayes Perspektiven aus Band 1 kennengelernt hat) gar nicht wahrnehmen kann, trifft auf die meisten von uns wohl zu. Man weiß eben nicht immer, was hinter der Fassade von Menschen steckt.

Generell sind einige Handlungsstränge so wunderbar realitätsnah ausgearbeitet. Es ist eben nicht immer alles so schnell Friede-Freude-Eierkuchen. Stattdessen ist vieles eher ein Prozess, der sich über viele Jahre ziehen kann und zumeist seine Höhen und Tiefen hat. So ist auch das Ende in diesem Werk konzipiert. Ich persönlich begrüße es tatsächlich sehr, dass es nicht bei jedem Handlungsstrang ein perfektes "Happy End" gab! Das mag für die ein oder andere lesende Person vielleicht etwas ernüchternd sein, aber ich empfand die letzten Seiten als sehr menschlich und wunderbar emotionsreich. Letztendlich wirkt es dadurch nur authentischer – weil, sind wir mal ehrlich, genau so ist es doch auch öfters im echten Leben.

Alles in allem hat mich das Buch durchweg begeistert, die Charaktere und deren Entwicklung wurden unfassbar ausdrucksstark umgesetzt! Sarah Sprinz hat durch ihren Schreibstil definitiv eine oftmals wunderbar realistische und dennoch behutsame Atmosphäre erzeugt, die für die Seelen der lesenden Personen und auch der beiden fiktiven Charaktere eine Wohltat ist - obwohl oder eben gerade weil sie sich nicht davor scheut, Tabuthemen anzuschneiden und das reale Leben zu zeigen. Dieser Roman gehört schon jetzt zu meinen Lesehighlights! Ich freue mich nun umso mehr auf den letzten Teil der Trilogie!

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Veröffentlicht am 07.03.2024

Ein Mensch revolutioniert die grausame Welt der machtgierigen Vampire

The Serpent and the Wings of Night (Crowns of Nyaxia 1)
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Was für ein Fantasy-Romance-Gemetzel! Das Hörbuch von Carissa Broadbents „Crowns of Nyaxia: The Serpent and the Wings of Night“ lässt an Spannung und Nervenkitzel nichts zu wünschen übrig.

Oraya wurde ...

Was für ein Fantasy-Romance-Gemetzel! Das Hörbuch von Carissa Broadbents „Crowns of Nyaxia: The Serpent and the Wings of Night“ lässt an Spannung und Nervenkitzel nichts zu wünschen übrig.

Oraya wurde als kleines Mädchen von dem Vampirkönig Vincent adoptiert und konnte so in den goldenen Palastmauern aufwachsen. Doch der Schein trügt, denn Oraya muss nicht nur in der Außenwelt ständig um ihr menschliches Leben fürchten, sondern auch im Palast lauert die Gefahr hinter jeder Ecke. Daher hat sie schon früh gelernt, sich stets so gut wie möglich zu verteidigen – als Mensch in einer Welt voller Vampire. Um endlich nicht mehr die Beute sein zu müssen, wagt Oraya die Teilnahme am Turnier der Göttin des Todes, dem Kejari. Während der mörderisch brutalen Teilaufgaben des Turniers macht sie Bekanntschaft mit dem mysteriösen, unglaublich gutaussehenden, aber auch äußerst bedrohlichen Raihn. Um das Kejari zu überleben, muss Oraya ausgerechnet mit diesem Vampir ein vorübergehendes Bündnis eingehen, wohl wissend, dass sie sich erschreckend zu ihm hingezogen fühlt und dass sie sich danach wieder auf Leben und Tod bekämpfen müssen. Kann Oraya diese tödlichen Kämpfe überleben und sich ihren Traum von einer Zukunft ohne die ständige Bedrohung ihres Lebens verwirklichen?

Carissa Broadbent hat mit ihrem wundervollen Schreibstil eine tolle Geschichte zum Mitfiebern kreiert, die eine großartige Mischung aus Fantasy und Vampir-Romance bietet. Ganz besonders hat mir bei diesem Hörbuch die unheimlich angenehme Stimme von Vanida Karun gefallen. Dadurch hat die Protagonistin gleich viel mehr Tiefe erhalten. Oraya und ihr Charakter sind mir im Laufe des Romans ans Herz gewachsen: Sie ist stets mutig, zögert nicht, sie ist ein wenig stur (was ihr schon oft das Leben gerettet hat) und sie lässt sich nicht von ihren Plänen abbringen, nur weil sie einen Mann kennengelernt hat, der ihr etwas den Kopf verdreht. Sehr gut gelungen ist auch die Dynamik und die spürbare Anziehung zwischen Oraya und Raihn! Lediglich die Beziehung von Vincent zu seiner Adoptivtochter wirkte über weite Strecken des Buches recht bizarr. Erst gegen Ende wurde dieser Handlungsstrang für mich nachvollziehbarer.
Die vielen unerwarteten Wendungen sind definitiv ein weiterer großer Pluspunkt dieses ersten Bandes. Allerdings hätte ich mir ein klein wenig mehr Worldbuilding gewünscht, um insbesondere beim Hören von Orayas Geschichte noch besser mitfiebern zu können. So tauchen vor allem in der zweiten Buchhälfte einige Situationen auf, in denen von langjährigen Gegebenheiten, der Existenz verschiedener Regionen und ihrer Bevölkerung sowie deren kulturellen Kontexten oder typischen Verhaltensweisen in dieser Fantasywelt berichtet wird. Diese kamen für mich eher aus dem Nichts, hatten aber eine ziemlich große Wirkung auf den Alltag in dieser Welt der Vampire und somit auch auf Oraya. Vielleicht wollte die Autorin an dieser Stelle die Sichtweise von Oraya verdeutlichen, da sie in ihrem bisherigen Leben auch vergleichsweise unwissend gehalten wurde?

