Dieses Buch ist aus zwei Perspektiven geschrieben. Die Perspektive von Jule, die mit David verheiratet ist, in einer kinderlos gebliebenen Ehe, in der schon länger die Verbundenheit und Leidenschaft fehlt. ...
Dieses Buch ist aus zwei Perspektiven geschrieben. Die Perspektive von Jule, die mit David verheiratet ist, in einer kinderlos gebliebenen Ehe, in der schon länger die Verbundenheit und Leidenschaft fehlt. Und die Perspektive von Hellen, der Geliebten von David, alleinerziehende Mutter zweier Kinder. Hellen weiß von Jule und kommentiert deren Leben... Jule weiß lange nichts von Hellen. Jule erleben wir durch den Blick von außen, über sie wird in der dritten Person erzählt. Hellen erleben wir unmittelbarer, sie spricht in der Ich-Form, und zwar zu Jule, auch wenn diese sie (erst einmal) nicht hören kann.
Ich habe es sehr genossen, dieses Buch zu lesen, es ist unterhaltsam und gut geschrieben und stellt dabei auf seine leise Art tiefgründige Lebensfragen zu Themen wie Partnerschaft, Authentizität und Lebensträume. Die Figuren sind tiefgründig gezeichnet und die Handlung hat spannende, unerwartete Wendungen. Ein recht kurzes Buch und doch eines der besten, das ich letztes Jahr gelesen habe.
Das Wiener Milieu derer, die alles haben, zumindest auf materieller Ebene. Zwei gesellschaftlich sehr gut situierte Familien nehmen als Unterhaltung für die Tochter - und um sich moralisch gut zu fühlen ...
Das Wiener Milieu derer, die alles haben, zumindest auf materieller Ebene. Zwei gesellschaftlich sehr gut situierte Familien nehmen als Unterhaltung für die Tochter - und um sich moralisch gut zu fühlen - ein Flüchtlingsmädchen mit auf ihren Toskanaurlaub. Ohne sich wirklich für das Mädchen, seine Familie oder deren Hintergründe und Erlebnisse zu interessieren. Das Mädchen ist schüchtern, still, ruhig, angepasst und dankbar, man "spürt es nicht". Bis es auf einmal verschwunden ist und im Pool ertrinkt. Und die Abgründe der vermeintlich heilen Welt und der Moral der Familien offenbart.
Kluges, gut geschriebenes Buch, nachdenklich machend genauso wie unterhaltsam zu lesen.
Ein Life Coach geht zum Begräbnis einer alten Schulfreundin, bleibt auf dem Heimweg mit dem Zug stecken, verlässt diesen, sucht sich seinen Weg durch die Wildnis, findet ein kleines Dorf und lernt dort ...
Ein Life Coach geht zum Begräbnis einer alten Schulfreundin, bleibt auf dem Heimweg mit dem Zug stecken, verlässt diesen, sucht sich seinen Weg durch die Wildnis, findet ein kleines Dorf und lernt dort einen weisen alten Mann kennen. In den folgenden 24 Stunden tauschen sich die beiden über Musik, Persönlichkeitsentwicklung und das Leben aus. Dabei spürt der junge Mann, wie sehr er die Verbindung zu sich selbst in den letzten Jahren verloren hatte... und wie Musik ihm helfen kann, sie wieder zu finden.
Es ist ein stilles, ruhiges Buch, mit Gesprächen, Musik, gutem Essen und wieder zu sich finden in einer eingeschneiten Winterlandschaft. Es passiert nicht sehr viel - wer Action sucht, ist hier falsch. Doch mir hat es genau mit seiner ruhigen Art sehr gut getan und mich dazu inspiriert, auch selbst über meine Verbindung zur Musik, meine Werte und über das, was mir im Leben wichtig ist, nachzudenken.
Arctic Mirage ist ein Buch, für das es die richtige Stimmung und ein Sich-Einlassen-Wollen braucht. Es ist keine Feel-Good-Lektüre und kein typischer Krimi oder Thriller, sondern die Beschreibung einer ...
Arctic Mirage ist ein Buch, für das es die richtige Stimmung und ein Sich-Einlassen-Wollen braucht. Es ist keine Feel-Good-Lektüre und kein typischer Krimi oder Thriller, sondern die Beschreibung einer sehr dunklen Beziehungsdynamik. Das Ende wird gleich auf der ersten Seite vorweggenommen, das nimmt ein bisschen etwas von der Spannung. Andererseits liest man dadurch das Buch auch mit einem speziellen Fokus und fragt sich, wie es zu dieser Entwicklung gekommen sein mag.
Der Schreibstil spiegelt das Thema des Buches. So gut wie alle beteiligten Personen werden in einer Weise geschildert, in der man sich ihnen nicht nahe fühlt. Die ganze Atmosphäre ist kalt, distanziert, düster, und lädt wenig zu Empathie ein, mit kaum jemandem der Charaktere. Handlungen echter Freundlichkeit oder Menschenliebe kommen kaum vor.
