Profilbild von Eponine

Eponine

Lesejury Star
offline

Eponine ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Eponine über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 23.05.2022

Eine Geschichte, die trotz Schwächen nachhallt

Ich, Ellyn
0

Darum geht’s:
Ellyn lebt mit ihrer Familie in sehr ärmlichen Verhältnissen im England des 16. Jahrhunderts. Harte Feldarbeit bestimmt den Alltag des Mädchens. Nur das Singen mit ihrer Mutter schenkt ihr ...

Darum geht’s:
Ellyn lebt mit ihrer Familie in sehr ärmlichen Verhältnissen im England des 16. Jahrhunderts. Harte Feldarbeit bestimmt den Alltag des Mädchens. Nur das Singen mit ihrer Mutter schenkt ihr ein klein wenig Freude. Als sie eines Tages auf dem Weg zum Markt in der Kirche einen Chor singen hört, wird dem Mädchen bewusst, dass es im Leben noch einiges mehr gibt und neue Träume werden entfacht. Mit einem Trick schleicht sie sich in die Knaben-Singschule ein und entdeckt eine komplett neue Welt.

So fand ich’s:
Durch das Buch „Die Farbe von Milch“ war ich bereits vor dem unkonventionellen Schreibstil der Autorin vorgewarnt. Allerdings hat mich Nell Leyshons Art diese Geschichte zu erzählen dann doch kalt erwischt. Zu Beginn ging daher das Lesen aufgrund der (absichtlich) fehlenden Satzzeichen und des Umstandes, dass alles klein geschrieben ist, nur mühsam voran. Ich fand es sehr erleichternd, als sich der Schreibstil „normalisierte“ und allmählich immer „korrekter“ wurde. So im Nachhinein muss ich zugeben, dass durch diese eigenwillige Erzählweise die Autorin Ellyns Bildungsstand und vor allem ihre Fortschritte auf sehr eindrückliche Weise dargestellt hat. Zudem hat mich mit der Zeit die intensive Geschichte immer mehr gefesselt und mich für den holperigen Start versöhnt.

So sehr ich immer mehr in der Geschichte versinken konnte, umso mehr war ich dann leider vom Ende enttäuscht. In einer Geschichte muss meiner Meinung nach nicht immer alles auserzählt werden und ich störte mich auch nicht an der doch recht kleinen Seitenanzahl oder an den Seiten, die nur einen Satz enthielten. Was mich irritiert hat, war das abrupte Ende. Die Entwicklung zum Schluss hin war schon in sich schlüssig und offene Enden können für den Leser eine angenehme Herausforderung sein, sich auszumalen, wie es der Protagonistin oder dem Protagonisten wohl weiterhin ergehen würde. Doch hier musste ich Ellyn zu einem für mich unbefriedigenden Zeitpunkt zwischen der letzten Seite und dem Buchdeckel zurücklassen. Ein paar wenige Seiten hätten meiner Meinung der Geschichte auf jeden Fall gutgetan. Schade, denn Ellyns Geschichte ist grundsätzlich eine Geschichte, die sehr berührt und nachhallt.

Jetzt mit ein wenig Abstand erinnere ich mich in erster Linie an das Gefühl der Intensität, wie Ellyn mir quasi persönlich ihre Geschichte erzählt hat. Für mich ist Ellyn eine Protagonistin, die man nicht so leicht vergisst.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 29.04.2022

Eine Geschichte und Figuren, an die man gerne zurückdenkt

Das unglaubliche Leben des Wallace Price
0

Darum geht’s:
Wallace Price ist ein skrupelloser Anwalt, für den alleine die Arbeit und der Erfolg zählen, das Menschliche bleibt auf der Strecke. Es verwundert also nicht, dass nach seinem plötzlichen ...

