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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 10.03.2026

Stilistisch top

Was ist in meinem Alter sonst noch üblich?
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Dieses Buch war … anders. Anders im Sinne von besonders intensiv, schonungslos, künstlerisch … aber leider konnte es mich nicht emotional erreichen.

Zunächst einmal: Das Cover im Gemäldestil gefällt mir ...

Dieses Buch war … anders. Anders im Sinne von besonders intensiv, schonungslos, künstlerisch … aber leider konnte es mich nicht emotional erreichen.

Zunächst einmal: Das Cover im Gemäldestil gefällt mir außerordentlich gut. Es strahlt etwas Melancholisches, Reifes, Nachdenkliches aus, was ja die Grundstimmung des Romans visuell wunderbar einfängt. Auch sprachlich merkt man sofort: Hier schreibt jemand mit Anspruch - klar, reflektiert, enorm tiefgründig. Keine leichte Unterhaltung, sondern ein literarisches Sezieren von Sehnsucht, Altern, Körperlichkeit und Beziehungsmustern.

Der Einstieg in Triest gefiel mir noch recht gut, ist atmosphärisch dicht - die gepflasterten Straßen, das gelbe Licht der Bars, dieses leise Unbehagen unter der Oberfläche, weil Erika spürt, dass irgendetwas nicht im Reinen ist, es jedoch nicht benennen kann … das alles ist eindrücklich beschrieben worden. Überhaupt ist der Schreibstil sehr bildhaft, fast essayistisch; viele Gedanken kreisen um Vergänglichkeit, Begehren, den alternden Körper, um das Gefühl, entliebt worden zu sein - und auch darum, selbst einmal Verrat begangen zu haben. Genau an diesem Punkt begann mein innerer Abstand.

Es fiel mir schwer, tiefes Mitgefühl für Erika zu entwickeln. Denn sie selbst hatte ihren Mann Jahre zuvor betrogen - und auch wenn jede Beziehung ihre eigenen Dynamiken hat und nichts jemals schwarz-weiß ist, war es für mich keine sonderliche Überraschung, dass a) eine Beziehung nach solch einem Vorfall angeknackst sein kann und b) diese Wunde möglicherweise nie ganz verheilt. Das Vertrauen hat Risse bekommen, die Nähe ist kompliziert geworden. Vielleicht war genau diese Ambivalenz gewollt, bei mir führte sie jedoch eher zu Distanz als zu Empathie.

Was ich zudem ganz ehrlich sagen muss: Die sehr explizite, direkte Sprache in einigen Passagen war für mich schlicht nicht stimmig. Ich lese durchaus gerne Romane mit sinnlicher Note, give me anything spicy, I love it! - das ist überhaupt nicht der Punkt. Aber hier empfand ich die Wortwahl stellenweise als zu derb, vulgär … und vor allem als nicht passend zur sonst eher literarisch-künstlerischen Tonlage. Sicherlich werden viele Leser:innen genau diese Offenheit feiern, auf mich wirkte sie eher befremdlich.

Ich hatte schlicht andere Erwartungen. Der Klappentext (und auch die Empfehlung, der Read sei "warmherzig" und "witzig") ließ mich auf eine Geschichte hoffen, die trotz aller Tiefe auch Leichtigkeit trägt. Vielleicht etwas in der Art von Susanne Fröhlich - mit realistischer Note, aber stets mit einem Augenzwinkern und vor allem: mit Hauptfiguren, die ich von Herzen mag. Stattdessen empfand ich die Atmosphäre des vorliegenden Werkes als deutlich deprimierender, beklemmender, fast schwer auf der Brust liegend. Nach der Lektüre fühlte ich mich nicht bereichert oder hoffnungsvoll, sondern eher bedrückt … und so sollte sich Lesen, zumindest für mich persönlich, nicht anfühlen.

Das bedeutet jedoch nicht, dass dieses Buch schlecht ist, im Gegenteil: es ist literarisch höchst anspruchsvoll, reflektiert, kompromisslos ehrlich in seiner Auseinandersetzung mit Alter, Lust, Scham und Macht in Beziehungen. Es wird sicherlich viele Leser:innen finden, die genau diese Schonungslosigkeit schätzen und sich in Erikas Fragen wiederfinden. Für mich jedoch war es eindeutig nicht das richtige Buch zur richtigen Zeit. Daher vergebe ich 3 Sterne - aus Respekt vor der literarischen Qualität, auch wenn es inhaltlich einfach überhaupt nicht mein Fall war.

𝗙𝗮𝘇𝗶𝘁:
Manchmal passt ein Buch … und manchmal eben nicht, auch das gehört zum Lesen dazu. Stilistisch: top, inhaltlich: Geschmackssache.

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Veröffentlicht am 09.03.2026

Ruhige Nordsee-Romanze

Das Glück liegt am Meer
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Ein Roman wie ein windstiller Tag am Meer: friedlich, schön … perfekt geeignet für einen gemütlichen Spaziergang entlang der Nordsee - ohne große Höhen und Tiefen, aber mit viel Weite. Genau so habe ich ...

Ein Roman wie ein windstiller Tag am Meer: friedlich, schön … perfekt geeignet für einen gemütlichen Spaziergang entlang der Nordsee - ohne große Höhen und Tiefen, aber mit viel Weite. Genau so habe ich den neuen Band der Küstenzauber-Reihe erlebt.

