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Ellinor

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 12.04.2025

Hätte ausführlicher sein können

Ich bleibe hier
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Ich bleibe hier erzählt die Geschichte einer Südtiroler Familie vom 1. Weltkrieg bis zum Beginn der Fünfzigerjahre. Südtirol wurde nach dem Ende des österreichischen Kaiserreichs Teil Italiens. Dabei wurde ...

Ich bleibe hier erzählt die Geschichte einer Südtiroler Familie vom 1. Weltkrieg bis zum Beginn der Fünfzigerjahre. Südtirol wurde nach dem Ende des österreichischen Kaiserreichs Teil Italiens. Dabei wurde alles italienisiert: die Orte bekamen italienische Namen, Deutsch wurde verboten und Italiener aus dem Süden des Landes wurden in die Bergregion umgesiedelt. Im Dorf Graun versuchen Trina und ihr Mann Erich Widerstand gegen Mussolini und später gegen Hitler zu leisten. Schließlich soll sogar ein Staudamm gebaut werden, in dessen Fluten das Dorf versinken wird.

Die Geschichte lässt sich schnell und gut lesen und Trina und Erich sind sehr sympathische Charaktere. Allerdings ging mir vieles zu schnell und wurde nicht ausführlich genug erklärt und beschrieben. Der ganze Roman hat weniger als 200 Seiten, umfasst aber eine Zeitspanne von über 30 Jahren. Dass dabei vieles nur knapp beschrieben werden kann, ist klar. Ich fand auch den Teil mit der verlorenen Tochter nicht ganz gelungen. Einerseits schreibt Trina den Bericht an ihre Tochter, andererseits vernichtet sie alles, was sie noch für ihr hat und verdrängt sie ganz aus ihrem Leben. Dieses Verhalten finde ich ein wenig unschlüssig. Ich hätte mir insgesamt mehr von diesem Buch erwartet. Es ist aber gut geschrieben, sodass ich es dennoch empfehlen würde.

Veröffentlicht am 11.04.2025

Klare Leseempfehlung

Sing, wilder Vogel, sing
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Sing, wilder Vogel, sing, ist ein historischer Roman, der aus zwei Teilen besteht. Zunächst lernen wir Honora kennen, die Mitte des 19. Jahrhunderts in Irland in bitterer Armut aufwachst. Sie gilt durch ...

Sing, wilder Vogel, sing, ist ein historischer Roman, der aus zwei Teilen besteht. Zunächst lernen wir Honora kennen, die Mitte des 19. Jahrhunderts in Irland in bitterer Armut aufwachst. Sie gilt durch einen Fluch als Außenseiterin und verbringt ihre Zeit am liebsten im Freien. In Irland herrscht große Hungersnot. Gemeinsam mit ihrem Mann und dessen Familie muss sich Honora auf den Weg zum britischen Grundbesitzer machen, um Unterstützung zu erhalten. Für die völlig entkräfteten Menschen wird dieser Marsch zur Katastrophe und Honora verliert alles.
Mit einer neuen Identität macht sie sich anschließend auf den Weg nach Amerika, um dort ein neues Leben zu beginnen und endlich die lang ersehnte Freiheit zu gewinnen.

Das Buch war teilweise ganz anders, als erwartet. Ich war von vielen Entwicklungen wirklich positiv überrascht. Besonders der letzte Teil in der Prärie und der Vergleich des Schicksals der Iren und der Indigenen waren äußerst gelungen.
Ich habe jedoch einen Kritikpunkt. Die Autorin scheint Schwierigkeiten beim Erzählen auszuweichen: immer wenn es in der Geschichte eine Stelle gibt, an der es einer konkreten Lösung bedarf, wird sie einfach übersprungen. Als Honora das Schiff betritt, schafft sie das wunderbarerweise ohne Fahrschein. Als Mary und sie sich auf den Weg in den Westen machen, kommt einfach eine Kutsche. Diese und weitere Stellen haben mich beim Lesen gestört, da hätte ich mir mehr Einfallsreichtum gewünscht.

Trotzdem gibt es von mir eine klare Leseempfehlung. Ein starkes Debüt von Jacqueline O‘Mahony.

Veröffentlicht am 11.04.2025

Große Liebe

Für Polina
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Es gibt Bücher, die sind vom ersten Satz an einfach perfekt. Genau so eines ist Für Polina. Fritzi Prager ist eine ganz besondere Figur, aber auch die anderen Personen sind unglaublich gut herausgearbeitet ...

Es gibt Bücher, die sind vom ersten Satz an einfach perfekt. Genau so eines ist Für Polina. Fritzi Prager ist eine ganz besondere Figur, aber auch die anderen Personen sind unglaublich gut herausgearbeitet und liebenswert (wobei ich Polina tatsächlich am wenigsten mochte). Ich liebe generell Bücher, in denen es um die Liebe zur Musik und besonders talentierte Menschen geht. Ich höre mir dann auch diese Stücke an oder versuche- wie in diesem Fall- mir vorzustellen, wie sie klingen könnten.
Was Für Polina aber so außergewöhnlich macht, ist der Ton, in dem die Geschichte geschrieben ist. Er erinnerte mich an etwas, ich kann es aber trotz intensiven Nachdenkens nicht benennen. Eventuell ein John Irving zu seiner besten Zeit (dazu passt auch der ungewöhnliche Tod Fritzis). Auf jeden Fall waren es dieser Ton, diese Sprache, die mich von Anfang an gefangen nahmen. Um sie genießen zu können, habe ich das Buch tatsächlich langsam gelesen, langsamer als ich so eine fantastische Geschichte normalerweise lesen würde.
Das Buch war mein drittes von Takis Würger. Die anderen habe ich gerne gelesen, Für Polina ist aber eine Klasse für sich. Ganz große Leseempfehlung!

