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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 10.01.2018

Mehr davon!

Echo der Toten. Ein Fall für Friederike Matthée (Friederike Matthée ermittelt 1)
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Im Hungerwinter 1947 wird in der beschaulichen Eifel ein Mann erschlagen. Schnell stellt sich heraus, dass der vermeintlich harmlose Alteisenhändler eigentlich einer der führenden Köpfe auf dem Kölner ...

Im Hungerwinter 1947 wird in der beschaulichen Eifel ein Mann erschlagen. Schnell stellt sich heraus, dass der vermeintlich harmlose Alteisenhändler eigentlich einer der führenden Köpfe auf dem Kölner Schwarzmarkt war. Diese Tatsache ruft Leutnant Richard Davies von der britischen Militärpolizei auf den Plan, unterstützt wird er von der Deutschen Friederike Matthée. Die fühlt sich eigentlich gar nicht zur Polizistin berufen, aber irgendwie muss sie sich und ihre Mutter durch den harten Winter bekommen. Das ungleiche Team begibt sich auf Spurensuche.

Beate Sauer hat mich mit ihrem Serienauftakt direkt überzeugt. Ein spannender Krimi, interessante Hauptfiguren und ein Setting, das es in sich hat. Hungerwinter, Wohnungsnot, gescheiterte Entnazifizierung, unterdrückte Wut der Siegermacht, Vorurteile, Chaos bei den zuständigen Behörden… all das hat die Autorin unglaublich authentisch wiedergegeben, man fühlt sich selbst in diese trostlose Zeit versetzt. Der fiktive Fall fügt sich hervorragend in die Umstände ein, entwickelt sich recht ordentlich, kleine Logikfehler konnte ich erstaunlich gut verzeihen. Was auch an den beiden Hauptpersonen liegt, die an Herkunft und Charakter zunächst einmal nicht unterschiedlicher sein könnten. Davies steht auf der Seite der Sieger und scheint seinen Beruf aus Berufung zu haben, Matthée auf der Verliererseite kämpft eigentlich eher ums Überleben als um Gerechtigkeit für einen Ermordeten. Die Reibereien der beiden und das Zusammenspiel habe ich gerne gelesen und bin mir sicher, dass sie auch in zukünftigen Fällen ein gutes Team abgeben werden.
Ein Krimi mit großartiger Atmosphäre, der definitiv Lust auf mehr macht.

Veröffentlicht am 08.01.2018

Ins dunkle Herz der Nacht

Prinzessin Insomnia & der alptraumfarbene Nachtmahr
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Prinzessin Dylia leidet an krankhafter Schlaflosigkeit. Seit nunmehr 18 schlaflosen Tagen und Nächten quält sie sich durchs heimische Schloss, die eigenen Gedanken in den einsamen Nachtstunden sind die ...

Prinzessin Dylia leidet an krankhafter Schlaflosigkeit. Seit nunmehr 18 schlaflosen Tagen und Nächten quält sie sich durchs heimische Schloss, die eigenen Gedanken in den einsamen Nachtstunden sind die einzige Gesellschaft. Bis plötzlich ein alptraumfarbener Nachtmahr auftaucht, der ihr auch gleich gesteht, dass er nie wieder verschwinden wird; zumindest nicht, bis er Dylia in den Wahnsinn getrieben hätte. Die ist von Natur aus neugierig und will die Reise dorthin möglichst schnell antreten. Schnellste Reiseroute: einmal quer durchs eigene Gehirn.

