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Veröffentlicht am 16.10.2025

Düster, faszinierend, magisch

Her Dark Power
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Inhalt:

Die junge Hexe Edda steht kurz vor ihrer Initiationszeremonie. In wenigen Stunden soll sich zeigen, ob sie als Kräuterhexe, Heilerin oder Weise Frau kategorisiert wird. Doch als der Kristall sie ...

Inhalt:

Die junge Hexe Edda steht kurz vor ihrer Initiationszeremonie. In wenigen Stunden soll sich zeigen, ob sie als Kräuterhexe, Heilerin oder Weise Frau kategorisiert wird. Doch als der Kristall sie keiner der drei Gruppen zuordnet, gerät ihre Welt aus den Fugen.

Verwirrt und verzweifelt flieht Edda und landet zufällig auf einer Beltanefeier der Dunklen Hexen; zu ihrer Überraschung fühlt sie sich dort seltsam wohl. Kurz darauf beschließt ihre Baba, sie auf das Crescent College zu schicken, eine Schule, an der schwarze Magie gelehrt wird. Dort soll Edda herauszufinden, was es mit der Düsternis in ihr auf sich hat. Hier soll sie lernen, ihre unkontrollierbar scheinenden Kräfte zu beherrschen.

Doch die Dunkelheit in Edda scheint stärker, als sie dachte. Und ausgerechnet Morven, der Hexer, mit dem sie auf der Feier noch getanzt hat, begegnet ihr am College, hier aber mit kalter Ablehnung. Während Edda verzweifelt versucht, ihren Platz in dieser neuen Welt zu finden, wird immer deutlicher, dass ihr Schicksal weitaus größer und gefährlicher ist, als sie ahnt.



Meinung:

Carina Schnell entführt ihre Leser mit „Her Dark Power“ in eine düstere, atmosphärisch dichte Welt voller Magie, Naturgewalten, Intrigen und Geheimnisse.

Die Autorin verbindet klassische Hexenelemente – Besen, Kräuterbeutel, Zauber und Rituale – mit fantasievollen Ideen wie Riesenfledermäusen, magischen Schutzzaubern und geheimnisvollen Naturgeistern. Besonders das Setting des Crescent College hat mir gefallen: ein imposantes, von Nebel und Magie umwobenes Gebäude inmitten wilder Landschaft.

Ein zentrales Thema des Romans sind die unterschiedlichen Fraktionen der Hexen. Während die weißen Hexen in Harmonie mit der Natur leben und die Göttin anbeten, feiern die Dunklen Hexen wilde Feste, verehren den Gehörnten und setzen affektives Erleben an die Stelle vernunftgeleiteter Reflexion. Diese Gegensätze ziehen sich wie ein Spannungsfeld durch die gesamte Handlung.

Edda steht zwischen diesen beiden Welten. Ihre Suche nach Identität und Zugehörigkeit bildet den emotionalen Kern der Geschichte und macht sie zu einer besonders greifbaren und vielschichtigen Figur.

Besonders mochte ich Eddas Zimmernachbarin Myr, ein Wesen mit schneeweißen Flügeln und einem riesigen Nachtfalter als tierischem Begleiter. Sie begegnet Edda in einem Moment der Verzweiflung und wird schnell zu ihrer wichtigsten Bezugsperson am College.

Ein wenig unruhig empfand ich den Plot in der Mitte des Buches. Als thematischer roter Faden, der die Charaktere schlüssig miteinander verknüpft, funktionieren einige Handlungsstränge nur leidlich gut. Dennoch bleibt die Geschichte durchweg atmosphärisch dicht und geheimnisvoll.

Diese hat mich sofort in den Bann gezogen: atmosphärisch dicht, erzählt mit Figuren, die einen nicht loslassen, die fernab von Schwarz und Weiß das Thema Identität ausloten und dabei auch Tabus brechen.

So bleibt Morven bis zuletzt ein faszinierender Charakter. Erst zum Ende des Buches erfährt man mehr über seine Herkunft, doch seine wahren Motive und seine Entwicklung bleiben weiterhin rätselhaft und wecken große Neugier auf den nächsten Band.



Fazit:

„Her Dark Power“ ist ein stimmungsvoller, düster-magischer Reihenauftakt voller Atmosphäre, Emotionen und Geheimnisse.

