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Veröffentlicht am 26.03.2021

Eine Erzählung über Vertrauen und Freundschaft

Der Ruf des Schamanen
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Darum geht‘s:
Laila, die Tochter eines finnischen Diplomaten, ist schwer krank. Die Hoffnung der Eltern liegt auf den Ärzten von Santo Toribio, der angeblich besten Klinik Limas. Da es für Kinder keine ...

Darum geht‘s:
Laila, die Tochter eines finnischen Diplomaten, ist schwer krank. Die Hoffnung der Eltern liegt auf den Ärzten von Santo Toribio, der angeblich besten Klinik Limas. Da es für Kinder keine Einzelzimmer in der Klinik gibt, gibt es auch keine Sonderbehandlung für die Diplomatentochter und sie teilt sich den Schlafsaal mit den anderen jungen Patienten. So lernt sie auch den ungestümen und lebensfrohen El Rato kennen. Auf einer gemeinsamen Entdeckungstour in der Klinik finden die beiden ein geheimnisvolles Notizbuch, in dem sie von einer „verschollenen Blume des Schamanen von K.“ erfahren, der heilende Kräfte zugesprochen wird. Diese Blume scheint für Laila die letzte Hoffnung zu sein und die beiden reißen aus der Klinik aus und machen sich auf die abenteuerliche Suche nach dem mysteriösen Dorf K. und der geheimnisvollen Blume.

So fand ich‘s:
Es ist keine leichte Reise, die Laila und El Rato sich da vorgenommen haben – und das in vielerlei Hinsicht. Es ist eine Expedition ins Ungewisse und dennoch verlieren die beiden ihr Ziel nie aus den Augen. Mir als Leser erging es gefühlsmäßig recht ähnlich. Schon nach den ersten Zeilen war mir bewusst, dass dieses Buch eine besondere Lesereise für mich bereithielt.

Es fing bereits mit dem Erzählstil an, welcher schwer in Worte zu fassen ist. Davide Morosinotto schreibt klar und schnörkellos und dennoch spürt man zwischen den Zeilen seine intensive Verbindung zu den Figuren und das Bedürfnis diese Geschichte zu erzählen. Auch wenn es zu dramatischen Szenen kommt, bleibt die Erzählstimme immer gefasst und gleichzeitig intensiv. Ich bin unsicher, ob ich mit dieser Beschreibung die Gefühle, die ich beim Lesen hatte, verständlich rüberbringen kann. Ich denke, dass der Autor mit seinem eigenwilligen Schreibstil bei den Lesern sehr individuelle Empfindungen auslöst, was das Buch zu etwas Besonderem macht.

Die unterschiedlichen Perspektiven, aus denen die Geschichte erzählt wird, geben dem Leser ein abgerundetes und vervollständigtes Bild. Zu Beginn musste ich mich nur etwas an die doch recht spontanen Perspektivwechsel gewöhnen.

Es ist zwar eine Abenteuergeschichte mit teilweise gefährlichen Momenten. Doch es ist nicht eine actiongeladene Spannung, die das Buch ausmacht. Es ist vielmehr das was über Laila und El Rato zu schweben scheint. Einerseits ist es eine gewisse Schwere, Lailas Krankheit, die alles überschattet. Gleichzeitig sind da die Hoffnung und eine aufkeimende Liebe, die Leichtigkeit und Licht bringen.

Ich verstehe, dass der Autor seine Geschichte genau so erzählen musste und kein Detail auslassen konnte. Für mich als zappeligen Leser war die Lektüre jedoch aufgrund einiger Längen stellenweise eine Herausforderung. Handkehrum haben mich die mystisch angehauchten schwarz-weißen Illustrationen begeistert und mich noch tiefer in die Geschichte einsinken lassen.

Auch wenn das Mystische eine gewichtige Rolle spielt, ist „Der Ruf des Schamanen“ kein Märchen. Es ist eine Geschichte wie sie das Leben schreibt, eine Erzählung über die Kraft von Freundschaft und Vertrauen und die auch neugierig auf Peru macht. Es ist ein Buch, für das es sich lohnt, sein Herz zu öffnen, um den Zauber von Perus Dschungel zu erleben.

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Veröffentlicht am 18.03.2021

Ein rasantes Abenteuer

Flüsterwald - Der verschollene Professor (Flüsterwald, Staffel I, Bd. 2)
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Darum geht's:
Lukas fühlt sich inzwischen in der alten Villa Zuhause, was vor allem an seinen neuen Freunden aus dem Flüsterwald, den er jeweils durch die Geheimtreppe in seinem Zimmer erreicht, liegt. ...

