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Veröffentlicht am 29.03.2023

Kann man eine solch herzliche Einladung der Familie Storl ausschlagen?

Die Rezepte unseres Lebens – das Kochbuch der Familie Storl
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Wolf-Dieter Storl war mir persönlich durch diverse andere Bücher ein Begriff. Die Familie dahinter kannte ich bis dato noch nicht und durfte sie nun durch dieses tolle Kochbuch kennenlernen.

Gleich eingangs ...

Wolf-Dieter Storl war mir persönlich durch diverse andere Bücher ein Begriff. Die Familie dahinter kannte ich bis dato noch nicht und durfte sie nun durch dieses tolle Kochbuch kennenlernen.

Gleich eingangs des Buches erhält man einige interessante Einblicke in das Leben der Familie Storl und deren Essgewohnheiten. In diesem Abschnitt waren für mich persönlich die verschiedenen Auswirkungen unseres Essen auf unser Bewusstsein ein richtiges Highlight.

Nach dem "Vorgeplänkel" kommt dann auch bereits das Herzstück des Buches, der eigentliche Rezeptteil.

Die unheimlich vielfältigen Rezeptideen selbst sind, wie für Kochbücher üblich, klar gegliedert.

Bereits die Vorschaubilder der fertigen Gerichte lassen einem selbst bereits nur beim Durchblättern das Wasser im Mund zusammenlaufen.

Neben den notwendigen Zutaten werden hier auch die einzelnen Zubereitungsschritte ausführlich erläutert, die dann Schritt für Schritt auf das lukullische Ziel zusteuern lassen. Die ungefähre Zubereitungszeit lässt einen dann bereits vorab kurz abschätzen, wie lange man in der Küche den Kochlöffel schwingen muss. Interessante Tipps runden die Rezepte nochmals ab.

Mich hätte es wahrlich gewundert, wenn Familie Storl nicht sehr naturnah kocht und dann immer wieder naturnahe Kräuter verwendet.

Summa summarum ein sehr vielfältiges Kochbuch, das querbeet viele unterschiedliche kreative Gerichte für den verwöhnten Gaumen bereit hält.

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Veröffentlicht am 27.03.2023

Hallelujah! - Endlich spricht ein Politikrentner mal Klartext zum anhaltenden Vertrauensverlust in die Politiker und deren Politik

Wer glaubt uns noch?
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Mir persönlich fällt ein Stein vom Herzen bzw. so wie das gerade rund um mich herum scheppert vielleicht auch ein ganzer Steinbruch.

Das politische Urgestein Wolfgang Bosbach verlässt seine Deckung und ...

Mir persönlich fällt ein Stein vom Herzen bzw. so wie das gerade rund um mich herum scheppert vielleicht auch ein ganzer Steinbruch.

Das politische Urgestein Wolfgang Bosbach verlässt seine Deckung und spricht in seinem aktuellen Buch "Wer glaubt uns noch?: Warum Politik an Vertrauen verliert und was wir dagegen tun können" Klartext.

Der CDU-Politikrentner erläutert in seinem Werk sehr anschaulich, woran es im aktuellen Politbetrieb dann krankt und weshalb der Souverän nach um nach immer mehr Vertrauen in die politischen Leader verliert.

Eigentlich sollte jedem gewählten Politiker ja klar sein, dass die einzige Währung, die im Politbetrieb zählt, das Urvertrauen in die Politik und die Personen selbst ist. Wenn man sich dann nur die jüngsten politischen Kapriolen parteiübergreifend ansieht, rauft man sich eher die Haare, über manche Äußerungen und auch Handlungen.

Wolfgang Bosbach erläutert seine Sicht der Dinge und geht dabei parteiübergreifend mit klarer Kante in medias res. Etwas anderes hatte ich auch von Bosbach selbst nicht erwartet.

Der Leser bekommt sehr viele Einblicke in den politischen Betrieb der Parteien und auch in deren Entscheidungen.

Summa summarum ein durchweg interessantes Buch, das den Nagel auf den Kopf trifft und eigentlich in jeder Parteizentrale dann Pflichtlektüre sein müsste, damit die Politiker und ihre Politik wieder mehr an Glaubwürdigkeit gewinnen.

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Veröffentlicht am 27.03.2023

Entwurzelte Menschen folgen den Spuren ihrer Vergangenheit und suchen nach Heimat

Die Ungleichzeitigen
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Entwurzelte Menschen folgen den Spuren ihrer Vergangenheit und suchen nach Heimat
Was Philipp Brotz mit seinem aktuellen Roman "Die Ungleichzeitigen" abliefert war für mich persönlich ganz großes Kino ...

Entwurzelte Menschen folgen den Spuren ihrer Vergangenheit und suchen nach Heimat
Was Philipp Brotz mit seinem aktuellen Roman "Die Ungleichzeitigen" abliefert war für mich persönlich ganz großes Kino gewesen.

Rein nur nach dem doch sehr kurzen Klappentext, wusste ich persönlich nicht, auf was ich mich bei diesem Buch dann wirklich einlassen werde.

