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FranziskaBo96

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 02.05.2023

Urlaub mit Katastrophe

Die spürst du nicht
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Die Wiener Familien Strobl-Marinek und Binder fahren zusammen in den Urlaub in die Toskana. Die 14-jährige Sophie Luise schafft es, ihre Eltern davon zu überzeugen, ihre Klassenkameradin Aayana mitzunehmen, ...

Die Wiener Familien Strobl-Marinek und Binder fahren zusammen in den Urlaub in die Toskana. Die 14-jährige Sophie Luise schafft es, ihre Eltern davon zu überzeugen, ihre Klassenkameradin Aayana mitzunehmen, die Flüchtling aus Somalia ist und in Italien das Schwimmen lernen soll. Doch gleich zu Beginn der Reise passiert eine unfassbare Katastrophe, die die Österreicher noch langfristig beschäftigen werden - ob sie es nun wollen oder nicht.

Dass in diesen knapp 300 Seiten so viel Power steckt, hätte ich wirklich nicht gedacht. Ich habe meine Zusammenfassung (genau wie der offizielle Klappentext) kurz gehalten, denn obwohl man so vielleicht mit ganz anderen Erwartungen in das Buch hineingeht, ist es glaube ich ganz gut, wenn diese schon ziemlich früh über den Haufen geworfen werden.

Glattauer rollt die Flüchtlingsdebatte von einer extrem interessanten Perspektive auf und zeigt sehr eindrucksvoll, dass Großteile der Bevölkerung bei dieser sogenannten Krise das Wesentliche komplett aus den Augen verloren haben. Das vermittelt er vor allem durch die wunderbar überzeichneten Protagonisten und einen gelungenen Mix aus Schreibstilen und Texttypen, so wird die Handlung beispielsweise immer wieder mal durch Internetkommentare aufgelockert.

Besonders gelungen ist meiner Meinung nach der Einsatz von Humor in diesem Buch. Trotz der doch sehr ernsten Thematik wirkt dieser nie fehl am Platz, sondern zeigt auf bitterböse Art das heuchlerische und ignorante Verhalten vieler Westeuropäer auf.

Gerade das Ende ist durchaus harter Tobak, daher würde ich es nicht für diejenigen empfehlen, die etwas zartbesaiteter sind. Allen anderen kann ich es jedoch absolut ans Herz legen - dieses Buch werde ich so schnell nicht vergessen.

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Veröffentlicht am 30.04.2023

Der Spanier, der mich liebte

The American Roommate Experiment – Die große Liebe findet Platz in der kleinsten Wohnung
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Nachdem die Decke buchstäblich über ihr zusammengekracht ist, muss Rosie ihre New Yorker Wohnung verlassen und flüchtet kurzum in die Bleibe ihrer Freundin Lina, die gerade sowieso nicht da und ihr den ...

Nachdem die Decke buchstäblich über ihr zusammengekracht ist, muss Rosie ihre New Yorker Wohnung verlassen und flüchtet kurzum in die Bleibe ihrer Freundin Lina, die gerade sowieso nicht da und ihr den Schlüssel überlassen hat. Doof nur, dass zu Rosies Unwissen bereits Lucas temporär einquartiert ist, Linas Cousin aus Spanien, für den Rosie heimlich eine Schwämerei über Instagram entwickelt hat. Die beiden einigen sich nicht darauf, sich für die Zeit die Wohnung zu teilen, sie beschließen auch, sich auf "experimentelle Dates" zu begeben, um Rosie Inspirationen für ihren neuen Roman zu geben.

Ein Wort, das mir immer wieder beim Lesen einfiel, war der englische Begriff "horny". Natürlich ist es aktuell ein Trend, in erwachsenen Liebesromanen etwas expliziter zu werden, hier fand ich es aber sehr extrem. Die beiden sind wirklich unheimlich heiß aufeinander und selbst in den ungewöhnlichsten Situationen entstehen sexuelle Gefühle, die ich an mancher Stelle schon etwas absurd (aber ehrlich gesagt auch sehr unterhaltsam) fand. Andererseits fand ich die erotischen Szenen gerade gegen Ende eigentlich sehr gut geschrieben, aber ich denke, wer mit spicy Szenen grundsätzlich schon so seine Probleme hat, wird keine Freude mit dem Buch haben.

