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Veröffentlicht am 19.07.2017

Interessante Sichtweise sehr anstrengend aufbereitet

Ich, Eleanor Oliphant
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"Ich, Eleanor Oliphant" von Gail Honeyman ist ein Buch, mit dem ich ein bisschen zu kämpfen hatte. Die Geschichte an sich empfand ich als interessant aufgebaut, allerdings habe ich lange Zeit gebraucht, ...

"Ich, Eleanor Oliphant" von Gail Honeyman ist ein Buch, mit dem ich ein bisschen zu kämpfen hatte. Die Geschichte an sich empfand ich als interessant aufgebaut, allerdings habe ich lange Zeit gebraucht, um mich darin wirklich wohlzufühlen und auch anzukommen. Denn Eleanor ist nicht nur ein sehr schwieriger Charakter, sondern ihre Erzählweise ist auch sehr anstrengend.

Insgesamt ist das Buch vielmehr konzentriert auf die Hauptprotagonistin, statt eine richtige Geschichte zu erzählen. Einen ausgearbeiteten Haupt-Handlungsstrang gibt es meiner Meinung nach nicht wirklich, eher einen kleinen roten Faden – nämlich, dass sich Eleanor in einen Mann verliebt. Das Buch erzählt aber eigentlich viel mehr Eleanors Alltag, ihr Leben, ihren Umgang mit Menschen, mit sich selbst und mit ihrer Arbeit. Hätte ich das vorher gewusst, hätte ich vermutlich nicht mal unbedingt zu diesem Buch gegriffen, denn nennenswerte Spannungsbögen gibt es nicht oder nur sehr selten. Erst bei den letzten 50 bis 100 Seiten hat sich bei mir der Page-Turner-Effekt aufgetan, was unter anderem an Eleanors Gesundheitszustand, ihrer Vergangenheit und ihrer guten Freundschaft zu Ray lag – was für mich aber bei einem 528 Seiten starken Buch leider ein bisschen zu spät kam.

Trotzdem kann ich nicht sagen, dass ich mich durch das Buch gequält habe. Es gibt schon interessante Passagen, vor allem, als Eleanor trotz ihrer strikten Regeln und ihrer doch eher schwierigen Art, beginnt eine Freundschaft zu einem Mann (Ray) aufzubauen und sich gleichzeitig in einen anderen Mann verliebt. Oder als sie in ihrem Selbstmitleid versinkt und krank wird. Jedoch hat für mich das Interesse an dem Buch stark geschwankt und war sehr abhängig von Eleanors Verfassung. Sie ist ein sehr wankelmütiger Charakter, unberechenbar in ihrem Verhalten und das ist mitunter für den Leser doch recht anstrengend – das bezieht sich nicht nur darauf, dem Buch und der Geschichte zu folgen, sondern auch Eleanor als Mensch zu verstehen.

Das beginnt schon damit, dass ich durchgehend das Gefühl hatte, die Geschichte einer sehr alten Frau zu lesen und ich mir immer wieder ins Gedächtnis rufen musste, dass Eleanor erst 30 Jahre alt. Ihr Verhalten steht aber in absolutem Kontrast dazu: Sie geht nie aus dem Haus, will mit niemandem etwas zu tun haben, weil sie nichts von Konversation hält (schon gar nicht von Tratsch oder alltäglichem Small-Talk), sie liebt abendliche Hörfunk-Beiträge, arbeitet schon seit Jahren als Buchhalterin im gleichen Unternehmen und hat wohl noch nie in ihrem Leben bei einem Lieferservice bestellt. Ihre Gedanken und ihre Weltanschauung sind teilweise sehr altbacken oder "verrückt", was mir mehr als ein Mal ein Stirnrunzeln eingebracht hat und was es mir schwer gemacht hat, mich auch nur ansatzweise mit ihr zu identifizieren – ganz abgesehen davon, dass sie sich als Person sowieso sehr seltsam benimmt.