Frau Träuble, ein urwüchsiges Schwarzwaldmädel aus dem Roman, würde dem Autor Brotz wohl folgenden Satz über den Zaun rufen.

"Ned gschimpft isch globt gnua!"

Das würde dem sehr tiefgründigen und auch sehr emotionalen Roman aber in keinerlei Hinsicht gerecht werden.

Ich versuche einfach das größte schwäbische Lob von Frau Träuble dann hier zu übersetzen.

Der kurze Teasertext lässt einen sehr engen Einblick in die gesamte Thematik des Buches zu und doch präsentierte mir die Geschichte dann während dem Lesen selbst unzählig viel mehr Facetten, als ich zunächst dachte.

Die Besetzung der unterschiedlichen Charakteren könnte besser nicht sein. Auch wenn mir persönlich nicht alle wohlgesonnen waren sind sie unheimlich realistisch angelegt und man sieht sich quasi mittendrin in der Geschichte als Teil davon. Manchmal möchte man Hagen vielleicht kurz schütteln oder kaltes Wasser ins Gesicht schütten, damit er endlich aufwacht, aber so ist es eben, wenn man schnell in die Handlung ein- und tief abtaucht und mit den Protagonisten mitfühlt.

Das Buch brauchte nicht viele Seiten, um auf mich persönlich eine richtige Sogwirkung zu entfalten. Die überwiegend kurzen Kapitel tun dann ihr Übriges und bringen den gewissen Kurzweil in die Geschichte rein.

Den äußerst bildhaften Schreibstil von Philipp Brotz mochte ich sehr gerne, da man hier mit den unterschiedlichen Szenerien quasi fast komplett verschmilzt. Im gesamten Handlungsstrang findet der Autor für die leichten wie auch schweren Themen immer die richtigen Worte.

Das im Roman beschriebene Szenario wirkte auf mich einerseits sehr verstörend aber auch erschreckend real.

Eine Story die den aktuellen Zeitgeist exzellent trifft und zwar im Schwarzwald ihren Ursprung nimmt aber bis hin zum Irak dann Strahlkraft hat und beispielsweise das unvorstellbare Leid der Jesiden dann sehr eindrücklich schildert.

Hagen und Adana stehen dann wohl sinnbildlich für entwurzelte Menschen unserer aktuellen Zeit, die in ihren Gedanken den Spuren ihrer Erinnerungen nachgehen und sich dabei auf die Suche nach der Heimat machen.

Was bedeutet Heimat dann für all diejenigen, welche dieselbige verlassen mussten oder aufgegeben haben?

Adana gibt darauf im Buch dann eine mögliche Antwort.

"Manchmal ist es schön, von früher zu erzählen. Unsere Geschichten sind der einzige Ort, an dem das Untergegangene lebendig bleibt."

Insbesondere die Verwebung der Rückkehr des Dauerstudenten Hagen mit der emotionalen Achterbahnfahrt rund um die Erlebnisse der Jesidin Adana waren für mich dann wirklich besonders lesenswert. Mir persönlich blieb beim Lesen von Adanas Schicksal dann echt die Spucke weg und ich hatte schnell anhaltende Gänsehaut. Brotz verleiht dem Stamm der Jesiden eine starke Stimme, die hoffentlich nie verstummen und klärt dabei, mitunter auch schonungslos, über die menschlichen Schicksale auf.

Philipp Brotz hält uns und unserer ganzen Gesellschaft mit dem Buch aber auch schön den Spiegel vor. Kein Wunder, wenn man sich hier und dort vielleicht auch selbst erkennt oder auch über manche Szenerie erschreckt oder schmunzelt.

Das offene Ende ist so seine Sache für sich. Mich lässt es arg nachdenklich zurück und der ganze Plot hallt dann bestimmt noch sehr lange in mir nach. Ich persönlich hätte mir vielleicht bereits hier noch ein "Muggeseggele" mehr Erzählung zum Schluss hin gewünscht. Es gibt meiner Meinung nach noch so viel zu erzählen und ich hoffe inständig darauf, dass Brotz die Charakteren nicht in der Schublade verschwinden sondern sie zu gegebener Zeit dann weiter ihre Geschichte erzählen lässt.

Summa summarum ein richtig tolles Buch mit starken Charakteren und einer Story, die man nicht so schnell vergessen wird.

Der Roman "Die Ungleichzeitigen" ist bereits jetzt eine meiner Buchperlen, die ich im Jahr 2023 dann aus dem fast unerschöpflichen Büchermeer fischen konnte.

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Veröffentlicht am 26.03.2023

Otto Lilienthal und Ferdinand Graf von Zeppelin - Zwei Männer und ein gemeinsamer Traum "Den Luftozean erobern!"

Der Sonne so nah
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Axel S. Meyer liefert bei seinem aktuellen historischen Roman "Der Sonne so nah" ein richtig großes Meisterwerk ab.

Es ist keine rein biographische Erzählung über die beiden Pioniere der Luftfahrt Lilienthal ...

