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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 22.10.2024

Über- statt miteinander reden?

Der Brieffreund aus Svealand
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Ana lebt mit ihrem vor kurzem eingeschulten Sohn Daniel und ihrem Mann Oliver in Berlin. Ihr Mann verhält sich seit einiger Zeit komisch und ist auf einmal weg. Ganz weg, so weg, dass er mit ihr nur noch ...

Ana lebt mit ihrem vor kurzem eingeschulten Sohn Daniel und ihrem Mann Oliver in Berlin. Ihr Mann verhält sich seit einiger Zeit komisch und ist auf einmal weg. Ganz weg, so weg, dass er mit ihr nur noch über einen Anwalt kommunizieren will und seine Eltern denken, Ana hätte ihn rausgeschmissen. Ihre eigenen Eltern nehmen das Schlimmste an und nehmen auch vor Daniel kein Blatt vor den Mund, wodurch der sich von seinem Vater distanziert. Der Anwalt legt Ana Papiere zur Scheidung vor, die sie irgendwann auch unterschreibt, weil die ganze Situation noch ärger wurde. Sie erinnert sich an Tjorben, einen Freund aus Kinder- und WG-Tagen und reist nach Schweden, um ihn zu besuchen. Was sie dort erlebt, ist sehr seltsam.

Ich finde, die Autorin zeigt mit beiden Herangehensweisen klar ein dickes Problem unserer heutigen Gesellschaft auf. Statt miteinander redet man mit Freunden und, in diesem Fall, entfernteren Familienmitgliedern oder sogar mit Arbeitgebern über Probleme, die so nicht zu lösen sind. Oliver ist zu feige, Ana etwas zu gestehen. Und auch in Schweden ist jemand, der nicht klar mitteilt, was mit Tjorben passiert ist. Und auch Ana, die fast alles tut, um rauszufinden, warum sie Tjorben nicht finden kann und keiner nix genaues weiß, läuft erst Mal alle äußeren Kreise ab, bevor sie sich an die innere Familie Tjorbens wagt. Es ist ein gut verfasster Roman bei dem man sich öfter fragt, warum so kompliziert statt "einfach" miteinander offen zu kommunizieren?

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Veröffentlicht am 21.10.2024

Super Regionalkrimi

Tod auf Schloss Solitude
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Schloss Solitude ist ein sehr hübsches Gebäude im Umland von Stuttgart. Es steht zusammen mit Bea Pelzer im Zentrum einer Mordermittlung. Bea lebt zusammen mit zwei anderen Frau in einer Wohnung. Als der ...

Schloss Solitude ist ein sehr hübsches Gebäude im Umland von Stuttgart. Es steht zusammen mit Bea Pelzer im Zentrum einer Mordermittlung. Bea lebt zusammen mit zwei anderen Frau in einer Wohnung. Als der Ex-Lover einer davon ihre WG bedroht, wird es anfänglich gruselig-spannend. Dann wird diese Frau auf Solitude ermordet. Die Polizei ermittelt Bea nicht zügig genug und folgt ihrer Meinung nach falschen Spuren.

Es entwickelt sich ein gut zusammengestellter Regionalkrimi, der Solitude und die Landschaft drumherum malerisch mit einbaut. Als Beas Freundin auch noch mit ermittelt, wird es leicht chaotisch und dadurch stellenweise amüsant sowie stetig spannender. Ein gelungener Krimi zum Miträtseln!

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Veröffentlicht am 21.10.2024

Wohlfühlroman it historischem Hintergrund auf Madeira

Der Ruf des schwimmenden Gartens
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Sofie stammt aus Bremen und hat in Zürich Medizin studiert. 1914 war das nur in der Schweiz für Frauen möglich. Durch Richard, einen Geschäftspartner ihres Vaters, gelangt sie nach Madeira. Doch das Krankenhaus, ...

Sofie stammt aus Bremen und hat in Zürich Medizin studiert. 1914 war das nur in der Schweiz für Frauen möglich. Durch Richard, einen Geschäftspartner ihres Vaters, gelangt sie nach Madeira. Doch das Krankenhaus, das die deutsche Minderheit dort angeblich schon fast fertig gebaut hat, ist noch lange nicht fertig. Und es scheint mehr im Argen zu liegen als gedacht. Sofie findet Arbeit und lernt Richards Bruder Ludwig kennen, einen Schriftsteller, der so ganz anders tickt als sein Bruder. Musisch, künstlerisch interessiert, dabei handfest und sprachgewandt hilft er ihr Dinge aufzudecken, mit denen sie so nicht gerechnet haben.

