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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 27.01.2026

Vielschichtig und stimmig

Mo & Moritz
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In "Mo & Moritz" tun sich nach und nach eine Reihe jugendlicher, familiärer und gesellschaftlicher Problemfelder auf, die alle glaubhaft beschrieben werden und zu Mos Geschichte passen. Diese knallharte ...

In "Mo & Moritz" tun sich nach und nach eine Reihe jugendlicher, familiärer und gesellschaftlicher Problemfelder auf, die alle glaubhaft beschrieben werden und zu Mos Geschichte passen. Diese knallharte Realität neben dem Glamourumfeld des Friseursalons war ein guter und realistischer Gegensatz. Dazu dann noch die einfühlsam erzählte Liebesgeschichte zwischen Mo und Moritz, die ebenfalls sehr glaubhaft war. Bei der Zeichnung der Charaktere wird mir vor allem Mos Familie in Erinnerung bleiben, die einige Gegensätze beinhaltet, und so das Spannungsfeld, in dem (nicht nur) Migranten (nicht nur) in Westeuropa sich oft befinden, gut und wertfrei beschreibt.
Für mich ein stimmiges Coming-of-Age-Jungendbuch, das viele aktuelle Themen aufgreift und diesen dennoch gerecht wird, ohne für alle Lösungen zu finden.
Das in Wien spielende Buch ist von der der ebenfalls in Wien lebenden Julya Rabinowich mit österreichischem Lokalkolorit geschrieben. Vielleicht stolpern jugendliche deutsche Leser*innen da mehr drüber als ich, aber ich denke, man kommt schon gut zurecht. Sprachlich hat das Buch eine gewisse Leichtigkeit, aber immer mit Niveau.

Veröffentlicht am 10.01.2026

Wichtig

Da, wo ich dich sehen kann
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"Da, wo ich dich sehen kann" ist wie die anderen Romane von Jasmin Schreiber wieder sehr gut und einfühlsam geschrieben. Dass ich es dann doch öfter aus der Hand legen musste, liegt am heftigen Thema. ...

"Da, wo ich dich sehen kann" ist wie die anderen Romane von Jasmin Schreiber wieder sehr gut und einfühlsam geschrieben. Dass ich es dann doch öfter aus der Hand legen musste, liegt am heftigen Thema. Das Buch dreht sich um einen Femizid - die Vorgeschichte des Mordes an Emma und vor allem die Auswirkungen auf die Hinterbliebenen. Was auch deutlich wird, ist die Ignoranz bzw der Hang zur Verharmlosung der Gesellschaft und Politik gegenüber des Themas. Auch ohne explizite Gewaltdarstellung fand ich das alles schon recht heftig, aber auch wichtig. Ausgeglichen wird es ein Stück weit durch das wirklich liebenswerte Personal, nämlich die Angehörigen, aus deren Sicht das Buch kapitelweise wechselnd geschrieben ist.
Keine leichte Kost, aber ein wirklich wichtiges Buch!

Veröffentlicht am 05.01.2026

Super erzählt!

Mein ganzes Leben, Öl auf Leinwand, ohne Titel
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"Mein ganzes Leben, Öl auf Leinwand, ohne Titel" ist wieder mal ganz wundervoll geschrieben. Das Buch liest sich durchgängig flüssig, hat keine Längen und war für mich ein regelrechter Pageturner ohne ...

