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Veröffentlicht am 27.11.2017

Solider Start für Kat & Josh

The Club – Kiss
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Die Reihe um "The Club" ist mir nicht ganz neu. Vor einer Weile habe ich schon den ersten Teil der Reihe gelesen und mich mit der Welt rund um die Dating-/Sex-Agentur vertraut gemacht. Die anderen Bände ...

Die Reihe um "The Club" ist mir nicht ganz neu. Vor einer Weile habe ich schon den ersten Teil der Reihe gelesen und mich mit der Welt rund um die Dating-/Sex-Agentur vertraut gemacht. Die anderen Bände der Reihe (Teil zwei bis vier) liegen derzeit auf meinem SuB. Natürlich hat mir "The Club – Flirt" geholfen, die Geschehnisse zu verstehen und Sarah und Jonas, die in "Kiss" eine große Rolle spielen, bereits kennen gelernt zu haben. Allerdings ist es meiner Meinung nach nicht wirklich notwendig, die vorherigen Teile zu lesen (ihr nehmt natürlich in Kauf, euch für die Teile 1 bis 4 zu spoilern, falls ihr diese dann doch noch lesen wollt ;)), um die neue Geschichte um Josh und Kat zu verstehen.

Mit dem ersten Teil der Reihe war ich nicht so hundertprozentig zufrieden, weswegen ich natürlich nur umso gespannter war, ob die Autorin sich steigern konnte. Und auch wenn die Bewertung gleichermaßen ausfällt: Ja, das konnte sie, wenn auch nicht in allen Punkten. Trotzdem habe ich mich dieses Mal wesentlich wohler mit dem Buch gefühlt. Genau wie Jonas ist auch Josh nicht unbedingt ein Charakter, den man auf Anhieb gerne mag. Mir war zwar schon klar, dass sich Josh ähnlich wie sein Bruder verhalten würde. Für die Neulinge in der "The Club" Reihe wirkt er sicher einfach nur unsympathisch. Aber auch hier macht die Figur eine Entwicklung durch, die mir gefallen hat. Es ist nicht immer alles nur schwarz und weiß und Josh ist auch nicht nur ein Macho und arrogant. Auch er hat seine weichen Seiten und will Kat unbedingt von sich überzeugen.

Der weibliche Gegenpart zu Josh ist Kat. Sie ist schon eine kleine Rampensau, ein Partygirl, das gerne provoziert und stänkert. Doch sie ist sehr loyal, lieb und sie weiß, was sie will. Diese Sturheit bringt Josh mehrmals auf die Palme, was ich sehr amüsant fand. Mir hat gefallen, wie sie mehrmals sein Ego stutzt und sich auch nicht von ihm erweichen lässt. Von ihrem Auftreten her finde ich, dass die beiden ein sehr schönes und spannendes Paar abgeben, weswegen ich sehr neugierig auf die weiteren Teile der Reihe bin.

Den Plot fand ich spannend ausgearbeitet, allerdings hat er mir nicht ganz so gut gefallen, wie ich erwartet hätte. Zum einen ist das ewige Hin und Her zwischen Kat und Josh zwar ganz witzig und bringt eine gewisse knisternde Spannung in die Geschichte, aber die Autorin hat meiner Meinung nach nicht den Punkt gefunden, ab wann es zu viel war. Klar, Kat besteht darauf, die Anmeldung von Josh zu sehen und Josh will sie ihr nicht geben. Aber ich hatte oft das Gefühl, dass sie beiden damit in einer Sackgasse landen, dass es sich so verfährt und dass das Knistern einfach nur verpufft. Für mich als Leser war es sehr anstrengend und frustrierend, das mitzuverfolgen, weswegen ich mich immer wieder gefragt habe, wann Lauren Rowe endlich zum Punkt kommt.

Mein anderer Kritikpunkt betrifft die Story rund um Jonas und Sarah. Die Machenschaften des Clubs erstrecken sich ins Unermessliche und alle vier wollen das beenden. Ich kann das verstehen und finde die Idee auch gut. Aber mir war die Ausführung ein wenig zu konstruiert und zu unglaubwürdig. Dass sich die Gruppe wie Oceans Eleven in einem Hotelzimmer in Las Vegas trifft und mit einem Hacker die Verbrecher in eine Falle locken und einbuchten möchten, dass dann noch russisches und ukrainisches Politik-Hintergrundwissen eingebaut wurde, hat es für mich an die Spitze getrieben; das war mir einfach zu viel. Hätte es nicht ein einfacher Sexclub mit illegalen Machenschaften sein können? Drogen, Menschenhandel, Geldwäsche? Diese Verbindung zur aktuellen Lage wirkte auf mich leider irgendwie fehl am Platz und hätte es meiner Meinung nach auch nicht gebraucht.

