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Fannie

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Veröffentlicht am 17.12.2024

Bunny McGarry, die Zweite: Ein rasantes und irrwitziges Leseerlebnis

Bunny McGarry glänzt durch Abwesenheit
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Mehr als ein Jahr nach der Veröffentlichung von "Bunny McGarry und der Mann mit dem Allerweltsgesicht" legt der irische Comedian und Autor C. K. McDonnell in Sachen Bunny McGarry in Deutschland wieder ...

Mehr als ein Jahr nach der Veröffentlichung von "Bunny McGarry und der Mann mit dem Allerweltsgesicht" legt der irische Comedian und Autor C. K. McDonnell in Sachen Bunny McGarry in Deutschland wieder nach: Mit "Bunny McGarry glänzt durch Abwesenheit" erschien am 27. September 2024 der zweite Teil der Dublin-Trilogie.

Hauptakteur ist natürlich erneut Bunny McGarry, ein ehemaliger Polizeibeamter, der sich inzwischen unfreiwillig im Ruhestand befindet. Ein unbeschriebenes Blatt ist McGarry wirklich nicht. Er ist bekannt für seine Alkoholexzesse, seine - gelinde gesagt - alternativen Methoden, wenn es darum geht, jemanden zum Reden beziehungsweise zum Schweigen zu bringen und seine äußerst ruppige Art.

Im aktuellen Krimi hat er gerade mit seinem ehemaligen, tollpatschigen Schützling Paul Mulchrone und der unerschrockenen Krankenschwester Brigit Conroy eine Detektei gegründet, da verschwindet der Ex-Polizist plötzlich. Er ist wie vom Erdboden verschluckt. Paul und Brigit suchen verzweifelt nach ihrem Freund. Gleichzeitig wird Dublin von barbarischen Morden in Atem gehalten, und außerdem ist da auch der erste Auftrag für die noch junge Detektei. Gut, dass Brigit und Paul Hilfe erhalten: Nämlich von Pauls schrulligem Kumpel Phil und Maggie, einer ausgemusterten Polizeihündin mit einer beängstigend niedrigen Frustrationstoleranz.

"Bunny McGarry glänzt durch Abwesenheit" war ein Lesevergnügen der besonderen Art und hat mir noch besser gefallen als der Auftaktband.

Die Charaktere, die C. K. McDonnell auf sein Publikum loslässt, sind einfach grandios. Der Autor gönnt seinen armen Protagonisten keine Atempause. Ständig überschlagen sich die Ereignisse und das urkomische Quartett hat alle Hände - respektive Pfoten - voll zu tun.

All das beschreibt C. K. McDonnell so schwarzhumorig und amüsant, dass man gar nicht anders kann, als beim Lesen laut loszuprusten. "Bunny McGarry glänzt durch Abwesenheit" ist gespickt mit einer Menge irrwitziger Szenen. Da übergibt sich beispielsweise ein sensibler Detective, dem der grausige Anblick eines Tatorts sehr zugesetzt hat, ausgerechnet auf die Louboutins seiner neuen Chefin.

Übersetzer André Mumot bei der Übersetzung des Originaltitels "The Day That Never Comes" ins Deutsche einmal mehr alles gegeben, um die irische Atmosphäre und die Scharfzüngigkeit der Dialoge authentisch zu transportieren.

In a nutshell: Die 448 Seiten des Krimis waren wirklich ein einziges, rasantes Leseerlebnis.

Hoffentlich lässt der Eichborn-Verlag die Bunny McGarry-Fans mit dem dritten Teil nicht allzu lange warten.

Fun Fact zum Schluss: Die Dublin-Trilogie umfasst im englischen Original bereits acht Bände und wird vom Autor mit den Worten "The best eight book trilogy you'll ever read" beworben. Ich kann nach Band zwei schon sagen: Da hat er recht!

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Veröffentlicht am 16.12.2024

Wohliger Weihnachtsgrusel

Schaurige Weihnachten. Klassische Horror- und Geistergeschichten
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Die in diesem Buch versammelten sieben Geschichten haben mich sehr gut unterhalten und mir des Öfteren ein wohliges Gruseln bereitet. Besonders gebannt hat mich „Das blaue Zimmer“. Ein tolles Büchlein ...

Die in diesem Buch versammelten sieben Geschichten haben mich sehr gut unterhalten und mir des Öfteren ein wohliges Gruseln bereitet. Besonders gebannt hat mich „Das blaue Zimmer“. Ein tolles Büchlein zum kleinen Preis für alle, die Geistergeschichten aus der Viktorianischen Zeit rund um Weihnachten lieben!

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Veröffentlicht am 16.12.2024

Psychologisch raffinierter Thriller mit atmosphärischen Schwächen

Tell Me Lies
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Hannah wurde von ihrem Ehemann Sam betrogen. Nach einer Paartherapie sollen nun ein paar unbeschwerte Tage in Cornwall mit ihrer gemeinsamen Tochter Lily helfen, durchzuatmen und sich als Paar wieder näherzukommen. ...