Genrebezeichnungen sind vor allem deshalb so erfolgreich, weil sie ihre Funktion als orientierende Konventionen zwischen Produzenten und Lesenden erfüllen. Das vorliegende Buch punktet aber vor allem mit der Kombination aus literarischen Vorlagen und originellen neuen Ideen.
Figuren werden nicht nur als bekannte Archetypen präsentiert, sondern durch neue, interessante Perspektiven vertieft.
Carina Schnell verbindet klassische Hexenmythen mit modernen Fantasy-Elementen und schafft so eine faszinierende Welt, in der Licht und Schatten untrennbar miteinander verwoben sind.

Ein Buch für alle, die dunkle Magie, geheimnisvolle Internate und starke Heldinnen lieben.

Ich bin gespannt, welche Abgründe und Wahrheiten Edda im nächsten Band noch erwarten.

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Veröffentlicht am 25.09.2025

Beklemmend, bewegend und absolut lesenswert – ein Jahreshighlight!

Lost Girls − Breathing for the First Time
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Inhalt:


Als Ehefrau des NFL-Superstars Jason Miller genießt Darcy scheinbar jeden erdenklichen Luxus. Sie lebt in einem Strandhaus am Meer und wird von den weiblichen Fans des Quaterbacks beneidet. Doch ...

Inhalt:


Als Ehefrau des NFL-Superstars Jason Miller genießt Darcy scheinbar jeden erdenklichen Luxus. Sie lebt in einem Strandhaus am Meer und wird von den weiblichen Fans des Quaterbacks beneidet. Doch was niemand weiß und die wenigsten überhaupt zu denken wagen würden, ist, dass Darcys Leben von Unterdrückung und Zwang geprägt ist. Denn auch wenn Jason Miller nach außen hin den perfekten Ehemann verkörpert, lässt er daheim regelmäßig die Maske fallen.

Darcy besitzt ein Handy, auf dem ein Tracker eingerichtet ist, damit Jason jederzeit über ihren Standort informiert ist. Sie kocht und isst nur das, was seinem strikten Ernährungsplan nicht widerspricht. Jason bestimmt genau, was und wie viel sie essen darf. Dass sie dadurch immer weiter abnimmt, kümmert ihn nicht. Auch welche Kleidung Darcy trägt, wohin sie geht und wann sie wo zu sein hat, all das entscheidet er.

Jeden Tag lebt Darcy in ständiger Anspannung. Sie weiß, dass sie sofort reagieren muss, wenn Jason ihr schreibt. Sie weiß, was er mag und was nicht. Ihr Aussehen, ihre Haare, ihre Nägel müssen perfekt sein, wenn er nach Hause kommt. Sie muss seine Gedanken erahnen und seine Wünsche voraussehen, damit sich seine Laune nicht verschlechtert.

Als Darcy eines Tages ein Risiko eingeht und einen Termin wahrnimmt, den sie eigentlich nicht hätte haben dürfen, löst sie eine fatale Kettenreaktion aus.



Meinung:


Ich habe bereits mehrere Bücher von Nikola Hotel gelesen und kann inzwischen sagen: Für mich ist sie eine Autorin, die zuverlässig starke Geschichten liefert. Vom Auftakt ihrer „Lost Girls“-Dilogie habe ich mir daher viel versprochen und wurde dennoch positiv überrascht.

Diese Geschichte hat mich tief berührt und keine Sekunde losgelassen. Ich habe von Anfang bis Ende mit Darcy gebangt und gehofft, dass sie es irgendwie schafft zu überleben. Kurz gesagt: Dieses Buch zählt zu meinen bisherigen Jahreshighlights.

Gleich zu Beginn stößt man nach dem Aufschlagen des Buches auf Zeitungsausschnitte, die vom Verschwinden von Darcy Sullivan berichten. Die Ermittlungshypothese ist, Darcy sei im Meer ertrunken.

Im Anschluss springt die Handlung vier Wochen zurück. Aus Darcys Perspektive erlebt man den Alltag einer Frau, die unter enormem psychischen Druck steht. Ihr Tagesablauf ist streng durchgetaktet, jeder Augenblick wirkt inszeniert. Sie lebt eine Lüge, die keinen Fehltritt verzeiht.

