Profilbild von Forti

Forti

Lesejury Star
offline

Forti ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Forti über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 19.03.2026

Interessanter Rahmen mit ausbaufähiger Geschichte

Das schönste aller Leben
0

Betty Boras erzählt eine Familiengeschichte aus Frauenperspektive. Sie alle haben kein leichtes Leben, aber sie sind alle stark diese Frauen, auch wenn sie das vermutlich nicht von sich selbst sagen würden. ...

Betty Boras erzählt eine Familiengeschichte aus Frauenperspektive. Sie alle haben kein leichtes Leben, aber sie sind alle stark diese Frauen, auch wenn sie das vermutlich nicht von sich selbst sagen würden. Geprägt ist ihr Leben von ihrer Identität als Banater Schwaben. Die sehr gefühlvolle Beschreibung dieser oft übersehenen Gruppe, ihrer Identität und Kultur, ihrem Stand in Deutschland und Rumänien, die fand ich sehr eindrücklich und lehrreich. Viel Platz im Buch nimmt auch die Perspektive der als Kind nach Deutschland gekommenen Vio ein, deren Kleinkind Verbrennungen im Gesicht hat. Die struggles von Vio hiermit fand ich nachvollziehbar, auch den Bezug auf die Familiengeschichte, allerdings fehlte mir hier eine nachvollziehbare Weiterentwicklung. So zog sich dieser Part mit all seiner Tragik und Problematik leider etwas.
Interessanter Rahmen mit ausbaufähiger Geschichte.

Veröffentlicht am 19.03.2026

Bildhaft

Moosland
0

Ein sehr stimmungsvolles Buch. Das Leben auf dem isländischen Bauernhof wurde in "Moosland" für mich lebendig und wirkte sehr authentisch. Die deutsche Gastarbeiterin Elsa verstummt auftreten zu lassen ...

Ein sehr stimmungsvolles Buch. Das Leben auf dem isländischen Bauernhof wurde in "Moosland" für mich lebendig und wirkte sehr authentisch. Die deutsche Gastarbeiterin Elsa verstummt auftreten zu lassen war ein guter Schachzug von Katrin Zipse. Das passte gut zum Setting in einem fremd(sprachig)en Land und war auch mit einem Kriegstraumata gut zu begründen. Aber für mich wurde dieses Konzept leider überstrapaziert, indem es keine Entwicklung gab. Weder erfährt man mehr über das Traumata, noch kommt man als Leserin Elsa wirklich nah. Sie bleibt für die Leserin genauso unnahbar wie für ihre isländische Familie. Das mag konsequent umgesetzt sein, ist aber etwas frustrierend zu lesen.
Die bildhafte, stimmungsvolle Szenerie hat für mich aber doch einige rausgerissen und insgesamt ist es eine gelungene Beschreibung dieser historischen Nische.

Veröffentlicht am 19.02.2026

Zeitreise

Die Reise ans Ende der Geschichte
0

Kristof Magnusson nimmt uns mit in die 1990er Jahre. Europa genießt die neue Freiheit nach dem Fall des Eisernen Vorhangs. In "Die Reise ans Ende der Geschichte" müssen sich alte und neue Agent*innen mit ...

Kristof Magnusson nimmt uns mit in die 1990er Jahre. Europa genießt die neue Freiheit nach dem Fall des Eisernen Vorhangs. In "Die Reise ans Ende der Geschichte" müssen sich alte und neue Agent*innen mit den veränderten Begebenheiten arrangieren und ihren Platz, ihre (selbst gestellten) Aufgaben dort finden - aus Angst vor der Bedeutungslosigkeit oder schlimmerem.
Eher zufällig gerät der Dichter Jakob Dreiser in diese illustre Szene. Hier kann man Kristof Magnusson durchaus vorwerfen, dass er nicht nachvollziehbar erklärt, warum dieser bei dem Spiel mitmacht. Das ist einerseits schade, andererseits aber vielleicht einfach so.
Das Buch ist insgesamt überaus unterhaltsam, atmosphärisch und leicht geschrieben. Die Geschichte mag absurd erscheinen, aber gerade die reale Geschichte (gerade in dieser Zeit) ist ja nun mal auch oft absurd.