Ich habe immer wieder versucht zu verstehen, was in ihr vorgeht und ob sie krank ist. Ob sie einfach nur enorme soziale Defizite hat, eine psychische Krankheit, Phobien, Neurosen etc. Es ist wirklich sehr schwer, nachzuvollziehen, warum sie sich so verhält und was eigentlich in ihrem Kopf vorgeht. Und wieso sie so denkt. Andererseits fand ich es aber auch sehr interessant (als ich mich damit abgefunden hatte, sie verstehen zu wollen), ihren Gedankengängen zu folgen, ihre eigene Argumentation zu verstehen und zuzusehen, wie sie sich Schritt für Schritt irgendwie selbst boykottiert und vor anderen ins Abseits stellt. Wie sie von einer Beziehung spricht, obwohl sie noch nie ein Wort mit ihrem Schwarm gewechselt hat, dass sie jede Woche ihre Mutter anruft, obwohl diese ihre Kindheit und Jugend zur Hölle gemacht hat, wie sie an ihrer genauen Terminplanung festhält und jede noch so kleine Abweichung sie direkt nervös macht. Eleanor kann sehr liebenswürdig, aber im nächsten Moment auch sehr garstig sein, sie denkt über Dinge nach, die normalerweise keine Rolle spielen, sie ist meist überintelligent und hat oft schon leicht autistische Züge.

Toll an diesem Buch fand ich Ray, der sich im Laufe der Geschehnisse zu so etwas wie ein Freund von Eleanor "hocharbeitet". Ich war immer wieder fasziniert davon, wie es ihm langsam gelingt, ihr Vertrauen zu erobern, mit ihrem komischen Verhalten umzugehen und dieses manchmal einfach nur zu belächelt, anstatt es zu analysieren oder sie damit zu konfrontieren. Er hat mir als Gegenpol sehr gut gefallen und ergänzt Eleanor nicht nur, sondern hat auch einen sehr guten Einfluss auf sie. Er nimmt sie zu Partys mit, lockt sie in der Mittagspause zum Essen nach draußen, verwickelt sie in Gespräche und steht ihr bei ihrem Zusammenbruch auch loyal zur Seite.

Im Gesamtpaket haben mir die Geschichte und die Charaktere – trotz aller Anstrengung – zwar recht gut gefallen, hat aber für mich persönlich auch nicht dazu beigetragen, nur so durch die Seiten zu fliegen und/oder einen Sogeffekt wahrzunehmen. Teilweise lag das aber auch am Schreibstil. Denn dieser ist genau an Eleanors Verhalten und ihrem Charakter angepasst, schließlich wird der Plot aus ihrer Sicht erzählt, dazu noch in der Ich-Perspektive. Nach meiner oben ausgeführten Charakterbeschreibung ist sicher klar, dass die Schreibweise manchmal sehr verwirrend und mühsam ist, jedoch hat es mich doch meist ansprechen können. Die Autorin kann auf jeden Fall schreiben und auf ihr nächstes Buch bin ich daher sehr gespannt.

Fazit
"Ich, Eleanor Oliphant" bietet eigentlich eine sehr interessante Geschichte über das Leben und die Sicht eines Menschen, der "nicht der typischen Norm entspricht" (ja, ich weiß, wie sich das anhört). Das Buch hatte definitiv etwas, was mich in seinen Bann gezogen hat, konnte mich als Leser aber nur stellenweise bei der Stange halten. Ein nächstes Buch der Autorin würde ich mir auf jeden Fall anschauen, wahrscheinlich sogar kaufen, denn im Grunde hat mir ihre Plotidee, die Figurenzeichnung und die Umsetzung doch ganz gut, wenn auch nicht vollkommen, gefallen.

Veröffentlicht am 17.07.2017

Hauptplot hat mich wie erwartet nicht richtig packen können

Trinity - Bittersüße Träume
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» Da in diesem Beitrag ein Reihenteil rezensiert wird, werden Spoiler zu vorherigen Teilen nicht ausgeschlossen! «

Die drei Hauptbände der "Trinity"-Reihe habe ich dieses Jahr bereits gelesen und rezensiert, ...

» Da in diesem Beitrag ein Reihenteil rezensiert wird, werden Spoiler zu vorherigen Teilen nicht ausgeschlossen! «

Die drei Hauptbände der "Trinity"-Reihe habe ich dieses Jahr bereits gelesen und rezensiert, weswegen ich natürlich sehr gespannt darauf war, was die beiden Zusatzbände zu den Protagonisten Maria und Kathleen für den Leser noch bereit halten. Zwar wurde der Erscheinungstermin des vierten Bandes – "Bittersüße Träume" – zu meinem Missfallen mehrfach verschoben, aber jetzt ist er endlich da: Und hat mich leider nicht so umgehauen, wie ich es nach den ersten drei gelungenen Bänden erwartet hätte.