Darum geht’s:
Wallace Price ist ein skrupelloser Anwalt, für den alleine die Arbeit und der Erfolg zählen, das Menschliche bleibt auf der Strecke. Es verwundert also nicht, dass nach seinem plötzlichen Tod nur wenige Menschen an seiner Trauerfeier teilnehmen. Und dann findet er sich in einem seltsamen Teeladen, der sich als eine Art Zwischenwelt herausstellt, wieder. Dort soll ihn der Fährmann Hugo auf das Jenseits vorbereiten. Doch Wallace ist noch nicht bereit für seine letzte Reise und es wird ihm erlaubt, noch eine Weile dort zu verweilen. Diese Zeit wird Wallaces Einstellung zum Leben und zum Tod für immer verändern.

So fand ich‘s:
„Mr. Parnassus‘ Heim für magisch Begabte“ war definitiv eines meiner Jahreshighlights in 2021 und so hibbelte ich T.J. Klunes neuem Buch richtiggehend entgegen. Möglicherweise war es gerade diese hohe Erwartungshaltung, die mich zu Beginn der Lektüre dann ein wenig ausgebremst hat. Ich brauchte hier tatsächlich einige Kapitel, bis ich richtig in der Geschichte angekommen war. Es waren dann auch in erster Linie der lockere Erzählstil sowie die Liebe des Autors zu seinen Figuren, die wieder intensiv spürbar war, die mich durchhalten ließen. Ab einem gewissen Punkt – so genau kann ich ihn nicht lokalisieren – hat mich dann die Geschichte doch noch gepackt und von dem Moment an war ich total gefesselt von einem Thema, das vom Leser einiges abverlangt.

In der Tat bereitet das Thema Sterben und das „Danach“ meistens großes Unbehagen. Doch dem Autor gelingt es hier aus einer unbequemen Thematik eine sensible und herzerwärmende Geschichte zu machen. Dabei kommt es nicht drauf an, was man glaubt, was einen nach dem Tod erwartet und ich hatte zu keinem Zeitpunkt den Eindruck, der Autor wolle mir seine Überzeugung aufdrängen. Im Gegenteil: Es geht hier eigentlich viel mehr um das Leben als um das Sterben und wie wichtig Vertrauen, Hoffnung und Loslassen sind.

T.J. Klune hat sensible Themen wie Verlust, Selbstmord und gar Kindstod sehr einfühlsam verpackt. Dieses Buch unterscheidet sich auch deutlich vom Parnassus-Buch und ist zum Beispiel um einiges melancholischer und ernster. Trotzdem bleibt der Autor seinem unbeschwerten Schreibstil treu, was der Geschichte trotz schwerer Kost eine gewisse Leichtigkeit schenkte.

Trotz Startschwierigkeiten hat der Autor es schlussendlich auch mit diesem Buch geschafft, mich zu berühren und zum Nachdenken zu bringen, mich laut lachen und mich gleichzeitig ein schwieriges Thema genauer betrachten zu lassen. Und ich werde immer wieder sehr gerne – vor allem auch beim Teetrinken - an diese Geschichte und die liebevoll gezeichneten Figuren denken.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 16.03.2022

Geschichten über starke Frauen für starke Frauen

Don't Breathe - Hass & Liebe
0

Darum geht‘s:
Vik Tory erzählt in sechs „Romance Crime Shortstorys” die Geschichten von sehr unterschiedlichen Frauen, die eines gemeinsam haben. Alle suchen ihr Glück und den Sinn des Lebens in der Liebe. ...

Darum geht‘s:
Vik Tory erzählt in sechs „Romance Crime Shortstorys” die Geschichten von sehr unterschiedlichen Frauen, die eines gemeinsam haben. Alle suchen ihr Glück und den Sinn des Lebens in der Liebe. Doch der Weg zum Glück ist nicht so gradlinig wie erhofft und die Protagonistinnen werden mit schicksalshaften Begegnungen sowie extremen und dramatischen Situationen konfrontiert. Doch starke Frauen lassen sich nicht so einfach unterkriegen…

So fand ich‘s:
Ab und an lese ich ganz gerne Kurzgeschichten. Ich finde es immer faszinierend, wieviel ein Autor in so eine kleine Seitenzahl hineinpacken kann. Für mich ist das ein besonderes Talent, wenn es eine so kompakt erzählte Geschichte schafft, mich zu fesseln. Und Vik Tory ist das hier in „Dont’t Breathe – Hass & Liebe“ auf jeden Fall gelungen.