Gefallen hat mir aber Lauren Rowes Schreibstil. Ich mag es, wie sie die Anziehungskraft zweier Figuren beschreibt, wie sie immer wieder den eigentlichen Plot mit den erotischen Szenen und dem Hin und Her verbindet und wie sie es schafft, dass ich Charaktere, die ich anfangs nicht mag, doch noch lieben lerne. Auch wenn sie keine anspruchsvolle Sprache verwendet, kann sie mit Wörtern umgehen und unterhaltende Bücher schreiben.

Fazit
"The Club – Kiss" bietet tolle Erzählstränge, die meiner Meinung nach zwar etwas konstruiert wirkten, aber doch spannend aufbereitet waren. Kat und Josh sind zwei interessante Charaktere, deren Geschichte noch lange nicht auserzählt ist. Ich bin gespannt auf den nächsten Band (und ob die Autorin sich steigern kann).
[3,5 Sterne]

Veröffentlicht am 27.11.2017

Wacklige 3 Sterne

Haley & Travis - L.A. Love Story
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So wirklich warm geworden bin ich mit dem zweiten Teil der Pink Sisters Reihe "Haley & Travis" leider nicht wirklich. Das lag nicht daran, dass ich den ersten Teil nicht gelesen habe, denn der spielt meiner ...

So wirklich warm geworden bin ich mit dem zweiten Teil der Pink Sisters Reihe "Haley & Travis" leider nicht wirklich. Das lag nicht daran, dass ich den ersten Teil nicht gelesen habe, denn der spielt meiner Meinung nach keine wirkliche Rolle in dieser Geschichte (trotzdem werden hier viele Details aus dem ersten Teil aufgegriffen und nochmal wiederholt; wer sich also nicht spoilern möchte, der sollte den ersten Band dann doch vorher lesen!), sondern viel mehr an dem Einstieg, den die Autorin mir sehr schwer gemacht hat. Ein One-Night-Stand, den man am nächsten Tag in seinem Büro als Klienten wiedersieht? Gut, ist jetzt nicht unbedingt neu und steckt auch voller Klischees, da ich das aber aus dem Klappentext schon wusste, spielt das bei meiner Bewertung keine Rolle. Viel mehr eine Rolle spielt es, wie die Autorin dies umsetzt, wie sie in die Geschichte einsteigt und wie sie den Draht und die Verbindung zwischen den beiden Hauptprotagonisten aufbaut.

Für mich war der Einstieg eine absolute Katastrophe. Travis und Haley lernen sich nämlich das erste Mal auf der Party ihrer Oma kennen und ohne ein wirkliches Gespräch zu führen oder sich zu kennen, knutschen sie schon in der ersten Szene im Wandschrank im Haus ihrer Oma rum. An dieser Stelle will ich natürlich betonen, dass ich weiß, was ein One-Night-Stand ist, aber ehrlich? Auf der Party ihrer Oma? Ohne ein Gespräch zu führen, sich kennenzulernen oder Ewigkeiten umeinander herumzutänzeln? Wo es jeder mitbekommt, einschließlich ihrer Familie? Ich fand das einfach nur super schlecht als Einstieg gewählt, weswegen ich mich schlichtweg durch die weitere Geschichte gequält habe und kaum etwas davon ernst nehmen konnte. Das ging sogar soweit, dass ich kurz davor war, das Buch abzubrechen und mich anderen Schätzen zu widmen. Dazu kommt noch, dass der One-Night-Stand und das Treffen im Büro circa 20 Prozent des Buches einnehmen und somit durch den von mir vorher gelesenen Klappentext kaum etwas Neues bieten.