Hannah wurde von ihrem Ehemann Sam betrogen. Nach einer Paartherapie sollen nun ein paar unbeschwerte Tage in Cornwall mit ihrer gemeinsamen Tochter Lily helfen, durchzuatmen und sich als Paar wieder näherzukommen. Doch im angemieteten "Owl Cottage" gehen seltsame Dinge vor: Tote Eulenküken liegen auf der Fußmatte, es kommt zu einem plötzlichen Stromausfall und da sind immer wieder geheimnisvolle Klopfgeräusche, die nur Hannah hört. Kurz darauf wird es Tote geben ...

Teresa Driscolls Thriller "Tell Me Lies" wurde von Sonja Häusler vom Englischen ins Deutsche übersetzt und am 25. Juni 2024 bei HarperCollins Germany veröffentlicht. Die gleichnamige Originalausgabe erschien im Jahr 2023.

Mit Hannah hat sich die Autorin eine schicksalsbeladene Figur erdacht, die schon in frühen Kindheitstagen ein Trauma erlitt, als ihr Vater bei einem gemeinsamen Picknick ums Leben kam. Doch mit Sam schien "Das Mädchen aus dem Wald", wie die Presse sie einst betitelte, ihr Glück gefunden zu haben. Der Seitensprung des Ehemanns stürzt Hannah allerdings in eine tiefe Krise. Sie nimmt Psychopharmaka und traut ihren eigenen Wahrnehmungen nicht mehr. Was ist Einbildung, was ist Realität?

"Tell Me Lies" ist ein psychologisch raffinierter und spannender Thriller, der sich gut lesen lässt. Gebannt stellt man sich beim Lesen die Frage, ob all die seltsamen Ereignisse mit Hannahs psychischer Verfassung zusammenhängen oder ob sie jemand gezielt in den Wahnsinn treiben will. Nur wer? Die Auflösung hebt sich Autorin Teresa Driscoll bis zum Ende auf.

Über die Thrillerhandlung hinaus thematisiert die Autorin die Mühen des Familienalltags, den schwierigen Spagat zwischen Kind und Karriere und das Zerbrechen von Freundschaften, sobald alle aus dem Freundeskreis eigene Familien gründen.

Die Geschichte wird abwechselnd aus der Sicht Hannahs, ihrer Mutter, Sams und schlussendlich der Polizei erzählt. Langeweile kommt dadurch nicht auf.

Punktabzug gibt es allerdings für die fehlende Atmosphäre. Aus dem vielversprechenden Setting - einem einsamen Cottage an der Küste Cornwalls - wäre meines Erachtens noch viel mehr herauszuholen gewesen. Gleiches gilt für das Cover, das ich allenfalls mit dem Schwarzwald, nicht aber mit Cornwall assoziieren würde.

Dennoch ist "Tell Me Lies" ein solider Thriller, der gut unterhält und seine ganze Geschichte erst nach und nach offenbart, indem er die Vergangenheit Hannahs mit dem Hier und Jetzt geschickt verbindet.

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Veröffentlicht am 16.12.2024

Packender Hamburg-Krimi mit faszinierendem Ermittler-Duo

Das Dickicht
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Mit Juha Korhonen und Lucas „Lux“ Adisa lassen die Autoren Nikolas Kuhl und Stefan Sandrock ein erfrischend neues Ermittler-Team auf die deutsche Krimiwelt los. Ob sie nach „Das Dickicht“ auch in weiteren ...

Mit Juha Korhonen und Lucas „Lux“ Adisa lassen die Autoren Nikolas Kuhl und Stefan Sandrock ein erfrischend neues Ermittler-Team auf die deutsche Krimiwelt los. Ob sie nach „Das Dickicht“ auch in weiteren Fällen ermitteln?

Das Krimi-Debüt von Kuhl + Sandrock, „Das Dickicht“, erschien am 13. August 2024 im Rowohlt Taschenbuch Verlag. Dieser Kriminalroman reißt die Leser von Anfang an mit. Ein straffes Erzähltempo, eine grausame Tat, unvorhersehbare Twists und eben ein Ermittler-Duo, das trotz (oder gerade wegen) seiner Gegensätzlichkeit hervorragend harmoniert, sind die Zutaten, aus denen die Autoren einen wirklich spannenden Krimi entstehen lassen haben.

Juha Korhonen hat im Hamburger LKA schon fast eine Inventarmarke, so lange ist er schon dabei – ganz im Gegensatz zu Lucas Adisa, einem dunkelhäutigen Präzisionsschützen, der nach einer Karriere bei der Bundeswehr noch nicht lange im Dienst der Polizei steht.

In ihrem ersten gemeinsamen Fall haben sie es mit einem entführten Mädchen aus gutem Hause zu tun. Es gibt allerdings Gemeinsamkeiten mit einer Ermittlung, die schon mehr als zwei Jahrzehnte zurückliegt. Damals, als aus dem Vermisstenfall Daniel Boysen eine Leichensache wurde, und man den Jungen tot in einer Kiste im Wald fand, war Juha Korhonen ein junger Polizist. Doch der Täter von einst war überführt worden und hat sich mittlerweile das Leben genommen. Gibt es einen Nachahmer? Oder haben sie damals den Falschen geschnappt?