Die Autorin zeigt mit ihren Geschichten über sehr unterschiedliche Frauen, dass sie vor Ideen nur so sprudelt. Auch wenn es allen Protagonistinnen um die große Liebe und den Sinn des Lebens geht, sind die einzelnen Storys dennoch sehr individuell und erzeugen jede für sich eine ganz eigene Atmosphäre.
Vik Torys Erzählstil ist sehr gefühlvoll und einfühlsam, ohne schnulzig zu werden. Die Figuren sind lebendig gezeichnet – mal sensibel, mal temperamentvoller, aber auch immer mit einer gesunden Prise Ironie. Gleichzeitig schafft die Autorin es, auch beklemmende und erschütternde Szenen lebendig darzustellen.

„Provozierend, düster, sexy“ – so wird das Buch angepriesen und ich finde, dass diese drei Worte, das Buch sehr gut zusammenfassen. Es gibt Wendungen, mit denen die Autorin mich nicht nur überrascht, sondern auch ein klein wenig bestürzt hat. Aber das scheint durchaus gewollt und die Autorin hat bei mir so gesehen ihr Ziel definitiv erreicht.

Es sind sechs Geschichten über starke Frauen für starke Frauen – Geschichten, die mir mitunter unter die Haut gegangen sind. Kurzum: Vik Tory hat mich von ihrem Erzähltalent überzeugt und mir unterhaltsame, spannende und überraschende Lesestunden geschenkt.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 10.03.2022

Grandios & brillant erzählt

Die Anomalie
0

Darum geht‘s:
Es ist gar nicht so leicht, dieses Buch zu resümieren und gleichzeitig Spoiler zu vermeiden. Daher fasse ich mich hier lieber sehr kurz.

Im Juni 2021 landet in New York eine Boeing 787 aus ...

Darum geht‘s:
Es ist gar nicht so leicht, dieses Buch zu resümieren und gleichzeitig Spoiler zu vermeiden. Daher fasse ich mich hier lieber sehr kurz.

Im Juni 2021 landet in New York eine Boeing 787 aus Paris – auf den ersten Blick nichts Außergewöhnliches. Bei genauerer Betrachtung fällt jedoch auf, dass genau dieselbe Maschine bereits im März 2021 nach einem turbulenten Flug schon Mal in New York gelandet ist, mit demselben Piloten und denselben Passagieren. Unerklärliches schein Wirklichkeit geworden zu sein. Aber gibt es diese Menschen nun doppelt? Und was würde geschehen, wenn sie sich selbst begegnen?

So fand ich‘s:
Dieses Buch gehört nicht unbedingt zu den Genres, die ich üblicherweise lese und ich wurde durch eine Leserunde bei den „Büchereulen“ darauf aufmerksam. Und da ich gerne Mal über meinen Tellerrand hinaus lese, habe ich mich auf dieses Buch eingelassen und bin jetzt im Nachhinein sehr froh über diese Entscheidung. Denn kurzum: Für mich ist „Die Anomalie“ ein grandioses und brillant erzähltes Buch.

Trotz einer ungewöhnlich großen Zahl an Protagonisten, schaffte es der Autor, jedem genügend Raum zu geben und mich für jeden einzelnen gleichermaßen zu interessieren. Die schnörkellose und eher nüchtern wirkende Erzählweise hatte auf mich schon bald eine Art hypnotische Wirkung, die ich nur schwer beschreiben kann, mich aber zunehmend in Bann zog.

Zudem hat mich der Autor mit seinem ausgefeilten und bis ins Detail wohl durchdachten Plot fasziniert, der zwar nicht viel Spielraum für die eigene Fantasie übrig lässt, aber umso mehr zum Nachdenken anregt. Ich habe selten ein Buch gelesen, das die moderne Welt und die Probleme unserer Gesellschaft so klar und ungeschönt, aber auch mit der Liebe zum Leben und den Menschen und immer wieder mit einer gesunden Prise schwarzen Humors, darstellt.