  • Einzelne Kategorien
  • Erzählstil
  • Charaktere
Veröffentlicht am 11.04.2025

Ungewöhnliche Geschichte

Pearly Everlasting
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Die Beschreibung von Pearly Everlasting sprach mich sofort an. Es geht um den Bären Bruno, der mit dem Mädchen Pearly zusammen wie ein Bruder aufwächst. Bruno kam als Welpe zur Familie und bleibt auch ...

Die Beschreibung von Pearly Everlasting sprach mich sofort an. Es geht um den Bären Bruno, der mit dem Mädchen Pearly zusammen wie ein Bruder aufwächst. Bruno kam als Welpe zur Familie und bleibt auch später Teil dieser. Die Geschichte spielt in den 1920er und 30er Jahren in einem Holzfällercamp irgendwo in den Wäldern von New Brunswick/Kanada. Die Sitten sind dort sehr rau und die Bedingungen werden noch schlechter, als ein neuer Vorarbeiter die Leitung übernimmt. Eines Tages wird dieser tot aufgefunden und der Verdacht fällt schnell auf Bruno. Er wird gefangen und weggebracht. Verzweifelt macht sich Pearly auf die Suche nach ihrem Bärenbruder.
Bei dem Setting und natürlich auch bei dem Bären musste ich sofort an John Irving denken, einen meiner Lieblingsautoren. Die Erwartungen waren also entsprechend hoch. Ich kam allerdings nur sehr schwer in die Geschichte hinein. Eigentlich hatte ich erwartet, dass ich durch sie hindurchfliege, wie das bei Diogenesbüchern bei mir in der Regel so ist. Die Elemente wären auch alle vorhanden gewesen. Es gab skurrile Personen und Situationen (z.B. ein Auto, bei dem nur der Rückwärtsgang funktioniert). Irgendwie funktionierte das aber alles nicht für mich. Ich vermute, dass dies am erzählerischen lag. Ich konnte keine wirkliche Bindung zu Pearly aufbauen. Auch ihre als so besonders bezeichnete Beziehung zu Bruno kam bei mir (abgesehen von den äußeren Umständen natürlich) nicht so rüber. Im Buch gibt es auch eine Stelle, bei der während eines extrem harten Winters Pearlys Mutter und Schwester sterben. Solche Szenen nehmen mich normalerweise sehr mit. Ich hätte die Stelle jedoch beinahe überlesen und fühlte rein gar nichts.

Veröffentlicht am 11.04.2025

Schönes Coming of Age Buch

Paradise Garden
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Ich mag Road-Trip-Bücher und ich mag Coming-of-Age-Bücher. Ich mag Mutter-Tochter-Geschichten und ich mag Bücher über Außenseiterinnen. Paradise Garden, der Debütroman von Elena Fischer beinhaltet als ...

Ich mag Road-Trip-Bücher und ich mag Coming-of-Age-Bücher. Ich mag Mutter-Tochter-Geschichten und ich mag Bücher über Außenseiterinnen. Paradise Garden, der Debütroman von Elena Fischer beinhaltet als diese Elemente - und er ist wirklich gut!
Die Vierzehnjährige Billie lebt gemeinsam mit ihrer Mutter in einem Hochhaus, das Geld reicht gerade so für das Nötigste, Urlaub ist nicht drin. Doch die beiden haben Glück und gewinnen im Radio eine kleine Summe, die es ihnen ermöglicht, ein paar Tage an der Nordsee zu verbringen. Kurz bevor sie losfahren können, taucht plötzlich Billies angeblich kranke ungarische Großmutter auf und nistet sich bei den beiden ein. Der Urlaub ist nun gestrichen. Doch es kommt noch schlimmer, denn völlig unerwartet stirbt Billies Mutter. Das Mädchen flieht daraufhin vor Jugendamt und Großmutter und macht sich völlig alleine auf den Weg zur Nordsee - auf den Spuren ihres unbekannten Vaters.
Billie und ihre Mutter Marika haben eine ganz besondere Beziehung, die mich in vielerlei Hinsicht fasziniert hat. Ich finde es toll, mit wieviel Fantasie und Einfallsreichtum mit Marika sich und Billie durchs Leben bringt. Für Billie hätte ich mir jedoch gewünscht, dass Marika nicht so sehr vor allem flieht und ihrer Tochter ein wenig mehr Stabilität gibt.
Besonders schön an Paradise Garden finde ich die Struktur und den Aufbau der Geschichte. Die Leser
innen erfahren mit der ersten Zeile, dass Marika stirbt. Dennoch ist sie während fast der gesamten Geschichte sehr präsent, auch ihr eigentlicher Tod findet viel später statt. Die Geschichte wird auch niemals kitschig, es gibt keine bewusst herbeigeführten plötzlichen Sinneswandel. Die Personen entwickeln sich, aber niemals so, dass es unrealistisch wird. Gerade die Wendung ziemlich am Ende fand ich sehr gelungen.
Paradise Garden ist ein ganz wunderbares Debüt und ich freue mich schon sehr auf das nächste Buch von Elena Fischer.