In „Das Dickicht“ begibt sich der Leser auf ein tempo- und actionreiches Abenteuer an der Seite eines faszinierenden Ermittler-Duos durch Hamburg und Umgebung. Zackige Dialoge, gleich mehrere Verdächtige und menschliche Abgründe machen diesen Kriminalroman zu einem echten Lesevergnügen.

Der Titel „Das Dickicht“ passt jedenfalls gleich in doppelter Hinsicht – im Wald war einst die Holzkiste mit dem toten Daniel Boysen verscharrt. Durch ein wahres Dickicht aus Verdächtigen, offenen Fragen und Indizien müssen sich auch Juha und Lux kämpfen.

Was die Kiste im Wald im betrifft, in der das Entführungsopfer Daniel Boysen vor zwei Jahrzehnten aufgrund mangelnder Belüftung qualvoll erstickte, haben sich die Autoren sicherlich von dem wahren Kriminalfall Ursula Herrmann inspirieren lassen. Die damals 10-Jährige starb 1981 in einer im Wald vergrabenen Holzkiste, an der ebenfalls ein Belüftungssystem angebracht war, das jedoch letztlich versagte.

„Das Dickicht“ ist laut den Autoren der Auftakt zu einer Krimireihe. Noch ist nicht bekannt, wann der neue Band erscheint, aber laut Nikolas Kuhl schon bald: „Man wird jedenfalls nicht lange auf Band 2 warten müssen.“ (Quelle: https://www.rowohlt.de/magazin/im-gespraech/interview-kuhl-sandrock) Klingt hervorragend, denn die Geschichte von Juha und Lux verträgt noch einige Fortsetzungen!

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Veröffentlicht am 16.12.2024

Leider bei Weitem schwächer als der Vorgänger-Roman

Die anhaltende Suche nach Glück
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Nachdem ich Géraldine Dalban-Moreynas' Debütroman "An Liebe stirbst du nicht" gelesen hatte, war ich absolut fasziniert von diesem Buch. Meine Rezension war vollkommen zu recht ein einziger Lobgesang. ...

Nachdem ich Géraldine Dalban-Moreynas' Debütroman "An Liebe stirbst du nicht" gelesen hatte, war ich absolut fasziniert von diesem Buch. Meine Rezension war vollkommen zu recht ein einziger Lobgesang. Umso gespannter war ich nun auf den neuen Roman der Autorin mit dem Titel "Die anhaltende Suche nach Glück", erschienen am 20. August 2024 bei HarperCollins Germany.

Im Zentrum des Geschehens steht Géraldine, eine starke Frau und alleinerziehende Mutter einer Tochter. Erst am Ende erfährt der Leser, dass die bis dato namenlose Protagonistin Géraldine heißt. Ob das Buch autobiografische Züge hat oder die Hauptperson lediglich denselben Vornamen wie die Autorin trägt, weiß wohl nur Géraldine Dalban-Moreynas.

In 13 Kapiteln erleben wir eine Frau, die beruflich erfolgreich ist und meint, zu ihrem Glück würde ihr noch der passende Partner fehlen. Als sie den endlich gefunden hat und nunmehr Patchwork-Mama ist, glaubt sie, endlich angekommen zu sein. Die beiden beziehen mit ihren Kindern ein gemeinsames Haus und genießen ihr Familienglück. Bis es eines Tages plötzlich von jetzt auf gleich damit vorbei ist ...

In "Die anhaltende Suche nach Glück" richtet die Autorin den Fokus vor allem auf die Frage, was Glück genau bedeutet. Für Géraldine ist es zunächst offensichtlich der richtige Mann. Ihre Welt wird - verständlicherweise - in ihren Grundfesten erschüttert, als sie wieder allein mit ihrer Tochter dasteht.

Die Protagonistin und ihre mentale Stärke sind faszinierend. Sie steht wieder auf, kämpft für ihren Traum und lässt sich nicht unterkriegen. Die Sprache des Romans ist wie schon beim Vorgängerroman stilvoll, sinnlich und gleichzeitig pointiert. Übersetzerin Sina de Malafosse hat da hervorragende Arbeit geleistet.

Allerdings haben mir die Zeitsprünge und die gesichtslosen Nebenfiguren die Freude an diesem Roman verhagelt. "Die anhaltende Suche nach Glück" hat mich alles in allem einfach nicht richtig packen können, obwohl das Buch eine wichtige Botschaft vermittelt, die sich wohl mit einem Zitat, das dem Musikwissenschaftler Werner Braun zugeschrieben wird, hervorragend zusammenfassen lässt:

„Wenn wir es nicht von anderen Menschen abhängig machen, unser Glück zu erreichen, dann sind wir auf dem richtigen Wege, dies auch zu schaffen.“

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