Auch wie die beiden grundsätzlich übereinander herschmachten, ist manchmal schon etwas lächerlich, aber ich bin ganz ehrlich - irgendwie fand ich das an den meisten Stellen schön zu lesen. Es werden hier sicherlich viele typische Tropen abgehakt und gerade der männliche Protagonist ist sicherlich so, wie sich viele Frauen den perfekten Mann vorstellen.

Ich denke, man darf hier nichts Revolutionär Neues erwarten, aber ich denke, wenn man sowieso Fan des Genres ist und sich ein bisschen auf Absurdität einstellt, wird man sicher viel Spaß mit dem Buch haben.

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Veröffentlicht am 29.04.2023

Spannender Familienepos

Saubere Zeiten
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Journalist Jakob Auber kehrt in seine Heimat Trier zurück, als er erfährt, dass sein Vater im Sterben liegt. Im Elternhaus angekommen entdeckt er mehrere Tonbänder, die sein Vater besprochen hat, sowie ...

Journalist Jakob Auber kehrt in seine Heimat Trier zurück, als er erfährt, dass sein Vater im Sterben liegt. Im Elternhaus angekommen entdeckt er mehrere Tonbänder, die sein Vater besprochen hat, sowie die Tagebücher seines Großvaters und viele Fotos. Nun gehen wir gemeinsam mit Jakob auf eine Entdeckungsreise in seine Familiengeschichte, die vor allem von seinem Großvater Theodor Auber geprägt ist, der in den 50ern mit einem Waschmittel reich wurde, aber schnell das Geld wieder verlor. Dabei kommt Jakob aber auch dem ein oder anderen Geheimnis auf die Spur.

Was soll ich sagen? Man muss mir einfach eine gut geschriebene Familiengeschichte geben und schon bin ich begeistert. Der Autor verarbeitet teilweise autobiografische Elemente zu einem Werk, das vor allem die Nachkriegszeit und deren Folge auf folgende Generationen aufgreift. Dabei wirft er unheimlich viele interessante Fragen zu Männlichkeit, Schuld und Vergangenheitsbewältigung auf, die mich sicher noch länger beschäftigen werden.

Besonders herauszuheben ist der tolle Schreibstil, bei dem Humor an passenden Stellen auch nicht zu knapp kommt und der außerdem unheimlich spannend ist. Gerade auf den letzten 100 Seiten hatte ich wirklich Schwierigkeiten, das Buch aus der Hand zu legen, weil der Autor viele clevere Cliffhanger an Kapitelenden einbaut.

Wer Familiengeschichten mag, wird "Saubere Zeiten" lieben!

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Veröffentlicht am 28.04.2023

Leider eher enttäuschend

Verliebt in deine schönsten Seiten
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January ist erfolgreiche Autorin von Romance-Büchern, hat selbst jedoch sämtliche Hoffnung an die Liebe verloren. Nach dem plötzlichen Tod ihres Vaters stellt sich nämlich heraus, dass dieser jahrelang ...

January ist erfolgreiche Autorin von Romance-Büchern, hat selbst jedoch sämtliche Hoffnung an die Liebe verloren. Nach dem plötzlichen Tod ihres Vaters stellt sich nämlich heraus, dass dieser jahrelang eine Affäre hatte, mit der er sich regelmäßig in einem Strandhaus in seiner Heimatstadt getroffen hat. January fährt zu eben diesem Strandhaus, um es für den Verkauf fertig zu machen und trifft dabei auf Gus, ebenfalls Autor, jedoch von eher anspruchsvolleren Romanen, den sie noch aus Studienzeiten kennt. Zwischen den beiden entsteht eine freundliche Rivalität darüber, welche Art von Büchern schwieriger zu schreiben sind. January und Gus beschließen, ein Buch aus dem jeweils anderen Genre zu schreiben und machen Ausflüge, um sich Inspiration zu holen.