Ich empfehle das Buch allen, die sich für toxische Beziehungen, Narzissmus, Psychopathie und Gaslighting interessieren und sich von diesen Themen nicht getriggert fühlen, sondern darauf einlassen wollen. Die Hauptbotschaft des Buches ist für mich eine emotionale, es lässt mich emotional berührt zurück, weil ich nun diese Dynamiken noch besser nicht nur verstehen, sondern auch nachfühlen kann.
Inhaltlich bleiben viele Stellen offen und es werden nicht alle offenen Fragen am Ende geklärt... vielleicht gehört aber auch das zu dem Gefühl, das das Buch vermitteln will.
Schön wäre es gewesen, auch ein bisschen noch mehr ein Gefühl für den hohen Norden Finnlands und Lapplands durch das Buch zu bekommen, das kam ein bisschen zu kurz - war aber auch nicht Hauptthema und -fokus des Buches.
Mit "Liebesmühe" erzählt Christina Wessely mutig von ihren eigenen Erfahrungen mit einem gesellschaftlich noch viel zu wenig beachteten Thema: was für eine unglaublich überwältigende Transformation es ...
Mit "Liebesmühe" erzählt Christina Wessely mutig von ihren eigenen Erfahrungen mit einem gesellschaftlich noch viel zu wenig beachteten Thema: was für eine unglaublich überwältigende Transformation es sein kann - und oft auch ist - ein Kind zu bekommen und Schritt für Schritt sich in der neuen Rolle wiederzufinden. Wie sie im Buch auch beschreibt, es kommt eben nicht nur einfach etwas zur eigenen Identität dazu, wenn man ein Kind bekommt... nein, für viele Frauen ändert sich etwas ganz Grundlegendes, das alle Lebensbereiche und die Sicht auf die eigene Welt zutiefst mit transformiert.
Distanziert aus der Perspektive der dritten Person geschrieben, lernen wir in dem Buch eine Frau kennen, die ein erfülltes Leben lebt, an die 40 ist, viel Freude an ihrem Wunschberuf und viele schöne Freizeitaktivitäten hat... und der dann der Boden unter den Füßen weggezogen wird, als sie nach der Geburt ihres Kindes von einer postpartalen Depression erwischt wird... (wie so viele Frauen, mindestens 15 Prozent, Dunkelziffer vermutlich höher). Der Schreibstil ist mitreißend, das Buch liest sich leicht und flüssig, ich hatte es in kurzer Zeit durch, habe mit der Protagonistin mitgefühlt und wollte wissen, wie es weitergeht.
Sehr gut hat mir auch gefallen, wie gut der Schreibstil emotional die Thematik der postpartalen Depression abbildet: wir erfahren ganz viel über die Protagonistin und ihre Gedanken- und Gefühlswelt, über ihre oft missglückten Versuche, Anschluss an die Welt der anderen Mütter zu finden, über ihre Reflexionen über das gesellschaftliche Ideal der sofortigen bedingungslosen Mutterliebe und dessen historische Einordnung... und nur ganz wenig über ihr Kind und die Beziehung zu ihm. Denn diese Beziehung ist es ja, die erst einmal nicht glückt, die sehr distanziert ist... und das wird im Buch stark fühlbar und genau dadurch die postpartale Depression nicht nur intellektuell begreifbar, sondern tatsächlich mitfühlbar. Gleichzeitig zeigt sie auch ihren Weg der Heilung auf und macht damit anderen Betroffenen Mut, dass eine postpartale Depression grundsätzlich gut behandelbar und heilbar ist... und um wie vieles heller die Welt sich dann wieder anfühlt.
Ich empfehle das Buch allen, die sich gerne mehr auch mit den möglichen dunklen Seiten des Mutter-Werdens in unserer Gesellschaft und mit dem Thema postpartale Depression auseinandersetzen möchten. Schließlich betrifft das Thema uns alle: wir alle wurden von einer Mutter geboren, manche von uns werden selbst Eltern, und statistisch kennen alle von uns mehrere Frauen und deren Kinder, die von einer postpartalen Depression betroffen waren.
Nur mit Vorbehalt empfehle ich das Buch jenen, die selbst gerade an einer postpartalen Depression leiden oder sonst psychisch instabil sind: es kommen auch Szenen vor, die triggernd sein können, insbesondere sehr konkrete Beschreibungen von Suizidgedanken und -plänen. Diese haben in so einem Buch ihren legitimen Platz und tragen dazu bei, das Krankheitsbild noch besser verstehen und nachfühlen zu können... sind aber nur für Menschen geeignet, die derzeit in einer emotionalen Lage sind, damit gut umgehen zu können.
Abschließend noch: meine tiefste Anerkennung an die Autorin für diesen Mut, so ehrlich über dieses persönliche Thema zu schreiben!