Axel S. Meyer liefert bei seinem aktuellen historischen Roman "Der Sonne so nah" ein richtig großes Meisterwerk ab.

Es ist keine rein biographische Erzählung über die beiden Pioniere der Luftfahrt Lilienthal und Graf von Zeppelin. Meyer sieht seinen Roman als Mischung zwischen Wahrheit und Fiktion und erzählt in zwei verschiedenen Erzählsträngen die Lebensgeschichten der beiden dann nach. Was sich dann wirklich so zugetragen hat und was nur der reinen Fantasie entsprang löst Meyer in seinem erläuternden Nachwort auf.

Die große Stärke des Romans ist die Darstellung der damaligen, für uns längst vergessenen, Zeit.

Die ganzen atmosphärischen Eindrücke und Szenerien begeisterten mich persönlich geradezu und ich konnte die damalige Zeit förmlich vor den Augen sehen. Bei mir entstehen dabei dann immer sehr schnell Bilder im Kopf, die dann zu laufen beginnen.

Die beiden Hauptprotagonisten, Otto Lilienthal und Ferdinand Graf von Zeppelin, könnten unterschiedlicher nicht sein. Letzterer entstammt einer Adelsfamilie vom Bodensee während Otto dem Arbeitermilieu entstammt. Beide posthum ernannten Flugpioniere verband dann aber immer der Traum vom Fliegen. Wie beide dann ihren Traum entwickelten und in die Tat umsetzten ist Thema dieses Romans.

Beginnend von der Kindheit von Otto und Ferdinand nimmt so die Handlung ihren sehr spannenden und vor allem unterhaltsamen Verlauf.

Historische Romane sind eigentlich nicht mein bevorzugtes Lesegenre, ABER wenn die Storyline so grandios umgesetzt ist, dann schwelge ich einfach in den längst vergangenen Epochen und fiebere hier mit den beiden angehenden Flugpionieren mit. Meiner persönlichen Meinung nach hat das Buch bestes Potenzial, die Handlung auf die große flimmernde Leinwand zu bringen.

Man muss kein begeisterter Planespotter oder Flugfanatiker sein, um dieses geniale Buch einfach nur toll zu finden. Also mir ging es zumindest beim Lesen so.

Mein allererstes Buch von Axel S. Meyer und sicherlich nicht das letzte. Außerdem ist der Roman bereits jetzt eines meiner Jahreshighlights im Jahr 2023.

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Veröffentlicht am 25.03.2023

Was, wenn die eigenen Erinnerungen langsam immer mehr verblassen

Rose
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Thomas Tippner erzählt in seinem Roman "Rose" eine Geschichte rund um einen alternden Protagonisten, dessen Erinnerungen an sein eigenes Leben immer mehr verblassen.

Wie mag es sein, wenn man die Erinnerungen ...

Thomas Tippner erzählt in seinem Roman "Rose" eine Geschichte rund um einen alternden Protagonisten, dessen Erinnerungen an sein eigenes Leben immer mehr verblassen.

Wie mag es sein, wenn man die Erinnerungen an das eigene Leben dann nach um nach vergisst?

Genau diese besondere Atmosphäre fängt Tippner dann gekonnt ein und nimmt den geneigten Leser mit in die Welt des Vergessens.

Der Anfang vom Buch, um in die Handlung zu kommen war für mich eher schwierig. Geht es ja nicht um ein triviales Thema sondern vielmehr schreitet bei Ray, dem Dreh- und Angelpunkt der Story, die Alzheimererkrankung immer weiter voran.

Und genau dieses fortschreitende Vergessen wird dann im Buch sehr exzellent festgehalten. Als Außenstehender brauchte ich persönlich dazu einen etwas längeren Anlauf, um die ganzen verschiedenen Perspektiven, die Ray dann immer wieder in den Sinn kommen, auch richtig zuordnen zu können. Ray sinniert und erzählt dann immer wieder zwischen aufblitzenden Episoden aus der Vergangenheit und der aktuellen Gegenwart. Die ganzen atmosphärischen Eindrücke und Szenerien sind unheimlich gut getroffen und wirken auch sehr authentisch. Auch die für Ray wichtigen Bezugspersonen in der Handlung erscheinen, wenn sie mir selbst auch nicht alle wohlgesonnen sind, auch gut durchdacht und machen die Handlung dann erst richtig komplett.

Beim Lesen spürt man förmlich wie sich immer mehr der Schleier des Vergessens zuzuziehen droht und die Vergangenheit und die Gegenwart miteinander zu verschwimmen droht.

Ein äußerst feinsinniger, tiefgründiger und emotionaler Roman, der das Verblassen der eigenen Erinnerungen in den Fokus rückt.

Während dem Lesen nimmt so viele verschiedene Emotionen und Facetten wahr, die einem im ganz normalen abgestumpften Alltag vielleicht gar nicht so extrem auffallen würden.

Das Finale hat mich persönlich dann sehr tief bewegt und hallt immer noch in mir nach.

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