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Veröffentlicht am 23.11.2022

Eher ein guter Wohlfühlroman mit Krimielementen

Madame Bonheur und die Tote von Toulouse
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Weniger ein Krimi als ein Wohlfühlroman mit Krimi-Elementen: Maggie stammt aus dem Badischen und arbeitet als Wahrsagerin in Roussillon. Sie arbeitet mit Karten und hat ein gutes Auskommen. Xavier ist ...

Weniger ein Krimi als ein Wohlfühlroman mit Krimi-Elementen: Maggie stammt aus dem Badischen und arbeitet als Wahrsagerin in Roussillon. Sie arbeitet mit Karten und hat ein gutes Auskommen. Xavier ist Privatdetektiv und sucht ihre Hilfe bei einem komplizierten Suchauftrag.

Es ist der erste Roman mit diesem speziellen Duo und die Figuren werden sehr gut eingeführt. Man lernt Maggie und eine ihrer Stammkundinnen kennen ebenso gibt es Einblicke in Xaviers Leben. Beide suchen nach einer vermissten Person, die seit drei Monaten verschwunden ist. Völlig spannungslos, dafür sehr amüsant und wie eine Art Appetizer für Marseille, Cassis und den Rest der Côte d´Azur sowie Toulouse und die Ockerstadt Roussillon. Man bekommt Einblicke in das Savoir vivre, mir kamen Erinnerungen hoch an Notre Dame de la Garde, die Calanques, die Ockersteinbrüche und Cassis. Vorwiegend tappen die beiden Figuren im Dunkeln, aber der Auftraggeber ist reich und lässt sich die Suche etwas kosten. Auch spielen zwielichtige Personen mit hinein und spezielle Gegenden werden ausgelotet. Das Ende ist ganz anders als gedacht und sehr erfrischend.

Obwohl kein Krimi-Gefühl aufkommt, las ich den Roman im Nu durch und freue mich auf den zweiten Band!

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Veröffentlicht am 22.11.2022

Wunderbar

Wunder einer neuen Zeit
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Leni ist Friseurmeisterin in einem geachteten Salon gegenüber dem Moy Palais in München. Ihr Chef freut sich mit ihr als sie einen der begehrten Praktikumplätze bei Vidal Sassoon ergattert. Sie reist nach ...

Leni ist Friseurmeisterin in einem geachteten Salon gegenüber dem Moy Palais in München. Ihr Chef freut sich mit ihr als sie einen der begehrten Praktikumplätze bei Vidal Sassoon ergattert. Sie reist nach London und entdeckt eine neue Welt.

Sie kommt bei einer Freundin unter, die als Modell arbeitet und ihr gesellschaftlich unter die Arme greift. Diese deutsche Nachkriegsmode ist viel zu bieder für das elegante London! Alleine die Beschreibungen des Lebensgefühls, der Beginn der Mode der Sixties, die rebellische Musik und Clubs sind super. Man taucht ab. Vidal Sassoon kommt eher am Rande vor, seine Schnitte, die Art, wie er seinen Salon führt. Dazu lernt Leni noch mehr und etwas bringt sie auf die Idee, dass der Salon ihrer Mutter für ihr Vorhaben nicht geeignet sein wird. Aus den USA schwappt der Franchise-Gedanke nach London und über Leni quasi auch nach München. Eine moderne Zeit bricht an.
Vier Handlungsstränge verweben sich mit Lenis Geschichte. Ihre Fast-Schwägerin mit ihrem knapp sechsjährigem Sohn Peter, ihr Verehrer Schorsch, ihr Chef Herr Keller sowie ihre Mutter sind Teil von Lenis Leben. Sie bereichern aber auch die Geschichte. Ihre Schwägerin war vor ihrer Schwangerschaft ein begehrtes Modell und arbeitet jetzt bei Bogner als Sekretärin. Maria Bogner lässt sich bei Leni die Haare frisieren. Über diesen Strang bekommt man die Welt der Skirennen, der Mode Willy Bogners und Dreharbeiten kennen. Kein Strang lässt sich separat lesen, alle Inhalte sind miteinander verknüpft und zeugen von Aufbruchstimmung.
Eigentlich dachte ich nach der Inhaltsangabe, es würde sich größtenteils um Vidal Sassoon drehen. Das stimmt überhaupt nicht. Aber dennoch ist dieser Roman eine Wucht. Weder seicht noch besonders tiefgängig, aber mit gut eingewobenem Hintergrundwissen rund um Mode in den sechziger Jahren. Ein richtiger Schmöker!

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Veröffentlicht am 18.11.2022

Kurzweilig

Die Stewardessen. Bis zum Horizont
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Margot Frei ist jetzt in ihrem fünften Jahr Stewardess bei der Lufthansa. Ihre Familie findet es zwar super, Petticoats und Nylons aus New York zu ergattern, aber das sie immer noch ledig ist?

Margot ...

Margot Frei ist jetzt in ihrem fünften Jahr Stewardess bei der Lufthansa. Ihre Familie findet es zwar super, Petticoats und Nylons aus New York zu ergattern, aber das sie immer noch ledig ist?