In jedem Fall ist dieser erste Band ein wirklich hervorragendes, durchweg fesselndes Romantasy-Abenteuer mit viel Potenzial für die Fortsetzung. Ich habe jede Minute des Hörerlebnisses genossen! Nach diesem fiesen Cliffhanger freue ich mich nun schon riesig auf den zweiten Band!

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Veröffentlicht am 04.03.2024

Die bunte Vielfalt macht die Welt erst richtig schön

Willkommen bei den Grauses 1: Wer ist schon normal?
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Sabine Bohlmanns neues Werk „Willkommen bei den Grauses – Wer ist schon normal?“ ist ein zauberhaftes Buch über Freundschaft, Zusammenhalt und den respektvollen, toleranten Umgang mit anderen Menschen ...

Sabine Bohlmanns neues Werk „Willkommen bei den Grauses – Wer ist schon normal?“ ist ein zauberhaftes Buch über Freundschaft, Zusammenhalt und den respektvollen, toleranten Umgang mit anderen Menschen und Lebewesen - auch wenn sie anders sind als man selbst!

In diesem Buch erlebt Ottilie Schmidt den Einzug der wunderlichen Familie Grause in die „Sackgasse“. Sie wird etwas stutzig, da die neuen Nachbarn ausgerechnet bei Nacht und Nebel in das heruntergekommene Haus gegenüber von Ottilie einziehen. Und auch sonst verhalten sich die drei Kinder Muh, Wolfi und Husch, deren Eltern und ihr Hund etwas sonderbar. Ganz zu schweigen von dem stets brummeligen Opa, der immer eine Pflanze auf dem Kopf trägt, sehr seltsam redet und nicht zu wissen scheint, wie man sich angemessen benimmt. Trotz all der kuriosen Zwischenfälle siegt jedoch Ottilies Neugier und sie beginnt, mit den Kindern zu spielen und sich mit ihnen anzufreunden.
So erfährt sie recht bald, dass die Grauses eigentlich vom „Institut für andersartige Wesen“ sind und nun lernen müssen, sich ganz „normal“ wie „normale, langweilige Menschen“ zu verhalten. Nur wenn ihnen das gelingt und sie die Liste mit den grauen Punkten nicht voll machen, dürfen sie weiterhin in der menschlichen Welt bleiben. Denn die fiese Krähe auf dem Dach kräht bei jedem Vergehen, wenn ein Grause-Familienmitglied den Menschen nicht normal erscheint. Dann kommt ein weiterer schrecklicher, grauer Punkt auf der Liste. Aber oje, der Großvater sammelt so furchtbar schnell ganz viele Punkte …

Dieses erste fantastisch skurrile Abenteuer der Familie Grause wird von wunderbar humorvollen Illustrationen von Daniel Steudtner begleitet. Ottilie und die bunt zusammengewürfelte Familie sind mir im Laufe des Buches so unheimlich ans Herz gewachsen. Die Autorin erschafft mit ihrem großartigen Schreibstil so hervorragend schrullige Charaktere, mit denen sich Jung und Alt identifizieren können, obwohl oder vielmehr gerade weil sie alle so anders sind. Ich habe immer wieder herzhaft gelacht – so viele Situationen beschreiben die oft recht eintönige Realität vieler Menschen so unfassbar gut. Eine Realität mit unrealistischen, scheinbar makellosen Erwartungen der Gesellschaft an alle, die in ihr leben, ohne jedoch die individuellen Stärken und Eigenschaften jedes Einzelnen zu berücksichtigen. Das Geschehen rund um Ottilie und die Grauses zeigt schon den jungen Menschen, dass eben nicht immer nur eine richtige Vorgehensweise existiert. Dass es das „perfekte, normale Leben“ gar nicht gibt. Es wird sehr deutlich gemacht, dass Vielfalt unsere Welt letztendlich nur besser und bunter macht. Und am schönsten ist es, wenn keine Person so ist wie eine andere!
Ottilie lernt zudem, dass man aus Oberflächlichkeiten und äußeren Erscheinungen nicht auf die inneren Werte schließen sollte. Stattdessen erkennt sie, worauf es im Leben wirklich ankommt: einen liebenswerten Charakter und das Herz am rechten Fleck.

Eine herrlich fantasievolle, unterhaltsame Geschichte mit einem Hauch Magie über eine wundervoll schräge Familie, deren Mitglieder auf den ersten Blick zwar ganz anders zu sein scheinen, aber eigentlich sind sie im Herzen genauso wie Du und ich – perfekt, so wie sie sind. Ein Kinderbuch mit einer besonders wichtigen Botschaft, die gerade in der heutigen Zeit der sozialen Medien und des anonymen Mobbings besonders relevant ist. Ich kann es nur empfehlen! Die Grauses gehören auf jeden Fall schon jetzt zu meinen Lesehighlights in diesem Jahr!

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