Den Klappentext hatte ich schon lange, bevor ich die ersten drei Bände beendet hatte, gelesen und mich daher schon ein bisschen gespoilert. Völlig begeistern konnte er – der Klappentext – mich schon im Vorhinein leider nicht. Normalerweise mag ich traurige Geschichten sehr gerne, emotionale Hauptprotagonisten, die in ihrem Kummer ertrinken und nachher wieder aufblühen können ebenfalls. Aber für mich müssen die Geschehnisse logisch aufgebaut sein, es muss gut erklärt werden und die Gefühle der Protagonisten müssen verständlich sein. Ich mochte Thomas schon von Anfang an sehr gerne und habe auch gerne über die Beziehung zwischen ihm und Maria gelesen. Natürlich war ich dann sehr traurig, als er gestorben ist und Maria mit ihrer schrecklichen Vergangenheit und ihrem Vertrauensproblem alleine zurücklässt. Dass sich dann Maria nach Thomas' Tod zu dessen Bruder – Zwillingsbruder! – hingezogen fühlt, fand ich von Anfang an falsch. Zusätzlich fand ich es auch richtig schade und traurig, wie die Autorin mit Thomas' Tod und der neuen Leidenschaft und Liebe zwischen Maria und Eli umgeht.

Die ehemalige Beziehung zwischen Thomas und Maria wird dabei dauernd hinterfragt, schlechte Tage und Entscheidungen hervorgekramt und diese als Rechtfertigung genommen, dass es zwischen den beiden ja sowieso nicht so rund lief. Vermutlich sieht das nicht jeder so engstirnig wie ich, aber auf mich machte es durchgehend den Eindruck, als wolle man die Erinnerung an Thomas schlecht reden, als wolle man dem Leser vermitteln, dass Thomas sowieso niemals die richtige Wahl war, dass Maria ihn ohnehin nie wirklich geliebt hat und es daher auch vollkommen in Ordnung ist, nach ein paar Wochen Trauer mit dem Bruder des Toten zusammen zu kommen. Es hat einen sehr bitteren Beigeschmack hinterlassen, vor allem, da man Thomas aus den vorherigen Bänden kennt und genau weiß, warum und wie er gestorben ist. Ich hatte schlimme Befürchtungen bezüglich des Plots und sie wurden leider auch größtenteils erfüllt. Mir hat die Entwicklung leider gar nicht gefallen.

Dazu kommt, dass der Nebenplot, der einige Spannungsbögen in die Geschichte bringt/bringen soll, doch sehr den Geschehnissen ähneln, die vorher auch Gillian schon passiert sind. Klar, Antonio war prädestiniert dafür, wieder aufzutauchen und Maria das Leben zur Hölle zu machen. Aber diese Stalker-Parallele war mir doch zu ähnlich zu Daniel und Gillian und konnte mich daher ebenfalls nicht wirklich überzeugen (auch wenn sie spannend aufbereitet war).

Mein Lichtblick bei diesem Buch waren definitiv die Charaktere. Zum einen habe ich mich sehr gefreut, dass auch die anderen Freundinnen – Kat, Gillian und Bree – weiterhin eine große Rolle spielen und auch Chase und Phillip ihre Momente haben. Zum anderen mochte ich Maria schon von Anfang an. Ihre fraglichen Entscheidungen in diesem Buch konnte ich meistens ausblenden und ihre Gewissensbisse haben mich auch ein wenig entschädigt. Sie merkt schon recht schnell und auch recht lange, dass es in irgendeiner Art und Weise nicht in Ordnung ist, sich auf Eli einzulassen, aber aufgrund der Anziehung zwischen den beiden kommt sie auch einfach nicht so wirklich aus ihrer Haut.

Wenn man davon absieht, dass Eli (auch Red genannt, aber Eli gefällt mir besser) immer wieder als der bessere, hübschere, attraktivere Bruder dargestellt wird, konnte ich auch ihn ganz gut leiden. Dass er wirklich besser zu Maria passt und sie besser ergänzt, kann ich nicht bestätigen. Aber wie oben bereits geschrieben, mochte ich Thomas auch einfach sehr gerne und hatte gegen seinen Bruder wohl schon von Anfang an gewisse Vorurteile. Ansonsten hat es mir sehr gut gefallen, dass er Maria durchgängig beschützt, mit ihrer kratzbürstigen Art einwandfrei umgeht und sich auch überhaupt nichts von der temperamentvollen Halbspanieren/Halbitalienierin sagen lässt. Beide trauern wirklich sehr um Thomas, was mich schon sehr berührt hat. Es gab sogar zwei Stellen, an denen ich einen riesigen Klos im Hals hatte, allerdings möchte ich euch diese Stellen nicht vorwegnehmen und gehe daher nicht genauer darauf ein.

