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Veröffentlicht am 23.03.2025

Erbnachfolge Karls des Großen

Das Erbe der Karolinger
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Der Autor hat über die Erben Karls des Großen eine sehr spannende und interessante Geschichte in Romanform gegossen. In der Handlung geht es um den Sohn von Karl dem Großen, Ludwig, der drei Söhne hat. ...

Der Autor hat über die Erben Karls des Großen eine sehr spannende und interessante Geschichte in Romanform gegossen. In der Handlung geht es um den Sohn von Karl dem Großen, Ludwig, der drei Söhne hat. Er ernennt seinen ältesten Sohn Lothar zu seinem “Mitkaiser” und versucht so sehr schnell einen Nachfolger zu etablieren. Mit der Zeit werden seine anderen beiden Söhne Pippin, sowie der “kleine Ludwig”, das Nesthäkchen, ebenfalls mit Aufgaben im Reich betraut. Doch der Frieden in der Familie wird gestört, als Irmgard, Ludwigs Frau, stirbt. Ludwig ist in tiefer Trauer und lernt über eine Brautschau, welche quer aus dem Reich an den Hof des Kaisers reist, die junge und interessante Judith kennen. Er ist gewillt diese zu heiraten und schafft damit Tatsachen, die das Machtgefüge der Familie erschüttern. Bald kommt es zu Streitigkeiten. Wird es Ludwig schaffen das Reich zu erhalten oder kommt es zum großen Bruch?

Ludwig ist ein eher friedsamer Kaiser, der versucht Konflikte über den diplomatischen Weg zu lösen. Militärische Auseinandersetzungen sind für ihn nur der letzte Ausweg. Sein Sohn Lothar ist der Antagonist in diesem Fall. Er empfindet seinen Vater als zu weich und harmlos, er möchte am liebsten immer mit dem Kopf durch die Wand. Er liebt das Militär und ist gewillt das Recht mit Schwert zu seinen Gunsten zu entscheiden. Diese gegensätzlichen Charaktereigenschaften sorgen für ein spezielles Verhältnis dieser beiden Protagonisten und dies sorgt während der gesamten Geschichte für sehr viele Spannungsmomente.

Auch die beiden Brüder sorgen mit ihrem wechselhaften Verhalten für viel Spannung und Wendungen in der Geschichte. Der Autor hat es geschafft diese familiären Spannungen immer wieder in die Handlung zu integrieren. Dabei ist es interessant das gerade die zwischenmenschlichen Problematiken, obwohl diese über 1000 Jahre zurückliegen auch heute noch durchaus aktuell sein können.

Der Schreibstil des Autors ist sehr detailliert und gut lesbar. Die Dialoge sind so geschrieben das man als lesende Person diese sehr gut auch in die heutige Zeit transportieren kann.

Die Spannung des Romans ist sehr gut und es kommt so zu einigen Wendungen in der Geschichte. Im Zentrum steht der familiäre Konflikt mit seinen politischen Folgen für das fränkische Reich. Ein Personenverzeichnis und eine Karte über das fränkische Reich von 817 bis 840 n. Christus sorgen für eine gute Orientierung und Information beim Lesen. Sehr detailliert und mit sehr gut ausgearbeiteten Charakteren hat mich dieser Roman sehr gut unterhalten. Wer historische Romane und sehr gut ausgearbeitete Charaktere liebt wird hier mehr als fündig werden.

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Veröffentlicht am 23.03.2025

Der Gesellschaftliche Wandel im Hotel

Hotel Vier Jahreszeiten – Ein Traum in Gold
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“Hotel Vier Jahreszeiten – Ein Traum in Gold” ist der Auftakt der Dilogie um das große Grandhotel am Hamburger Jungfernstieg. Im Mittelpunkt der Erzählung steht Luise, ein Teenager, der zu Beginn der Erzählung ...

“Hotel Vier Jahreszeiten – Ein Traum in Gold” ist der Auftakt der Dilogie um das große Grandhotel am Hamburger Jungfernstieg. Im Mittelpunkt der Erzählung steht Luise, ein Teenager, der zu Beginn der Erzählung gerade einmal vierzehn Jahre alt ist. Sie wächst als Kostkind im Gängeviertel auf und lebt somit in Armut und muss für das tägliche Überleben kämpfen. Die Schule steht für sie nicht auf der Tagesordnung, sondern eher ihrer “Tante”, einer Weißwäscheflickerin, zur Hand zu gehen.

Und so kommt es, dass sie Kontakt zum Hamburger Hotel bekommt und dort in der Wäscherei anfangen kann.

