Keine Angst vor Geistern oder Der Schmerz einer Familie
Portrait meiner Mutter mit GeisternNachdem ich die ersten Seiten von Rabea Edels „Portrait meiner Mutter mit Geistern“ gelesen hatte, dachte ich, ich wüsste, was mich erwartet. Doch weit gefehlt. Der Roman erstreckt sich über mehrere Generationen ...
Nachdem ich die ersten Seiten von Rabea Edels „Portrait meiner Mutter mit Geistern“ gelesen hatte, dachte ich, ich wüsste, was mich erwartet. Doch weit gefehlt. Der Roman erstreckt sich über mehrere Generationen und viele Figuren, ist sehr komplex, aufgrund häufiger Zeitsprünge und seiner kunstvollen Sprache. Die Autorin gibt vor allem den traumatisierten Frauen eine Stimme und transportiert eine Bandbreite von Gefühlen und Beziehungen, die hohe Konzentration und einen offenen Geist beim Lesen erfordert.
Viel mehr als durch beschriebene Umstände erhält der Leser durch die bildhafte Sprache eine Vorstellung des Geschehens:
Eine Tochter, die ihre Familie verstehen möchte, wissen will, woher sie kommt. Eine Mutter, der es schwerfällt offen zu sprechen und den Schmerz von Generationen Frauen in sich trägt. Ein alter Mann, der noch immer seine Jugendliebe liebt. Kinder, die geboren werden, doch nicht um zu leben. Frauen, die auf gewalttätige Männer angewiesen sind und daran zerbrechen, dass sie den Schmerz nicht offen zeigen dürfen.
Es ist keine Geschichte, die man von A nach B liest, es ist keine Geschichte, die jede Frage beantwortet, es ist keine Geschichte, die weich und bequem ist. Immer wieder musste ich innehalten, nachdenken, nachfühlen. Ich mag Rabea Edels verschlungenen Schreibstil, das habe ich gleich am Anfang festgestellt. Ich mag, wie sie Bilder zeigt, nur leicht skizziert und doch kraftvoll. Schlussendlich vermittelt der Roman eine starke Botschaft, er vermittelt Mut und Hoffnung. Jeder hat die Möglichkeit, sein Schicksal selbst in die Hand zu nehmen und seine Geschichte umzuschreiben.