Audrey Carlans Schreibstil hat mir auch diesmal wieder sehr gut gefallen. Ich habe jetzt schon acht Bücher von der Autorin gelesen und ich bin bei jedem nur so durch die Seiten geflogen. Die erotischen Szenen sind zwar manchmal ein bisschen übertrieben, aber meiner Meinung nach keinesfalls plump. Und auch bei den Spannungsbögen schafft sie es immer wieder, diese fesselnd und dramatisch zu schildern. Vermutlich mag ich einfach ihren ausgewogenen Mix aus Liebesgeschichte, Erotik und Spannung.

Fazit
Sowohl der Hauptplot (die Liebesgeschichte zwischen Maria und Eli), als auch der Nebenplot (Antonios Auftauchen) von "Bittersüße Träume" haben mich leider, wie befürchtet, nicht wirklich überzeugen können. Jedoch mochte ich sowohl die Trauer, die an verschiedenen Stellen authentisch übermittelt wurde, als auch die Charaktere – dies hat mich als Fan der Reihe doch über den kontroversen Inhalt hinwegtrösten können. Jetzt gilt es nur noch Kat unter die Haube zu bringen ;)

Veröffentlicht am 17.07.2017

Gute Plotidee, sehr schlechte Umsetzung

Jade & Shep
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Die Autorin Monica Murphy ist mir ja bereits durch ihre "Together Forever"-Reihe bekannt. Und auch wenn ich bisher davon nur ein Buch davon gelesen habe, so mochte ich die Geschichten und die Charaktere ...

Die Autorin Monica Murphy ist mir ja bereits durch ihre "Together Forever"-Reihe bekannt. Und auch wenn ich bisher davon nur ein Buch davon gelesen habe, so mochte ich die Geschichten und die Charaktere dort sehr gerne. Umso überraschter und enttäuschter war ich auch letztlich, als ich gemerkt habe, dass "Fair Game – Jade & Shep" nicht mal annähernd an die "Togehter Forever"-Bücher herankommt.

Das Buch wirkte auf mich von Anfang an irgendwie "chaotisch". Die Geschichte ist zwar sehr langsam und undymanimsch aufgebaut, weist aber auch keine Besonderheiten oder große Spannungsbögen auf. Und auch die Charaktere sind eher wankelmütig oder kamen bei mir auch nicht besonders gut an. Es gibt bei der Handlung kaum Höhen und Tiefen; die Geschichte tröpfelt einfach nur so vor sich hin. Das lag zum einen daran, dass beide Charaktere schon von Anfang an wissen, auf wen sie sich einlassen und somit auch Diskussionen und Streitereien so gut wie rausfallen; zum anderen daran, dass man bei den Charakteren keine Entwicklung oder Veränderung wahrnimmt. Letztlich findet Shep Jade wegen ihrer roten Haare und den Sommersprossen einfach nur heiß und Jade verliebt sich in Shep, weil er eben gutaussehend und bei Frauen beliebt ist. Für eine überzeugende Liebesgeschichte war mir das zu wenig – es bietet definitiv eine gute Grundlage, hätte aber wesentlich spannender und tiefgründiger ausgearbeitet werden müssen.

Wie oben schon erwähnt, waren auch die Charaktere eher weniger überzeugend. Anfangs mochte ich Jade noch ganz gerne mit ihrer großen Klappe und der aufbrausenden, kratzbürstigen Art. Und auch bei Shep hätte ich mir vorstellen können, dass ich ihn mag. Weil ich dachte, dass sich hinter dem Schein, hinter dem, was er vorgibt, zu sein, noch mehr verbirgt. Dass er vielleicht ein gebrochener junger Mann ist. Doch irgendwie war da einfach ... nichts. Er ist einfach dieser klischeebesetzte Sohn einer reichen Familie, der aufs College geht, diese Zeit mit Sex mit vielen verschiedenen Frauen genießen will und mit einem illegalen Casino gegen seine Eltern fröhnt, die ihn entweder ignorieren, weil sie mit ihren eigenen Problemen beschäftigt sind oder ihn mit ihrer versnobten, reiche-Leute-Art einfach nur erdrücken. Und auch von Jade hatte ich mir letztlich einiges mehr erhofft, vor allem den im Klappentext angekündigten Widerstand gegen Shep. Oder eine herzzerreißende Vergangenheit. Ein Trauma. Irgendwas. Aber auch da konnte ich nichts tiefgründiges feststellen. Sogar ganz im Gegenteil: Sie ist dauernd sauer auf ihn, auf den ersten Seiten des Buches beschimpft sie ihn noch wüst, ein paar Seiten später schwärmt sie aber von seinem Aussehen, sie will taff und ehrlich rüberkommen, wirkt aber sehr selten so, sie will sich nicht auf Shep einlassen, tut es dann aber doch.