Am Ende bin ich dann doch ganz froh, dass ich durchgehalten habe, denn die Geschichte entwickelt sich definitiv noch. Die ersten 50% waren überhaupt nicht meins, die weiteren 50% haben mich dann doch noch unterhalten können. Dabei wird Haley mit ihren eigenen Gefühlen konfrontiert, mit Travis Gefühlen, was das ganze doch noch irgendwie spannend erscheinen lässt. Zwischendurch hatte ich zwar das Gefühl, dass die Autorin nur die Seiten füllen möchte (die Schlägerei zwischen Travis und dem Sohn seines Chefs – ganz ehrlich? Das hätte man auch weglassen können, vor allem, da Haley ja wieder vor Travis davonläuft und sich dadurch nichts an ihrer Sicherheit bzw. Unsicherheit geändert hat) und unnötiges oder überspitzes Drama bieten möchte.

Das Positive an diesem Buch waren die Charaktere. Haley und Travis sind auf jeden Fall sympathisch und strahlen eine besondere Spannung und anziehende Stimmung aus. Travis ist zwar absolut nicht mein Fall (durch seinen Rennsport, seine impulsive Art, seine Straffälligkeiten und sein leicht arrogantes und selbstsicheres Auftreten), aber die Autorin schafft es trotzdem – oder gerade wegen seiner Makel – ihn nett und einnehmend erscheinen zu lassen. Auch Haley finde ich toll und ich habe mich schon gefreut, ihrer Geschichte zu folgen. Vieler ihrer Entscheidungen habe ich nicht verstehen können, aber ich habe sie um das gute Verhältnis zu ihren Geschwistern und ihrer lockeren, selbstsicheren und ehrgeizigen Art beneidet und dafür bewundert. Beiden habe ich ihr Happy End gegönnt, auch wenn sie dafür erst noch einige Hürden nehmen mussten.

Auch der Schreibstil von Sarah Glicker hat mir gefallen. Ich denke, ich hätte das Buch in einem Rutsch durchziehen können, wenn ich mich nicht so über den Anfang geärgert hätte. Trotzdem habe ich 60% an einem Stück gelesen und ich mag die Art und Weise, wie die Autorin ihre Protagonisten in den Vordergrund stellt, ihre Gefühle erklärt und wie sich die Beziehungen zwischen den beiden entwickelt. Ich persönlich hätte mir auch gerne Travis Perspektive gewünscht. Sicher hätte ich dann vieles besser verstehen können und hätte ihn nicht gleich in die Frauenheld-Schublade gesteckt. Mehr Abwechslung hätte es auf jeden Fall geboten.

Fazit
Die Geschichte von Haley & Travis hat mich nur sehr schwer unterhalten können. Gerade der Anfang hat mir überhaupt nicht gefallen und auch wenn sich der Plot steigert und ich mit Haley mitgefiebert habe, hat er mich nicht wirklich einfangen können. Mir wirkte das leider zu oberflächlich und zu konstruiert. Trotzdem haben mir die Charaktere gefallen und auch der Schreibstil konnte punkten. Eigentlich wollte ich dem Buch 2,5 Sterne geben, der wachsende Unterhaltungswert und das schöne Happy End haben meine Bewertung allerdings auf wackelige 3 Sterne gehoben.

Veröffentlicht am 19.11.2017

Bleibt weit hinter dem ersten Roman der Autorin zurück

Das Haus ohne Männer
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Karine Lambert habe ich durch ihr in Deutschland erstes erschienenes Buch "Und jetzt lass uns tanzen" kennengelernt, das mir dieses Jahr sehr gut gefallen hat und mich aufgrund seiner leicht altmodischen ...

Karine Lambert habe ich durch ihr in Deutschland erstes erschienenes Buch "Und jetzt lass uns tanzen" kennengelernt, das mir dieses Jahr sehr gut gefallen hat und mich aufgrund seiner leicht altmodischen Art und seiner altbackenen Protagonisten auch sehr berührt hat. Ihr zweites Buch – "Das Haus ohne Männer" – hat mich vom Cover-Stil natürlich direkt an den Debütroman erinnert und auch wenn die beiden Geschichten nichts miteinander verbindet, hatte ich natürlich auf ein zweites tolles Buch der Autorin gehofft. Leider hat mich ihr Buch dieses Mal überhaupt nicht berühren können.

"Das Haus ohne Männer" habe ich im Gegensatz zum ersten Werk als Hörbuch verschlungen, was aber keine Auswirkungen auf meine Bewertung hat. Der Grund, warum ich das erwähne, hat mich allerdings direkt am Anfang schon geärgert: Während "Und jetzt lass uns tanzen" als dünnes, süßes Hardcover erschienen ist, gibt es "Das Haus ohne Männer" leider nur im Taschenbuch-Format. Da mir solche leichte Äußerlichkeiten in meinem Bücherregal sehr wichtig sind und ich aufgrund meiner Bücherordnung die beiden Werke der gleichen Autorin nicht nebeneinanderstellen kann, habe ich mich dann für das Hörbuch entschieden.