Bücher von Walter Moers haben mich schon immer begeistert: witzig, skurril, abstrus, voll von überbordender Fantasie, philosophische Untertöne, Wortwitz, herrliche Zeichnungen… All das gibt es in diesem Buch auch. Aber eben eine Spur zu wenig. Mich hat die Handlung nicht richtig überzeugen können, über weite Strecken war sie mir zu dünn. Eine Reise durch ein Gehirn hatten wir schon mal (s. Blaubär) und gefühlt hat der Autor diese kurze Episode spannender gestaltet, als hier ein ganzes Buch. Gerade den Anfang fand ich erstaunlich zäh, bis ca. S. 60 hat man gefühlt 58 Seiten alphabetischer Aufzählungen von irgendwas gelesen. Später kommt natürlich Fahrt ins Geschehen, aber auch eher gemächlich. Erzählen kann Moers natürlich immer noch, überrascht hat er mich manchmal auch. Aber immer wieder wurde die Geschichte heruntergebremst, gerade wenn es eigentlich in wilder Fahrt hätte weitergehen sollen. Die farbigen Zeichnungen haben mir gut gefallen (das erste Mal nicht aus eigener Feder, sondern aus der von Lydia Rode), aber manchmal wäre weniger hier mehr gewesen. Kein Mensch braucht so viele Zeichnungen geometrischer Figuren. Auch nicht in Farbe ; ) Insomnia und der Nachtmahr sind schöne Figuren, ihre bekommt gerade durch das Nachwort noch mehr Tiefe. Das Gekabbel der beiden hat mich gut unterhalten, und man sollte sich definitiv nicht von dem Begriff „Liebesgeschichte“ im Klappentext abschrecken lassen, denn es ist keine. Zumindest keine schmalztriefende.
Fazit: Ich finde „Die Prinzessin…“ nicht schlecht. Aber ich finde, dass Moers es besser kann. Ich bin gespannt, ob er das in seinem nächsten Werk wieder zeigen wird.

Veröffentlicht am 08.01.2018

Milan und die Mären

Die Chroniken von Azuhr - Der Verfluchte
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Seit sein Großvater einst eine ganze Stadt zum Tode verdammte, ist Milans Familie zwar respektiert, aber nicht überall gut gelitten. Dazu trägt auch sein Vater bei, der das ehrwürdige Amt eines Erzpriesters ...

Seit sein Großvater einst eine ganze Stadt zum Tode verdammte, ist Milans Familie zwar respektiert, aber nicht überall gut gelitten. Dazu trägt auch sein Vater bei, der das ehrwürdige Amt eines Erzpriesters bekleidet. Genau das soll auch Milans Schicksal werden, doch der ist damit nicht glücklich. Als eine namenlose, rothaarige Schönheit in sein Leben tritt, regt sich in Milan erst recht der rebellische Geist. Als zusätzlich ein Krieg droht und geheimnisvolle Gestalten aus alten Mären gesichtet werden, steht Milans Leben endgültig Kopf.

Bernhard Hennen schreibt seit Jahren erfolgreich Fantasyromane, bisher hatte ich aber noch nichts vom Autor gelesen. Da sollte ich wohl einiges nachholen, denn dieser Reihenauftakt hat mir sehr gut gefallen. Die kleine Insel Cilia und die große Welt drumrum haben definitiv Potential für eine spannende und interessante Reise. Politische Verstrickungen gepaart mit Bedrohungen aus der magischen Welt, sorgen für Abwechslung und große Überraschungen. Gerade zu den Mären hätte ich mir allerdings oft etwas mehr Information und Hintergrundwissen gewünscht, kaum war eine Figur auf dem erzählerischen Tablett präsentiert worden, so war sie (meist) auch schon wieder verschwunden. Die Handlung lässt aber hoffen, dass sich das in den nächsten Bänden etwas ändert. Auch die menschlichen Figuren fand ich gut gelungen, manche mag man, manche nicht; die Tatsache, dass man keine klare Linie zwischen „gut“ und „böse“ ziehen kann, hat mir sehr gut gefallen, lässt sie doch Raum für viele Entwicklungen. Milan kann die Geschichte gut tragen und ich bin wirklich gespannt wie es mit ihm und Azuhr weitergehen mag.
Fazit: ein toller Reihenauftakt mit winzigen Schwächen, der aber dennoch Lust auf die weiteren Bände macht.

Veröffentlicht am 07.01.2018

Hangman

Hangman. Das Spiel des Mörders (Ein New-Scotland-Yard-Thriller 2)
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Gut anderthalb Jahre sind vergangen, seit der Ragdoll-Mörder alle in Atem hielt. Emily Baxter ist gerade etwas zur Ruhe gekommen, als sie plötzlich nach New York geschickt wird. Dort wurde eine Leiche ...