Der einzige Lichtpunkt, auf die Charaktere bezogen, waren für mich die beiden Nebencharaktere Gabe und Tristan, deren Geschichten in den beiden anderen Büchern der "Fair Game"-Reihe erzählt wird. Die beiden fand ich deswegen noch in Ordnung, weil Tristan mit seiner witzigen Art und Weise hervorsticht und Gabriel weit nicht so aufgesetzt wirkte wie Shep. Die beiden Bücher könnten deswegen noch recht interessant sein – ob ich diese allerdings lesen werde, weiß ich momentan noch nicht.

Die Ausarbeitung der Geschichte, und damit meine ich vordergründig den Schreibstil, hatte ich auch um Welten besser erwartet. Zwar bin ich schnell durch die Geschichte geflogen und die leichte Sprache hat mir dabei definitiv geholfen. Aber wärend der Schreibstil in der "Together Forever"-Reihe sehr unaufdringlich und "normal" war, war er in Fair Game – Jade & Shep einfach nur aufdringlich, übertrieben und sehr pubertär. Es wird kein einziges Mal die Wörter "miteinander schlafen" verwendet, sondern immer nur das Wort mit "F" (nicht mal, als die beiden sich ineinander verlieben und sie zusammen kommen und es weit mehr ist, als nur körperliche Anziehung oder spontaner Sex ohne Verpflichtungen!). Und es ist auch immer die Rede von "Titten" (kein einziges Mal ein anderes Wort!). Dass die Autorin an der und auch an anderer Stelle kein erwachseneres Synonym kennt, hat mich nach meinen Erfahrungen mit ihren Büchern, schon überrascht und enttäuscht. "Bitch Face" und "Fickvögel" haben dem ganzen pubertären Quatsch dann nur noch die Krone aufgesetzt. Schließlich ist es kein Buch, das in der Highschool spielt, sondern auf dem College. Da hätte ich von den Umgangsformen einfach ein wenig mehr erwartet.

Desweiteren werden (moralisch) verwerfliche Dinge, wie das Konsumieren von Drogen, die übermäßige Zufuhr von Alkohol und andere illegale Aktivitäten als etwas vollkommen normales dargestellt und nicht weiter erörtert – was ich bei einem Buch im "New Adult"-Genre überhaupt nicht gutheißen kann. Dass die Autorin so etwas in den Raum wirft, ohne genauer darauf einzugehen oder die Konsequenzen darzustellen, und somit das Gefühl vermittelt, dass sowas auf dem College vollkommen normal und gerne gesehen ist sowie in keinester Weise Folgen für die Protagonisten hat, kam bei mir persönlich auch überhaupt nicht gut an.

Fazit
Die eigentliche Plotidee und der Klappentext haben mir bei "Fair Game – Jade & Shep" eigentlich noch recht gut gefallen, die Umsetzung schwächelt aber meiner Meinung nach in extremem Ausmaß. Nicht nur, dass mir Höhen und Tiefen gefehlt haben oder die Liebesgeschichte mich nicht wirklich berühren konnte, auch die Charaktere sind wenig bis gar nicht überzeugend. Der Schreibstil hat dann meiner Meinung nach sein übriges getan und mich doch sehr ernüchtert zurückgelassen. Ob ich die Geschichten von Tristan und Gabe noch lesen werde, weiß ich momentan nicht, ich tendiere aber eher zu nein.

Veröffentlicht am 12.07.2017

Unterhaltsam, aber definitiv steigerungsfähig

Stormheart 1. Die Rebellin
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Ich habe "Stormheart – Die Rebellin" schon vor ein paar Wochen beendet, allerdings es bisher nicht wirklich geschafft, mir eine Meinung zu dem Buch zu bilden, weswegen ich auch bisher noch keine Rezension ...

