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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 27.04.2026

Poetisch, intensiv und überraschend anders

The Poet Empress
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Wichtig ! Das Buch ist stellenweise sehr brutal und behandelt zahlreiche schwere Themen, weshalb ich es für ein jüngeres Publikum ungeeignet empfinde und eher ab 18, frühestens ab 16 Jahren empfehlen würde. ...

Wichtig ! Das Buch ist stellenweise sehr brutal und behandelt zahlreiche schwere Themen, weshalb ich es für ein jüngeres Publikum ungeeignet empfinde und eher ab 18, frühestens ab 16 Jahren empfehlen würde.

Der Einstieg in den Roman hat mich sofort abgeholt. Besonders hervorzuheben ist der außergewöhnlich poetische und fast altertümlich wirkende Schreibstil, der sich konsequent durch das gesamte Werk zieht. Die Sprache ist bewusst gewählt und vermittelt das Gefühl, selbst Teil eines Gedichts zu sein.

Ein besonderes Highlight sind die immer wieder eingestreuten Gedichtverse, die nicht nur zum Titel „Poet Empress“ passen, sondern auch stilistisch perfekt eingebunden sind. Hier zeigt sich auch die starke Leistung der Übersetzung ins Deutsche, die es schafft poetische Tiefe beizubehalten. Zusätzlich werden im Schreibstil immer wieder vereinzelt chinesische Schriftzeichen eingebunden, was ich unglaublich gelungen fand. Auch wenn es nur kleine Details sind, haben sie für mich enorm zur Atmosphäre beigetragen und mir geholfen, noch tiefer in das Setting und den besonderen Stil einzutauchen.

Erzählstruktur

Ein weiterer großer Pluspunkt ist die Erzählstruktur des Buches. Die Geschichte wird überwiegend aus der Ich-Perspektive von Wei erzählt, wird jedoch immer wieder durch Rückblicke in erzählerischer Form von Tagebucheinträgen, aus der Vergangenheit von Prinz Terren unterstützt. Diese Wechsel erfolgen fließend und tragen maßgeblich dazu bei, die Hintergründe der Figuren besser zu verstehen und deren Handlungen einordnen zu können. Dadurch entstehen auch überraschende Wendungen, die die eigene Wahrnehmung als Leserin verändern und für eine zusätzliche emotionale Tiefe sorgen.

Setting, Atmosphäre und Magiesystem

Die Geschichte spielt in einer chinesisch inspirierten Fantasywelt, die sowohl visuell als auch kulturell sehr dicht und eindrucksvoll gestaltet ist. Wir begleiten Wei, eine Bauerntochter, die in bitterer Armut und Hungersnot aufwächst und früh mit Verlust und Leid konfrontiert wird. Dieser harte Ursprung bildet einen starken Kontrast zu dem prunkvollen, aber auch gefährlichen Leben am Kaiserhof, in das sie später eintritt. Gerade diese Gegensätze erzeugen eine dichte Atmosphäre, die von Unsicherheit, Misstrauen und unterschwelliger Bedrohung durchzogen ist. Als Leserin konnte ich mich sehr gut in diese Welt hineinversetzen und hatte durchgehend klare Bilder vor Augen.

Das Magiesystem des Buches ist wirklich besonders fügt sich hier sehr harmonisch ein und ist auf eine kreative Weise mit der Poesie verbunden, hat mir sehr gut gefallen.

Handlung, Spannung und Emotionale Intensität

Obwohl das Buch insgesamt eher ruhig erzählt ist, entfaltet es eine enorme emotionale Wucht. Themen wie Verlust, brutale Gewalt und Machtmissbrauch ziehen sich durch die gesamte Handlung und werden auf eine eindringliche Weise vermittelt. Die Handlung rund um Weís Aufstieg ist durchgehend fesselnd, lebt jedoch weniger von einer klaren, geradlinigen Struktur als vielmehr von vielen ineinandergreifenden Entwicklungen. Unterschiedliche Handlungsstränge verweben sich miteinander und erzeugen ein Gefühl von stetiger Bewegung und Veränderung. Besonders stark ist dabei die permanente Anspannung, da Wei sich in einer Umgebung bewegt, in der sie niemandem vollständig vertrauen kann und jederzeit mit Gefahr rechnen muss.

