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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 11.04.2025

Großes Kino

Samson und Nadjeschda
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Von Andrej Kurkow habe ich vor kurzem Graue Bienen gelesen, das mir sehr gut gefallen hat. Nun ist ein neues Werk von ihm erschienen, Samson und Nadjeschda. Es spielt 1919, also ca hundert Jahre vor Graue ...

Von Andrej Kurkow habe ich vor kurzem Graue Bienen gelesen, das mir sehr gut gefallen hat. Nun ist ein neues Werk von ihm erschienen, Samson und Nadjeschda. Es spielt 1919, also ca hundert Jahre vor Graue Bienen.
In Kiew wütet die Russische Revolution. Samson wird während der Unruhen zum Vollwaisen und verliert ein Ohr. Er hat mit der neuen Situation zu kämpfen. Es mangelt nicht nur an Geld und Nahrung, in seiner Wohnung werden auch drei Rotarmisten einquartiert. Eher zufällig wird Samson schließlich Teil der Miliz und beginnt in einem merkwürdigen Fall zu ermitteln.
Das Settings dieses Buchs hat mir sehr gut gefallen. Ich mag gute historische Romane, insbesondere Krimis (von denen es leider viel zu wenige gibt). Auch Samson ist ein sehr sympathischer Charakter. Der Krimi an sich ist allerdings ausbaufähig. Etwa die Hälfte des Buches passiert in dieser Richtung fast nichts und dann ist die Lösung auch nicht allzu spannend.
Ich fand auch den Titel etwas irreführend. Er lässt eher an eine Liebesgeschichte denken und Nadjeschda spielt in der Geschichte auch nur eine Nebenrolle.
Ein Highlight war definitiv die Sache mit dem Ohr, das obwohl es abgetrennt ist, selbstständig hört. Das war großes Kino.

Veröffentlicht am 11.04.2025

Ein Opus Magnum

Lektionen
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Ian McEwan schreibt in der Regel eher kürzere Bücher. Über 400 Seiten geht selten eines hinaus, häufig sind es sogar unter 200. Mit Lektionen legt er jedoch ein Buch vor, das man nicht nur aufgrund seiner ...

Ian McEwan schreibt in der Regel eher kürzere Bücher. Über 400 Seiten geht selten eines hinaus, häufig sind es sogar unter 200. Mit Lektionen legt er jedoch ein Buch vor, das man nicht nur aufgrund seiner 700 Seiten als Opus Magnum bezeichnen kann. Das Werk umspannt achtzig Jahre und mehrere Generationen. Derartige Zeitspannen kennt man von dem Autor fast gar nicht.

Ich gestehe, dass ich großer Ian McEwan-Fan bin und die meisten seiner Bücher gelesen habe. Seine neuesten Werke waren allerdings oft nicht mehr ganz so nach meinem Geschmack. Mit Lektionen hat er nur aber erneut etwas grandioses geschaffen. Dieser Mann kann einfach schreiben. Und trotz der Länge des Textes ist hier kein Wort zuviel.

Auch die Personen sind sämtlich fantastisch herausgearbeitet. Es gibt auch keine unnötigen Sentimentalitäten (was manch anderer sicher in eine derartige Geschichte eingebaut hätte).

Interessant finde ich auch einen Vergleich zwischen dem Autor und Roland Baines, der Hauptfigur des Romans. Beide wurden im gleichen Jahr geboren und erhielten eine musikalische Ausbildung. Es ließen sich also durchaus autobiographische Züge erkennen. Hierauf wird im Buch auch angespielt, wenn auch in einem anderen Zusammenhang. Und natürlich musste ich dabei gleich an einen anderen Autor denken: John Irving, der sich bei fast jedem seiner Werke diesen Diskussionen gegenübersieht.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 06.04.2025

Bester Band der Reihe

Der Donnerstagsmordclub oder Ein Teufel stirbt immer zuletzt (Die Mordclub-Serie 4)
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Der Donnerstagsmordclub oder Ein Teufel stirbt immer zuletzt ist bereits der vierte Band um das ermittelnde Rentnerquartett. Und vielleicht ist es sogar der bisher beste Band der Reihe. Nach dem ersten ...

Der Donnerstagsmordclub oder Ein Teufel stirbt immer zuletzt ist bereits der vierte Band um das ermittelnde Rentnerquartett. Und vielleicht ist es sogar der bisher beste Band der Reihe. Nach dem ersten Buch war ich mir eigentlich sicher, dass die darauffolgenden deutlich schwächer ausfallen würden, wie das häufig der Fall ist, da die besten Ideen bereits aufgebraucht sind. Doch das Gegenteil ist der Fall: die vier Hauptfiguren wachsen immer mehr zusammen, entwickeln und ergänzen sich. Auch die Nebenfiguren sind so gut beschrieben. Selbst die Krimihandlung ist immer nachvollziehbar, was keinesfalls selbstverständlich ist. Diesmal bin ich besonders begeistert davon, weil mein Verdacht bezüglich des Täters richtig war 😉
Was diese Serie so besonders macht, ist der Tonfall: Richard Osman schreibt mit sensationellem britischen Humor und wird niemals geschmacklos. Dass dies auch im Deutschen so gut funktioniert, liegt auch an der tollen Übersetzung von Sabine Roth. Der Autor weiß aber auch ganz genau, wann Humor fehl am Platz ist und er den Ton wechseln muss: als es um Elizabeth und ihren demenzkranken Mann Stephen ging, standen mir die Tränen in den Augen, so einfühlsam waren diese Szenen beschrieben.
Ich kann diese Serie nur jedem wärmstens empfehlen. Es ist allerdings sinnvoll, die Bücher der Reihe nach zu lesen.