Hier haben wir es wieder mal mit einem Buch zu tun, bei dem die von TikTok hochgeschraubten Erwartungen einfach nicht bei mir erfüllt werden konnten. Dabei fand ich die Prämisse super spannend und auch beim Einstieg war ich noch voll dabei. Gut gefiel mir vor allem, dass man es hier zu Beginn wirklich mal mit "Enemies" zu tun und nicht nur Leuten, die sich ein wenig unsympatisch sind - obwohl das Konzept auch wieder ziemlich schnell von Bord geworfen wird.

Man merkt auch, wie sehr die Autorin Bücher liebt und es entstehen immer wieder schöne Szenen, in denen die Liebe zur Literatur durchkommt. Allgemein empfand ich, dass es viele schöne einzelne Szenen gab, die Geschichte als Ganzes mich einfach nicht abholen konnte.

Auffällig war für mich vor allem, dass es am Rande der Geschichte viele Nebenfiguren gibt, die viel spannender wirken als unsere Protagonisten. Immer wieder habe ich gedacht, dass ich viel lieber ein ganzes Buch über z.B. Janurarys Vater und seine Affäre, Gus' lesbische Tante oder eine im Buch erwähnte Sekte lesen würde, als die doch recht unspektakuläre Liebesgeschichte zwischen January und Gus. Dabei kann man der Autorin sicherlich anrechnen, dass sie eine wirklich interessante Welt drumherum schafft, trotzdem wäre es sicherlich überlegenswert mehr solche Figuren in das Zentrum der Handlung zu stellen.

Alles in allem war "Beach Read" ein nettes Buch, was mich aber vor allem um die Mitte herum ziemlich langweilig wurde.

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Veröffentlicht am 18.04.2023

Der Zauber des Miteinanders

Menschen, die wir noch nicht kennen
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Libby steht vor einem Scherbenhaufen. Eben hat sie noch förmlich auf den Heiratsantrag ihres Freundes gewartet, doch stattdessen hat er sie abserviert und aus der gemeinsamen Wohnung geworfen. Jetzt muss ...

Libby steht vor einem Scherbenhaufen. Eben hat sie noch förmlich auf den Heiratsantrag ihres Freundes gewartet, doch stattdessen hat er sie abserviert und aus der gemeinsamen Wohnung geworfen. Jetzt muss sie notgedrungen vorübergehend zu ihrer Schwester nach London ziehen, mit der sie auch nicht gerade das beste Verhältnis hat. Eines Tages trifft sie im 88er-Bus jedoch auf Frank, einen älteren, aufgeschlossenen Mann, der Libby eine Geschichte aus seiner Jugend erzählt. In den 60ern traf er in genau diesem Bus eine Frau, die ihm seitdem nicht mehr aus dem Kopf geht, nur leider verlor er damals einen Zettel mit ihrer Nummer. Libby ist so berührt von dieser Geschichte, dass sie beschließt, die Frau aus dem 88er-Bus ausfindig zu machen.

"Menschen, die wir noch nicht kennen" ist eine unheimlich herzerwärmende Geschichte. Sie zeigt, wie schön es sein kann, sich für andere zu öffnen und dass Freundschaften manchmal an Orten gefunden werden, von denen wir es nicht erwarten. Das Buch vermittelt einen optimistischen Ausblick auf das Leben, schreckt aber auch nicht davor zurück, hin und wieder auch mal ernste Themen anzusprechen. Ich war total von der Lektüre verzaubert. Auch wer London mag, wird bei diesem Buch auf seine Kosten kommen, hier wird das Flair der britischen Hauptstadt toll vermittelt.

Warum ich dem Buch aber vier statt fünf Sterne gebe, kann ich gar nicht so richtig beschreiben. Irgendwie hat mir am Ende das gewisse Etwas gefehlt, dass es mit anderen Fünf-Sterne-Büchern gleichsetzt. Wenn ich unbedingt eine Kritik finden müsste, dann, dass es mir gegen Ende doch ein bisschen zu viele Tropen auf einmal wurden, obwohl mich das bei anderen Büchern sonst auch nicht so stört.

"Menschen, die wir noch nicht kennen" ist auf jeden Fall ein toller Roman für zwischendurch, der gerade richtig zum Beginn der Urlaubszeit erscheint. Gerade London-Fans werden hier sicher auf ihre Kosten kommen.

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