Kritikpunkte

Trotz der vielen positiven Aspekte gibt es auch einige Punkte, die mir weniger gut gefallen haben. Besonders aufgefallen ist das Fehlen eines Glossars oder einer Übersicht über die zahlreichen Figuren und deren Beziehungen zueinander. Gerade durch die Vielzahl an Namen und familiären Verbindungen, die teilweise aus einem kulturellen Kontext stammen, der mir weniger vertraut ist, fiel es anfangs schwer, den Überblick zu behalten. Ein Stammbaum oder eine kurze Charakterübersicht hätte hier sehr geholfen. Zudem empfand ich den letzten Abschnitt der Handlung als etwas zu knapp ausgearbeitet. Obwohl das Ende emotional durchaus wirkungsvoll war, hätte ich mir gewünscht, dass zentrale Ereignisse mehr Raum bekommen, insbesondere im Vergleich zu früheren Abschnitten, die deutlich ausführlicher behandelt wurden. Darüber hinaus gab es eine einzelne, eher dynamische Szene gegen Ende, die etwas schwer nachzuvollziehen war, was jedoch im Gesamtbild kaum ins Gewicht fällt.

Fazit

The Poet Empress ist eine eindrucksvolle, poetisch erzählte Geschichte, die vor allem durch ihre Atmosphäre, ihren besonderen Schreibstil und ihre vielschichtigen Figuren überzeugt. Wer sich auf das ruhige, aber intensive Erzähltempo einlässt, wird mit einer emotionalen und tiefgehenden Leseerfahrung belohnt. Am Ende hat mich die Geschichte so sehr emotional getroffen, dass ich geweint habe.

Wichtig ist jedoch zu wissen, dass es sich trotz zwischenmenschlicher Beziehungen nicht um eine Romantasy-Geschichte handelt, der Fokus liegt klar auf den Figuren, ihrer Entwicklung und den emotionalen sowie gesellschaftlichen Dynamiken.

Ich könnte noch so viel zu den Figuren und ihrer Entwicklung sagen, möchte aber bewusst nicht zu viel vorwegnehmen. Gerade deshalb finde ich es besonders empfehlenswert, möglichst unvoreingenommen an das Buch heranzugehen und sich einfach auf diese außergewöhnliche Reise einzulassen und vollkommen in diese chinesisch inspirierte Fantasy-Welt einzutauchen.

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Veröffentlicht am 23.04.2026

Zwischen Geheimnissen und Wahrheit

Beth is dead
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Beth Is Dead hat mich wirklich positiv überrascht. Der Einstieg gelingt direkt und ohne große Umschweife: Schon zu Beginn wird Beth tot aufgefunden, wodurch die Handlung sofort Fahrt aufnimmt. Es gibt ...

Beth Is Dead hat mich wirklich positiv überrascht. Der Einstieg gelingt direkt und ohne große Umschweife: Schon zu Beginn wird Beth tot aufgefunden, wodurch die Handlung sofort Fahrt aufnimmt. Es gibt keine lange Einführung, man ist direkt mitten im Geschehen, was ich sehr gelungen fand. Die Geschichte wird auf zwei Zeitebenen erzählt: in der Gegenwart nach Beths Tod sowie in Rückblenden, die uns das Leben und die Dynamik der Schwestern näherbringen. Dieses Wechselspiel sorgt dafür, dass man sich Stück für Stück ein Gesamtbild zusammensetzt.

