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Feliz

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Veröffentlicht am 12.10.2025

Tolle Idee, die leider nicht ganz überzeugend umgesetzt ist

Die Spur der Vertrauten
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Das Cover des Buches gefällt mir wirklich gut. Zum einen ist die farbliche Gestaltung in dem auffälligen Lila wirklich gut und zum anderen passt die Darstellung der Person, die versucht, über ein Labyrinth ...

Das Cover des Buches gefällt mir wirklich gut. Zum einen ist die farbliche Gestaltung in dem auffälligen Lila wirklich gut und zum anderen passt die Darstellung der Person, die versucht, über ein Labyrinth zu balancieren, nahezu perfekt zu der Geschichte.

Diese fand ich direkt sehr reizvoll: Die Welt, in der Claire und Goliath leben, wird vom Wir bestimmt. Dort gibt es keine Individualität, stattdessen verschreiben sich die Menschen der Gemeinschaft und sorgen mit ihrem angeborenen Instinkt dafür, dass alles in ordentlichen Bahnen verläuft. Goliath hat einen Schutz-Instinkt und er muss nur noch ein Leben retten, damit er in den Bereich der besonders achteten Personen aufsteigen kann. Deswegen beginnt er auch damit zu untersuchen, warum plötzlich immer wieder Schüler verschiedener Schulen scheinbar spurlos verschwinden. Dabei trifft er auf Claire, eine Vertraute, der ebenfalls aufgefallen ist, dass Menschen verschwunden sind. Zusammen entdecken sie, dass das Wir nicht immer das Beste für das Ich bedeutet und dass Geheimnisse in dieser Welt lebensgefährlich sein können.
Ich habe die Spiegelreisenden wirklich unglaublich gerne gelesen und war deswegen umso mehr auf dieses Buch gespannt, zumal ich gerne mal wieder eine gute Dystopie lesen wollte. Komplett überzeugen konnte mich das Buch leider nicht. Das liegt auch an dem Schreibstil. Ich kannte ihn zwar durch die vorherigen Bücher, aber fand ich dennoch auch hier wieder gewöhnungsbedürftig. Er war mir oft ein bisschen zu umständlich, zu hölzern, sodass ich manchmal Sätze erneut lesen musste, um zu verstehen, was dahintersteckt. Deswegen hatte ich vor allem zu Beginn der Story, aber auch jedes Mal, wenn ich die Geschichte weitergelesen habe, meine Probleme, so richtig in sie einzutauchen. Ich bin mir aber nicht sicher, ob es wirklich der Schreibstil oder vielleicht die Übersetzung ist, die dafür sorgt, dass ich es manchmal ein wenig schwierig zu lesen fand.

Dadurch hatte ich auch so meine Probleme, eine Verbindung mit den Charakteren aufzubauen. Besonders zu Beginn der Geschichte wusste ich nicht, was ich von ihnen halten sollte und sie blieben auch ein bisschen austauschbar. Das wurde im Laufe des Buches etwas besser, weil sowohl Claire als auch Goliath mehr zu eigenständigen Personen werden, je mehr man über sie erfährt. Mir war klar, dass das der Sinn der Geschichte war. Die Gesellschaft in dem Buch stellt das Wir in den Mittelpunkt und die Personen sollen dahinter zurückstellen, deswegen verschwinden Claire und Goliath fast darin, selbst wenn beide aus verschiedenen Gründen anders sind, als die Personen um sie herum. Obwohl ich Claire durchaus mochte, hatte ich mit Goliath so meine Probleme, was vielleicht aber auch daran lag, dass ich lange nicht verstanden habe, wie er sich selbst so für andere aufopfern konnte. Das ist etwas anders, wenn sein Instinkt einsetzt, weil er da nicht anders kann, als zu reagieren, aber er hat trotz allem auch selbstständig gehandelt und sich dabei schwer verletzt. Ich habe nicht so richtig verstanden, warum er so unbedingt die zehn Leben erreichen will, was dafür gesorgt hat, dass ich seine Handlungen nicht ganz erfassen konnte. Bei Claire fiel mir das vielleicht auch deswegen leichter, weil sie nicht so aggressiv sein muss wie Goliath. Sie geht auch darüber hinaus, was der Instinkt von ihr verlangt, aber sie macht es auf eine ruhigere, weniger auffällige Art und Weise, mit der ich persönlich einfach besser umgehen kann. Trotzdem hatte ich das Gefühl, beide nicht so richtig zu kennen. Ich habe immer darauf gewartet, sie richtig ins Herz zu schließen und mit ihnen mitzufiebern, aber selbst als ich richtig in der Geschichte war, ist das nicht passiert.

Dabei fand ich die Idee wirklich gut. Ich mochte, dass die Gesellschaft theoretisch darauf beruht, dass das Wir über allem anderen steht und jeder alles für diese Gemeinschaft tut. Auch dass jeder Mensch einen Instinkt besitzt, der sich unterschiedlich auswirkt, eine andere Reichweite hat und dafür sorgt, dass die Personen unterschiedlich ausgebildet werden. Ich habe dennoch eine ganze Zeit gebraucht, um zu verstehen, wie die Instinkte wirklich funktionieren. Ich habe zu Beginn noch gedacht, dass sie sich größtenteils vererben und dann unterschiedlich ausprägen, aber dass das keine Rolle spielt, fand ich tatsächlich etwas verwirrend, weil es dadurch etwas willkürlich wirkte. Das hat dazu geführt, dass ich die Regeln der Welt nicht immer komplett verstehen konnte und mich manchmal ein wenig verloren fühlte. Mir hätte zudem eine grobe Karte geholfen, weil ich wirklich keinerlei Vorstellung davon hatte, wie die Welt aussah. Ich habe zunächst gedacht, dass die Sektoren sich alle in der Stadt befinden, in der ein Großteil der Handlung spielt, aber habe nach und nach verstanden, dass dem nicht so ist. Da hätte eine Karte einfach schon zu Beginn ein wenig Klarheit gebracht. So hatte ich immer ein bisschen das Gefühl, grobe Linien wahrzunehmen, aber eben kein klares Bild.

Alles in allem hätte ich das Buch gerne geliebt, weil ich die Idee unglaublich gut fand. Das Aufzeigen, wie wichtig es ist, sich für die Gesellschaft einzusetzen, aber auch die gleichzeitige Belastung dadurch, fand ich extrem spannend. Leider konnte mich die Story nicht so richtig fesseln. Das liegt auch an dem Schreibstil, den ich aber schon kannte und womit ich gerechnet habe. Leider konnte ich nie so richtig mit den Charakteren und der Welt warm werden, sodass ich vor allem zu Beginn meine Probleme hatte, das Buch weiterlesen zu wollen.

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Veröffentlicht am 27.09.2025

Die Hölle ist eine Universität

Katabasis
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Die Gestaltung des Buches ist wirklich gelungen. Ich mag die Farbkombination aus dem dunklen Grün und den goldenen Akzenten, die das Buch zu etwas Besonderem machen. Außerdem passt die Darstellung der ...

Die Gestaltung des Buches ist wirklich gelungen. Ich mag die Farbkombination aus dem dunklen Grün und den goldenen Akzenten, die das Buch zu etwas Besonderem machen. Außerdem passt die Darstellung der Penrose-Treppen hervorragend zur philosophischen Betrachtung der Hölle im Buch.

Die Story fand ich aus diesem Grund auch sehr spannend: Als der berühmte Professor Jacob Grimm bei einem Unfall stirbt, schickt sich seine Doktorandin Alice Law an, ihn aus der Hölle zu retten, schließlich trägt möglicherweise ein bisschen Schuld seinem Tod. Außerdem ist ohne ihn als Vorsitzendem des Prüfungsausschusses ihr Abschluss in Gefahr, da kann man auch mal in die Hölle hinabsteigen. Doch ihr Erzrivale Peter Murdoch hat genau die gleiche Idee und plötzlich müssen sie zusammenhalten, um in der Hölle zu überleben. Denn diese ist ganz anders als erwartet und sie lernen mehr übereinander, als sie erwartet haben.

Ich fand die Idee, dass jemand „einfach so“ in die Hölle hinabsteigt und dort versucht, seinen Mentor extrem spannend und mochte die anderen Bücher von Rebecca F. Kuang richtig gerne, deswegen wollte ich auch dieses Buch unbedingt lesen. Leider konnte es mich nicht so richtig überzeugen. Das liegt auch ein bisschen am Schreibstil. Ich fand ihn zu Beginn noch recht spannend, weil er so anders war, selbst als ihre anderen Bücher und mich das gereizt hat. Allerdings fand ich es nach einer Weile wirklich anstrengend zu lesen, weil es immer wieder Rückgriffe auf verschiedene literarische Werke gab, die die Hölle beschreiben und es zum Teil vor allem eine Auseinandersetzung damit war, inwiefern die geschilderten Darstellungen der Hölle passen könnten oder nicht. Ich kenne ein paar der antiken Texte, aber natürlich nicht einmal im entferntesten alle, die angesprochen werden. Das ist nicht zwangsläufig notwendig, um die Überlegungen und Auseinandersetzungen zu verstehen, aber ich hatte dennoch manchmal ein bisschen das Gefühl, einen Insider-Witz nicht verstehen zu können.

Auch mit Alice und Peter hatte ich so ein bisschen meine Probleme. Ich habe einfach nicht verstanden, warum sie die Hälfte ihrer Lebenszeit (von der sie ja überhaupt nicht wissen, wie lang die ist) opfern, um ihren Professor aus der Hölle zu holen, zumal es sich anhört, als würde er dort durchaus hingehören. Ja, ich verstehe, wie belastend und frustrierend es sein muss, wenn man kurz vor dem Ende seiner Doktorarbeit noch seinen Prüfer wechseln muss und ein großer Teil seiner Arbeit von diesem abhängt. Allerdings sollte sich nicht das ganze Leben darum drehen. Ich verstehe komplett, dass das genau der Punkt ist, den dieses Buch zum Ausdruck bringen soll, dass der universitäre Betrieb, seine Arbeit und der Umgang mit den Menschen darin die Hölle sind, aber ich muss dafür auch einen gewissen Zugang zu den Figuren bekommen. Dies passiert hier wirklich langsam und selbst zum Ende hin hatte ich nicht das Gefühl, Alice wirklich zu kennen.
Die Story hätte von der Idee wirklich richtig gut sein können, der Abstieg in die Hölle, wo man die verschiedenen Höfe durchqueren und sich mit sich selbst auseinandersetzen muss, fand ich spannend. Aber leider hatte ich oft das Gefühl, mich in einer konstanten Wüste zu befinden, die nie endet. Dabei hat mich die Welt außerhalb der Hölle mit ihrer Magie, dem Studium und der Arbeit an der Universität durchaus begeistern können, aber das gleiche Gefühl konnte ich für die Hölle nicht aufbringen. Das fand ich ziemlich schade, weil sie nun mal einen großen Teil des Settings ausmacht, ich aber nie so richtig das Gefühl hatte, es richtig greifen zu können.

Alles in allem habe ich wahrscheinlich einfach mehr von der Geschichte erwartet, als sie liefern konnte. Hier steht vor allem die Aussage, wie schrecklich der universitäre Betrieb ist und ich verstehe das, finde diese Aussage sogar extrem wichtig, aber ich habe mehr Worldbuilding in der Hölle gebraucht, um es richtig greifen zu können. Zumal auch die Personen mich nicht komplett in die Geschichte haben ziehen können, weil ich vor allem mit Alice einfach Beziehung habe aufbauen können, sie blieb eher eine Idee, statt zu einer Person zu werden.

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Veröffentlicht am 22.09.2025

Gelungene Gesellschaftskritik

Gym
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Das Cover des Buches gefällt mir tatsächlich erst auf den zweiten Blick. Ich war zunächst ein bisschen irritiert, warum man diese Darstellung für einen Roman über die Arbeit in einem Fitnessstudio ein ...

Das Cover des Buches gefällt mir tatsächlich erst auf den zweiten Blick. Ich war zunächst ein bisschen irritiert, warum man diese Darstellung für einen Roman über die Arbeit in einem Fitnessstudio ein Bild von er sitzenden Person verwendet. Nachdem ich das Buch allerdings gelesen habe, finde ich die Darstellung mehr als passend und trifft das Gefühl, das das Buch vermittelt nahezu perfekt.

Die Geschichte als solche fand ich auch reizvoll: Die namenlose Erzählerin braucht unbedingt einen Job und als sie sie im Bewerbungsgespräch mit dem Eigentümer des MEGA GYM das Gefühl hat, dass sie nicht seinen Ansprüchen genügt, rutscht ihr die kleine Notlüge raus, dass sie gerade erst entbunden habe und deswegen nicht in Form sei. Ihr neuer Chef Ferhat, ganz der überzeugte Feminist, bietet ihr direkt die Möglichkeit in seinem Fitnessstudio hinter der Theke am Empfang zu arbeiten. Doch nun wollen alle Fotos von dem Baby sehen und es wird immer schwieriger, die Lüge aufrecht zu erhalten, zumal es nicht das einzige ist, wo sie nicht ganz ehrlich war.
Ich war mir nicht so richtig sicher, was ich von dem Buch erwarten sollte, schließlich ging es vor allem um eine Frau, die durch eine Lüge einen Job in einem Fitnessstudio bekommen hat. Doch das Buch hat mich überrascht, der Schreibstil hat oft einen leicht ironischen Unterton und beschreibt selbst die absurdesten Szenen in einer sehr trockenen Art, was ich immer wieder zum Schmunzeln gebracht hat. Genau das macht den Schreibstil von Verena Keßler so besonders. Ich musste mich gar nicht groß an den Schreibstil gewöhnen, sondern bin ab den ersten Seiten in das Buch eingetaucht und habe gar nicht gemerkt, wie schnell ich es durchgelesen habe.

Die Story war ebenfalls spannender, als ich zunächst erwartet hätte, weil ich mir nie sicher war, was die Protagonistin als nächstes macht. Das hat für mich den Reiz des Buches ausgemacht, es gibt immer wieder Klischees, die werden aber so überzeichnet und ins Lächerliche gezogen, das einem klar wird, dass es eben Klischees sind und nichts, was erstrebenswert wäre. Vor allem die Darstellung des Fitness-Wahns und der Obsession mit Selbstoptimierung fand ich perfekt auf den Punkt gebracht. Ich musste zwischendurch kurz pausieren und darüber nachdenken, was gerade passiert ist und wie schnell Sachen kippen können. Ich fand es faszinierend, wie perfekt eingefangen wurde, was hinter glitzernden Oberflächen steckt und wie weit man gehen kann, wenn man Sachen plötzlich nicht mehr so laufen, wie man es sich das vorgestellt hat. Dazu passte auch gut, dass man erst nach und nach mehr über die Protagonistin erfährt, aber nie ihren Namen, dadurch wirkt sie trotz ihrer Individualität fast austauschbar. Man bekommt das Gefühl, es könne jedem passieren und jeder könnte so handeln, wie sie, wenn bestimmte Parameter erfüllt sind.

Alles in allem ist das Buch eine gelungene Gesellschaftssatire, die in klaren Worten und mit viel Humor zeigt, was passiert, wenn Obsession und gesellschaftlicher Druck zu viel werden.

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Veröffentlicht am 22.09.2025

Leider nicht so spannend wie erhofft

Death at Morning House
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Ich mag das Cover des Buches recht gerne, weil es direkt einen guten Hinweis auf das Genre des Buches und sogar den Inhalt gibt, ohne dabei zu viel zu verraten. Außerdem gefällt mir die Farbkombination ...

Ich mag das Cover des Buches recht gerne, weil es direkt einen guten Hinweis auf das Genre des Buches und sogar den Inhalt gibt, ohne dabei zu viel zu verraten. Außerdem gefällt mir die Farbkombination aus dem dunkeln Grün und leuchtendem Gelb, die hervorragend die Kombination aus einer vergangenen und einer aktuellen Geschichte hervorhebt.

Die Geschichte hat mich ebenfalls gereizt: Marlowe will eigentlich nur ein Date mit ihrer absoluten Traumfrau, doch alles läuft schief und plötzlich steht das Haus in Flammen, auf das sie eigentlich aufpassen sollte. Überall wo sie hinkommt, muss sie sich Witze darüber anhören und sie ist erleichtert, als sie das Angebot bekommt, während der Ferien auf einer abgelegenen Insel zu arbeiten. Dort soll sie gemeinsam mit einer Gruppe örtlicher Teenager Führungen durch Morning House, eine verfallene Villa, wo es in den 30er Jahren zu zwei Todesfällen kam, anbieten. Doch die Vergangenheit wirft ihre Schatten bis in die Gegenwart und als plötzlich jemand verschwindet, erkennt Marlowe, dass sie nicht jedem ihrer neuen Freunde trauen kann und sie sich in großer Gefahr befindet.

Ich war sehr gespannt auf die Geschichte, weil ich es liebe Jugendthriller zu lesen und ich das Setting so passend für das Ende des Sommers fand, allerdings konnte mich die Story nicht komplett überzeugen. Das liegt allerdings nicht am Schreibstil, dieser konnte mich wirklich fesseln. Er ist leicht und flüssig, sodass man wirklich leicht in die Geschichte finden konnte und dadurch auch vergleichsweise schnell durchlesen konnte.
Mein Problem mit der Geschichte war vielmehr, dass es sich um zwei parallele Stories handelte, was ich unter anderen Umständen liebe, hat mich hier jedes Mal wieder aus der Geschichte gezogen. Das liegt vor allem daran, dass beide Storylines keinerlei Berührungspunkte hatten außer den Ort der Handlung. Vielleicht lag das daran, dass ich bei Marlowes Geschichte nie das Gefühl hatte, wirklich vorwärts zu kommen, sondern eine lange Zeit noch in der Einleitung zu stecken. Es passierte einfach vergleichsweise wenig und ich wollte lieber mehr darüber herausfinden, wie es zu den zwei Todesfällen in der Familie Ralston kam. Obwohl ich auch hier eine ungefähre Vorstellung davon hatte, was genau passiert ist, wollte ich dennoch unbedingt wissen, wie es wirklich war. Ich hatte schnell das Gefühl, die Personen gut zu kennen und einschätzen zu können, sodass ich wirklich an ihrer Geschichte interessiert war. Das war bei der Geschichte in der Gegenwart ein bisschen anders. Zwar mochte ich auch Marlowe, aber die anderen Personen konnte ich nicht so richtig greifen. Ich musste mich manchmal wirklich aktiv erinnern, welche Personen zu der Gruppe gehörten und wer nochmal wer war. Mein Problem dabei war vor allem, dass die Geschichte der Ralstons und die Flashbacks nahezu wahllos in die Geschichte eingebaut wurden, es hätte deutlich mehr Sinn ergeben, wenn die Teenager verschiedenen Hinweise, Briefe oder Tagebucheinträge gefunden hätten und man dadurch auf einem ähnlichen Stand wie sie gewesen wäre. So kannte man als Leser Einzelheiten und wollte auch wissen, was genau passiert ist, aber Marlowe kennt nur einen kleinen Ausschnitt davon und sucht auch nicht aktiv nach Antworten, weil es eigentlich keine Rolle für die Gegenwart spielt. Deswegen hat mich die Gegenwart auch nicht so richtig interessiert, es ging vor allem um typische Teenagerprobleme, was ich normalerweise vollkommen in Ordnung finde, aber es hatte wenig von einem Thriller. Das ändert sich erst zum Ende, was ich schade fand, weil das Buch wirklich viel Potenzial gehabt hat.

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Veröffentlicht am 14.09.2025

Spannender historischer Roman

Rabenthron
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Ich liebe die Gestaltung des Buches einfach. Es passt hervorragend zu den Neuauflagen der anderen Bücher der Helmsby-Reihe und sticht durch das schöne Cover und den Farbschnitt mit den hervorragend gestalteten ...

Ich liebe die Gestaltung des Buches einfach. Es passt hervorragend zu den Neuauflagen der anderen Bücher der Helmsby-Reihe und sticht durch das schöne Cover und den Farbschnitt mit den hervorragend gestalteten Details heraus.

Die Story hat mich ebenfalls direkt gereizt: Als Aelfric of Helmsby sich weigert, seinen dänischen Gefangenen seinem Onkel und Thane auszuhändigen, droht dieser ihm seinen kleinen Sohn Penda in die Sklaverei zu verkaufen. Deswegen entschließt sich der junge Engländer ihn direkt bei Hofe in London abzuliefern, um ein mögliches Lösegeld zu kassieren. Doch die Stadt liegt in Trümmern und der König Aetheldred schafft es nicht, sein Volk vor den ständigen Wikingerangriffen zu schützen. Als Königin Emma zusammen mit ihren Kindern kurzfristig aus England fliehen muss, begleiten Aelfric und sein dänischer Gefangenen Hakon, der mittlerweile sein Freund geworden ist, sie auf dem Weg in die Normandie. Bald gehören beiden zum engsten Kreis rund um die einflussreiche Königin und Penda wird zusammen mit den beiden Prinzen ausgebildet. Doch die Macht des Königs wackelt und plötzlich sind die Dänen nicht mehr nur eine Gefahr für die englischen Küsten, sondern für das gesamte englische Reich.

Ich liebe den Schreibstil von Rebecca Gablé. Sie ist eine der wenigen Autorinnen, die es jedes Mal wieder schafft, mich in die Geschichte zu ziehen und so zu fesseln, dass ich trotz der vielen Seiten gar nicht mehr aufhören kann, zu lesen. Das ist auch in diesem Buch wieder der Fall, obwohl mich diesmal die Zeitsprünge in der Geschichte deutlich mehr aus dem Konzept gebracht haben, als das in vorherigen Büchern der Fall gewesen ist.

Das Setting der Story fand ich extrem spannend, weil es vor den anderen beiden Teilen der Helmsby-Reihe spielt und die Geschichte von Caedmons Urgroßvaters Aelfric Eisenfaust und seiner Familie erzählt. Diesen kennt man nur aus Erzählungen und schon, als ich zum ersten Mal „Das zweite Königreich“ gelesen habe, war ich neugierig, wer er war und wie er zu seinem Spitznamen kam. Außerdem wusste ich wirklich wenig über das angelsächsische England, bevor William der Eroberer es eroberte. Deswegen war mir auch gar nicht so klar, wie viel Einfluss die Dänen auch abseits ihrer Überfälle auf die englische Küste hatten und dass es sogar mehrere Dänen auf dem englischen Thron gab. Dabei fand ich vielleicht weniger die Könige an sich in diesem Buch spannend als vielmehr Königin Emma, die zweimal die Frau eines Königs war und zweimal deren Mutter. Dies alleine zeigt schon ihren großen Einfluss auf die Zeit, die sich indirekt zumindest auch auf die normannische Eroberung ausgewirkt hat.

Doch es sind vor allem die Charaktere, die keinen historischen Hintergrund haben, die das Buch ausmachen. Aelfric habe ich schon direkt zu Beginn des Buches in mein Herz geschlossen, weil er sich für seine Ideale einsetzt und sich weigert, diese zu verraten, selbst wenn er sich dadurch immer wieder das Leben schwer macht. Ein noch viel wichtigerer Punkt für mich war aber, wie sehr er seine Kinder und vor allem Penda liebt. Er stellt deren Wohl über alles andere, ist immer ehrlich zu ihnen und setzt sich dafür ein, dass sie glücklich sind, selbst wenn er dafür ungewöhnliche Entscheidungen treffen muss. Er wird dafür zwar oft von anderen belächelt, aber das hält ihn nicht davon ab, seinen Weg so weiterzugehen. Auch Penda, den man als sechsjährigen Jungen kennenlernte, hat es sehr schnell geschafft, dass ich ihn liebgewonnen habe. Zu Beginn ist er ein kluges Kind, das erstaunlich viel mitbekommt und erfassen kann, der mich immer wieder zum Lächeln gebracht hat. Ich mochte, dass er auch als Erwachsener immer jemand ist, der eher zu viel als zu wenig Vertrauen zu Menschen hat. Das ist ihm durchaus bewusst, aber obwohl es ihm mehr als einmal auf die Füße fällt, will er es nicht ändern, sondern glaubt lieber an das Gute in Menschen. Damit stellt er ein gutes Gegenstück zu Prinz Edward (dem späteren Edward dem Bekenner) dar, der der Welt eher skeptisch gegenübersteht und dem es hilft, wenn Penda ihn manchmal daran erinnert, dass nicht jeder schlechte Absichten hat.

Auch wenn ich vor allem Aelfric und Penda gerne mochte, hatte ich mit den anderen Personen manchmal so meine Probleme. Zwar konnte ich Königin Emma und auch ihre Söhne Edward und Alfred nach einer Weile recht gut einschätzen, aber bei vielen anderen Personen war das nicht so. Durch die zum Teil sehr großen Zeitsprünge hatte ich oft das Gefühl, zwar zu wissen, wer die Person war, aber sie nicht wirklich zu kennen. Am auffälligsten war das bei Aelfrics Familie, bei der ich abseits von Penda immer wieder darüber nachdenken musste, wer nochmal wer war. Das lag auch daran, dass sich die politischen Verhältnisse in dieser Epoche oftmals innerhalb kürzester Zeit drastisch geändert haben und Personen, die zuvor einen gewissen Einfluss hatten, diesen dann wieder verloren haben. Ich hatte da oft das Gefühl ein bisschen hinterher zu hinken und nicht immer einen vollständigen Überblick zu haben, wer gerade welche Agenda verfolgt und wer im Streit mit wem liegt. Dadurch habe ich deutlich mehr als sonst historische Ereignisse nachgeschlagen, um mir einen besseren Überblick zu verschaffen und nichts zu übersehen. Das ist nicht unbedingt schlecht, schließlich habe ich dadurch noch einmal deutlich mehr über diese Zeit des Mittelalters gelernt, auch in Bezug auf Dänemark und Norwegen, aber es hat mich in gewisser Weise natürlich auch gespoilert, weil ich dadurch viele historische Ereignisse schon kannte.

Alles in allem mochte ich das Buch gerne, besonders weil Rebecca Gablé eben einfach eine besondere Art hat, mich für historische Ereignisse (vor allem in England) zu begeistern und ich habe mich sehr darüber gefreut, eine gewisse Vorgeschichte zu den Helmsbys zu bekommen, aber gleichzeitig war es manchmal schwer in dieser chaotischen Epoche den Überblick zu halten. Ich hatte dadurch hin und wieder das Gefühl, dem ganzen nicht richtig folgen zu können und im Gegensatz zu anderen Büchern keine so starke persönliche Bindung zu den historischen Charakteren aufbauen zu können.

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