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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 10.08.2024

Was im Verborgenen liegt

Das Dickicht
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Die Hamburger Kommissare Juha Korhonen und Lucas „Lux“ Adisa ermitteln im Entführungsfall. Es wird schnell zur Gewissheit, dass dieser Fall Parallelen zu einem Verbrechen aufweist, das zwanzig Jahre zurückliegt. ...

Die Hamburger Kommissare Juha Korhonen und Lucas „Lux“ Adisa ermitteln im Entführungsfall. Es wird schnell zur Gewissheit, dass dieser Fall Parallelen zu einem Verbrechen aufweist, das zwanzig Jahre zurückliegt. Damals wurde ein Junge in einer Kiste im Wald tot aufgefunden. Der neue Fall kann sehr schnell aufgeklärt werden. Im Rahmen der Ermittlungen stoßen die Kommissare jedoch auf Ungereimtheiten beim alten Fall. Die Ermittler studieren die Akte gründlich und ihre Zweifel mehren sich. Der Täter von damals hat zwar Suizid begangen. Doch hat er das Verbrechen wirklich begangen und können Juha und Lux die Tat nach so langer Zeit noch aufklären?

Vorliegend handelt es sich um den Debüt-Krimi von Nikolas Kuhl und Stefan Sandrock. Die Autoren erzeugen in den ersten Seiten wirklich Spannung. Die Kommissare Juha und Lux sind erfrischend neu, sympathisch und bilden ein gutes Team. Das durchaus komplizierte Privatleben der beiden Ermittler nimmt aber zu viel Raum ein. Der Schauplatz der im Wald vergrabenen Kiste mit dem toten Daniel Boysen ist authentisch dargestellt. Hervorzuheben ist, dass der damals mit dem Fall befasste Kommissar Werner Swobada in den Verlauf der Handlung einbezogen wurde. Der neue Fall der entführten Charlotte wurde für meinen Geschmack zu flach abgehandelt. Die Autoren haben zwar einige Wendungen eingebaut und das Ende kam überraschend. Überzeugen konnte mich der Krimi, für den ich noch drei Sterne vergebe, jedoch nicht.

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Veröffentlicht am 10.07.2024

Eine Nachkriegsliebe in Deutschland

Don't kiss Tommy. Eine Liebe in der Stunde Null
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Die letzten Kriegstage in der Kurstadt Bad Oeynhausen erlebt Anne Gerland als Schwesternhelferin in einem Lazarett. Nun hofft sie, das familieneigene Hotel bald wieder eröffnen zu können. Auch Annes Freundin ...

Die letzten Kriegstage in der Kurstadt Bad Oeynhausen erlebt Anne Gerland als Schwesternhelferin in einem Lazarett. Nun hofft sie, das familieneigene Hotel bald wieder eröffnen zu können. Auch Annes Freundin Rosalie hat die Hoffnung auf ein besseres Leben nach dem Krieg nicht aufgegeben. Die Briten haben den Ort eingenommen und zu ihrem Hauptquartier ausgewählt. Die Einwohner müssen ihre Häuser verlassen und in eine armselige Barackenstadt am Rande von Bad Oeynhausen ziehen. Ein Stacheldrahtzaun trennt diese Sperrzone von der eigentlichen Stadt. Aber Anne und Rosalie denken nicht daran aufzugeben, jede kämpft dabei auf ihre eigene Weise. Anne lehnt sich gegen die Besatzer auf, während Rosalie für die Briten arbeitet. Erst als Anne den Colonel Michael Hunter kennenlernt, wandelt sich langsam ihr Verhältnis zu den Briten.

Bereits das kess gestaltete Cover hat mein Interesse an dem Buch geweckt. Ich habe bisher alle Bücher von Theresia Graw mit Begeisterung gelesen. So war ich auch auf diesen Roman gespannt und bin nicht enttäuscht worden. Die Autorin hat ihr neues, sorgfältig recherchiertes Buch in Bad Oeynhausen in den letzten Tagen des 2. Weltkrieges sowie in der Zeit danach angesiedelt. Theresia Graw schildert die Ereignisse bildhaft und sehr emotional. Die Atmosphäre im Ort und die Verzweiflung der Menschen wird überzeugend dargestellt. Der Schreibstil ist flüssig, die Autorin überzeugt mit ihren authentischen Figuren. Besonders beeindruckt hat mich die Entschlossenheit Annes, für ihre Familie und das Hotel Margarethenhof zu kämpfen. Aber auch Rosalie ist eine interessante Protagonistin, die ihr Leben und ihre Zukunft allen Widerständen zum Trotz selbst bestimmt. Am Beispiel von Annes Schwager Diethart wird deutlich, wie engstirnig und uneinsichtig Menschen agieren, die immer noch an den Nationalsozialismus glauben. Die Erzählung spiegelt einen wichtigen Teil der Geschichte der Kurstadt Bad Oeynhausen wider. Ich habe mich mit diesem Roman sehr gut unterhalten gefühlt, vergebe dafür fünf Sterne und spreche eine Leseempfehlung aus.

