Platzhalter für Profilbild

Evlupps

Lesejury Profi
offline

Evlupps ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Evlupps über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 06.01.2025

Für Fans von Inception oder Jacques Lacan

Wackelkontakt
0

Wackelkontakt von Wolf Haas fällt als allererstes durch das außergewöhnliche Cover auf. Ich konnte das Buch nicht länger anschauen, ohne dass mir schwindlig wurde und das passt ganz gut zum Inhalt ...

Wackelkontakt von Wolf Haas fällt als allererstes durch das außergewöhnliche Cover auf. Ich konnte das Buch nicht länger anschauen, ohne dass mir schwindlig wurde und das passt ganz gut zum Inhalt der Geschichte (dazu später mehr). Wenn man den Schutzumschlag abnimmt, gibt es auch eine kleine Überraschung auf dem Cover (so etwas gefällt mir ja immer sehr gut). Optisch also schon einmal sehr gelungen.
Und dann zum Inhalt. Das Buch hätte wirklich richtig gut sein können. Aber wann kommt es endlich bei Autoren an, dass es nicht cool ist, Frauen zu objektifizieren? Auch nicht literarisch. Und vor allem nicht, wenn die Stellen absolut nichts zur Geschichte beitragen und man sie, wenn man sie schon nicht umschreiben möchte, auch einfach weglassen könnte. Und ja, wenn die Brüste einer Frau als „ihre nicht zu übersehenden Vorzüge“ beschrieben werden, ist das objektifizierend. Und auch literarisch nicht gerade originell, ganz ehrlich.
Abgesehen davon ist es ein Buch, das man ganz wunderbar mit einem Seminar zum Thema postmoderne Literatur lesen kann. Es wirkt fast ein bisschen so, als hätte Wolf Haas eine Liste gehabt mit Aspekten, die diese Literatur ausmachen (können), und hätte sich dann ans Werk gemacht. Und das mag jetzt so klingen, als wäre das negativ, aber so meine ich das gar nicht. Ich hatte großen Spaß dabei, die verschiedenen Aspekte zu entdecken, miteinander in Verbindung zu setzen, Hypothesen aufzustellen und einfach mal wieder so richtig theoretisch in die Analyse zu gehen. Wir begegnen unter anderem Lacan, Derrida, oder de Saussure und ich freue mich ja jedes Mal über ein Wiedersehen mit diesen Franzosen.
Aber keine Sorge, der Roman funktioniert auch ganz prima ohne all das und man braucht absolut kein Vorwissen. Es geht viel um Sprache und (die Auflösung von) Bedeutung, das Infragestellen von Wahrheiten, den Wegfall von Kausalzusammenhängen, Fragmentierung, Zufall. Und eben auch um eine abgefahren absurde Geschichte, die trotz aller Unmöglichkeit doch irgendwie plausibel wirkt, wenn man sich darauf einlässt.
Die Idee, dass eine Figur einen Roman liest, in dem sie selbst vorkommt, ist so neu nicht. Ich erinnere mich an Austers Travels in the Scriptorium, bei dem das bereits in Ansätzen vorhanden ist. Und es gibt sicher viele weitere. Aber es ist hier gut gemacht. Und das bringt mich auch zum Anfang meiner Rezension zurück: wenn man versucht, die Ebenen der Geschichte genau aufzudröseln, kann es sein, dass einem schwindelig wird. Es ist ein bisschen Inception und viel willing suspension of disbelief, also die Bereitschaft der Lesenden, nicht alles zu hinterfragen, und einfach mal etwas hinzunehmen.
Ich finde es jetzt schwierig, den Roman neutral zu bewerten, da mich Misogynie einfach richtig nervt und ich es leid bin, dass es so oft einfach hingenommen und ignoriert wird und dadurch einfach kein Umdenken stattfindet. Die Story an sich hat mich schon gefesselt und ich habe das Buch innerhalb eines Tages gelesen, weil ich immer wissen wollte, wie es weiter geht. Aber ich habe mich halt auch immer wieder aufgeregt. Und das finde ich umso schlimmer bei Büchern, die ich so gerne uneingeschränkt gemocht hätte.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 28.12.2024

Auftakt in neue Fantasyreihe für Kinder mit Luft nach oben

Retter der Drachen – Sei schnell wie der Wind! (Retter der Drachen 1)
0

3,5/5 Sternen
Retter der Drachen – Sei schnell wie der Wind! von Annett Stütze und Britta Vorbach, und illustriert von Stefanie Klaßen, ist der Auftakt in diese neue Serie für Kinder ab sieben ...