Die Idee von "Das Haus ohne Männer" ist definitiv etwas Besonderes und hat mich direkt angesprochen. Der Plot hätte so gut werden können, mich hat er aber leider überhaupt nicht gepackt. Ich persönlich fand die Geschichte sehr träge und teilweise ausgesprochen langatmig geschildert, die Emotionen blieben dieses Mal aus und eine wirkliche Moral konnte ich leider auch nicht aus dem Buch mitnehmen. Die Geschichte plätschert so vor sich hin, hat sehr wenige Spannungs- oder Wendepunkte und wirkte auf mich deshalb auch sehr zäh. Die Sprecherin des Hörbuchs – Katrin Fröhlich, u.a. die Synchronsprecherin von Cameron Diaz – hat sich wirklich Mühe gegeben, durch unterschiedliche Stimmlagen und Intonation Abwechslung zu schaffen, aber auch das hat mich letztlich nicht wirklich vom Plot überzeugen können. Ich hätte mir da mehr aktuelles Geschehen gewünscht, mehr Interaktion in der Gegenwart und mehr Auswirkungen des männerlosen Hauses auf die Bewohner und die Gesellschaft. Stattdessen wird sehr über die Vergangenheit der einzelnen Bewohner gesprochen, was zwar seinen ganz eigenen Reiz hat, mir aber auch viel zu plätschernd und spannungslos erzählt wurde.

Die Bewohnerinnen des Hauses – Juliette, Carla, "Die Königin" Stella, Giuseppina, Rosalie und Simone – haben zwar sehr interessante Geschichten (vor allem mit Männern), waren mir allerdings als Charaktere nicht greifbar genug. Ob das jetzt am Hörbuch lag, kann ich nicht wirklich sagen, aber für mich verschwommen sie alle zu einem einheitlichen Brei. Mir fiel es wahnsinnig schwer, die einzelnen Geschichten und Vergangenheiten auseinanderzuhalten, geschweige denn die aktuellen Geschehnissen der Einzelnen, da die Autorin auch gerne durch die verschiedenen Figuren switcht. Alle sind sie frustriert wegen vergangenen Ereignissen und haben mit der Männerwelt abgeschlossen – außer Juliette. Sie wirkte noch am interessantes und sympathischsten auf mich, konnte mich aber leider auch nicht so wirklich einfangen. Gerade die Emotionen der verschiedenen Frauen habe ich mir viel stärker gewünscht und vorgestellt, so dass das Nacheinander-Abhaken der verschiedenen Geschichten doch leicht befremdlich auf mich wirkte und mich daher weder berührt, bewegt oder angesprochen hat.

Gefallen hat mir allerdings der Schreibstil der Autorin Karine Lambert. Auch wenn sie die Geschichte langatmiger und zäher erzählt hat, als es hätte sein müssen, mag ich es doch sehr, wie sie mit Worten umgeht und eine einfache Geschichte mit anspruchsvoller Sprache an den Leser bringt. Auch Katrin Fröhlich hat mich überzeugt und hat mir die Geschichte wohl nähergebracht, als ich es durch einfaches Lesen erreicht hätte.

Fazit
"Das Haus ohne Männer" war leider überhaupt nicht meins, auch wenn es dem Klappentext zufolge anders hätte sein müssen. Die Idee fand ich ausgesprochen toll, die Umsetzung hat mich dafür überhaupt nicht überzeugt. Die Erzählung war mir zu träge und zu zäh und die Charaktere zu unscheinbar und zu uninteressant. Dafür hat mich – wie beim letzten Mal auch – der Schreibstil der Autorin überzeugt, was mich trotz der schlechten Bewertung wohl wieder zu ihren Büchern greifen lassen wird.

Veröffentlicht am 19.11.2017

Ein wundervolles, herzerwärmendes Buch!

Liebe findet uns
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"Liebe findet uns" war so oft auf den verschiedensten Blogs zu sehen und so lange in aller Munde, dass ich dieses Buch auch auf jeden Fall haben musste. Ich weiß, die Meinungen zu diesem Werk sind teilweise ...