Als Jason ankündigt, mit ihr nach Charlotte ziehen zu wollen, damit er sie noch stärker kontrollieren kann, ist Darcy verzweifelt. Schon jetzt hat sie kaum eine Minute für sich. Jede Nachricht von Jason muss sie sofort beantworten, ihr gesamtes Leben richtet sich nach ihm. Ist er nicht da, übernehmen seine Mutter oder die Haushälterin die Kontrolle. Nur die wenigen Momente mit ihrem Hund am Strand sind für Darcy kleine Inseln der Freiheit.

Von der ersten Seite an war diese Spannung, dieses Unwohlsein, dieser ständige Druck spürbar und er zieht sich konsequent durch das ganze Buch. Darcy hat im Laufe der Jahre Strategien entwickelt, Jason hinters Licht zu führen. Doch als sie es endlich wagt, sich von ihm zu emanzipieren, läuft es schief und man ahnt als Leser sofort, wie gefährlich das für sie werden könnte.

Nikola Hotel gelingt es, die Dynamik zwischen Jason und Darcy extrem realistisch darzustellen, was die Geschichte noch beklemmender macht. Deshalb möchte ich an dieser Stelle ausdrücklich empfehlen, die Triggerwarnung auf der Verlagsseite ernst zu nehmen.

Jason ist ein manipulativer, machthungriger Mann mit starken Stimmungsschwankungen. Besonders erschreckend fand ich, wie er seine gesellschaftliche Stellung ausnutzt, während Darcy, isoliert von Familie und Freunden, jede Möglichkeit genommen wurde, Hilfe zu suchen. Jason beteuert täglich seine Liebe, nennt Darcy sein Ein und Alles, und verdreht im nächsten Moment die Realität.

Vor allem am Anfang hatte ich das Gefühl, eine Geschichte zu lesen, die erschreckend real wirkt. Hier wird von einem Schicksal berichtet, das sicher schon viele Frauen in ähnlicher Form erlebt haben. Trotzdem ermöglicht die Autorin ihrer Protagonistin einen perspektivischen Hoffnungsschimmer, was ich sehr mochte. Zwar gab es ein paar Wendungen, die für mich etwas konstruiert wirkten, doch das hat meinen Lesegenuss kaum geschmälert.

Ab der Hälfte beginnt ein neuer Abschnitt und zugleich ein neuer Anlauf auf etwas, das an Spannung kaum noch überboten werden kann. Neben den beklemmenden Momenten gibt es aber auch Szenen voller Wärme, die für kurze Atempausen sorgen. Dennoch bleibt die Grundstimmung düster.



Fazit:


„Lost Girls – Breathing for the First Time“ von Nikola Hotel ist ein Roman, der tief unter die Haut geht. Mit schonungsloser Ehrlichkeit und bedrückender Intensität erzählt die Autorin die Geschichte einer Frau, die in einer toxischen, immer gewaltvoller werdenden Beziehung gefangen ist.

Gerade weil viele Szenen so realistisch wirken, entfaltet die Geschichte eine enorme emotionale Wucht.

Nikola Hotel zeigt zwar jede noch so dunkle Kammer ihrer Figuren, doch gelingt es ihr oft, Licht in das Dunkel ihrer Geschichte zu bringen. Genau diese Balance zwischen Beklemmung und Hoffnung macht das Buch so besonders.

Ich kann diesen Auftakt der „Lost Girls“-Dilogie allen empfehlen, die intensive, berührende und gleichzeitig verstörend realistische Geschichten schätzen. Wichtig ist jedoch, vorab die Triggerwarnung des Verlags zu beachten, da einige Szenen sehr explizit und emotional herausfordernd sind.

Ein mutiges, eindringliches Buch, das lange nachhallt und mich persönlich tief bewegt hat.

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Veröffentlicht am 11.09.2025

Ein fesselndes und würdiges Finale der Drachensaga

Freed by Fire
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Inhalt:


Nachdem Sy, Eleni und Caja den Dreiklang lösen mussten, hatte sich Eleni wieder den wilden Drachen angeschlossen. Nun saßen Sy und Caja in den Bergen fest.
Beide fliehen in einen kleinen Gang, ...