Darum geht's:
Lukas fühlt sich inzwischen in der alten Villa Zuhause, was vor allem an seinen neuen Freunden aus dem Flüsterwald, den er jeweils durch die Geheimtreppe in seinem Zimmer erreicht, liegt. Nur Ella, die Enkelin des Professors der vor Lukas‘ Familie in der Villa wohnte, nervt den Jungen ganz gewaltig. Doch Ella ist hartnäckig und setzt alles daran, ihren verschwundenen Großvater zu finden und dafür benötigt sie die Hilfe von Lukas und seinen Freunden aus dem Flüsterwald. Etwas widerwillig lässt sich Lukas auf das Abenteuer ein, das immer gefährlicher wird und so einiges von den Freunden abverlangt.

So fand ich's:
Ich hatte mich sehr auf das Wiedersehen mit Lukas und Co. gefreut und ich wurde nicht enttäuscht. Im Gegenteil! Die Entwicklung der Rasselbande gefällt mir sehr gut, vor allem, dass sie immer mehr zu einem richtigen Team zusammenwachsen und füreinander da sind. Das war auch bitter nötig, da die Suche nach dem verschollenen Professor sich als sehr gefährliches Abenteuer entpuppte.

Es ist in der Tat eine rasante Reise, die wir Leser mit den Protagonisten erleben dürfen und der Autor lässt uns kaum Zeit durchzuschnaufen. Aber genau sowas mag ich und es lässt einen über die Zeilen fliegen und ab und an auch die Luft anhalten, wenn es gar zu brenzlig für die Helden wird. Auch der Humor kommt nicht zu kurz. So zauberhaft die Wesen im Flüsterwald sind, haben sie auch alle ihre Macken, die sie so liebenswert machen. Rani bleibt auch in diesem zweiten Teil meine Lieblingsfigur und er bringt mich einfach immer wieder zum Lachen.

Mit diesem zweiten Band der Flüsterwald-Reihe hat Andreas Suchanek sein Talent, Geschichten erfrischend fröhlich, originell und fesselnd zu erzählen, erneut unter Beweis gestellt. Meiner Meinung nach vermag er kleine und große Leser gleichermaßen zu begeistern.

Diese Fortsetzung knüpft nahtlos an den ersten Teil an. Das Personenregister am Anfang des Buches lässt die Figuren sofort wieder lebendig und die Erinnerungen wach werden, so dass man ohne Umschweife in das neue Abenteuer eintauchen kann.

Zum Glück bleibt es auch zum Ende hin weiterhin spannend und der Epilog und die Bonusgeschichte versprechen ein Wiedersehen im Flüsterwald – und das hoffentlich schon bald. Ich bin jedenfalls jetzt schon startklar, um weitere Rätsel in der magischen Welt hinter Lukas‘ Zimmer zu entschlüsseln und freue mich auf die nächste Fahrt mit der Blinzelbahn. 😊

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Veröffentlicht am 15.03.2021

Magie ist mitten unter uns

Diesseits der Magie / Idas Tagebuch
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Darum geht‘s:
Ida, ein sympathisches Mädchen von nebenan, führt auf den ersten Blick ein ganz normales Menschenleben. Doch wer ganz genau hinsieht und ein Gefühl hat, für alles, was nicht einfach so mit ...

Darum geht‘s:
Ida, ein sympathisches Mädchen von nebenan, führt auf den ersten Blick ein ganz normales Menschenleben. Doch wer ganz genau hinsieht und ein Gefühl hat, für alles, was nicht einfach so mit dem bloßen Auge zu sehen ist, wird bemerken, dass Ida auch in der Welt der Magie Daheim ist. Doch auch so ein Hexenleben bringt eine Alltagsroutine mit sich – bis zu dem Tag, an dem ein Ritual Ida entgleitet und weitreichende Konsequenzen sie in eine tiefe Krise stürzen. Findet Ida die Kraft, eine Möglichkeit zu suchen, das Blatt nochmals zu wenden?

So fand ich‘s:
Ich mag den Gedanken, dass es hier unter uns Magie gibt und finde das entsprechende Setting gut gelungen. Man spürt auch die Affinität des Autors zum Thema und seine eigenen Erfahrungen in der Materie. Auch die Entwicklung der Geschichte hat mich angesprochen. Ich hatte schon gelesen, dass beim Einsatz von Magie, der Zauber auch immer irgendwie zu einem zurückkommt und Ida muss das auf sehr erschütternde Weise erleben. Der Plot ist so aufgebaut, dass die Spannung beim Lesen steigt und langsam zum Höhepunkt gelangt, was es für den Leser interessant macht.