Haigh thematisiert einen versuchten Putschversuch der deutschen Minderheit auf Madeira. Die Insel gehörte zwar damals auch schon zu Portugal, unterstand allerdings auch dem Commonwealth. Die Briten arbeiteten mit allen Nationen gut zusammen und Sofie findet Arbeit im Allgemeinen Krankenhaus unter Engländern. Und bemerkt immer mehr Merkwürdigkeiten seitens Richards Familie bei der sie wohnt. Dazu kommt noch ein Waisenjunge, den sie am Hafen kennenlernte.

Anfänglich dachte ich, es sei eine Liebesgeschichte auf Madeira im historischen Gewand. Aber es steckt deutlich mehr dahinter. So langsam schraubt sich auch die Spannung ab der Mitte zum Ende hin höher. Dennoch ist es eher ein Wohlfühlroman mit historischem Hintergrund, der deutsche Kolonialfantasien noch Anfang des 20. Jahrhunderts mit aufs Korn nimmt.

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Veröffentlicht am 21.10.2024

Lesenswert

Kein Land in Sicht
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Sarah Peters ist Kriminalkommissarin und ermittelt in einem sehr verzwickten Fall undercover. Dazu gehört eine Reise auf einem Kreuzfahrtschiff, etwas, dass Peters sonst eigentlich nicht liegt. Aber nun ...

Sarah Peters ist Kriminalkommissarin und ermittelt in einem sehr verzwickten Fall undercover. Dazu gehört eine Reise auf einem Kreuzfahrtschiff, etwas, dass Peters sonst eigentlich nicht liegt. Aber nun wacht sie in einer Kabine auf und kann sich an nichts erinnern. Weder, wer sie ist noch warum sie auf so einem Schiff unterwegs ist. Als ihre Erinnerung wiederkehrt, wird es für sie immens gefährlich. Sie ist einem Verbrecherring auf der Spur und weiß nicht, wem sie trauen kann. Das betrifft auf Kollegen ihres Teams.

So ein Hotelschiff bietet viele Möglichkeiten sich zu verstecken bei allerdings stark begrenztem Platz und vielen Menschen auf engem Raum. Die Zeit der Reise bietet eine zusätzliche Grenze innerhalb derer etwas herausgefunden werden muss. Und erhöht die Spannung ungemein. Dazu kommt, dass die Figuren sehr gut gezeichnet sind. Teilweise sehr verzweifelt, oft auch abgrundtief böse oder sehr unanständig im Verhalten und Charakter. Ihr Kollege kämpft um sein Leben. Und die Geschichte dahinter, das Miträtseln können ist super, atmosphärisch dicht. Lesenswert!

Veröffentlicht am 15.10.2024

Sehr lesenswert!

Die Farben des Winters
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Nova Sarri ist Grafikerin in Hamburg und hat Vorfahren im nordschwedischen Lappland. Ihr Vater starb dort schon vor zwanzig Jahren, weswegen sie verwundert ist, als ein Notar sie zur Testamentseröffnung ...

Nova Sarri ist Grafikerin in Hamburg und hat Vorfahren im nordschwedischen Lappland. Ihr Vater starb dort schon vor zwanzig Jahren, weswegen sie verwundert ist, als ein Notar sie zur Testamentseröffnung in den hohen Norden bittet.

Sie ahnt nicht, dass sie sich auf eine Reise zurück zu ihren Wurzeln begibt und sich ein Geheimnis aufblättern wird.
Die Autorin lebt selbst mehrere Monate pro Jahr in Lappland und kennt sich dort aus. Man kann die Stille, den Schnee und die Dunkelheit förmlich beim Lesen spüren. Auch die Menschen und ihre Lebensart kann man nachempfinden, soweit das überhaupt möglich ist. Sie beschreibt durch ihre Figur die Traditionen und Kultur der Samen. Denn Nova erinnert sich an die Ferien bei ihrem Vater in Lappland und wieder dort im hohen Norden zu sein, das macht etwas mit ihr. Sie kommt von Beginn an sehr sympathisch rüber. Ihr Partner Leo ist der Gegenpol, zu ihr selbst wie zur Landschaft und den Samen. Kein Rüpel, aber nahe dran. Ihm ist die Gegend zu unwirtlich, zu kalt, zu schneeig und viel zu dunkel und still. Die Samen sind ihm nicht geheuer. Ich kann beide verstehen, mochte Nova jedoch lieber als Leo. Und auch die samischen Figuren sind nicht ohne und gut beschrieben. Sie sind mit anscheinend wenig sehr zufrieden und haben doch so viel mehr als man gemeinhin meint.
Ein sehr anregender, berührender Roman, der das Motto „weniger ist mehr“ mit Leben füllt und mit viel Wärme, gerade in dieser unwirtlichen Landschaft. Lesenswert!