Waldliebe
Der Duft der Wälder. Von Menschen und Bäumen"Die Begegnung mit Bäumen ist eine Quelle tiefer Freude, ein beständiges und dabei immer neu erfahrenes Glück. […] Ich liebe es, mich inmitten von Bäumen aufzuhalten, der Anblick des lebendigen Waldes ...
"Die Begegnung mit Bäumen ist eine Quelle tiefer Freude, ein beständiges und dabei immer neu erfahrenes Glück. […] Ich liebe es, mich inmitten von Bäumen aufzuhalten, der Anblick des lebendigen Waldes wird mir nie langweilig, der Wind, der an den Blättern zupft, die Wipfel, die sich sanft im Spiel aus Licht und Schatten bewegen. […] Die Wälder sind Horte der Stille und des Lebens. […] Sie sind sozusagen eine letzte Zuflucht vor dem Lärm und dem Wüten der Menschen."
Ich fühle mich seit klein auf mit dem Wald verbunden und genieße Waldspaziergänge enorm - nicht nur, weil dies wunderbare Kindheitserinnerungen in mir weckt, sondern auch, weil ich im Wald irgendwie immer zur Ruhe kommen und Hoffnung schöpfen kann.
Folglich war dieses Werk ein absolutes Must-Read für mich und ich kann mit Freude berichten: Ich habe so einiges dazugelernt. Ich musste mich regelrecht zügeln, nicht zu viele Zitate zu markieren - aber honestly: es gab einfach dermaßen viele wunderbare Passagen!
Was mich besonders fasziniert hat:
❏ die Kapitel zur heimischen Buche, ebenso die Informationen zu den Riesenmammutbäumen
❏ die auf spezielle Baumarten ausgerichteten Ausflüge (v.a. in den Libanon & nach Paraguay)
❏ die geschichtlichen Bezüge zu den Themen Holzfäller & Köhler, indigene Völker, Industrialisierung…
❏ zudem gab es einige nachdenklich machende, gar leicht mahnende Passagen, in denen Dominique Roques über die Wichtigkeit von Nachhaltigkeit und Wiederaufforstung schreibt
"Klar ist, dass die Menschheit, seit sie in der Lage ist, Äxte herzustellen, die Hälfte der Erde entwaldet hat. […] Noch immer gehen die Waldflächen weltweit zurück […]. Dieser Rückgang beruht vor allem auf der fortschreitenden Abholzung tropischer Wälder - alle fünf Jahre, so schätzt man, verschwindet eine Fläche von der Größe Frankreichs. Das ist viel. Das ist enorm viel."
Was mir - abgesehen von den spannenden Fakten - gut gefallen hat, war der oftmals fast poetisch wirkende Schreibstil des Autors.
"Wälder riechen immer, Wälder sind voller Düfte. Es sind die Gerüche der vielfältigen Bäume, die damit beschäftigt sind, zu leben, zu wachsen und zu sterben, umgeben von unzähligen anderen Pflanzen, Tieren, Insekten und Pilzen, die vom Untergrund bis in die Wipfel ihr stilles, langsames Ballett tanzen. Wälder riechen nach dem Atem der Bäume, Blumen und Früchte, die sich öffnen und vergehen, nach der Aktivität der Wurzeln in der Erde, nach dem Wasser, das sie durchströmt, nach den von der Sonne erwärmten Blättern, Nadeln und Stämmen."
Dominique Roques wuchs als Kind eines Holzfällers auf, sammelte auch eigene Erfahrungen mit der Waldarbeit. Seine Liebe zu Bäumen war für mich in jeder Zeile spürbar.
"[…] Ich habe gelernt, dass beides zugleich möglich ist: Freude am Bäumefällen und das Bedürfnis, Wälder zu schützen und zu retten; ein maßvoller Holzfäller und ein leidenschaftlicher Baumpflanzer zu sein."
Zum Abschluss habe ich euch noch mein Lieblingszitat herausgesucht, das ich inhaltlich eins zu eins unterschreiben kann:
"[…] ich möchte so gerne daran glauben, dass guter Wille ansteckend ist und sich in einer Welle der Einsicht verbreitet, ein nicht mehr zu unterdrückender Wunsch, von den Wälder zu retten, was noch zu retten ist, und neue zu pflanzen, überall auf der Welt, in der ganzen Vielfalt ihrer Arten."
𝗙𝗮𝘇𝗶𝘁:
Dieses hochwertig gestaltete Büchlein hat meine Erwartungen weit übertroffen. Top recherchiert, voll mit ausführlich beschriebenem Fachwissen und mit ungemein viel Herzblut verfasst. Unbedingte Leseempfehlung für alle Wald-Liebhaber:innen.