Cover-Bild Lektionen
Band der Reihe "detebe"
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18,00
inkl. MwSt
  • Verlag: Diogenes
  • Themenbereich: Belletristik - Belletristik: zeitgenössisch
  • Genre: Romane & Erzählungen / Sonstige Romane & Erzählungen
  • Seitenzahl: 720
  • Ersterscheinung: 11.12.2024
  • ISBN: 9783257247602
Ian McEwan

Lektionen

Bernhard Robben (Übersetzer)

Roland Baines ist noch ein Kind, als er 1959 im Internat der Person begegnet, die sein Leben aus der Bahn werfen wird: der Klavierlehrerin Miriam Cornell. Roland ist junger Vater, als seine deutsche Frau Alissa ihn und das vier Monate alte Baby verlässt. Es ist das Jahr 1986. Während die Welt sich wegen Tschernobyl sorgt, beginnt Roland, nach Antworten zu suchen, zu seiner Herkunft, seinem rastlosen Leben und all dem, was Alissa von ihm fortgetrieben hat.

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Lesejury-Facts

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 05.08.2025

Klug und schmerzlich - Panorama über das Tasten durchs Leben

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Ian McEwans Roman „Lektionen“ entfaltet das Panorama eines ganzen Lebens, das auf engste Weise mit der Geschichte des 20. und beginnenden 21. Jahrhunderts verflochten ist. Im Mittelpunkt steht Roland Baines, ...

Ian McEwans Roman „Lektionen“ entfaltet das Panorama eines ganzen Lebens, das auf engste Weise mit der Geschichte des 20. und beginnenden 21. Jahrhunderts verflochten ist. Im Mittelpunkt steht Roland Baines, der 1948 als Sohn eines britischen Offiziers geboren wird und in Libyen seine frühe Kindheit verbringt, bevor er ins Internat nach England geschickt wird. Dort, in einer Atmosphäre der Einsamkeit und Unsicherheit, nimmt eine verstörende Beziehung ihren Anfang. Die ältere Klavierlehrerin verwebt den minderjährigen Roland in eine Beziehung, überschreitet dabei Grenzen, die Roland nie mehr ganz loslassen werden. Jahrzehnte später erkennt er erst in vollem Umfang, wie prägend dieser Missbrauch war, nämlich ein Trauma, das in sein späteres Leben immer wieder hineinwirkt.
Ian McEwan schildert Rolands Weg mit einer beachtlichen erzählerischen Eleganz. Statt sich gradlinig vorzuarbeiten, springt er durch die Zeit, verwebt persönliche Schlüsselmomente mit politischen Zäsuren wie der Kuba-Krise, Tschernobyl, der Thatcher-Ära, dem Fall der Mauer, dem Brexit und der Corona-Pandemie. All das läuft nicht einfach im Hintergrund ab, sondern wird in Rolands Biografie eingebettet. Gerade die Angst vor einem drohenden Atomkrieg oder das Gefühl einer zerbrechenden Weltordnung treiben ihn an, Entscheidungen zu treffen oder sie hinauszuschieben.
Dieses Buch ist ein Roman über Verpasstes und über Chancen, die vielleicht nie wirkliche Chancen waren. Roland gilt in seiner Jugend als begabter Pianist, doch statt eine künstlerische Laufbahn einzuschlagen, bleibt er ein Barpianist in Londoner Hotels, der beim Nachmittagstee zum Hintergrund gehört. Auch seine literarischen Ambitionen führen nicht zu Ruhm, sondern zu Gedichten für Grußkarten. Mit seiner Ehefrau Alissa, einer aufstrebenden Schriftstellerin, erlebt er erst das Glück einer Familie und dann den jähen Bruch, als sie ihn mit dem gemeinsamen Baby zurücklässt, um sich ganz ihrem Werk zu widmen.
Und doch ist Roland keine tragische Figur, an der alles scheitert, im Gegenteil. Gerade in seiner unspektakulären Art wächst er einem ans Herz. Er versucht, seinem Sohn Lawrence ein liebevoller Vater zu sein, und er findet später noch einmal Nähe und Trost in einer Beziehung, die ihn jedoch durch Krankheit viel zu früh wieder verlässt. Auch die familiären Geheimnisse wie bspw. über seine eigenen Eltern sind Teil der Lebenslektionen, die ihm Ian McEwan erteilt.
Was „Lektionen“ so beeindruckend macht, ist diese Mischung aus intimer Psychologie und großer Zeitgeschichte. Die historische Dimension wirkt nie aufgesetzt, sondern organisch verwoben mit der Entwicklung einer Persönlichkeit, die immer wieder reflektiert, zweifelt, hadert, aber auch Versöhnung sucht. McEwan lässt dabei offen, woran man den Wert eines Lebens messen soll, eher an den sichtbaren Erfolgen und an bleibenden Werken oder daran, ob man Frieden mit sich selbst findet.
Der Stil des Romans ist präzise, unaufgeregt und zugleich voller Wärme für seine Figuren. Obwohl die Geschichte über 700 Seiten hinweg erzählt wird, wirkt keine Passage redundant wohl aber hier und da langatmig. Es entfaltet sich nach und nach ein Porträt eines Mannes, der vielleicht nichts Großes geschaffen hat und gerade darin etwas Universelles verkörpert. Die Geschichte aus den Lektionen eines Lebens, Deine und meine, unsere.
Wer Romane liebt, die tief ins Leben hineinleuchten, die Fragen stellen, ohne sie mit einfachen Antworten zu entschärfen, wird an diesem Buch viel Freude haben. Für mich ist „Lektionen“ ein bewegendes Alterswerk.