"Mein ganzes Leben, Öl auf Leinwand, ohne Titel" ist wieder mal ganz wundervoll geschrieben. Das Buch liest sich durchgängig flüssig, hat keine Längen und war für mich ein regelrechter Pageturner ohne dass das Buch im klassischen Sinne spannend gewesen wäre. Alena Schröder ist einfach eine sehr gute Erzählerin.
Auf zwei Zeitebenen wird vor zeitgeschichtlichem Hintergrund vor allem von Frauen erzählt: Hannah, die 2023 in Berlin immer noch mit ihrer Familiengeschichte befasst ist - und Wilma und Marlen, die in der DDR ihren Weg als Künstlerinnen und ihr Verhältnis zueinander finden müssen.
Diese Hauptfiguren haben Ecken und Kanten, was sie aber selbst wissen. Nicht nur deshalb sind sie sympathisch und wachsen beim Lesen ans Herz. Der manchmal etwas schnodderige Ton passt da auch sehr gut.
Es ist der dritte Band, der sich mit der Familiengeschichte von Hannah, Evelyn und Silvia und einem geheimnisvollen Gemälde befasst, aber er liest sich auch ohne Vorkenntnisse stimmig.

Veröffentlicht am 26.12.2025

Zeitreise

Was vor uns liegt
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Rom, 1934. Das Grimaldi ist eine Art Wohnheim für junge Studentinnen, das von einem Kloster betrieben wird. Die acht im Fokus des Buches stehenden jungen Frauen befinden sich alle in dem Spannungsfeld ...

Rom, 1934. Das Grimaldi ist eine Art Wohnheim für junge Studentinnen, das von einem Kloster betrieben wird. Die acht im Fokus des Buches stehenden jungen Frauen befinden sich alle in dem Spannungsfeld zwischen den Ansprüchen des jeweiligen Studiums, den Erwartungen, die sie selbst und ihre Familien haben, und den Vorgaben des Klosters. Sie leben im Kloster in einer Art Paralleluniversum mit noch strengeren Regeln und Erwartungen. Man bekommt einen guten Eindruck von der Zeit, muss dabei aber auf die Feinheiten achten, denn Alba de Céspedes beschreibt sehr pointiert.
Auch sonst ist "Was vor uns liegt" ein Buch, das man aufmerksam lesen sollte, um die unterschiedlichen jungen Frauen und das Nebenpersonal immer auseinander halten zu können.
Das Buch las sich für mich über weite Strecken sehr distanziert. Ansonsten sprachlich sehr eingänglich und gut lesbar.
Für mich war es eine interessante Zeitreise, da das Buch aus der Zeit stammt, die es beschreibt. Es wird auch klar, warum die Autorin mit ihrem Buch angeeckt ist bzw sogar der Zensur zu Opfer fiel (trotzdem hätte ich mir hierzu eine kleine Einordnung des Verlags gewünscht): man merkt, dass das Buch von einer selbstbewussten Feministin stammt.

Veröffentlicht am 24.11.2025

Vielfältig

Die wilden Jahre
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"Die wilden Jahre" von Susanne Goga ist ein vielfältiger Roman. Die spannenden Settings Rheinland direkt nach dem Ersten Weltkrieg und Theater werden mit einer einfühlsamen Familiengeschichte, die gleichzeitig ...

"Die wilden Jahre" von Susanne Goga ist ein vielfältiger Roman. Die spannenden Settings Rheinland direkt nach dem Ersten Weltkrieg und Theater werden mit einer einfühlsamen Familiengeschichte, die gleichzeitig aber auch Krimi ist, verbunden. Das daraus entstandene Buch ist jedoch nicht zu komplex, sondern immer intelligent unterhaltsam. Die Umstände im (teils besetzten, teils 'neutralen') Rheinland im April 1919 werden eindrücklich und gut recherchiert beschrieben. Die Atmosphäre am Theater und der angeschlossenen Schauspielschule hätten für mich aber gerne ausführlicher behandelt werden können.
Mit der bei den Ermittlungen zum Mordfall über sich hinauswachsenden forschen Schauspielschülerin Thora habe ich mitgefiebert - auch ihr Bruder Hannes ist mir ans Herz gewachsen, auch wenn ich ihn aufgrund seines passiven Verhaltens manchmal hätte schütteln wollen. Zwei sympathische Hauptfiguren, deren gegenseitige Geschwisterliebe rührt.
Insgesamt ein Buch, das unterhält, aber nie seicht ist und bei dem man aber auch etwas über die beschriebene Zeit mitnimmt.