3,5/5 Sternen
Retter der Drachen – Sei schnell wie der Wind! von Annett Stütze und Britta Vorbach, und illustriert von Stefanie Klaßen, ist der Auftakt in diese neue Serie für Kinder ab sieben Jahren. Gedacht ist es als Erstlesebuch, wobei ich es meinem Sohn vorgelesen habe (er ist allerdings erst fünf). Ich würde sagen, die Erstlesenden müssen schon relativ gut motiviert sein, denn es ist ein eher langes Buch.
Zum Inhalt: Lea muss mit ihrer Familie umziehen, und an ihrem ersten Tag in Drachenfels erhält sie von der Fee Nebula ein Drachenei. Natürlich schlüpft daraus relativ bald ein kleiner Drache, der sie an ihrem ersten Tag in die neue Schule heimlich begleitet. Von nun erleben wir mit den beiden diverse lustige/kuriose Situationen, und wir erfahren ein bisschen über die Hintergründe: ein böser Drache hat die Macht im Drachenreich an sich gerissen, und so brauchen die Drachen nun die Hilfe der Menschen. Das war es dann im Großen und Ganzen aber auch schon an Informationen und hier hätte ich mir wirklich mehr Unterbau gewünscht. Da das ganze als Serie ausgelegt ist, erfahren wir selbst am Ende des Buches vieles noch nicht und ich kann mir vorstellen, dass es manche Leser:innen vielleicht etwas frustriert zurücklässt, vor allem, wenn sie sich mühsam durch das Buch gekämpft haben.
Meinem Sohn hat es dennoch sehr gut gefallen und auch die wunderbaren Illustrationen haben für Begeisterung gesorgt. Ich kann mir durchaus vorstellen, dass wir das nächste Buch noch lesen werden und dann schauen, ob wir die Reihe weiter verfolgen oder nicht – je nachdem, wie gut die Ausarbeitung der Fantasy-Elemente ist. Hier ist definitiv noch ein bisschen Luft nach oben.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 23.12.2024

Lustiges Kinderbuch mit Nostalgie-Effekt für die Eltern

Pumuckl, Tiergeschichten
0

Die Pumuckl Tiergeschichten von Ellis Kaut, mit Illustrationen von Uli Leistenschneider, umfasst 9 Geschichten. In typischer Pumuckl-Manier wird es lustig und ein bisschen albern, aber immer auch lehrreich ...

Die Pumuckl Tiergeschichten von Ellis Kaut, mit Illustrationen von Uli Leistenschneider, umfasst 9 Geschichten. In typischer Pumuckl-Manier wird es lustig und ein bisschen albern, aber immer auch lehrreich und herzlich. Selbstverständlich dürfen auch die geliebten Reime nicht fehlen!
Schön finde ich, dass die Tiergeschichten aus ganz unterschiedlichen Bereichen kommen, und so viele Aspekte abdecken. Mein Sohn fragt immer wieder nach einem Haustier, was bei uns aus verschiedenen Gründen leider nicht möglich ist, und anhand des Buches konnten wir ihm sehr gut erklären, was man alles bedenken muss und was trotz aller Tierliebe auch gegen ein Haustier sprechen kann. In diesem Sinne hat mir der Schluss besonders gut gefallen, denn die Lösung passt sehr gut zu unserer Situation.
Der einzige kleine Kritikpunkt ist für mich, dass die Geschichten fürs abendliche Vorlesen ziemlich lang sind. Aber das ist natürlich sehr subjektiv und je nach Alter des Kindes auch nicht mehr so wichtig.
Alles in allem ein wunderbares Kinderbuch, das mich ab und zu ziemlich nostalgisch werden lässt.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 18.12.2024

Süßes bedürfnisorientiertes Kinderbuch

Streit! Und nun? Das artgerecht-Bilderbuch von Nicola Schmidt
0

Streit! Und nun? Das artgerecht-Bilderbuch von Nicola Schmidt, das von Lisa Hänsch illustriert wurde, begleitet eine Gruppe von Freunden auf dem Spielplatz. Sie alle sind unterschiedlich und ...