Anja Marschall hat mit Luise eine Figur geschaffen, die man direkt ins Herz schließ. Man leidet und fiebert mit, ob sie es schafft, der Armut zu entkommen und auf die Glücksstraße des Lebens einzubiegen. Die Schatten des ersten Weltkriegs ziehen herauf und fordern von den Menschen zu Beginn des 20. Jahrhunderts alles ab.

Der Schreibstil der Autorin ist sehr eingängig und man kommt in dem Roman rasch voran. Die Figurenzeichnung ist gut gelungen und man bekommt ein genaues Bild von dem Protagonisten und Nebenfiguren. Auch die Entwicklung von Luise ist in großen Teilen nachvollziehbar und glaubhaft. Der Schauplatz wird sehr ansehnlich beschrieben, sodass ein gutes Kopfkino einsetzt. Es war spannend einen Blick hinter die Kulissen eines so großen Hotels zu werfen. Denn man erfährt so manches mit dem man nicht gerechnet hätte, dass es so abläuft.

Ich bin nun sehr gespannt, wie es in Teil 2 weitergeht und ob Luise es schafft, ihr Glück zu machen. Nicht nur für Hamburg-Fans eine Empfehlung!

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Veröffentlicht am 16.03.2025

Ein Roman über die innere Zerrissenheit

Your Eyes on Me – Based on Alexa's True Story
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Ich war sehr gespannt auf das Buch von Leonie Lastella und musste es deshalb auch gleich lesen. Das Buch konnte meinen Erwartungen nicht ganz standhalten. Der Roman ist im neuen Imprint von Penguin erschienen, ...

Ich war sehr gespannt auf das Buch von Leonie Lastella und musste es deshalb auch gleich lesen. Das Buch konnte meinen Erwartungen nicht ganz standhalten. Der Roman ist im neuen Imprint von Penguin erschienen, welche Geschichten auf einer wahren Begebenheit erzählen.

Die Protagonistin des Romans heißt Alea, sie liebt ihren Plus-Size-Körper, aber manchmal hadert sie auch noch mit ihm. Einige Hass-Kommentare auf Social Media treffen sie immer noch. Diese innere Zerrissenheit und die damit verbundene Unsicherheit schildert die Autorin sehr gut. Die Zweifel von Alea konnte ich teilweise sehr gut nachvollziehen. Denn die andere Seite wird viel mehr im Internet gezeigt. Die Bewegung des Körperkults und der Sport-Fans nimmt einen großen Raum in Social Media ein. Und für diesen Gegenpol steht Titus, aus seiner Sicht wird der Roman ebenfalls erzählt. Titus benutzt Sport als Ventil zur Bewältigung seiner Traumata aus der Kindheit. Und so haben beide Protagonisten etwas gemeinsam. Sie sind beide verletzlich und dennoch geht es ihnen letztlich um Authentizität und Echtheit.

Der Roman ist von Aufbau her sehr gut gestaltet, da die beiden Protagonisten die Geschichte abwechselnd aus ihrer Perspektive erzählen. Der Name des Protagonisten und ein passendes Zitat finden wir vor jedem Kapitel. Der Schreibstil der Autorin ist sehr eingänglich und man fliegt nur so durch die Seiten. Zudem ist der Roman dialogorientiert und dies fördert ein hohes Lesetempo.

Leider bin ich mit dem Ende des Romans nicht so richtig zufrieden. Für mich ist dies nicht unbedingt ein authentisches Ende, weil ich anders an Aleas Stelle gehandelt hätte. Aber dies ist meine persönliche Meinung. Ein Roman, der aber auf jeden Fall sehr schön erzählt ist und der zum Nachdenken anregt und wichtige Themen unserer Gesellschaft aufgreift.

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Veröffentlicht am 16.03.2025

Dorfflair in der Weltstadt mit kulinarischer Note

Die mysteriöse Tote vom Montmartre
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Mit viel Pariser Flair begleitet einen dieser Kriminalroman auf einer schönen buchtechnischen Reise in die Champagne. Auf dem berühmten Weinfest in Montmartre wird die Leiche einer jungen Frau gefunden, ...

Mit viel Pariser Flair begleitet einen dieser Kriminalroman auf einer schönen buchtechnischen Reise in die Champagne. Auf dem berühmten Weinfest in Montmartre wird die Leiche einer jungen Frau gefunden, die als die diesjährige Weinkönigin das Fest begleiten sollte. Die junge Commissaire Geneviève Morel führt die Ermittlungen dabei in die malerische Champagne. Dabei lernt sie interessante Menschen kennen. Gleichzeitig hat sie als einzige ehrbares Familienmitglied ohne kriminelle Energie immer wieder mit ihrer eigenen Herkunft zu kämpfen. Ein spannender Fall beginnt.