Ich habe "Stormheart – Die Rebellin" schon vor ein paar Wochen beendet, allerdings es bisher nicht wirklich geschafft, mir eine Meinung zu dem Buch zu bilden, weswegen ich auch bisher noch keine Rezension dazu geschrieben hatte. Der Plot bietet einiges, auch die Charaktere sind interessant geschrieben, doch irgendwas hat mir bei dieser Geschichte gefehlt, hat mich Wochen brauchen lassen, bis ich sie beenden konnte und nochmal Wochen, bis ich jetzt diese Rezension hochlade.

Der Plot ist definitiv interessant ausgearbeitet und hat mich auch schon beim Lesen des Klappentextes angesprochen. Ich habe circa 50 Seiten gebraucht, um wirklich in das Buch starten zu können. Ich hatte in dieser Zeit "Stormheart" öfters mal zur Seite gelegt und ein anderes Buch angefangen, weil ich die Einführung ein wenig zu lange fand und es mir zu lange gedauert hat, bis der eigentliche Plot erst wirklich losgeht. Aber was danach kam, hat mich überzeugt. Dabei fand ich es sehr interessant, die Sturmjäger auf ihrer Reise zu begleiten, Auroras Reaktionen zu beobachten und allgemein zu ergründen, wie sich die Geschichte fortführen wird und ob Aurora auch eine Sturmjägerin werden kann.

Die Handlung an sich ist logisch aufgebaut und enthält definitiv mehrere Spannungsbögen, Geheimnisse und Rätsel, die auch nicht alle innerhalb des ersten Bandes aufgeklärt oder gelöst werden. Die Entwicklung hat mir auf jeden Fall gefallen und auch das Ende fand ich grandios umgesetzt. Ich konnte mir vor allem die Endszene lebhaft vorstellen, die Gefühle der Hautprotagonistin nachempfinden und finde den Schluss daher mehr als gelungen. Kritikpunkt für mich war an dieser Stelle die Liebesgeschichte, die ich mir zwar gewünscht habe und dessen Entwicklung ich im Grunde auch mochte, aber mir persönlich ein wenig zu schnell und zu stürmisch anfing. Eine Konzentration auf die eigentlichen Geschehnisse und eine Verlagerung der Liebesgeschichte in den zweiten Band hätte mir da deutlich besser gefallen. Nicht nur, um der Entwicklung der Charaktere nicht im Wege zu stehen, sondern auch, um eben jener Liebesgeschichte einfach mehr Platz zu geben – was ihr meiner Meinung nach aufgrund ihrer Authentizität gut getan hätte.

Aurora soll bei diesem Buch wohl der interessantes Faktor sein und wird auch so grundlegend für den Leser aufbereitet. Nicht nur, dass sie die Königstochter ist und entsprechende Gaben nicht besitzt (die sie aber besitzen sollte), sondern auch der Wechsel zwischen verschiedenen "Persönlichkeiten". Einmal ist sie eine junge, kalte Prinzessin, ein anderes Mal eine gute, einfühlsame Freundin, dann die knallharte Sturmjägerin, dann die gefühlvolle Liebende. Anfangs hat mich das sehr verwirrt, weil ich sie als Hauptprotagonistin nicht wirklich einschätzen konnte, später konnte ich damit allerdings immer besser umgehen. Wie einfach es ihr fällt, in Rollen zu schlüpfen und ihren Charakter schlichtweg interessanter darzustellen, hat mir zunehmend gefallen. Sie entwickelt sich, typisch für die Hautprotagonistin, auch zügig weiter, lernt vieles dazu und lässt sich auch nicht alles von ihren Begleitern gefallen, was sie nicht nur durchweg (durchsetzungs)stark erscheinen ließ, sondern auch selbstbewusst und tollkühn.

Auch wenn mich Aurora im Laufe des Geschichte beeindruckt hat, war es Lock, der mich eingenommen hat, der zu meinem Lieblingscharakter wurde und dessen Handlungsmuster ich auch wesentlich besser verstehen konnte. Er ist der gute Junge in der Geschichte, handelt zwar nicht immer durchschaubar, aber immer zu Auroras besten – einfach, weil er sie mag, weil sie in ihm etwas bewegt. Zusammen mit den anderen Begleitern geben sie ein tolles Team, das sich mehr oder weniger erfolgreich gegen Stürme stellt und Aurora in diesem "Metier" anlernt.