Figuren & Perspektiven

Im Mittelpunkt stehen die vier Schwestern Beth, Amy, Jo und Meg. Nach Beths Tod begleiten wir vor allem die drei verbleibenden Schwestern, während Beth selbst nur in der Vergangenheit präsent ist. Besonders spannend fand ich die unterschiedlichen Perspektiven: Jede Schwester bringt ihre eigene Sichtweise und ihre eigenen Erfahrungen mit ein. Das hat die Geschichte unglaublich vielschichtig gemacht. Auch die Nebenfiguren wie Freunde, Partner und die Mutter, tragen dazu bei, dass sich die Welt sehr lebendig und authentisch anfühlt.

Ein kleiner Kritikpunkt: Gerade am Anfang fiel es mir teilweise schwer, die Schwestern klar auseinanderzuhalten. Auch ihre Altersunterschiede waren nicht immer ganz eindeutig, was die Orientierung etwas erschwert hat. Mit der Zeit hat sich das aber gelegt.

Spannung & Handlung

Die Autorin arbeitet mit vielen kleinen Hinweisen und falschen Fährten. Während die Schwestern versuchen herauszufinden, was mit Beth passiert ist, werden nach und nach Geheimnisse aufgedeckt. Ich hatte ständig neue Vermutungen, in welche Richtung sich die Geschichte entwickeln könnte. Gegen Ende hatte ich zwar eine recht klare Ahnung, was passiert sein könnte, diese hat sich auch bestätigt, aber die konkrete Auflösung konnte mich dennoch überraschen.

Der Mittelteil hatte für mich ein paar kleinere Längen, und manche Entwicklungen hätten etwas früher einsetzen oder straffer erzählt werden können. Auch einige Aspekte rund um die Ermittlungen wirkten für mich nicht ganz schlüssig. Auch wenn die zwei Zeitebenen insgesamt gut funktioniert haben, gab es für mich zwischendurch kleine Brüche im Erzählfluss. Gerade als ich gedanklich schon bei einem sehr entscheidenden Moment angekommen war, wurde ich plötzlich wieder einige Tage zurückgeworfen. Das hat sich für mich nicht ganz rund angefühlt und hat mich kurz aus der Geschichte herausgerissen.

Emotionale Wirkung

Zum Ende hin hat mich das Buch emotional richtig gepackt. Ich habe mit den Figuren mitgefühlt: Wut, Trauer und Verständnis lagen oft nah beieinander. Gerade die Dynamik zwischen den Schwestern wurde sehr intensiv dargestellt. Das Finale war zwar etwas abrupt, aber dennoch stimmig und wirkungsvoll. Ich habe sogar einzelne Stellen nochmal gehört, weil sie mich so mitgenommen haben.

Fazit

Beth Is Dead ist für mich ein überraschend intensiver und fesselnder Roman, der vor allem durch seine vielschichtigen Figuren und die emotionale Tiefe überzeugt. Trotz kleiner Schwächen im Mittelteil und bei der Struktur einzelner Zeitsprünge hat mich die Geschichte durchgehend gepackt und hervorragend unterhalten.

Für mich sind es starke 4,5 Sterne und definitiv eine Empfehlung.

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Veröffentlicht am 20.04.2026

emotional, ehrlich, fast perfekt

The Iced Caramel Coffee Agreement
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In Band 2 der Lower-Whilby-Reihe begleiten wir Dex - den Bruder von James aus dem ersten Teil und Eleanor, die wir bereits aus Band 1 kennen. Erzählt wird wieder in der Ich-Perspektive aus beiden Sichten, ...

In Band 2 der Lower-Whilby-Reihe begleiten wir Dex - den Bruder von James aus dem ersten Teil und Eleanor, die wir bereits aus Band 1 kennen. Erzählt wird wieder in der Ich-Perspektive aus beiden Sichten, abwechselnd, was mir schon im ersten Band gefallen hat und hier erneut sehr gut funktioniert. Der Schreibstil ist angenehm eingängig, sodass ich sofort wieder in das Kleinstadt-Setting eintauchen konnte.