Die Idee, die Geschichte in Form eines Tagebuches zu erzählen, ist konsequent umgesetzt. Dennoch habe ich leider zu Ida keinen wirklichen Draht gefunden. Der Erzählstil passt einerseits gut zum Tagebuch, bleibt jedoch meistens für meinen Geschmack zu schlicht. So konnte ich mich leider nicht so richtig in Idas Gefühlswelt eindenken. Ich fühlte mich als Außenstehender, der nur ein bisschen durchs Schlüsselloch schauen darf. Die Tür selbst blieb für mich verschlossen. So spannend das Thema ist, fehlt mir doch etwas die Atmosphäre, die Magie, die zwischen den Zeilen wabert. Möglicherweise hätten mehr Details und Beschreibungen dieses Ambiente erzeugt.

Im Großen und Ganzen denke ich, dass dieses Buch vor allem Leute anspricht, die sich mit Wiccas, Schamanen etc. auskennen und auch ein wirkliches Interesse an diesen Themen haben.

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Veröffentlicht am 03.03.2021

Leise, aber intensiv

Die Wahrheit schmeckt nach Marzipan
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Darum geht‘s:
Die Welt der Schülerin Tally ist nicht mehr dieselbe seitdem sie ihren Vater unerwartet verloren hat. Sie lehnt sämtliche Hilfe von ihrer Mutter, die ebenfalls von der Situation überfordert ...

Darum geht‘s:
Die Welt der Schülerin Tally ist nicht mehr dieselbe seitdem sie ihren Vater unerwartet verloren hat. Sie lehnt sämtliche Hilfe von ihrer Mutter, die ebenfalls von der Situation überfordert ist, ab. Auch die Therapeutin, zu der sie die Mutter gedrängt hat, empfindet sie als Last. Was für eine doofe Idee, die Gefühle aufzuschreiben. Am liebsten würde Tally sich einfach nur einigeln und nichts mehr fühlen.

Als dann Frau Möller, eine alte Dame mit einem Papagei und einer Vorliebe für Marzipan, und der attraktive Timo in ihr Leben treten, spürt die 16-Jährige, dass in ihrem Herz neben all dem Schmerz doch noch ein bisschen Platz für andere Gefühle ist. Doch was für ein Pech, dass Timo ein Christ ist und sie mit religiösem Humbug so gar nichts am Hut hat.

So fand ich‘s:
Trauer ist ein sehr sensibles und persönliches Thema. Viele Menschen tun sich schwer, darüber zu sprechen. Und doch gehören Abschiede und Loslassen zu unserem Leben dazu. Die junge Tally in dieser Geschichte muss das leider sehr früh erleben und es überrascht nicht, dass der Tod des Vaters ihr erstmal den Boden unter den Füßen wegzieht.

Anni E. Lindner gelingt es, mit ihrer einfühlsamen Erzählweise den Leser an Tallys Trauer und Schmerz intensiv teilhaben zu lassen, ohne unnötig auf die Tränendrüsen zu drücken. Gerade der Beginn der Geschichte ist sehr bedrückend und ich hatte öfter einen Kloß im Hals. Aber man spürt schon in diesen ersten Kapiteln, wie wichtig es der Autorin ist, aufzuzeigen, dass das Leben trotz allem Schmerz hoffnungsvoll weiter gehen kann.
Die Geschichte wird sehr ruhig und unaufgeregt erzählt. Und für mich als hibbeligen Leser gab es die eine oder andere Länge zu überwinden. Aber gerade die behutsame Weise, mit der die Autorin ihre Botschaft übermittelt, ließ mich immer weiterlesen.

Die Figuren sind lebendig und realistisch gezeichnet. Auch der Plot ist direkt aus dem Leben gegriffen und kommt zu keinem Zeitpunkt lebensfremd rüber. Im Gegenteil – man kann sich gut vorstellen, dass die Protagonisten gleich hier nebenan wohnen.

Ich lese sehr gerne rasante Geschichten mit vielen Wendungen. Dieses Buch hat mir daher einiges an Ruhe und Innehalten abverlangt, was mir letztendlich gutgetan hat. Es ist also kein Buch, das man so zwischendurch schnell lesen sollte. Es lohnt sich, das Gelesene immer wieder auf sich wirken zu lassen.