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Veröffentlicht am 11.04.2025

Ein Opus Magnum

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Ian McEwan schreibt in der Regel eher kürzere Bücher. Über 400 Seiten geht selten eines hinaus, häufig sind es sogar unter 200. Mit Lektionen legt er jedoch ein Buch vor, das man nicht nur aufgrund seiner ...

Ian McEwan schreibt in der Regel eher kürzere Bücher. Über 400 Seiten geht selten eines hinaus, häufig sind es sogar unter 200. Mit Lektionen legt er jedoch ein Buch vor, das man nicht nur aufgrund seiner 700 Seiten als Opus Magnum bezeichnen kann. Das Werk umspannt achtzig Jahre und mehrere Generationen. Derartige Zeitspannen kennt man von dem Autor fast gar nicht.

Ich gestehe, dass ich großer Ian McEwan-Fan bin und die meisten seiner Bücher gelesen habe. Seine neuesten Werke waren allerdings oft nicht mehr ganz so nach meinem Geschmack. Mit Lektionen hat er nur aber erneut etwas grandioses geschaffen. Dieser Mann kann einfach schreiben. Und trotz der Länge des Textes ist hier kein Wort zuviel.

Auch die Personen sind sämtlich fantastisch herausgearbeitet. Es gibt auch keine unnötigen Sentimentalitäten (was manch anderer sicher in eine derartige Geschichte eingebaut hätte).

Interessant finde ich auch einen Vergleich zwischen dem Autor und Roland Baines, der Hauptfigur des Romans. Beide wurden im gleichen Jahr geboren und erhielten eine musikalische Ausbildung. Es ließen sich also durchaus autobiographische Züge erkennen. Hierauf wird im Buch auch angespielt, wenn auch in einem anderen Zusammenhang. Und natürlich musste ich dabei gleich an einen anderen Autor denken: John Irving, der sich bei fast jedem seiner Werke diesen Diskussionen gegenübersieht.

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Veröffentlicht am 04.02.2025

Ein Leben zwischen Vergangenheit und Geschichte

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Meine Meinung und Inhalt


Lektionen von Ian McEwan erzählt die Lebensgeschichte von Roland Baines, einem Mann, dessen Schicksal eng mit den großen Ereignissen des 20. Jahrhunderts verknüpft ist. Schon ...

Meine Meinung und Inhalt


Lektionen von Ian McEwan erzählt die Lebensgeschichte von Roland Baines, einem Mann, dessen Schicksal eng mit den großen Ereignissen des 20. Jahrhunderts verknüpft ist. Schon als Kind erlebt er etwas, das ihn sein ganzes Leben lang begleiten wird: Seine Klavierlehrerin missbraucht ihn, und dieses Trauma prägt seine späteren Entscheidungen und Beziehungen.

Der Roman begleitet Roland durch verschiedene Phasen seines Lebens. Ein besonders einschneidender Moment ist das plötzliche Verschwinden seiner Frau, die ihn und ihren gemeinsamen Sohn verlässt, um ihre Karriere als Schriftstellerin zu verfolgen. Von einem Moment auf den anderen ist er alleinerziehender Vater und muss sich nicht nur um sein Kind kümmern, sondern auch mit seiner eigenen Vergangenheit auseinandersetzen.

Besonders beeindruckt hat mich, wie McEwan persönliche Erlebnisse mit historischen Ereignissen verbindet. Die Kubakrise, der Fall der Berliner Mauer und andere politische Entwicklungen sind nicht nur Hintergrund, sondern beeinflussen Roland direkt. Es zeigt sich, wie das Weltgeschehen unser individuelles Leben formen kann.

Der Schreibstil ist sehr genau und ruhig, aber trotzdem emotional. Manche Abschnitte wirken etwas ausführlich, aber insgesamt hat mich das Buch sehr berührt. Lektionen ist eine tiefgehende Geschichte über Erinnerungen, verpasste Chancen und die Art und Weise, wie wir mit den Erfahrungen unseres Lebens umgehen. Es ist ein Roman, der zum Nachdenken anregt und noch lange nachwirkt.


Über den Autor

Geschichte, die Millionen bewegen: Ian Russell McEwan wurde 1948 in England auf der Militärbasis Aldershot geboren. Sein Vater war Berufssoldat, deswegen wuchs Ian McEwan an zahlreichen Orten auf, unter anderem in Lybien und Singapur. Er machte einen Bachelor of Arts in englischer Literatur an der Universität Sussex. Anschließend machte er seinen Master an der University of East Anglia in Norwich.

Während seines Masterstudiums besuchte er Schreibkurse bei Malcolm Bradbury und Angus Wilson, um das kreative Schreiben zu erlernen. Seine Masterarbeit bestand aus einer Reihe von Kurzgeschichten, die später unter dem Titel "First Love, Last Rites" veröffentlicht wurde. Trotz zahlreicher Kritiken wurde Ian McEwan mit fast allen möglichen Literaturpreisen Englands ausgezeichnet.

McEwans Bücher sind allesamt sehr erfolgreich, Neuerscheinungen steigen auf den Top-Plätzen der Bestsellerlisten ein. Mehrere seiner Bücher wurden zudem nicht minder erfolgreich verfilmt, am bekanntesten ist dabei wohl "Abbitte" aus dem Jahr 2007. Joe Wright führte Regie und große Schauspieler wie Keira McKnightley, James McAvoy und Saoirse Ronan schlüpften in die Rollen von Robbie Turner und Cecilia und Briony Tallis.

McEwans Themen sind häufig existenzielle Fragen der Menschheit, unserer Kultur oder unseres sozialen Umgangs. Beispielsweise handelt der 2010 erschienene Roman "Solar" vom menschlichen Umgang mit der Natur und den daraus resultierenden Konsequenzen. In "Maschinen wie ich" von 2019 steht dagegen die Frage im Mittelpunkt, was menschliche Beziehungen ausmacht.

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