Für mich war dieser Band deutlich stärker als der erste. Ich konnte mich viel besser mit den Figuren identifizieren, vor allem emotional haben mich beide deutlich mehr abgeholt. Eleanor fand ich als Charakter besonders spannend, weil sie gleichzeitig vertraut wirkte, aber auch Seiten hatte, die sie unvorhersehbar und interessant gemacht haben. Besonders hervorheben möchte ich Dex. Er war für mich eine sehr greifbare, nahbare Figur mit klaren Werten und einer emotionalen Tiefe, die mich wirklich überrascht hat. Im Vergleich zu James aus Band 1 wirkte sein Charakter deutlich konsistenter. Bei James hatte ich oft das Gefühl, dass er je nach Perspektive unterschiedlich dargestellt wurde, was mich eher irritiert hat. Dex hingegen blieb in sich stimmig und hat mich emotional viel mehr erreicht. Auch seine Hintergrundgeschichte, insbesondere das Familiendrama und seine Karriere als Musiker, bringt zusätzliche Tiefe in die Handlung. Gerade in Dex’ Perspektive gab es viele Momente, in denen ich mich ihm ungewöhnlich nah gefühlt habe. Es war das erste Mal, dass ich mich einem männlichen Protagonisten in dieser Form emotional verbunden gefühlt habe.

Was mich besonders begeistert hat, waren die vielen kleinen, aber bedeutungsvollen Passagen: Sätze, die zum Nachdenken anregen oder Gefühle auf den Punkt bringen. Ein weiterer Punkt, der mir extrem positiv aufgefallen ist, war der Humor. Dieser ist eher subtil und teilweise fast schon unterkühlt oder stumpf gehalten, gerade in den inneren Monologen der Figuren. Viele Aussagen wirken zunächst sehr nüchtern oder beiläufig, treffen dann aber genau dadurch ins Schwarze und sind unglaublich witzig. Ich musste an einigen Stellen wirklich laut auflachen, weil Dinge so trocken und direkt ausgesprochen wurden. Besonders schön fand ich, dass dieser Humor oft in Momenten auftaucht, in denen ich ihn gar nicht erwartet hätte. Für mich ist das definitiv ein großes Herzstück des Romans und hat das Leseerlebnis nochmal deutlich aufgewertet.

Ein weiteres Highlight war für mich die Dynamik zwischen Eleanor und Dex. Ihre Interaktionen wirkten authentisch und haben mich komplett abgeholt. Insgesamt hatte ich stellenweise wirklich ein Fünf-Sterne-Gefühl beim Lesen.

Allerdings gibt es auch ein paar Kritikpunkte:

Das Ende kam mir zu abrupt. Obwohl ich nachvollziehen kann, warum die Handlung diesen Verlauf nimmt, hätte ich mir hier mehr Raum gewünscht. Es war für meinen Geschmack zu schnell abgehandelt, was zu dem vorherigen Teil des Buches nicht passte. Zusätzlich war das Zeitgefühl im Verlauf der Geschichte manchmal etwas verwirrend. Stellenweise hatte ich das Gefühl, es vergeht deutlich mehr Zeit, als tatsächlich beschrieben wird.

Trotz dieser kleinen Schwächen konnte ich die Beziehung und die Entwicklung der Figuren gut nachvollziehen und emotional mitgehen.

Fazit
Ein emotional starker zweiter Band mit tollen Charakteren und einer besonders gelungenen männlichen Perspektive. Kleine Schwächen im pacing und beim Ende verhindern die volle Punktzahl, aber insgesamt ein sehr überzeugender Roman der den ersten Band um einiges übertrifft.