"Liebe findet uns" war so oft auf den verschiedensten Blogs zu sehen und so lange in aller Munde, dass ich dieses Buch auch auf jeden Fall haben musste. Ich weiß, die Meinungen zu diesem Werk sind teilweise sehr kontrovers, doch für mich war "Liebe findet uns" ein sehr authentisches und ansprechendes Lesevergnügen, dessen Kritik ich nicht vollkommen nachvollziehen kann.

Die Geschichte rund um Heather und Jack beginnt sehr besonders, vor allem, weil man bei beiden Hauptprotagonisten direkt einen sehr tiefen Einblick in ihre Figuren und ihr Auftreten erhält. Alleine die Szene, wie die beiden sich kennenlernen, sich gegenseitig provozieren und necken, sich austauschen und näherkommen, fand ich ausgesprochen schön und süß, ohne zu kitschig zu sein. Gewundert hat es mich daher auch überhaupt nicht, dass sie ihre Reise gemeinsam fortsetzen, zusammen erleben, was man nun mal auf einer Europa-Rundreise erlebt und sich treiben lassen von den Eindrücken und Erlebnissen.

Diese Geschichte ist einfach so wundervoll und echt erzählt, dass mich die Emotionen, die tollen und die weniger tollen Momente, die Geheimnisse und die Entwicklung der beiden Charaktere einfach mitgerissen haben. Ich wollte nicht, dass dieses Buch, diese Reise und die Liebe zwischen Jack und Heather jemals enden und sich alles so entwickelt, wie ich es letztlich auch vermutet hatte. Denn leider ist nicht alles so wie es scheint; es steht viel Ungesagtes im Raum, was die Liebe und die Zukunft der beiden erschwert und beides in eine vollkommen andere Richtung bringt, als das der Leser und wohl auch die Figuren selbst gedacht hätten. Auch wenn mich der große Wendepunkt des Plots nicht besonders abgeholt hat – ich hatte mir den Plottwist schon so gedacht – hat das den Emotionen definitiv keinen Abbruch getan. J.P. Monninger überträgt die Gefühle und die Schwere der Plotstimmung mühelos auf den Leser, was ich nur schwer verdauen konnte und was mich dazu gebracht hat, die ein oder andere Träne zu vergießen. Nicht viele Autoren schaffen es, mich so zu berühren und meine Empathie für Romanfiguren bis an die Grenzen zu treiben.

Jack und Heather sind sehr einzigartig, was sie für mich zu etwas Besonderem macht. Heather hat eine anfangs sehr naive Sicht auf die Welt, scheint in ihrem Leben für alles einen Plan zu haben und im Allgemeinen hatte ich doch sehr oft das Gefühl, dass sie Jacks Gedanken nicht wirklich folgen kann oder deren Bedeutung auch nicht wirklich versteht. Zusätzlich reagiert sie oft über und gerade in Streitsituationen hat sie mich sehr an ein Kind erinnert, weil sie alles sehr persönlich nimmt und sich direkt angegriffen fühlt, doch trotz allem ist sie eine herzensgute, sehr sympathische und liebenswürdige junge Frau, die sehr gut zu Jack passt. Ihre Gefühle und ihre Gedanken konnte ich ernst nehmen, die Zwickmühle in ihrem Leben habe ich verstanden, was es mir recht einfach gemacht hat, einen Draht zu ihr aufzubauen und mich an den verschiedenen Stellen mit ihr zu identifizieren. Natürlich hat sie – wie oben schon beschrieben – einige Schwächen und Schwachstellen und auch wenn sie mich damit manchmal fast auf die Palme gebracht hat, machte sie das zu einer Figur mit Ecken und Kanten, zu einer Figure, die man ernstnehmen kann und die dadurch auch viel tiefgründiger und realer erscheint.

Jack dagegen erschien mir doch ganz anders als Heather: viel gefestigter, bedachter, ruhiger und vor allem viel melancholischer. Er machte auf mich den Eindruck, als hinterfrage er Dinge und Tatsachen gerne, gibt sich nicht einfach mit Gegebenem zufrieden, sondern diskutiert und analysiert gerne – auch manchmal auf Heathers Kosten. Er ist ebenso wie sie kein einfacher, unkomplizierter oder leicht zu durchschauender Mensch, hat ebenfalls seine Macken, seine übertriebenen Szenen und erkennt oftmals nicht, wann er eine Grenze überschritten hat. Aber aufgrund seine Humors, seiner gehörigen Portion Selbsvertrauen und seiner Erfahrung wirkte er auch auf mich sehr einnehmend, weswegen ich es doch schade fand, dass er in der Geschichte ein Stück weit untergeht und hinter Heather zurückbleibt. Denn gerade Jack bringt die Spannung in die Geschichte, er bringt die Wendung und seine Auftreten lockert mehrere Situationen auf; was nochmal besonders in den Szenen aufgefallen ist, in denen er nicht anwesend war.