Und auch Cassius, der Gegenspieler von Aurora, fand ich da ein Stück weit interessanter als sie selbst, weil er einfach so abgrundtief gefestigt böse ist, dass er, obwohl ich ihn wirklich nicht mochte, einfach faszinierend wirkt – und trotz seiner bösen Pläne irgendwie noch unter den Pantoffeln seines Vaters steht. Er ist einfach ein Intrigant, den diese Geschichte bitter nötig hat und der mich von Anfang an mit seiner Boshaftigkeit überzeugen konnte.

Der Knackpunkt an meiner Rezension ist allerdings der Grund, warum ich dieses Buch lange Zeit nicht wirklich einzuschätzen wusste. Denn wenn ich all das eruiere, bleibt mir ein toller Plot, eine starke, dennoch steigerungsfähige Handlung, einnehmende, interessante und facettenreiche Charaktere, ein toller, bildreicher Schreibstil und sehr viele Spannungsbögen, aber auch sehr viele ruhige Situationen, in denen sich die Charaktere kennenlernen, einander über ihre Vergangenheiten und Erlebnisse erzählen und lernen sich zu vertrauen. Wenn ich über all das nachdenke, kann ich eigentlich nur sagen, dass mir das gewisse Etwas, der Pfeffer, die Sogwirkung bei diesem Buch gefehlt hat. Leider bietet "Stormheart" eben jenes für mich nicht. Nicht umsonst habe ich mehr als 10 Tage gebraucht um ein 464 Seiten starkes Buch zu beenden. Ich finde das Werk gut, mir hat es gefallen, aber an dem Page-Turner-Effekt muss die Autorin im nächsten Band meiner Meinung nach noch arbeiten.

Fazit
"Stormheart – Die Rebellin" ist ein schönes und kurzweiliges Buch, das mich zwar unterhalten konnte, aber doch eher auf oberflächliche Weise. Die Charaktere fand ich gut umgesetzt, haben im Bezug auf die Hauptprotagonistin aber auf jeden Fall noch Steigerungsbedarf. Ebenso würde ich mir wesentlich mehr Pepp für den zweiten Band wünschen, den ich jedoch auf jeden Fall lesen werde und auf den ich mich auch trotz der Kritik sehr freue.

Veröffentlicht am 08.07.2017

Ein atemberaubend, tolles, emotionales Buch

Love & Gelato
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Dieses Buch bietet schlichtweg eine wunder-, wunder-, wunderschöne und berührende Geschichte. Punkt.
Da ich aber weiß, dass das für eine Rezension nicht ausreicht, kläre ich euch natürlich gerne auf, wieso ...

Dieses Buch bietet schlichtweg eine wunder-, wunder-, wunderschöne und berührende Geschichte. Punkt.
Da ich aber weiß, dass das für eine Rezension nicht ausreicht, kläre ich euch natürlich gerne auf, wieso mir "Love & Gelato" so gut gefallen hat und warum es letztlich auch eins der besten Bücher ist, die ich dieses Jahr gelesen habe.

Die Geschichte an sich beinhaltet verschiedene Facetten. Dabei geht es nicht mal unbedingt um Gelato und Amore oder um Lina in Urlaubsstimmung. Dieses Buch bietet so viel mehr – von der Suche nach der Vergangenheit, die Suche nach den grundlegenden Wurzeln, das Bedürfnis in einem fremden Land, in dem man bald zur Schule gehen soll, Freunde zu finden und sich letztlich doch einfach zu verlieben. Mich hat Linas Geschichte geradezu gepackt. Nicht nur, weil sie so grundheraus ehrlich zu sich selbst und zu ihren Mitmenschen ist, sondern, vor allem, weil sie in eine Situation hineingeworfen wurde, mit der sie überhaupt nicht umgehen kann, der sie letztlich nicht mal ansatzweise gewachsen ist. Genau deswegen musste ich sie auch direkt in mein Herz schließen.

Sie ist stark, sie ist taff und durchsetzungsstark. Sie hat ihre schwachen und zickigen Momente, sie ist traurig und wehleidig, aber unter den Umständen, wie sich ihr Leben gerade um 180 Grad gewendet hat, in ihrem schwierigen Alter, war das absolut verständlich. Sie ist schließlich 16 Jahre alt, ihre Mutter ist vor kurzem gestorben und sie hat gerade erst erfahren, wer ihr Vater ist. Sie soll die Ferien bei ihm verbringen und danach in Italien zur Schule gehen. Ich konnte es so gut verstehen, dass sie unsicher ist, dass sie nach Hause möchte, in ihr normales Umfeld, und dass sie überhaupt nicht weiß, wie sie in einem fremden Land mit einer fremden Sprache mit den Menschen um sie herum umgehen soll. Lina ist so wunderbar geschrieben; ein Charakter, der in Erinnerung bleibt, der mich nicht losgelassen hat und dessen Geschichte mich zum Weinen gebracht hat. Immer und immer wieder. Erst, als sie ihre Mutter verliert, als sie ihr Tagebuch findet, den Spuren der Vergangenheit folgt, und ihr dann das Herz gebrochen wird.