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Veröffentlicht am 17.04.2026

Originelle Ideen, die Lust auf mehr machen

Vesselless – Mein verräterisches Herz
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Vesselless ist ein Fantasy-Roman, der vor allem durch seine frischen Ideen, seinen besonderen Ton und eine sehr charaktergetriebene Erzählweise überzeugt. Die Geschichte entfaltet sich eher ruhig, legt ...

Vesselless ist ein Fantasy-Roman, der vor allem durch seine frischen Ideen, seinen besonderen Ton und eine sehr charaktergetriebene Erzählweise überzeugt. Die Geschichte entfaltet sich eher ruhig, legt dafür aber großen Wert auf Atmosphäre, Figurenentwicklung und eine originelle Welt. Trotz einiger Schwächen im Detail bleibt ein insgesamt positives Leseerlebnis zurück.

Schreibstil und Atmosphäre

Der Schreibstil ist eine der größten Stärken des Buches. Er ist gehoben, leicht poetisch und vermittelt eine gewisse Eleganz, die hervorragend zum Setting passt. Besonders die Kombination aus formeller Sprache und emotionaler Nähe funktioniert sehr gut. Die wechselnden Perspektiven sowie die Tagebucheinträge zu Beginn von Nizzaras Kapiteln sorgen für zusätzliche Spannung und geben Einblicke in vergangene Ereignisse. Auch die Kapitelstruktur ist angenehm: kürzere Kapitel und häufige Perspektivwechsel sorgen für einen guten Lesefluss.

Das Buch schafft es, eine dichte und teilweise auch düstere Atmosphäre aufzubauen. Einige Szenen sind überraschend brutal und intensiv beschrieben, was die emotionale Wirkung verstärkt. Gleichzeitig gibt es viele ruhige, warme Momente, besonders in den Interaktionen zwischen den Figuren, die einen starken Kontrast bilden.

Worldbuilding & Setting

Die Welt des Romans vereint klassische Fantasy-Elemente mit einer ungewöhnlichen, fast schon alternativ-modernen Komponente. Neben Königreichen wie Zarr, Zo und Zem existieren auch die sogenannten Ödlande sowie mehrere andere Welten mit unterschiedlichen Völkern und Fähigkeiten. Besonders spannend ist die Mischung aus Magie und technologischem Fortschritt:
Glosteine dienen als Energiequelle, Glokars erinnern an frühe Fahrzeuge, und Steinschusswaffen ergänzen das Arsenal. Diese Kombination wirkt überraschend stimmig und verleiht der Welt einen ganz eigenen Charakter, den man so selten liest. Allerdings zeigt sich hier auch eine Schwäche: Viele dieser Ideen werden eher angerissen als wirklich ausgearbeitet. Gerade bei komplexeren Konzepten fehlt es teilweise an klaren Erklärungen.

Magiesystem

Das Magiesystem rund um die sogenannten „Vesseln“ gehört zu den originellsten Aspekten des Buches. Diese ringartigen Objekte binden die Seele eines Geistes an eine lebende Person und ermöglichen so den Einsatz von Magie, oft in Verbindung mit individuellen Fähigkeiten und Schutzgeistern. Auch die Idee der „Death Walker“, die im Auftrag eines Gottes zwischen den Welten reisen und Seelen jagen, fügt eine düstere und faszinierende Ebene hinzu.

Doch ähnlich wie beim Worldbuilding gilt: Die Konzepte sind extrem spannend, aber nicht immer vollständig durchdacht oder klar erklärt. In dynamischen Szenen fällt es manchmal schwer, genau nachzuvollziehen, wie die Magie funktioniert oder welche Regeln gelten. Wer ein sehr klar strukturiertes Magiesystem erwartet, könnte hier ins Straucheln geraten.