Das empfohlene Lesealter wird mit „ab 14 Jahren“ angegeben, was meiner Meinung nach, gerechtfertigt ist. Ich könnte mir jedoch gut vorstellen, dass gerade mit den Jüngeren das Buch gemeinsam gelesen wird, so dass man sich über die Geschichte austauschen kann – gerade auch, weil es doch ein sehr sensibles Thema ist.
Anni E. Lindner erzählt eine wichtige Geschichte mit Hilfe ihrer eigenen Überzeugungen, aber stets ohne erhobenen Zeigefinger. Auch der religiöse Part wird dem Leser auf sachte Weise nähergebracht.

Es ist eine leise und intensive Geschichte, auf die man sich einlassen muss. Wenn man dazu bereit ist, bekommt man trotz schwierigem Thema eine Lektüre mit entschleunigender Wirkung.

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Veröffentlicht am 28.02.2021

Ein 1A-Fantasyabenteuer

Gnorl
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Darum geht‘s:
Jonas hat überhaupt keine Lust in seinen Ferien mit den Eltern zu einem Bauernhof im Schwarzwald zu fahren. Und auch die Kinder der Bauernfamilie, Anna und Benjamin, scheinen auf den ersten ...

Darum geht‘s:
Jonas hat überhaupt keine Lust in seinen Ferien mit den Eltern zu einem Bauernhof im Schwarzwald zu fahren. Und auch die Kinder der Bauernfamilie, Anna und Benjamin, scheinen auf den ersten Blick kein Ersatz für seine Freunde zu sein, mit denen er viel lieber seine Ferien verbracht hätte. Was kann es für einen Jungen wie Jonas auf einem Bauernhof schon Spannendes geben? Und Kobolde gibt es doch nicht… Moment, aber was war das für ein seltsames Wesen, das an Jonas vorbei huschte? Sollte es tatsächlich Kobolde geben?

Jonas Entdeckergeist ist geweckt. Aber so ganz allein sind Nachforschungen eher schwierig. Und so tut er sich doch noch mit Anna und Benjamin zusammen und heckt mit ihnen einen Plan aus, um dem Kobold aufzulauern. Doch der Gnom ist flink und verschwindet vor den Augen der Kinder in eine Höhle unter der Scheune. Die Kinder zögern nicht lange und nehmen die Verfolgung auf und finden sich in einem undurchschaubaren Höhlenlabyrinth wieder, in dem so einige unbekannte Gefahren lauern. Die größte Bedrohung geht jedoch vom Koboldkönig aus, der keine Eindringlinge in seinem Reich duldet und für die Kinder nimmt ein gefährliches Abenteuer seinen Lauf.

So fand ich‘s:
Auch für mich war „Gnorl“ ein spannendes (Lese-)Abenteuer. Immer wenn ich das Buch zur Hand nahm, war ich zusammen mit den Kindern in der Höhlenwelt verschwunden, weit entfernt von meiner Umwelt. Das Wiederauftauchen in die Realwelt und der Abschied von den Kobolden fiel mir am Ende der Lektüre gar nicht leicht, hatten sich doch Gnorl und Co. in mein Herz geschlichen.

Florian Fuchs hat mich von Anfang an mit seinem fröhlichen und unbeschwerten Erzählstil sowie seinen originellen Ideen begeistert. Der Autor erzählt in packender Weise von ausgefallenen Höhlenwesen, die amüsant und furchterregend zugleich erscheinen. Die Kobolde mit ihren Ecken, Kanten und Macken sind liebenswert, mutig und manchmal ein bisschen verrückt – einfach lustige Wesen zum Liebhaben – natürlich mit Ausnahmen. Denn auch in der Höhlenwelt gibt es Gut und Böse.

Die Geschichte nimmt mit der Zeit mehr und mehr an Fahrt auf. Und immer, wenn ich dachte, ich wüsste, wie es weiter geht, wurde ich mit unerwarteten Wendungen überrascht und es wurde noch spannender. Mich hat der Autor zudem mit seinen eigenen Illustrationen beeindruckt, welche die originellen Wesen noch lebendiger erscheinen lassen, ohne die Fantasie des Lesers auszubremsen.

Für mich ist „Gnorl“ ein 1A-Fantasyabenteuer, das bestimmt kleine und große Genrefans zu begeistern vermag. Und der Epilog lässt hoffen, dass der Autor uns schon bald neue Kobold-Geschichten erzählt. Ich werde jedenfalls bei seinem nächsten Buch ohne zu zögern zugreifen, um erneut in Florian Fuchs‘ Fantasiewelt einzutauchen und dem Alltag für ein paar Stunden zu entfliehen.

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