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Veröffentlicht am 07.04.2019

Familiäre Abgründe

ALLES WAS ICH DIR GEBEN WILL
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Der Schriftsteller Manuel stellt nach dem Tod seines Mannes Álvaro fest, dass dieser ein Doppelleben geführt hat. Eine Reise nach Galicien bringt die dunklen Details einer Familiengeschichte zutage.
Als ...

Der Schriftsteller Manuel stellt nach dem Tod seines Mannes Álvaro fest, dass dieser ein Doppelleben geführt hat. Eine Reise nach Galicien bringt die dunklen Details einer Familiengeschichte zutage.
Als Leser begleiten wir von Anfang an den Protagonisten und können uns gut in seine Verständnislosigkeit und Hilflosigkeit hineinversetzen. Und wir geraten in einen Sog und wollen mit ihm herausfinden, was es mit dieser geheimgehaltenen Parallelwelt auf sich hat.
Der Roman wartet mit vielen Facetten auf. In erster Linie ist er ein Krimi mit einer inoffiziellen Ermittlung in verschiedenen Todesfällen. Dann zeigt er uns die Verflechtungen einer Familie mit Macht und die Allüren ihrer Mitglieder. Das alles geschieht vor dem Hintergrund einer reizvollen Landschaft im Nordwesten Spaniens, deren Weinberge ein idyllisches Flair vermitteln.
Mir hat gut gefallen, wie die Figuren entwickelt wurden und wie die Autorin den Faden führte, der die unterschiedlichen Elemente vereinte. Das machte „Alles was ich dir geben will“ für mich zu einem Krimi mit dem gewissen Etwas.

Veröffentlicht am 31.03.2019

Sommer in Berlin

Sommer bei Gesomina
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Der 12-jährige Jona verbringt den Sommer bei seiner ehemaligen Kinderfrau Gesomina. Dabei lernt er neben ihrer Geschichte auch viele Bewohner ihres Berliner Viertels kennen.
Der Roman ist geprägt von den ...

Der 12-jährige Jona verbringt den Sommer bei seiner ehemaligen Kinderfrau Gesomina. Dabei lernt er neben ihrer Geschichte auch viele Bewohner ihres Berliner Viertels kennen.
Der Roman ist geprägt von den Sehnsüchten und Lebensentwürfen seiner Figuren, die unterschiedlicher nicht sein könnten und zahlreich auftreten. Damit folgt Beckerhoff einem bewährten Rezept, das mir bei seinem Buch „Herrn Haiduks Laden der Wünsche“ gut gefallen hatte.
Diesmal war es mir irgendwie zu viel des Guten, die ständige Wiederholung, dass ein bestimmtes Gebäck verzehrt wurde, zu viel Gewusel und dabei zu wenig Tiefe. Denn die eigentliche Geschichte der Protagonistin, die voller Entbehrungen und einer Flucht geprägt war, wurde eigentlich nur am Rande abgehandelt. Ich wollte dieses Buch mögen, doch irgendwie hat es mir nicht das gegeben, was ich erwartet hatte.

Veröffentlicht am 31.03.2019

Powerporträts

Power People - Frauen und Männer, die die Welt verändert haben
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„Power People“ ist nach „Power Women“ das nächste Buch des Autors, das in 25 Porträts Persönlichkeiten der Geschichte darstellt, die in ihrer Zeit Mut bewiesen haben und sich nicht von ihren Zielen abbringen ...

„Power People“ ist nach „Power Women“ das nächste Buch des Autors, das in 25 Porträts Persönlichkeiten der Geschichte darstellt, die in ihrer Zeit Mut bewiesen haben und sich nicht von ihren Zielen abbringen ließen. Einige kennt man (wie Stephen Hawking), andere sollte man kennenlernen (wie Boudicca, die sich gegen die Römer zur Wehr setzte), weil ihre Beispiele zeigen, dass man sich nicht kleinreden lassen darf und Neuem eine Chance geben soll. Das Sachbuch für Kinder ist farbenfroh gestaltet und enthält Ratschläge, die an das Wesen der vorgestellten Person angelehnt sind („Aber wie kannst du deiner Lehrerin ins Gesicht sagen, dass sie falsch liegt? Wie würde Galileo handeln?“). Ein tolles Konzept und unbedingt zu empfehlen!

Veröffentlicht am 24.03.2019

Ein Klavier

Das Gewicht eines Pianos
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Zwei Frauen, Katya aus Russland und Clara aus den USA, verbindet ein Klavier.
„Aber aufrecht stehende Blüthner-Klaviere begegnen einem in den Staaten nicht so oft, schon gar keine so alten. In Europa, ...

Zwei Frauen, Katya aus Russland und Clara aus den USA, verbindet ein Klavier.
„Aber aufrecht stehende Blüthner-Klaviere begegnen einem in den Staaten nicht so oft, schon gar keine so alten. In Europa, klar, da sind sie so häufig wie Kleenex.“ Das Klavier steht hier symbolisch für Vieles, natürlich für die Liebe zur Musik, aber auch für Freiheit und Familie. Und so dient die Sorge um das Klavier maßgeblich dazu, Erinnerungen aufleben zu lassen, Familiengeschichte zu verstehen und die eigene Identität zu finden.
Mich hat dieser Roman begeistert, denn er zeigte, wie Musik Hoffnung macht in schweren Zeiten und die einfache Anwesenheit eines Instruments Erlösung verspricht. Und da die Leben der Figuren in den verschiedenen Zeiten authentisch dargestellt werden (insbesondere die Rolle der Frau), wirkt das weder abgehoben noch kitschig. Eine ungewöhnliche Geschichte, ein tolles Buch!

Veröffentlicht am 05.03.2019

Experimentell

Nachtleuchten
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Argentinien, Perón ist an der Macht, und ein Umbruch liegt in der Luft, während die Bürger von Buenos Aires ihren eigenen Bedürfnissen und Träumen nachhängen.
Der Roman spielt im Viertel Ballester, zwischen ...

Argentinien, Perón ist an der Macht, und ein Umbruch liegt in der Luft, während die Bürger von Buenos Aires ihren eigenen Bedürfnissen und Träumen nachhängen.
Der Roman spielt im Viertel Ballester, zwischen katholischer Mädchenschule, Friseursalon und Autowerkstatt, und hat dessen Einwohner als Protagonisten. Während die Szenen um die 12-jährige Teresa und ihr Schulalltag unter Nonnen einen amüsanten Ausgangspunkt darstellten, habe ich jedoch schon bald den Anschluss verloren und konnte für mich nicht mehr viel aus diesem Roman mitnehmen.
Daran konnten auch wunderbare Sätze nichts ändern, wie „Teresa befreite das Vergrößerungsglas vom letzten Tesastreifen wie zuvor ihre Augen vom Schlaf, als sie nicht hätte sagen können, ob der Schatten, der in Zeitlupe den Schlüsselbund von der Wand abhängt und die Eingangstür hinter sich geschlossen hatte, Bestandteil ihrer Träume gewesen war oder nicht.“
Mir gefiel das Spiel mit Formen (anders gedruckt) und Wörtern (Aufzählungen und Wortspiele). Um das Buch zu mögen, hätte es für mich aber mehr zusammenhängende Handlung gebraucht.