Handlung & Erzähltempo

Die Handlung ist bewusst ruhig gehalten und legt den Fokus weniger auf große, epische Ereignisse als vielmehr auf Entwicklung und Beziehungen. Im Zentrum steht Nizzara, die als Thronerbin verschiedene Prüfungen und Duelle bestehen muss, während parallel Dagen, ein Death Walker mit eigener Vergangenheit, seinen Auftrag verfolgt. Viele Szenen drehen sich um Training, Kämpfe und Begegnungen am Hof. Diese Struktur sorgt für eine stetige, aber eher sanfte Entwicklung der Geschichte. Ein klassischer, großer Showdown bleibt aus.

Ein kleiner Kritikpunkt: Einige Handlungsstränge und Konflikte wirken etwas unausgereift oder bleiben zu vage. Auch einzelne Entscheidungen von Figuren erscheinen stellenweise unlogisch oder konstruiert, nur um die Handlung voranzubringen.

Charaktere & Dynamik

Das Herzstück des Romans ist eindeutig die Beziehung zwischen Nizzara und Dagen. Ihre Dynamik entwickelt sich langsam, aber sehr authentisch und emotional greifbar. Die Dialoge sind lebendig, teilweise humorvoll und schaffen eine starke Verbindung zu den Figuren. Dagen sticht besonders hervor: ein komplexer Charakter mit inneren Konflikten, dessen Perspektive einen spannenden Kontrast zu Nizzaras Sichtweise bildet. Auch die Nebenfiguren, insbesondere im höfischen Umfeld, tragen zur Atmosphäre bei und geben der Welt zusätzliche Tiefe.

Fazit

„Vesselless“ ist ein ungewöhnlicher Fantasy-Roman, der mit kreativen Ideen, einem starken Schreibstil und intensiven Figuren punktet. Trotz einiger Schwächen im Worldbuilding und in der Ausarbeitung bleibt die Geschichte fesselnd und emotional wirkungsvoll.

Das Buch wirft viele spannende Ideen auf, arbeitet diese jedoch nicht immer vollständig aus, sodass am Ende einige Fragen offenbleiben. Für mich hat das aber eher Neugier geweckt als gestört, weil ich in all dem viel Potenzial sehe und Lust auf mehr bekommen habe. Ich kann jedoch verstehen, dass das für andere zu einer niedrigeren Bewertung führen könnte. Für mich überwiegen dennoch die Stärken, weshalb ich bei vier Sternen bleibe.

Wer eine actiongeladene, klar strukturierte Handlung erwartet, könnte hier enttäuscht werden. Wer jedoch Wert auf Atmosphäre, Charakterdynamik und originelle Ansätze legt, wird viel Freude an diesem Buch haben.

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Veröffentlicht am 11.04.2026

Gelungener Abschluss

Kiss of the Broken – Seine Liebe ist ihre Verdammnis
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Der zweite Band, Kiss of the Broken von Julia Pauss, knüpft direkt an die Ereignisse des ersten Teils an und schafft es dadurch, einen sehr gelungenen Einstieg zu liefern.

Schreibstil & Lesefluss

Der ...

Der zweite Band, Kiss of the Broken von Julia Pauss, knüpft direkt an die Ereignisse des ersten Teils an und schafft es dadurch, einen sehr gelungenen Einstieg zu liefern.

Schreibstil & Lesefluss

Der Schreibstil bleibt angenehm flüssig, atmosphärisch dicht und sehr zugänglich. Man kommt schnell durch, ohne dass dabei die Intensität verloren geht. Besonders die emotionalen Momente sind eindringlich und bildhaft beschrieben.

Worldbuilding & Atmosphäre

Ein großer Pluspunkt dieses Bandes ist das erweiterte Worldbuilding. Während wir im ersten Teil hauptsächlich die Menschenwelt kennengelernt haben, öffnet sich die Geschichte nun stärker in Richtung Tenebria – dem Reich der Dämonen. Das sorgt für frischen Wind und macht die Welt noch vielschichtiger. Gleichzeitig wird auch die ohnehin schon düstere Atmosphäre noch intensiver. Die Brutalität dieser Welt tritt deutlicher hervor, was stellenweise wirklich unter die Haut geht.