Geneviève Morel ist eine Frau mit Prinzipien, die nichts anbrennen lässt. Sie liebt ihren Kater und hat ein eher lockeres Beziehungsverhältnis zu ihrem aktuellen Partner. Dabei hat sie immer die Gerechtigkeit und aufrichtiges Verhalten im Alltag im Blick. Die vielen Nebencharaktere sorgen für eine sehr lockere Leseatmosphäre. Dabei sticht ihre Großmutter Olivia Morel am deutlichstem heraus. Ihre matriarchische Art gepaart mit einer großen Portion Dreistigkeit und Kaltschnäuzigkeit hat mich öfters zum Schmunzeln gebracht. Außerdem sorgt die nette Nebengeschichte um die “Aktivitäten ihrer Familie” immer wieder für eine Abwechslung zum eigentlichen Fall.

Die Spannung der Geschichte ist gut temperiert und obwohl ich die Verantwortlichen richtig erraten konnte, fand ich die Herleitung des Falls richtig gut. Sehr gut hat mir der Schreibstil des Autors gefallen, der sehr humorvoll und leicht zu lesen war. Auch das Verhältnis von Ermitteln und Einblicken in das Privatleben der Protagonisten war gut gewählt. Der Lokalkolorit kommt gut zur Geltung und die Kulinarik, die in diesem Roman durchaus ihren Platz hat, sorgt für mehr als einmal Magengrummeln beim Lesen was mir gut gefallen hat. Ein gut geschriebener lokaler Krimi der mich überzeugt hat. Ich bin bereit für einen neuen Fall von Geneviève Morel.

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Veröffentlicht am 09.03.2025

Zerrissenheit zwischen Tradition und Träumen

Zwei Leben
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Ewald Arenz schafft es wie kaum ein Autor eine solche intensive Stimmung einzufangen und seinen Figuren eine ungeheure Tiefe zu geben. Mich hat dieser Roman, es ist der Zweite, den ich von ihm gelesen ...

Ewald Arenz schafft es wie kaum ein Autor eine solche intensive Stimmung einzufangen und seinen Figuren eine ungeheure Tiefe zu geben. Mich hat dieser Roman, es ist der Zweite, den ich von ihm gelesen habe, tief beeindruckt und ich habe mit einem wohligen Gefühl das Buch zugeklappt.

Im Mittelpunkt der Geschichte steht Roberta. Sie hat gerade in der Stadt die Schneiderlehre beendet und kehrt auf den Hof der Familie zurück. Ihr Lebensweg als einziges Kind eines Bauern ist in den 70er Jahren vorgezeichnet. Sie soll den Hof übernehmen, aber viel lieber würde sie Kleidung entwerfen und nähen. Ihr einziger Lichtblick ist Wilhelm, der Sohn des Pfarrers, sie sind seit Kindertagen befreundet. Ein zartes Band wird geknüpft. Seine Mutter Gertrud tut sich schwer in der Dorfgemeinschaft, sie hat das Gefühl auch nach Jahren noch nicht angekommen zu sein und entfernt sich immer mehr von ihrem Mann. Beide Frauen sind auf der Suche nach Selbstbestimmung und Freiheit.

Eine Dorfgemeinschaft in der jeder jeden kennt, kann einengen und bedrücken, da es keine Privatsphäre gibt. Alle wissen alles und jeder hat seinen Platz in dem Dorf. Die Wege sind vorgezeichnet und wer ausbricht, gerät schnell zum Geschwätz. Auch die Abläufe und Arbeiten werden nicht hinterfragt, es wurde immer schon so gemacht und da es funktioniert, wird es weiterhin so gemacht.

Menschen haben Wurzeln, die sie prägen, dennoch kann dies der Zukunft und den Träumen entgegenstehen und genau darum geht es in diesem Roman. Es geht um die Zerrissenheit zwischen Tradition und Träumen.

Der Autor hat eine feine präzise Sprache, die ich sehr schätze und die dem Buch ungemein viel Tiefe gibt. Er schafft es eine sehr intensive Stimmung zu kreieren, die den Leser gefangen nimmt und Teil der Geschichte werden lässt. Die Figurenzeichnung ist exzellent und absolut überzeugend. Die Figuren wirken authentisch und lebensnah.

Weitere Themen des Romans sind Tod, Trauer und Abschied, aber auch Abtreibung, Familienzerwürfnisse und verschmähte Liebe.

Ewald Arenz hat mich auf der ganzen Linie überzeugt und ich freue mich schon heute auf jedes neue Buch des Autors.

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