Gut anderthalb Jahre sind vergangen, seit der Ragdoll-Mörder alle in Atem hielt. Emily Baxter ist gerade etwas zur Ruhe gekommen, als sie plötzlich nach New York geschickt wird. Dort wurde eine Leiche gefunden, die verstörende Parallelen zu den damaligen Morden aufweist. Mit zwei amerikanischen Ermittlern an der Seite versucht sie Licht ins Dunkel zu bringen, als plötzlich auch daheim in London das Unglaubliche geschieht und ähnliche Morde begangen werden. Die Agenten geraten gehörig unter Druck…

Hangman ist nach Ragdoll der zweite Band mit Ermittlerin Emily Baxter. Band eins kenne ich nicht, der Autor streut aber genug Informationen zum bisherigen Geschehen ein, sodass man auch gut quereinsteigen kann. Baxter und auch ihre Kollegen sind etwas sperrige Personen, mit kleinen Fehlern und gut gehüteten Geheimnissen, trotzdem waren sie mir recht sympathisch. Das Zusammenspiel der drei fand ich sehr gut gemacht, die Probleme, die sich aus der Zusammenarbeit auf zwei Kontinenten mit jeweils unterschiedlicher Zuständigkeit ergeben sehr authentisch. Der Fall selbst war mir leider irgendwann zu sehr abgehoben, zu sehr auf Brutalität und Masse ausgelegt. Da sind mir subtile Mörder meist lieber ; ) Trotzdem war ich von der Geschichte gefesselt, denn Cole hat einen angenehmen Erzählstil und weiß wie man einen ordentlichen Spannungsbogen strickt. Man kann zwar gut mitfiebern, aber nicht so richtig mitermitteln und –rätseln, was ich etwas schade finde. Insgesamt also ein Thriller, der zwar ganz gut gemacht ist, aber nicht so richtig meinen Geschmack getroffen hat.

Veröffentlicht am 03.01.2018

Von der schönsten Kunst

Kochen wie die Halblinge
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Wer sich schon mal lesend ins Auenland vorgewagt hat, dem ist der große Hunger des kleinen Volkes bekannt. Endlich sind einige Rezepte in gebundener Form erhältlich, sodass auch wir vom Menschenvolk gerüstet ...

Wer sich schon mal lesend ins Auenland vorgewagt hat, dem ist der große Hunger des kleinen Volkes bekannt. Endlich sind einige Rezepte in gebundener Form erhältlich, sodass auch wir vom Menschenvolk gerüstet sind, falls ein reiselustiger Hobbit (oder die eigene gefräßige Verwandtschaft) vor der Tür stehen sollte.
„Kochen wie die Halblinge“ ist eine schöne und liebevoll aufbereitete Rezeptesammlung, die vom kleinen Snack zwischendurch bis zum großen Hauptgang immer eine Idee parat hat. Die Gerichte sind unterm Strich relativ einfach gehalten, aber gutes Essen muss ja auch nicht immer aus 65 Zutaten bestehen. Einige Gerichte sind relativ alltäglich und waren schon vor der Lektüre fest in meinem Repertoire verankert, einige neue und interessante Speisen habe ich aber auch für mich gefunden. Und alle bisher Nachgekochten für sehr lecker befunden ; )
Die Anleitungen sind leicht verständlich geschrieben und ähneln eher kleinen Geschichten wie nüchternen Kochanweisungen, sodass ich beim Nachkochen immer mal wieder schmunzeln musste. Zwar authentisch, aber nicht ganz so gelungen finde ich die Verwendung von Mengenangaben wie Schüssel, Haferl, etc.; zwar findet sich am Ende des Buches ein Glossar wie in ml und g umzurechnen ist, trotzdem kann man über Angaben wie „ein Viertel kleiner Löffel“ oder „eine gehäufte große Schüssel“ sicherlich streiten. Begleitet werden die Gerichte von bunten Zeichnungen, die thematisch passend eher in erdigen Tönen gehalten sind. Mir haben sie mal gefallen und mal nicht, gerade die Halblinge selbst fand ich nicht ganz sooo ansehnlich. Aber das ist sicher Geschmackssache, es kommt ja weniger auf die Packung denn auf den Inhalt an. Die Idee und Umsetzung haben mir insgesamt wirklich gut gefallen und ich kann dieses Kochbuch allen Mittelerdefans sehr ans Herz legen. Allen anderen auch ; )