Ein kleiner Kritikpunkt: Die verschiedenen Dämonenarten waren zwar spannend gedacht, aber ich hatte manchmal Schwierigkeiten, mir diese klar vorzustellen.

Charaktere & Dynamik

Die Dynamik zwischen Ren und Scarlet bleibt ein zentraler Bestandteil der Geschichte. Ihre Verbindung ist weiterhin emotional greifbar, und gerade Rens innerer Konflikt – zwischen Wut, Enttäuschung und seinen Gefühlen – wurde sehr gut ausgearbeitet. Allerdings hat sich die Beziehung der beiden im Vergleich zum ersten Band etwas anders angefühlt. Während sie dort fast durchgehend gemeinsam unterwegs waren und man ihre Entwicklung sehr intensiv miterleben konnte, sind sie hier zeitweise getrennt. Dadurch rückt ihre direkte Dynamik etwas in den Hintergrund. Gleichzeitig bekommen Nebenfiguren mehr Raum, was die Welt bereichert, aber eben auch dazu führt, dass der Fokus sich stärker verteilt.

Romantik & Emotionen

Die romantischen und körperlichen Szenen sind sehr intensiv und atmosphärisch geschrieben, das kann die Autorin definitiv. Für meinen Geschmack waren es stellenweise jedoch etwas viele dieser Szenen, vor allem in Momenten, in denen sie sich nicht ganz natürlich in die Situation eingefügt haben. Was mir im ersten Band besonders gefallen hat, war die langsame Annäherung. Diese feine Entwicklung tritt hier etwas in den Hintergrund zugunsten von mehr Intensität.

Spannung & Handlung

Im Vergleich zum ersten Band gibt es weniger überraschende Wendungen und große Twists. Das sorgt für ein etwas anderes Lesegefühl: weniger „Wow“-Momente, dafür mehr Fokus auf Entwicklung, Atmosphäre und die Gesamtgeschichte.

Trotzdem bleibt die Spannung erhalten, vor allem durch die Frage, wie sich alles zum Ende hin auflösen wird. Besonders ein neuer Handlungsstrang rund um Scarlet zum Ende hin konnte mich nochmal richtig packen.

Kritikpunkte

Trotz der vielen positiven Aspekte sind mir jedoch auch ein paar kleinere Kritikpunkte aufgefallen. Zum einen lag der Fokus weniger stark auf der zentralen Dynamik zwischen Ren und Scarlet, was für mich einen Teil der emotionalen Intensität aus dem ersten Band etwas abgeschwächt hat. Auch die Anzahl an überraschenden Wendungen war geringer. An manchen Stellen hätte ich mir außerdem mehr Klarheit gewünscht. Besonders das Magiesystem, das hier stärker in den Fokus rückt, wirkte zwar spannend, blieb aber nicht immer vollständig greifbar. Gerade gegen Ende gab es Momente, in denen ich mir eine genauere Erklärung gewünscht hätte, um die Abläufe besser nachvollziehen zu können. Auch die verschiedenen Dämonenarten waren interessant, aber nicht immer leicht vorstellbar, wodurch ein Teil der Atmosphäre etwas an Wirkung verloren hat.

Finale

Das Ende ist für mich ein echtes Highlight. Die Autorin nimmt sich Zeit, die Geschichte sauber abzuschließen, gibt einen Ausblick und lässt die Welt nicht einfach abrupt zurück. Genau so sollte ein Finale sein: rund, durchdacht und befriedigend.

Fazit

Insgesamt ist Kiss of the Broken ein würdiges Finale, das die Geschichte rund abschließt, auch wenn es mich nicht ganz so stark begeistern konnte wie der Auftakt. Für mich sind es daher starke 4,5 Sterne – mit Tendenz nach oben, je nachdem, welche Aspekte man persönlich am meisten gewichtet.

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