J.P. Monninger erzählt einfach wunderbar! Es ist so schön zu lesen, wie er mit Worten umgeht und wie er aus einer unscheinbaren Liebesgeschichte einen wunderbaren, einzigartigen und emotionalen Roman zaubert. Ich persönlich hätte mir jedoch gewünscht, dass er sich mehr Zeit für das Ende gelassen hätte. Nach der doch eher gemächlich und intensiv erzählten Geschichte wirkte der Schluss sehr überstürzt und abrupt abgehandelt, was ich schade fand und was ich auch besser erwartet hatte. Die Gefühle blieben dabei zwar nicht auf der Strecke und das Ende wirkte auch nicht unglaubwürdig, doch einen intensiveren Abschluss hätte besser zu dem grandiosen Buch gepasst.

Fazit
J.P. Monninger bietet mit "Liebe findet uns" einen sehr tollen und atemberaubenden Debütroman, der tiefgründig auf die Liebe zweier Menschen eingeht, die das Leben manchmal auf ganz unterschiedliche Weisen trennt. Der Autor spielt mit den Gefühlen der Figuren und mit denen des Lesers, so dass mich die Geschichte vollkommen eingenommen hat. Das Ende hätte ich mir mehr ausgearbeitet gewünscht und auch von Jack hätte ich gerne noch mehr gelesen, doch trotzdem bleiben weder die Emotionen, noch das Drama auf der Strecke, weswegen das Buch mit Romantik, Tragik und einem ausgesprochen tollen Schreibstil glänzt.
[4,5 Sterne]

Veröffentlicht am 19.11.2017

Ein bisschen mehr erwartet, dafür viel daraus mitgenommen.

Schlaft gut, ihr fiesen Gedanken
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Mein erster Eindruck von „Schlaft gut, ihr fiesen Gedanken“ nach der Leseprobe war, dass ich Aza und die Situation, in der sie sich auf den ersten paar Seiten befindet, schon recht seltsam fand. Die Leseprobe ...

Mein erster Eindruck von „Schlaft gut, ihr fiesen Gedanken“ nach der Leseprobe war, dass ich Aza und die Situation, in der sie sich auf den ersten paar Seiten befindet, schon recht seltsam fand. Die Leseprobe hat mir zwar gefallen, hatte mich aber auch sehr verwirrt zurückgelassen. Nicht nur wegen Aza selbst, die doch eine sehr gewöhnungsbedürftige Protagonistin ist, sondern auch wegen der Geschichte, die John Green erzählt. Ich war mir unsicher, wo das alles hinführen wird. Dennoch war ich gespannt und neugierig, denn kuriose Hauptfiguren finde ich immer gut.

Es fällt mir schwer „Schlaft gut, ihr fiesen Gedanken“ zu kritisieren, denn dieses Buch steckt so voller Hingabe und unbeschönigten Ereignissen und Gedanken, was mich auf jeden Fall zum Nachdenken gebracht hat. Sei es, wie schwer es uns eigentlich fällt, in andere Menschen hinzusehen und gleichzeitig wie leicht es gelingt, sie zu verurteilen. Niemand bildet da eine Ausnahme, auch nicht unsere Freunde oder unsere Eltern. Die Geschichte rund um Aza, ihre Freundin Daisy und der verschwundene Vater von Azas früherem Freund Davis ist zwar wunderschön erzählt, aber ich finde, sie verliert sich auch ganz schnell in den Kleinigkeiten, die der Plot bietet.

Die Handlung in der ersten Hälfte des Buches kommt meiner Meinung nach nur sehr langsam in Schwung und hat mich daher auch nur mäßig unterhalten. Mir hat sehr lange die Verbindung zwischen Azas Gedankenkarussell und dem Verschwinden von Davis’ Vater gefehlt, so dass ich lange das Gefühl hatte, John Green hätte sich bei seinen Erzählungen verzettelt und den falschen Fokus gelegt. Gerade die ständige Betonung von Daisys Star-Wars-Fanfictions, die Beziehung zwischen Daisy und einem gemeinsamen Freund und der Tod von Azas Vater wurden immer wieder thematisiert, ohne, dass eine direkte Verbindung zum Hauptplot hergestellt wurde. Das hat mich sehr lange frustriert.