Inhalt:


Nachdem Sy, Eleni und Caja den Dreiklang lösen mussten, hatte sich Eleni wieder den wilden Drachen angeschlossen. Nun saßen Sy und Caja in den Bergen fest.
Beide fliehen in einen kleinen Gang, der von der Herzhöhle abgeht, doch ein Ausweg ist nicht in Sicht. Der einzige Weg in die Freiheit wird von den wilden Drachen blockiert, die nach dem Überfall der Dubhar auf die Quelle in Aufruhr sind. Diese beschuldigen Sy und Caja, die Dubhar in die Nähe der Quelle gelockt zu haben. Eine Quelle, die sie mit lebenswichtiger Magie versorgt.

Sy kämpft nach dem Verlust des Dreiklangs schwer mit seiner Magie. Bereits viel zu lange befindet er sich im Delirium, während Caja verzweifelt nach einem Ausweg sucht. Dabei treibt sie der Gedanke an, dass sie Sy retten und zugleich das Wissen weitertragen muss, dass die Dubhar gelenkt werden und König Illian von Banain offenbar darin verwickelt ist.

Zunächst scheint das Schicksal Caja wohlgesinnt. Doch ihre vermeintlichen Retter entpuppen sich als Gefahr. König Illian verfolgt weiterhin seine finsteren Pläne, allen voran die Heirat mit der Prinzessin von Avion. Er ist fest entschlossen, Caja nicht entkommen zu lassen.

Während Caja ums Überleben kämpft, sucht auch Sy nach seinem Weg. Er möchte ein Umdenken bei den Drachenreitern bewirken, Illian aufhalten, Caja retten, die Zitadellen-Oberhäupter stürzen und die Dubhar bekämpfen. Dass all dies kaum auf einmal zu bewältigen ist, weiß er selbst. Doch zuerst muss er wieder zu Kräften kommen und der Höhle entfliehen. Um diesem Ziel näherzukommen, geht er einen gefährlichen Pakt ein …



Meinung:


Sy und Caja scheint nach den jüngsten Ereignissen eine Geisterbahn von Schicksal beschieden. Und wer glaubt, dass sich die Situation nicht weiter zuspitzen könnte, wird schnell eines Besseren belehrt.

Mit dem zweiten Band ihrer Drachensaga legt Liane Mars eine fesselnde und durchdachte Fortsetzung vor, die vor allem von Gesprächen, Verstrickungen, politischen Intrigen und gefährlichen Bündnissen lebt.

Besonders gelungen ist die Darstellung der Figuren. Jede einzelne wird mit ihren Gefühlen, Ängsten und Gedanken greifbar gemacht. Selbst die unsympathischen Charaktere wirken in ihrem Denken nachvollziehbar und tragen so zur Tiefe der Handlung bei.

Erneut wechseln sich die Perspektiven von Caja und Sy ab. Caja wächst in diesem Band zu einer mutigen, entschlossenen Kämpferin heran, die in kritischen Situationen schwierige Entscheidungen trifft und Sy mit unerschütterlicher Stärke zur Seite steht. Sy hingegen behält stets das große Ganze im Blick und versucht, das Richtige für alle zu tun. Gemeinsam bilden sie ein starkes Duo, das die Handlung trägt.

Ein besonderes Augenmerk liegt diesmal auch auf den Drachen. Liane Mars gelingt es, sie als imposante, gefährliche, aber zugleich facettenreiche Wesen darzustellen. Manche handeln aus Egoismus, andere sehen die Menschen nur als schwach, und wieder andere zeigen überraschend viel Mitgefühl und Empathie.

Die Geschichte balanciert immer wieder am Rand der Hoffnungslosigkeit und nicht jede Entwicklung führt zu einem glücklichen Ende. Gerade diese Unvorhersehbarkeit macht den Reiz aus: Wie im echten Leben sind Gewinne oft mit Verlusten verbunden, und nicht jedes Ziel lässt sich ohne Opfer erreichen.



Fazit:


Mit dem zweiten und zugleich finalen Band der Drachensaga schafft Liane Mars einen durchdachten und spannungsreichen Abschluss.

Intrigen, Machtspiele und gefährliche Bündnisse verweben sich zu einer fesselnden Geschichte, die von ihren starken Figuren und den eindrucksvoll dargestellten Drachen lebt.

Die ständige Balance zwischen Hoffnung und Verzweiflung verleiht dem Werk eine eindringliche Tiefe, die es zu einem würdigen Finale der Reihe macht.