Margot wiederum genießt ihr Leben und das herum reisen. Sie fliegt viel nach Amerika, sieht die Copacabana ebenso wie Chile als auch New York, liebt Beirut und Istanbul. Sie kommt herum und erhält obendrein noch ein gutes Gehalt. Aber es schleichen sich Diskrepanzen ein. Ihr geschönter Lebenslauf kann ihr zum Verhängnis werden, ihr Freund hat ein dunkles Geheimnis und sie zieht die Reißleine, in gewisser Weise.

Dieser Roman ist – genau, wie der erste, herrlich kurzweilig verfasst. Man kommt sofort wieder in Margots Leben, ihren Freundeskreis und die Zeit hinein. Zwischen 1957 und Anfang der 1960-er Jahre handelnd, erfährt man nicht nur viel über die Lebenswelt sondern auch über die Übersee-Flüge der Lufthansa, das Servicedenken bei Pan Am und die verschiedenen Lebensarten. Denn Margot zieht unter anderem in die USA. Ein wenig Hintergrundwissen gepaart mit sehr viel Charme und interessanter Geschichte machen diesen Roman aus. Ein wunderbarer Schmöker, der allerdings nicht ohne den ersten Band zu verstehen ist.

Veröffentlicht am 16.11.2022

Famos

Blutiger Schnee
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Ein Buch, wie "Babylon Berlin" Familie Sass besteht im Prinzip aus vier Brüdern, die Anfang der 1920er Jahre in der Hauptstadt leben und merken, dass sich Diebstähle und andere Gaunereien lohnen können. ...

Ein Buch, wie "Babylon Berlin" Familie Sass besteht im Prinzip aus vier Brüdern, die Anfang der 1920er Jahre in der Hauptstadt leben und merken, dass sich Diebstähle und andere Gaunereien lohnen können. Allerdings im größeren Stil nur, wenn sie gut zusammenarbeiten. Irgendwann werden sie in politische Ereignisse gezogen. Karl Liebknecht wird getötet und es geschieht noch ein Mord.

Berlin ist in dieser Zeit Ort von eher skrupellosen Gesellschaften. Die Tante Antonia Sass ist eine sehr starke Frau, die zusammen mit ihrem Neffen Franz das Gehirn der mafiösen Familie Sass wird. Sie ist die Chefin, auch wenn nach außen Franz als Chef agiert. Der Roman selbst liest sich herrlich: Anschaulich verfasst, mit ein bisschen Akzent hier, Schnodderigkeit dort und berlinernd da bringt sich Lokalkolorit nicht nur an den örtlichen Gegebenheiten ein. Dazu bleibt die Geschichte in dieser Zeitebene und man lernt nebenbei einige Hinter- und Abgründe dieser Epoche kennen. Und es ist ein Schmöker im wahrsten Sinne des Wortes. Bloß nicht abends anfangen zu lesen, ich las die halbe Nacht durch...

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Veröffentlicht am 14.11.2022

Durchwachsen

Eine fast perfekte Debütantin
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Johannas Eltern haben eine längere Reise vor sich und schicken ihren Tochter von Königsberg zu ihren Verwandten nach München. Dort geht alles ein bisschen „anständiger“ zu und ihre Großmutter führt ein ...

Johannas Eltern haben eine längere Reise vor sich und schicken ihren Tochter von Königsberg zu ihren Verwandten nach München. Dort geht alles ein bisschen „anständiger“ zu und ihre Großmutter führt ein strenges Regiment im Lilienpalais.

Johanna spielt Violine, Klavier, tanzt von Herzen gerne und malt. Sie ist gesellig und backt gerne. Damit fällt sie im strengen München sofort auf. Denn ihr zur Teezeit gebackener Kuchen düpiert sowohl das Küchenpersonal als auch ihre Großmutter. Eine Adlige hat nichts in der Küche verloren. Auf einem Gut sieht das anders aus, in einem Stadtpalais herrschen andere Sitten… Die Großmutter ist ein „Besen.“ Gut, dass ihre Cousine lockerer drauf ist. Eine Tändelei endet für sie mit tagelangem Hausarrest, der Grund dürfte selbst für diese Epoche zu trivial sein.
Ab der Mitte lässt sich der Roman gut an, wird kurzweilig statt zäh und düster und man braucht weniger Mitleid mit Johanna zu haben. Die Gouvernante bietet der Oma die Stirn und gibt der Hauptakteurin gute Tipps, auch durchaus leichtfertige. Auf einmal wendet sich das Blatt, nur wenige wissen von Johannas Doppelleben. Und dieses passt wiederum nicht zum ersten Teil. Ein wenig schon, aber der Kontrast ist groß.
Der Schreibstil ist locker, ein reiner Roman zur Kurzweil. Es wird kein Hintergrundwissen vermittelt außer ein bisschen zur Theatinerkirche. Und, wie gesagt, die zweite Hälfte ist richtig amüsant. Gut gesetzte Spannungshöhepunkte und ausgearbeitete Figuren.

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