Veröffentlicht am 05.02.2026

Musical und Liebe

Jonah Goes Off Script
0

In Robyn Greens Geschichte überzeugte mich das Setting - wobei man gleich dazu sagen muss, dass das Buch nicht an einem Theater nach deutscher Definition spielt, sondern an einem Musicaltheater. Es gibt ...

In Robyn Greens Geschichte überzeugte mich das Setting - wobei man gleich dazu sagen muss, dass das Buch nicht an einem Theater nach deutscher Definition spielt, sondern an einem Musicaltheater. Es gibt also keine Arbeit an neuen Stücken etc., aber dafür einen von einer Insiderin beschriebenen Alltag mit dem dort laufenden Stück.
In diesem Stück über den Trojanischen Krieg spielt und singt Jonah die Hauptrolle. Jonah ist auch im Buch eine sympathische Hauptfigur, die einem ans Herz wächst und mit der man bei all dem sich ergebenden Drama mitfühlt. Gegenpart ist Dexter, der viel ambivalenter, eigentlich sogar problematisch, ist. Man kann die Anziehung, die er auf Jonah hat, ein Stück weit nachvollziehen, aber halt auch nicht so richtig. Mit seinem Charakter hatte ich bis zuletzt Probleme. Für mich jetzt schwer zu sagen, ob das nun einfach realistisch ist oder ob man sich in dieser Art von Unterhaltunsliteratur doch eine andere Auflösung oder zumindest Einordnung wünschen darf.
Davon abgesehen gibt es aber schöne gefühlvolle Szenen zwischen den beiden und viel Theaterflair und da ich keinen pädagogischen Anspruch an dieses Buch haben will, macht es das für mich ein gutes Stück wett und ich habe mich insgesamt gut unterhalten gefühlt.
Sprachlich ist das Buch ziemlich wechselhaft zwischen britisch-humorvoll, kitschig und leider manchmal auch etwas unbeholfen. Insgesamt aber gut lesbar.

Veröffentlicht am 29.01.2026

Ein Leben zwischen Glamour und Tragik

Oscar Wilde – die Comic-Biografie
0

Oscar Wilde war eine schillernde Persönlichkeit mit einem Leben zwischen Glamour und Tragik. Die Graphic-Novel-Biographie von Autor Tommaso Vitiello und Zeichnerin Licia Cascione schafft es, dieses Leben ...

Oscar Wilde war eine schillernde Persönlichkeit mit einem Leben zwischen Glamour und Tragik. Die Graphic-Novel-Biographie von Autor Tommaso Vitiello und Zeichnerin Licia Cascione schafft es, dieses Leben auf 124 Seiten zusammen zu fassen. Dabei wird auf einleitende oder abschließende erklärende Texte verzichtet (evtl. wäre das für die handelnden Personen sinnvoll gewesen). Dennoch hat man nach der Lektüre einen guten (ersten) Eindruck von Oscar Wilde. Sein Charme, sein Witz, sein Genie, sein Selbstbewusstsein, seine Ambivalenz, sein Fall - all das klingt gut gewichtet an. Immer fließen Original- oder leicht abgewandelte Zitate Oscar Wildes in den Text ein, was das ganze noch authentischer macht.
Auch die Bildsprache gefällt mir gut. Wirkt der Oscar Wilde auf dem Cover eher jugendlich, ist er im Buch (auch optisch) weitestgehend ein erwachsener Mann. Emotionen werden eindrücklich verdeutlicht. Die Farben sind stimmig zu Geschichte und Zeit.
Rundum ein tolles Buch, das Oscar Wilde sehr gut vorstellt.