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Veröffentlicht am 03.07.2024

Wenn die Zeit abläuft

Hast du Zeit?
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Die Krankenschwester Conny Goldmann fühlt sich beobachtet und verfolgt. Ihre Freundin und Kollegin Michelle versucht ihr zu helfen. Sie bittet ihren Vater, einen pensionierten Polizisten, um Unterstützung. ...

Die Krankenschwester Conny Goldmann fühlt sich beobachtet und verfolgt. Ihre Freundin und Kollegin Michelle versucht ihr zu helfen. Sie bittet ihren Vater, einen pensionierten Polizisten, um Unterstützung. Dieser kann nichts tun, Conny wird getötet. Einige Tage später wird die Schornsteinfegerin Felicitas Möller entführt und ist verschwunden. Ihre Partnerin Lilly Costanzo will sich damit nicht abfinden und ermittelt auf eigene Faust. Michelles Vater, Lars Erik Grotheer findet heraus, dass es noch mehr spurlos verschwundene Menschen gibt. Wird er eine Verbindung herstellen können?

Das schlicht gestaltete dunkle Cover weist im Vordergrund eine blutrot gefärbte Sanduhr auf und stimmt perfekt auf den Thriller ein. Wie immer überzeugt Andreas Winkelmann von der ersten Seite an durch atemlose Spannung. Er zeichnet eine düstere Atmosphäre, seine Opfer fühlen sich bedroht, ohne den Grund zu wissen. Der Thriller gewinnt so schnell an Tempo, dass der Leser unbedingt mit muss. Zeit ist das bestimmende Thema der Handlungen. Den Protagonisten Lilly und Lars Erik scheint sie auf der Suche nach dem Täter davonzulaufen. Was haben eine Bestatterin, eine Krankenschwester, eine Schornsteinfegerin, ein Paketfahrer und ein Busfahrer gemeinsam? Weshalb sind sie spurlos verschwunden? Auf der Suche nach der Antwort kommen Lilly und Lars Erik dem Täter gefährlich nahe. Zwischendurch kommt auch der unbekannte Täter zu Wort. Er schildert, dass er seine Opfer auf einer Liste notiert hat. Er ist überzeugt, dass sie alle ihm Zeit gestohlen haben und dafür bestraft werden müssen. Der Autor legt verschiedene Fährten, die er am Ende gekonnt zusammenführt. Ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen. Dieser Thriller ist ein kriminalistisches Meisterwerk, ich vergebe fünf Sterne und spreche eine Leseempfehlung aus.

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Veröffentlicht am 01.07.2024

Tod in den Slums von London

Maybrick und die Toten vom East End
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London 1910: Im Armenviertel vom East End werden entsetzlich zugerichtete Kinderleichen gefunden. Der neu ernannte Divisionsinspektor Joseph Maybrick, selbst in den Slums aufgewachsen, begibt sich auf ...

London 1910: Im Armenviertel vom East End werden entsetzlich zugerichtete Kinderleichen gefunden. Der neu ernannte Divisionsinspektor Joseph Maybrick, selbst in den Slums aufgewachsen, begibt sich auf die Suche nach dem Täter. Unterstützung erfährt er zum einen von seinem Freund, dem Arzt Dave Roberts, aber auch völlig unerwartet von Hehlern aus dem Distrikt. Jeder von ihnen hat andere Beweggründe, den Killer zu finden.