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Veröffentlicht am 20.08.2025

Eine leise, bewegende Liebesgeschichte voller Hoffnung, Schmerz und unvergesslicher Momente

Preston Brothers, Band 3 - Leaving Leo
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Inhalt:

Leo war schon immer der Stillste unter den Kindern der Prestons. Wenn es ihm zu laut oder stressig wurde, klinkte er sich gedanklich aus. Ein Verhalten, das ihm half, mit bestimmten Situationen ...

Inhalt:

Leo war schon immer der Stillste unter den Kindern der Prestons. Wenn es ihm zu laut oder stressig wurde, klinkte er sich gedanklich aus. Ein Verhalten, das ihm half, mit bestimmten Situationen umzugehen, das aber letztlich auch dazu führte, dass er das Mädchen, an das er schon seit Jahren sein Herz verloren hatte, stärker verletzte, als er sich jemals hätte vorstellen können.

Virginia ist die Haushaltshilfe der Prestons. Schon seit Jahren war sie heimlich in Tom, den Vater der Prestonkinder, verliebt. Während sie mit Leidenschaft und Hingabe ihre Aufgaben im Hause Preston erfüllte, kam jedoch einer zu kurz: Ihr eigenes Kind, Mia.

Mia fühlte sich Zeit ihres Lebens einsam und ein wenig verloren. Ihre Eltern gingen im Job auf, nahmen sich jedoch nie die Zeit, die sie so dringend gebraucht hätte. Für Mia gibt es nur drei Menschen, die ihr besonders am Herzen liegen: Ihr Großvater, der in North Carolina in einem kleinen Dorf auf einer alten Farm lebt, ihr Kindheitsfreund Holden, der immer für sie da war, und Leo, der Junge, dem sie ihr Herz geschenkt hat.

Doch ausgerechnet Leo, mit dem sie so viele schöne Momente geteilt hat, lässt sie in einer Situation im Stich, in der sie seinen Zuspruch und seine Unterstützung gebraucht hätte. Er schweigt und gerade dieses Schweigen bricht Mias Herz.



Meinung:

„Leaving Leo“ ist mit gut 750 Seiten der wohl umfangreichste und vielleicht sogar emotionalste Band der Reihe.

In diesem Teil der „Preston-Brothers“-Reihe lernen wir Leo, das ruhigste Kind der Familie, näher kennen. Bereits in den Vorbänden fand ich seine Figur interessant. Mit seiner stillen Art und seiner Scheu, im Mittelpunkt zu stehen, konnte ich mich gut identifizieren. Wenn es laut oder stressig wird, zieht sich Leo am liebsten zurück. Seine Familie nennt dieses Verhalten liebevoll, „sich ausklinken“.

In Leos Gedanken einzutauchen, ist nicht einfach, gerade weil er so still ist. Er ist ein guter Zuhörer, und genau das schätzen andere an ihm. Neben seiner Familie gibt es nur einen Menschen, der ihm besonders nahekommt: Mia, die Tochter der Haushälterin. Sie lebt eigentlich bei ihrem Großvater auf einer kleinen Farm und begleitet ihre Mutter nur manchmal in den Haushalt der Prestons.

Wenn Mia da ist, verbringen Leo und sie viel Zeit miteinander. Sie teilen kleine, persönliche Herzensmomente. Sie essen heimlich Hackbraten hinter dem Rücken der anderen Prestons, sprechen über Mias Vater oder machen frühmorgens Spaziergänge zu einem stillgelegten Wasserturm, um dort mit Thermoskanne und Snacks den Sonnenaufgang zu genießen.

Das Buch erzählt in Zeitsprüngen von ihren Begegnungen nach längeren Trennungen. Jede Wiedervereinigung ist geprägt von schönen Momenten und tiefgehenden Gesprächen, aber auch von Verletzungen. Immer wieder geschieht etwas Unerwartetes, und man weiß nie, ob es ein nächstes Treffen oder eine Versöhnung geben wird. Bis schließlich etwas passiert, das Mia so sehr verletzt, dass eine Zäsur vollzogen wurde.

Jay McLean nimmt sich in diesem Buch viel Zeit für die Geschichte ihrer beiden Protagonisten, was es für mich zu etwas Besonderem gemacht hat. Auch in Leos und Mias Geschichte gibt es wachrüttelnde, dramatische Szenen, die zutiefst berühren. Doch während „Loving Lucas“ und „Losing Logan“ gegen Ende mit einem großen Knall und wirklich schlimmen Ereignissen aufwarten, wirkt „Leaving Leo“ wie ein ganzes, ausgewogen erzähltes Leben zweier Figuren, mit all seiner Tragik, seinen Schicksalsschlägen, aber auch mit Versöhnungen und schönen Momenten. Es fühlt sich an, als dürfte man als Leser ein großer Teil dieses Lebens sein.