Der Plot hat mich bei jeder einzelnen Seite gefesselt. Ich fand es sehr schön umgesetzt, dass man sowohl Linas aktuelle Geschichte über ihren Umzug und ihren Neuanfang erfährt, aber auch durch das Tagebuch ihrer Mutter, Linas Wurzeln, die Vergangenheit ihrer Eltern und so manches Geheimnis, das sie aufgrund des frühen Todes ihrer Mutter leider nicht erfahren konnte. Dabei hat die Autorin wirklich jedes einzelne Gefühl in mir ausgelöst, das ein Buch wohl auslösen kann. Ich habe geweint, ich hatte absoluten Liebeskummer, ich war wütend, ich war gerührt, letztlich auch verwundert und geschockt. Diese Geschichte hat mich einfach verschlungen. Sowohl die paar Seiten des Tagebuchs, das man zu lesen bekommt, als auch die Entstehung von Freundschaften, als auch die Liebesgeschichte, die sich zwischen den beiden jungen Hauptprotagonisten langsam entwickelt. Alleine, dass ich "Love & Gelato" an einem einzigen Tag durchgelesen habe, dürfte schon für sich sprechen, schließlich schaffe ich es nicht oft (vor allem nicht in der Prüfungszeit!) 400 Seiten an einem Tag zu lesen.

Eine netter und absolut positiver Punkt bei diesem Buch ist die italienische Kulisse. Ich war selbst schon in Florenz und ich habe diese Stadt geliebt. Zugegebenermaßen ist das jetzt auch schon knapp 10 Jahre her und ich konnte mich auch nicht mehr an alle Details erinnern, aber alleine schon, als Lorenzo Lina die "Ponte Vecchio" zeigt, hatte ich absolutes Italien-Fernweh. Weil ich mich eben daran erinnert habe, als ich sie selbst das erste Mal gesehen habe und wie wunderschön ich sie damals fand. Ich war schon so oft in Italien und ich liebe dieses Land. Für seine Bauwerke und Denkmäler, für seine Sprache, für seine Kultur, aber wahrscheinlich am meisten für das Gelato und die Pizza ;). Ich mochte es sehr, wie Jenna Evans Welch Italien in die Geschichte integriert hat und wahrscheinlich nicht nur bei mir Urlaubsgefühle und Fernweh produziert hat. Ich habe das geliebt!

Da es sich bei "Love & Gelato" um ein Jugendbuch handelt (die Hauptprotagonistin ist auch erst 16 Jahre alt), ist der Schreibstil dementsprechend natürlich angepasst, aber keinesfalls so flach und einfach, wie ich ihn erwartet hätte. Ich fand ihn einfach perfekt und bin nur so durch die Seiten geflogen, weil ich unbedingt wissen wollte, wie es weitergeht, wie Lina sich fühlt und wie sich ihre Gefühle entwickeln. Es fiel mir sehr leicht, mich in die verschiedenen Charaktere hineinzuversetzen und ihre Argumentationen zu verstehen. Auch wenn natürlich Lina im Vordergrund steht und ihre Gefühle am deutlichsten wahrzunehmen sind.

Das Cover finde ich absolut traumhaft. Dadurch, dass es so schlicht gehalten ist, nicht völlig bunt oder überladen, finde ich es perfekt für die Geschichte und auch perfekt für Lina. Ich finde es absolut gelungen und ich schaue es mir sehr gerne an. Ich hoffe, dass weitere Bücher der Autorin auch in diesem Design erscheinen werden. Denn auf "Love & Luck" von Jenna Evans Welch freue ich mich schon jetzt sehr.

Fazit
Bei "Love & Gelato" gibt es sehr sehr viel, was mir gut gefallen hat – eigentlich stimmt einfach alles. Es ist ein wunderschönes Buch, das sich mit dem italienischen Flair, den Emotionen und der zuckersüßen Liebesgeschichte zu einem meiner Lesehighlights 2017 gemausert hat. Ich kann das Buch nur jedem ans Herz legen.