Das düster gestaltete Cover stimmt perfekt auf den Kriminalroman ein. Der Debüt-Krimi von Vanessa Glas entführt den Leser in das berüchtigte Londoner Viertel Whitechapel des Jahres 1910. Armut, Schmutz, Gewalt und Morde stehen hier auf der Tagesordnung, was die Autorin authentisch darstellt. Vor allem trifft es die Schwächsten, die Kinder, besonders hart. Bereits die Kleinsten werden zu Diebstählen gezwungen, ausgesetzt oder vegetieren in unmenschlichen Erziehungsheimen vor sich hin. Die graue, hoffnungslose Atmosphäre in den engen Gassen von East End und in den armseligen Wohnungen kann nicht treffender beschrieben werden. Dann macht ein skrupelloser Killer Jagd auf Kinder. Die Figur des mutigen Ermittlers Joseph Maybrick hat mich besonders beeindruckt. Selbst in den Slums von Whitechapel aufgewachsen, ist es ihm eine Herzensangelegenheit, den Killer zu finden. Dabei muss er sich gegen korrupte und brutale Constables seiner Wache ebenso wie gegen Verbrechersyndikate durchsetzen. Ihm zur Seite steht sein Freund, der Arzt Dave Roberts. Beide Männer können nicht gegensätzlicher sein, doch vereint sie der Wille zu Gerechtigkeit. Joseph kann sich zudem auf unverhoffte Verbündete verlassen. Dazu gehören die Hehler Hester und Heath, die auf ihre Weise den Kindern und Jugendlichen in den Slums helfen. Es kommt zu überraschenden Wendungen und das Ende war nicht vorhersehbar. Die bildhafte, flüssige Erzählweise überzeugt von der ersten bis zur letzten Seite. Vanessa Glas lässt ihre Hauptprotagonisten in den einzelnen Kapiteln abwechselnd zu Wort kommen, was die Erzählung nochmals vertieft und verständlicher gestaltet. Ich vergebe für diesen spannenden Kriminalroman fünf Sterne und spreche eine Leseempfehlung aus.

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Veröffentlicht am 16.06.2024

Was ein Menschenleben wert ist

Die Bahnhofsmission
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Berlin 1945: Alice Hardtleben befindet sich mit ihren Nachbarn in den letzten Kriegstagen in einem Luftschutzkeller. Die Tatsache, dass Alice einem verwundeten sowjetischen Soldaten das Leben gerettet ...

Berlin 1945: Alice Hardtleben befindet sich mit ihren Nachbarn in den letzten Kriegstagen in einem Luftschutzkeller. Die Tatsache, dass Alice einem verwundeten sowjetischen Soldaten das Leben gerettet hat, schützt vor allem die Frauen vor Übergriffen. Nach Kriegsende ist die Not groß, es gibt zu wenig Nahrung und Medikamente. Der Schlesische Bahnhof ist völlig zerstört, einst hatte Alice hier eine Bahnhofsmission geleitet. Sie setzt alles daran, diese wider aufzubauen und erhält von ihren Freundinnen, ehemaligen Helferinnen sowie einem sowjetischen Offizier Unterstützung. Bald können wieder Flüchtlinge in der Bahnhofsmission versorgt werden. Unter den Helfenden ist ein Arzt, der sich sehr engagiert. Bald wird jedoch klar, dass ihn ein düsteres Geheimnis umgibt, das weit in die Vergangenheit reicht.

Veronika Rusch entführt die Leser in ihrem neuen Roman „Eines Menschen Leben – Die Bahnhofsmission“ nach Berlin in das Jahr 1945. Voller Empathie, sehr ausdrucksstark und bildhaft schildert sie anhand von Alice, Trude und weiteren Protagonisten das Schicksal der Menschen im zerstörten Osten Berlins. Hunger und Krankheiten stehen auf der Tagesordnung, was besonders für die Kinder dramatisch ist. Aufwühlend wird die Not der Flüchtlinge aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten aufgezeigt, die unter Strapazen in überfüllten Zügen und Viehwaggons Berlin erreichen. Etliche von ihnen haben nicht überlebt. Alice hat mit Unterstützung ihrer Freundinnen, eines Pfarrers sowie eines sowjetischen Offiziers die Bahnhofsmission provisorisch neu eröffnet. Allen Widrigkeiten zum Trotz bleibt Alice optimistisch, sucht nach Lösungen und geht ihren Weg unbeirrt weiter. Wieder übernimmt sie Verantwortung und scheut die schwere, oft schmutzige Arbeit nicht. Die Autorin thematisiert anhand von Babette das Grauen in deutschen Konzentrationslagern. Auf der anderen Seite steht der Arzt Damrau, der ein Täter war.Veronika Rusch hat authentische Charaktere geschaffen, dank des flüssigen Schreibstils befindet sich der Leser sofort mitten im Geschehen. Ich vergebe für diesen bewegenden Roman fünf Stedrne und spreche eine Leseempfehlung aus.

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