Auch wenn es sich bei allen drei Bänden der Reihe um eigenständige Geschichten handelt, würde ich empfehlen, vorab die anderen Bücher zu lesen. Nur so versteht man bestimmte Verhaltensmuster der Haupt- und Nebenfiguren vollständig.

Während des Lesens habe ich oft mit Leo gefühlt. Als sein Vater ihm vorschlägt, eine Auszeit zu nehmen und einem alten Mann bei der Renovierung seines Hauses zu helfen, atmet Leo auf. Die Ruhe, die er dort findet, und das stille Arbeiten tun ihm gut. In einer Großfamilie ist es schließlich immer laut, irgendetwas passiert ständig. Sei es ein Streich unter Brüdern oder andere Turbulenzen. Dieser Trubel bringt Leo oft aus dem Gleichgewicht. Auf der abgelegenen Farm findet er wieder zu sich selbst. Das als Leser mitzuerleben, vermittelt eine emotionale Leseerfahrung.

Und doch sehnt er sich irgendwann zurück, nach seiner Familie, ihrem Zusammenhalt und vielleicht auch nach der Lebendigkeit, die er dort Tag für Tag erlebt.

Besonders ins Herz geschlossen habe ich neben der Preston-Familie auch Mias Herzensmenschen: Ihren Großvater, der liebevoll wie ein Ersatzvater ist, und Holden, ihren Kindheitsfreund. Die Liebe und der Zusammenhalt zwischen Mia und ihrem Großvater waren für mich beim Lesen greifbar. Holden wiederum ist frech und neckt Mia gern, aber immer liebevoll. Er ist ihre absolute Vertrauensperson. Zwischen die beiden passt sprichwörtlich kein Blatt. Diese geschwisterliche Liebe hat mich berührt und jemanden wie Holden wünscht sich wohl jede als Bezugsperson.

Auch in „Leaving Leo“ werden wieder potenziell belastende Themen angesprochen. Deshalb ist es ratsam, vor dem Lesen einen Blick auf die Triggerwarnung am Ende des Buches zu werfen.



Fazit:

In „Leaving Leo“ erzählt Jay McLean die Geschichte zweier Menschen, die sich seit Kindesbeinen kennen, in Form von Zeitsprüngen.

Es geht um Abschiede, ums Verlassenwerden, aber auch um Hoffnung und um Chancen, die man ergreifen sollte. Im Kern handelt es sich um eine Geschichte über das Verzeihen. Sie wirkt wie eine Lebensgeschichte voller zauberhafter, weiser, humorvoller und trauriger Momente, mit Schicksalsschlägen, Zusammenhalt und ganz viel Liebe.

Der dritte Band der „Preston-Brothers“-Saga steckt voller Gefühle und kleiner Herzensmomente, aber auch voller Schmerz. Jay McLean lässt die Lesenden am Leben ihrer Protagonisten teilhaben, gekonnt gelingt es ihr, extreme emotionale Erfahrungen in Worte fassen. Das hat mir sehr gefallen.

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Veröffentlicht am 12.08.2025

Chaotisch, schmerzhaft, tiefgründig

Preston Brothers, Band 2 - Losing Logan
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Inhalt:


Logan ist genervt von seiner Freundin Joy. Von ihrem Aussehen bis hin zu ihrem aufgesetzten Lachen. Warum ist er überhaupt mit ihr zusammen? Vielleicht wegen der körperlichen Nähe, denkt er. ...


Inhalt:


Logan ist genervt von seiner Freundin Joy. Von ihrem Aussehen bis hin zu ihrem aufgesetzten Lachen. Warum ist er überhaupt mit ihr zusammen? Vielleicht wegen der körperlichen Nähe, denkt er. Auf dem Weg zu einer Hausparty soll er Joys beste Freundin Aubrey mitnehmen. Die beiden begegnen sich anfangs mit Abneigung. Logan eröffnet mit herablassender Ironie, Aubrey kontert scharfzüngig.