Streit! Und nun? Das artgerecht-Bilderbuch von Nicola Schmidt, das von Lisa Hänsch illustriert wurde, begleitet eine Gruppe von Freunden auf dem Spielplatz. Sie alle sind unterschiedlich und alle haben unterschiedliche Bedürfnisse – so wie es eben im echten Leben auch ist. Und so kommt es, wie es kommen muss: sie streiten sich. Wer zuerst rutschen darf, wer wie lange schaukeln darf, und wer die Schaufel haben darf. Die Erwachsenen schreiten hier nicht mit der perfekten Lösung ein, sondern ermutigen die Tierkinder, sich zu überlegen, was man nun machen könnte. Durch die Wahl von Tieren fällt manchen Kindern die Thematisierung der Konflikte vielleicht leichter, da sie nicht mehr so nah an ihrem eigenen Leben ist, aber dennoch nah genug, um sich damit zu identifizieren. Grundsätzlich gefällt mir der Ansatz des Buches sehr gut, denn den Kindern ist natürlich am allermeisten geholfen, wenn sie lernen, Konflikte möglichst friedlich selbst zu lösen. Meinem Sohn hat die Geschichte leider nicht so gut gefallen, denn er findet es furchtbar, wenn Erwachsene so mit ihm reden (er empfindet es als unauthentisch, denn Erwachsene reden untereinander ja auch nicht so). Das mag natürlich ein sehr spezieller Fall sein und ist bei vielen Kindern sicher genau andersherum. Was uns beiden allerdings nicht gefallen hat, ist die Lösung bei dem Konflikt mit der Schaufel: die Schlange kommt hier sehr gönnerhaft rüber, dabei ist sie ja diejenige, die der Maus die Schaufel weggenommen hatte.
Die Illustrationen sind ganz zauberhaft und werten das Buch absolut noch einmal auf. Toll sind auch die kleinen Ausschnitte am Ende, die die Kinder suchen können – so gibt es noch eine weitere Ebene, auf der sie sich mit dem Buch beschäftigen können.


  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 16.12.2024

Sachwissen schön verpackt

Wieso? Weshalb? Warum? Meine Vorlesegeschichten, Band 2 - Was passiert in Wald und Wiese?
0

Das neue Buch aus der Wieso? Weshalb? Warum? Vorlesegeschichten-Reihe beschäftigt sich mit dem Thema: Was passiert in Wald und Wiese? Geschrieben wurde es von Anna Pooch und illustriert von Dominik ...

Das neue Buch aus der Wieso? Weshalb? Warum? Vorlesegeschichten-Reihe beschäftigt sich mit dem Thema: Was passiert in Wald und Wiese? Geschrieben wurde es von Anna Pooch und illustriert von Dominik Rupp.
Ähnlich wie im ersten Band begleiten wir vier Familien bei ihren alltäglichen Abenteuern. Uns hat gut gefallen, dass die Familien am Anfang vorgestellt werden und es auch einen Plan des kleinen Städtchens gibt – so kann man sich wunderbar zurechtfinden.
Auf vielfältige Art werden den Kindern Informationen über Tiere und Natur präsentiert. Dabei sind diese wunderbar in kleine Geschichten verpackt, sodass das Sachwissen praktisch versteckt vermittelt wird. Meine Lieblingsgeschichte ist „Der Morgen“, weil sie so wunderbar gemütlich und kuschelig ist. Meinem Sohn hat „Die Superhelden“ am besten gefallen, weil er begeistert davon war, was die Insekten so alles können.
Eine schöne Reihe mit kurzen Geschichten zum Vorlesen (die auch von der Länge passen, um sie abends zu lesen, ohne sich den Mund fusselig zu reden).

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere