Der letzte Sommer
Kostbare TageMein erster Besuch in der Kleinstadt Holt, Colorado. Leider verlief er nicht so angenehm, wie in Crosby, Main. Auch Haruf hat - wie Elizabeth Strout - eine fiktive Kleinstadt zum Handlungsort seiner Romane ...
Mein erster Besuch in der Kleinstadt Holt, Colorado. Leider verlief er nicht so angenehm, wie in Crosby, Main. Auch Haruf hat - wie Elizabeth Strout - eine fiktive Kleinstadt zum Handlungsort seiner Romane gemacht. Hier kreuzen sich die Lebenswege und Schicksale der unterschiedlichsten Menschen. Im Zentrum dieses Romans steht Dad Lewis, der es in Holt mit seiner Eisenwarenhandlung zu einigem Wohlstand gebracht hat. Seine kostbaren Tage sind jedoch gezählt, denn eine Krebserkrankung zerrt ihn langsam aus. Seine Tochter reist zur Unterstützung an, sein Sohn, mit dem er sich vor Jahrzehnten wegen dessen Homosexualität zerstritten hatte, bleibt unauffindbar. Eine weitere wichtige Rolle spielt Reverend Rob Lyle, der mit seinen Ansichten in Holt aneckt und dessen Sohn ebenfalls darunter leidet. Viele weitere vom Leben gebeutelte Figuren treten auf und wieder ab. Einige jedoch verfolgen Dad Lewis bis in seine letzten Träume.
Haruf ist ein genauer Beobachter und viele Szenen wirken authentisch und sind berührend, überzeugen beim Lesen, aber keine Figur war mir sympathisch. Auch hatte dieses Buch eine deprimierende Grundstimmung, das mag ich derzeit gar nicht. Vielleicht hätte es zu einem anderen Zeitpunkt anders gewirkt. Allerdings gibt es für mich auch keinen wirklichen Spannungsbogen in der Handlung. Man fühlt sich als stille Beobachterin bei diesen krisenhaften Zusammenkünften und Gesprächen und bleibt auf Abstand.
Die wörtliche Rede bleibt ohne Anführungszeichen, daran muss man sich gewöhnen. Wenn man sich aber erst eingelesen hat, übersieht man es praktisch. Den Lesefluss hat es nach einigen Seiten nicht mehr behindert und Dank der flüssigen Sprache liest sich das Buch recht schnell.
Ich bin mir nicht sicher, ob ich mich nochmal auf den Weg nach Holt machen werde.