Doch auf der Party kommt alles anders. Logan erwischt Joy in flagranti mit einem anderen. Er verlässt mit Aubrey die Feier. Die beiden verbringen eine verrückte, ungeplante Nacht miteinander. Logan erkennt, dass er Aubrey völlig falsch eingeschätzt hat. Sie ist schräg, tough, außergewöhnlich und bereit, ihn so zu nehmen, wie er ist. Eine Annäherung beginnt.



Meine Meinung:


Wer meine Rezension zu "Loving Lucas" gelesen hat, weiß, wie sehr ich die Preston-Familie lieben gelernt habe. Gerade ein Band über Logan, der im ersten Band oft negativ auffiel, weckte in mir die Hoffnung, dass es gelingt die Charaktertiefe und Entwicklung von Logan über die Seiten hinweg konsistent als komplexe, aber grundsätzlich sympathische Figur darzustellen.

Doch gleich zu Beginn von "Losing Logan" wurde ich enttäuscht: Logan wirkt gefühllos, oberflächlich, verletzend. Seine Beziehung zu Joy erscheint völlig inhaltsleer, abgesehen vielleicht von dem körperlichen Aspekt. Als Joy ihn betrügt, bleibt jede Spur von Schmerz aus. Und auch Aubrey, Joys beste Freundin, reagiert merkwürdig. Sie stellt Joy nicht einmal zur Rede, sondern verbringt stattdessen einen sorglosen Abend mit deren Ex. Moralisch fragwürdig, wie ich finde.

Trotzdem habe ich versucht, mich auf Logan einzulassen. Denn sein Zusammensein mit Aubrey entwickelt sich durchaus interessant. Die Dynamik ist spritzig, unvorhersehbar und ja, manchmal auch zum Schmunzeln. Doch immer wieder zerstört Logan durch egozentrisches, unsensibles Verhalten die zarten Bande, die entstehen. Ein Beispiel: Als Aubrey Angst hat und sich an ihn klammert, denkt er in erster Linie an die körperliche Nähe und seine Gelüste, nicht daran, sie zu trösten.

Empathie ist definitiv nicht Logans Stärke. Im Gegenteil: Sein Vokabular ließ dabei an Eindeutigkeit nicht zu wünschen übrig. Aussagen wie „Verpiss dich!“ sind keine Seltenheit. Die Beziehung zwischen ihm und Aubrey wirkt stellenweise toxisch und als Leserin fragte ich mich mehr als einmal, warum sie sich das antut. Souveränität und der Selbstbehauptung scheint sie im Lauf der Geschichte immer mehr für Logan aufzugeben.

Ein Lichtblick war für mich der kleine Lachlan, Logans jüngster Bruder. Seine Entwicklung war herzerwärmend. Seine Freundschaft zu Aubrey war mein persönliches Highlight – ehrlich, liebevoll, unaufgesetzt. Er brachte die Menschlichkeit in die Geschichte, die mir bei Logan oft gefehlt hat.

Und dann, zum Ende hin, ändert sich das Bild: Jay McLean gelingt es, die psychologische Tiefe ihrer Figuren sichtbar zu machen. Sowohl Aubrey als auch Logan tragen schmerzhafte Biografien mit sich. Vor allem Logans Geschichte, die über den Verlust seiner Mutter hinausgeht, ist erschütternd. Erst im Rückblick begreift man, warum er so ist, wie er ist. Verstehen heißt aber nicht gleich verzeihen und so bleibt meine Haltung zu ihm ambivalent.



Fazit:


„Losing Logan“ war für mich emotional aufreibend. Der Protagonist ist anfangs als Unsympath konzipiert. Logan war schwer zu ertragen. Über die Seiten wird das Buch aber zu einer Charakterstudie einer verletzten Seele.

Jay McLean schreibt mit Tiefe, mit Mut zu schwierigen Charakteren und mit viel Gefühl. Das verdient Respekt. Zwischen packenden Passagen gibt es aber auch immer wieder störende Elemente.

Mein Highlight:
Lachlan.

Meine Erkenntnis:
Die Dichotomie "Täter-Opfer" ist eine vereinfachende Struktur. Die starre Trennung übersieht, dass Menschen sowohl Opfer als auch Täter sein können.

Meine Empfehlung:
Nur mit Band 1 (Loving Lucas) im Gepäck lesen und mit der Bereitschaft, nicht jede Figur mögen zu müssen.

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