Doch später wird die Geschichte viel dynamischer und viel durchsichtiger, gerade dann, als sich Aza immer wieder fragt, ob sie von Küssen sterben kann, ob und wann ihre Freundin jemals loyal war und ob sie den Verlust eines Menschen an Sachen und Dingen festmachen kann. Durch diese verschiedenen Ereignisse gerät sie immer mehr in einen Strom, der sich von ihr selbst nicht aufhalten lässt und spitzt sich meiner Meinung nach sehr dramatisch zu, woraus Aza den Grundstein für ihre weitere Zukunft legt. Sie muss lernen, mit sich und ihren Gedanken ins Reine zu kommen, sich zu akzeptieren und sich niemals zu verlieren. Gefallen hat mir da vor allem das Ende, das nicht wie üblich Friede, Freude, Eierkuchen ist, in dem nicht alle Probleme aus der Welt geschaffen sind und Aza bis an ihr Lebensende glücklich ist. Es ist offen und überraschend und rundet die Geschichte sehr schön ab.

Aza Holmes war für mich der größte Lichtblick in der Geschichte. Sie ist aufgrund ihrer Art, ihren Neurosen und ihrer Paranoia zwar sehr gewöhnungsbedürftig und gerade eine Freundschaft mit ihr gestaltet sich mehr als schwierig, wenn man ihrer besten Freundin Glauben schenken darf. Allerdings schildert John Green Azas Gedanken und ihre Gedankenspirale so ausführlich und glaubwürdig, dass mich ihre Figur und die Ausführung dessen mit jeder Seite mehr fasziniert hat. Vieles von dem, was Aza denkt und fühlt, ist für den psychisch gesunden Menschen wohl kaum nachzuvollziehen, aber der Autor schafft es, einen Einblick in diese Welt zu geben – was manchmal sehr erschreckend, bedrückend und schockierend ist.

Die verschiedenen Seiten von Aza bringen ihre Freundin Daisy, ihr Freund Davis und ihre Mutter zum Vorschein. Sie alle sind sehr ausführlich und tiefgründig ausgearbeitet und nehmen durch ihren Einfluss auf die Hauptprotagonistin verschiedene Stellenwerte ein. Daisy gibt Aza auch mal Kontra, erklärt ihr, dass eine Freundschaft mit ihr nie einfach ist und kritisiert sie hinterrücks doch oft sehr deutlich, doch trotzdem ist sie immer für Aza da und versucht auch mehrfach, Azas Krankheit zu verstehen und sich in sie hineinzuversetzen. Davis gibt Aza das Gefühl, liebenswürdig zu sein und ein Leben mit Liebe und Glück verdient zu haben. Und ihre Mutter ... ist eben ihre Mutter. Sie sorgt sich um Aza, ist aber oft genauso hilflos wie ihre Freunde, Lehrer und Mitschüler, liebt sie aber über alles und gibt ihr auch immer dieses Gefühl (auch wenn ich mich mehrfach gewundert habe, dass sie ihrer Tochter so viele Freiheiten lässt ...)

John Greens Schreibstil ist einmalig und leider auch ein bisschen gewöhnungsbedürftig. Ich habe einige Zeit gebraucht, um wirklich in dem Buch anzukommen und die Geschichte sowie Aza zu verstehen. Trotzdem beschreibt er wie kein anderer Gefühle und Gedanken und zeichnet seine Charaktere trotz hohem Potenzial, nervig zu wirken, sehr liebenswürdig und gewinnend.

Fazit
„Schlaft gut, ihr fiesen Gedanken“ ist ein Buch, das mich sehr zum Nachdenken gebracht hat. Die Grundstimmung ist schwer verdaulich und lässt den Leser lange nach dem Lesen über Toleranz und die Art und Weise, wie unterschiedlich wir und unsere Psyche sein können, nachgrübeln. Mich hat der Plot leider nicht ganz so überzeugen können, dafür hat mir die liebevolle und aufwendige Ausarbeitung der Charaktere sehr imponiert; ein bisschen mehr erwartet, dafür aber viel daraus mitgenommen.