Hervé Le Tellier verlangt von seinen Lesern mit politischen, wissenschaftlichen und philosophischen Fragen, die er aufwirft, einiges an Denkarbeit ab. Denn ich kann mir kaum vorstellen, dass jemand dieses Buch liest, ohne dass ein Gedankenkarussell in Gang gesetzt wird.

Das Ende hatte ich so nicht erwartet, passt aber meiner Meinung nach perfekt zum gesamten Geschichtsverlauf. Und selbst diese Entwicklung birgt so viel Diskussionsstoff, dass ich froh bin, das Buch in einer Leserunde gelesen zu haben.

Auch wenn ich mich wiederhole: „Die Anomalie“ ist ein grandioses, intelligentes und berührendes Buch. Eine klarere Leseempfehlung kann ich gar nicht abgeben.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 05.03.2022

Originell, aber auch etwas verwirrend

Der Uhrmacher in der Filigree Street
0

Darum geht‘s:
Thaniel Steepleton lebt im viktorianischen London und arbeitet als Telegrafist im Innenministerium. Sein Alltag verläuft in geordneten und eher langweiligen Bahnen. Umso erstaunter ist er, ...

Darum geht‘s:
Thaniel Steepleton lebt im viktorianischen London und arbeitet als Telegrafist im Innenministerium. Sein Alltag verläuft in geordneten und eher langweiligen Bahnen. Umso erstaunter ist er, als er eines Tages eine goldene Taschenuhr auf seinem Kopfkissen vorfindet. Es bleibt ihm ein Rätsel, wer ihm diese Uhr hat zukommen lassen. Dennoch wird die Uhr zu seinem ständigen Begleiter. Zum Glück! Denn als sechs Monate nach dem mysteriösen Auftauchen der Uhr eine Bombe explodiert, wird Thaniel kurz davor durch ein Alarmsignal, das von der Uhr kommt, gewarnt und bleibt somit unverletzt. Um mehr über die Umstände rund um das Bombenattentat rauszufinden, macht er sich auf die Suche nach Keita Mori, dessen Name im Inneren der Uhr eingraviert ist. Auf den ersten Blick erscheint Mori auch recht harmlos. Aber schon bald merkt Thaniel, dass der betagte Japaner so einiges zu verbergen hat.

So fand ich‘s:
Das Buch beginnt sehr vielversprechend und vor allem auch die starke weibliche Protagonistin Grace hatte es mir angetan. Mit der Zeit wurde ich immer verwirrter und hatte tatsächlich keine Ahnung, wo die Geschichte hinführen würde. Aber gerade dieses Undurchsichtige hatte für mich einen besonderen Reiz und fachte meine Neugierde weiter an.

Die Autorin konnte mich zunächst mit ihrer Originalität und dem recht außergewöhnlichen Plot überzeugen. Leider blieb für meinen Geschmack die Erzählstimme zu eindimensional und mir fehlte es an Atmosphäre und Emotionalität. Die Neugierde hat mich dann doch weiter bei der Stange gehalten und mich davon abgehalten, das Buch abzubrechen. Die Auflösung und das Ende vermochten mich dann wieder zu überraschen, was mich ein wenig mit dem Buch versöhnt hat.

Im Großen und Ganzen blieb die Autorin meiner Meinung nach unter ihren Möglichkeiten. Ein etwas weniger verwirrender Aufbau und vor allem ein Hauch mehr Emotionalität hätten der Geschichte sehr gutgetan. So blieb das Buch leider unter meinen Erwartungen und schaffte es nicht, mich vollends zu überzeugen. Schade, denn die Autorin hat zwischendurch immer wieder gezeigt, dass sie durchaus Talent hat, fantasievolle Geschichten zu erzählen.

Auf Englisch gibt es bereits eine Fortsetzung zu diesem Buch. Ich bin mir gerade unschlüssig, ob ich es lesen würde. Aber da jeder eine zweite Chance verdient hat und ich eine richtige Neugiernase bin, kann ich wahrscheinlich dann doch nicht einfach an diesem Buch vorbeigehen… 😉

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere