Süße Geschichte, der es an Tiefe fehlt
Cursed for Good – Eine Prinzessin. Ein Pirat. Und ein verfluchter Buchladen.Die Gestaltung des Buches ist wirklich gelungen, weil sowohl die Farbkombination aus Orange-braun und Blau als auch die Gestaltung perfekt zum Inhalt passt. Mit jedem Hinschauen sieht man mehr kleine Details, ...
Die Gestaltung des Buches ist wirklich gelungen, weil sowohl die Farbkombination aus Orange-braun und Blau als auch die Gestaltung perfekt zum Inhalt passt. Mit jedem Hinschauen sieht man mehr kleine Details, die Hinweise auf die Geschichte geben, ohne dabei zu viel zu verraten.
Die Geschichte fand ich ebenfalls vielversprechend: Prinzessin Tanadelle hat als Zweigeborene eine Fülle an Aufgaben, die sie im gesamten Königreich erledigen muss. Von Denkmälern eröffnen, zu Schulen einweihen bis zu Babys küssen ist alles dabei. Doch Tandy ist das alles wirklich leid, schließlich bleibt bei den dauernden Reisen kaum Zeit für irgendetwas anderes, deswegen nutzt sie eine kurze Pause, um sich in einem kleinen Buchladen umzusehen. Doch ausgerechnet dort wird sie verflucht, dass sie das Geschäft nicht wieder verlassen kann, bis sie sich ihren Herzenswunsch erfüllt. Doch diese erzwungene Auszeit kommt der Prinzessin gar nicht ungelegen, endlich kann sie sich den ganzen Tag mit Büchern beschäftigen. Unterstützt von ihrer Aushilfe Sasha und den Menschen in dem kleinen Dorf, beginnt Tandy den Buchladen wieder auf Vordermann zu bringen und erkennt, wie schön die kleinen Dinge des Lebens sind. Doch ihre Eltern wollen sich nicht damit abfinden, dass ihre jüngste Tochter von einem Fluch befallen mitten im Nirgendwo festsitzt und schicken sieben Prinzen, die sie mit einem Kuss erlösen sollen. Tandy ist sich allerdings ziemlich schnell sicher, dass keiner der Prinzen ihr Herzenswunsch ist, zumal ein attraktiver, kleptomanischer Pirat mit Angst vor Wasser ihr Herz höher schlagen lässt und sie den Buchladen vielleicht gar nicht unbedingt verlassen will.
Ich habe mich richtig darauf gefreut, dieses Buch zu lesen, weil ich mal wieder Lust auf eine cozy Fantasy-Geschichte hatte, die mich gut unterhält. Das hat die Geschichte auch geschafft, komplett überzeugen konnte sie mich aber dennoch nicht. Das liegt auch ein bisschen an dem Schreibstil, der mich zwar unterhält, aber ich auch so meine Zeit gebraucht habe, um mich an ihn zu gewöhnen. Dadurch kam ich anfangs einfach schwer in die Geschichte und konnte sie nicht so schnell durchlesen, wie ich zu Beginn gedacht hätte.
Mit den Charakteren habe ich mich auch ein bisschen schwer getan. Ich mochte Tandy eigentlich recht gerne und fand es bewundernswert, dass sie den Fluch einfach so angenommen hat und das Beste aus der Sache gemacht hat. Ich fand es super, dass sie direkt begonnen hat, den Laden aufzuräumen, sich für die Community des Dorfes und die Menschen einsetzt. Dort ist sie extrem praktisch veranlagt und findet Lösungen, die sie in ihrem Rahmen erfüllen kann. Allerdings ist sie in anderen Aspekten erstaunlich naiv und lässt vieles passiv über sich ergehen, ohne sich groß dagegen zu wehren. Das hat mich zumindest ab einem gewissen Zeitpunkt ein bisschen genervt, weil ich mir gewünscht hätte, dass sie sich weigert, die Prinzen zu küssen, sie weiß ja schließlich genau, dass niemand von denen sie von dem Fluch erlösen kann. Ich kann sogar verstehen, dass es ihr schwerfällt, sich gegen ihre Eltern und die Traditionen, die die ganze Zeit herrschen, durchzusetzen, aber mir dauert ihre Entwicklung einfach zu lange. Bei dem Piraten Bash fand ich das noch ein bisschen deutlicher. Ich hatte wirklich so meine Schwierigkeiten, ihn zu greifen. Es ist ziemlich klar, dass er etwas zu verbergen versucht und nie ganz ehrlich zu Tandy ist, aber die große Auflösung zum Schluss war es nicht wirklich wert, dass er einen Großteil des Buches nicht ehrlich ist. Ich hatte dadurch das Gefühl, ihn nie so richtig kennenzulernen. Er blieb einfach ebenso blass wie die ganzen Prinzen, die nach und nach in dem Buchladen eintreffen. Zu Beginn hatte ich noch das Gefühl, sie halbwegs auseinanderhalten zu können, aber nach und nach fiel mir das immer schwerer. Vielleicht wäre es besser gewesen, wenn es weniger Prinzen gewesen wären und man sie dafür ein bisschen besser hätte kennenlernen können. So hätte man vielleicht auch mehr von den verschiedenen Königreichen erfahren können, ohne dass man selbst den Buchladen verlassen musste. Genau das ist für mich ebenfalls ein kleinerer Kritikpunkt: Der Bereich der Welt, den man erkunden kann, ist relativ klein, weil Tandy eben in dem Buchladen gefangen ist und genau dadurch kann man nicht einmal das kleine Dorf so richtig erfassen, in dem sich dieser befindet. Das fand ich doch ziemlich schade, denn vor allem das Zusammenleben der verschiedenen fantastischen Wesen in Frieden und Harmonie hätte ich extrem spannend gefunden. Man erfährt darüber aber nur am Rande und kann sich kaum ein eigenes Bild davon machen. Ich hatte deswegen auch so ein bisschen meine Schwierigkeiten mit der gesamten Geschichte. Diese hat mich nicht immer komplett fesseln können, weil natürlich klar ist, dass es irgendeine Lösung für den Fluch geben muss, aber da die Prinzessin selbst gar nicht so sehr auf die Auflösung hofft, hatte ich auch nie den Sog, die Geschichte unbedingt durchlesen zu wollen.
Alles in allem mochte ich die Geschichte durchaus gerne und sie hat mich gut unterhalten, aber es wurde auch ein wenig Potenzial verschwendet, weil die Charaktere recht blass blieben und die Welt gerne noch ein wenig mehr ausgestaltet hätte sein können, selbst bei einem cozy Fantasy-Roman.