Gelungene NA-Suspense
Über uns das Tosen des SturmsMit "Über uns das Tosen des Sturms" hat die Autorin ein intensives Finale ihrer Sylt-Suspense-Trilogie erschaffen, das nicht nur gelungen die Balance zwischen Spannung, Emotion und tiefen Konflikten hält, ...
Mit "Über uns das Tosen des Sturms" hat die Autorin ein intensives Finale ihrer Sylt-Suspense-Trilogie erschaffen, das nicht nur gelungen die Balance zwischen Spannung, Emotion und tiefen Konflikten hält, sondern definitiv auch meine Neugier auf die beiden mir bis dato unbekannten Vorgängerbände geweckt hat.
Jette und Joshua verbindet eine gemeinsame Vergangenheit voller Brüche und unausgesprochener Wahrheiten. Einst hatte er sogar ihren Abi-Ball ruiniert und sich nie dafür entschuldigt - und nun stehen die beiden erneut im Mittelpunkt einer Handlung, die sie auf beruflicher wie persönlicher Ebene herausfordert. Erzählt wird dabei abwechselnd aus beiden Perspektiven.
Anfangs dauerte es ein wenig, bis ich mit den Figuren warm wurde - was nicht an ihrem Charakter an sich lag, sondern einfach daran, dass das große Drumherum mich mehr beschäftigte. Es ist natürlich alles Geschmackssache, so stand beispielsweise für mich persönlich - im Gegensatz zu vielen anderen Leserstimmen - auch im Fortgang der Handlung eher der Suspense-Anteil stärker im Fokus als der Romance-Aspekt.
Jettes Enttäuschung und ihr inneres Ringen konnte ich nachvollziehen. Besonders stark fand ich die Szenen mit ihrem Vater, die voller Intensität und emotionaler Klarheit sind. Der Auftrag von Joshua löst in Jette etwas aus, sie beginnt, mehr Stärke zu zeigen und für sich einzustehen.
"»Joshua ist der, der er ist, und du kannst ihn nicht einfach mit einem Stempel abtun. Vielleicht hat er Fehler gemacht, aber er ist mehr als das.« Eine seltsame Erleichterung breitet sich in mir aus, als ich diese Worte ausspreche. Es ist, als ob ich mich endlich von all dem lösen kann, was mich so lange festgehalten hat - dieser Drang, es meinem Vater recht zu machen, seine Anerkennung zu bekommen. […] Vielleicht ist es die plötzliche Erkenntnis, dass ich ihm niemals gefallen werde - egal, was ich tue. Und vielleicht ist es auch, dass ich jetzt nicht mehr will, dass er mich verändert."
Auch sprachlich konnte mich das Buch überzeugen, den Schreibstil empfand ich als poetisch schön und tiefgründig, ohne dass er je verkünstelt oder überladen wirkte:
"Seine Nachrichten auf meinem Handy leuchten im Dunkeln wie stumme Schreie. […] Sein Name auf dem Display, seine Anrufe, die ich jedes Mal wegdrücke - sie schneiden wie Messer."
Kleine Details wie Zeichnungen oder Zeitungsartikel lockern zudem den Text auf und schaffen Atmosphäre. Besonders positiv hervorheben möchte ich außerdem:
❏ das Setting Sylt - fand ich außergewöhnlich! … atmosphärisch dicht beschrieben - ein Ort, den ich sehr gerne noch öfter literarisch bereisen würde
❏ Jettes Bruder Nick, der für emotionale Tiefe sorgt
❏ die realistischen Dialoge, insbesondere zwischen Jette und ihrem Vater.
Auch ohne die beiden Vorgängerbände gelesen zu haben, hatte ich nie das Gefühl, dass mir wichtige Informationen fehlen. Die Handlung funktioniert eigenständig, zugleich merkt man aber, wie sorgfältig die Autorin den großen Bogen der Trilogie spannt.
Natürlich gibt es Momente, die sehr aufwühlend sind: Angespannte Familiensituationen, Manipulation, Enttäuschung und die Frage, ob man jemandem wirklich vertrauen kann. Um Spoiler zu vermeiden, belasse ich es beim Stichwort: die Dialoge zwischen Joshua und Lukas.
"»Sie hat mir vertraut.
Und das war ihr Fehler. Der größte Fehler, den sie jemals begehen konnte.«"
𝗙𝗮𝘇𝗶𝘁:
Ein unterhaltsamer Read! Von mir gibt es eine klare Empfehlung für alle, die New-Adult-Romane mit einem Touch Suspense lieben.