Das Cover im sanften Gemäldestil gefällt mir wirklich sehr. Es verspricht genau das, was man bekommt: Meer, Ruhe, nordische Gelassenheit und eine Geschichte, die sich Zeit lässt. Und Zeit nimmt sich dieser Roman definitiv.

Wir begleiten Bentje und Jasper, die gerade dabei sind, ihre Beziehung weiter zu festigen und ihre gemeinsame Zukunft zu planen. Dann zieht Julian, ein junger Pomologe, in die Pension "Lüttje Glück" ein, an sich ein vollkommen normaler Vorgang - doch dieser neue Gast bringt einen Hauch von Unruhe mit sich, zumindest für Jasper … und plötzlich keimt heftige Eifersucht auf. Mehr braucht es im Grunde nicht, um die Handlung zusammenzufassen.

Genau hier liegt für mich der Knackpunkt. - Stilistisch ist das Werk absolut solide, routiniert, atmosphärisch dicht. Susanne Oswald versteht es wie kaum eine andere, die norddeutsche Landschaft einzufangen. Man hört das Rauschen der Nordsee, spürt den Wind auf der Haut, sieht die Wildgänse über das Reetdach ziehen. Die Beschreibungen sind detailverliebt, mit fast schon meditativer Wirkung. Auch das Stricken darf natürlich nicht fehlen, es ist und bleibt schließlich das Herzensprojekt der Autorin. Die Strickwoche, das Miteinander, das Glück in Gemeinschaft, die Anleitungen im Anhang, alles wirkt harmonisch und wurde charmant und liebevoll umgesetzt. Für Fans dieser Elemente ist das sicher ein kleines Highlight.

Erzählt wird aus drei Perspektiven, hauptsächlich aus Bentjes und Jaspers Sicht, mit vereinzelten Einblicken in Julians Gedankenwelt. Das sorgt grundsätzlich für Abwechslung, auch wenn der Fokus klar auf dem Paar liegt, was für mich prima passte.

Inhaltlich blieb es mir jedoch zu ruhig. Wenn es rein um die Fakten geht: Der Klappentext verrät im Grunde bereits die gesamte Handlung. Die Eifersucht wirkt - zumindest auf mich - schnell konstruiert, das Drama bleibt überschaubar, und auch der "gefährliche" Moment gegen Ende löst sich zügig wieder auf. Ich wartete lange auf eine Wendung, überraschende Entwicklungen, eine tiefere Erschütterung, etwas, das mich emotional wirklich packt, doch es kam nichts in der Art.

Die Geschichte ist keineswegs schlecht geschrieben, im Gegenteil. Es ist einfach eine sehr unaufgeregte Handlung, ein Roman ohne große Abgründe, ohne dramatische Eskalationen, ohne wirkliches Risiko. Ist doch auch mal nett, oder? Für viele Leser:innen wird genau dieses Feeling perfekt passen, da bin ich mir sicher.

𝗙𝗮𝘇𝗶𝘁:
Ich mag die Autorin, ihr Herz für ihre Figuren, ihre Liebe zur Küste und zum Stricken, das warme Grundgefühl in ihren Geschichten, daher empfehle ich das Werk gerne weiter. Wer sich nach einer ruhigen Liebesgeschichte mit viel Nordsee-Flair sehnt, nach einem Wohlfühlort zum Durchatmen, wird hier gut aufgehoben sein.

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Veröffentlicht am 09.03.2026

Highlight!

Und das Glück duftet nach Wolken und Meer
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Ich bin so begeistert von diesem einfühlsam geschriebenen, tiefgründigen, einfach nur rundum mitreißenden Werk! Es hat nicht nur meine seit jeher bestehende Sehnsucht nach Irland weiter befeuert, sondern ...

Ich bin so begeistert von diesem einfühlsam geschriebenen, tiefgründigen, einfach nur rundum mitreißenden Werk! Es hat nicht nur meine seit jeher bestehende Sehnsucht nach Irland weiter befeuert, sondern punktet obendrein mit vielen interessanten Fakten über die grüne Insel (zum Beispiel, dass bis 1979 Verhütung in Irland vollkommen verboten war).

Alles wirkt enorm authentisch, von den realistischen Gedankengängen und Dialogen der Figuren bis hin zu den traumhaft atmosphärischen Landschaftsbeschreibungen. Zudem lässt die Autorin auf zauberhaft leicht wirkende Weise Sitten und Bräuche Irlands in die Handlung einfließen (wie Quick Dips oder bekannte Lieder - einige davon kannte ich bereits und hatte sie während der Lektüre sofort im Ohr).

Ich habe Kaylas Entwicklung, die Beschreibung ihrer Freundschaften (mit Pina in Berlin sowie mit Maeve in Irland), die Dynamik innerhalb ihrer Familie (insbesondere mit ihrem Bruder Logan), das nach und nach voranschreitende Aufdecken ihres Familiengeheimnisses sowie natürlich das Ende so geliebt! Ohne viele weitere Worte: dieser wundervolle Roman verdient definitiv viel mehr Aufmerksamkeit und wird garantiert nicht das letzte Werk gewesen sein, das ich von dieser talentierten Autoren gelesen habe.

𝗙𝗮𝘇𝗶𝘁:
Ganz ganz klare Leseempfehlung, nicht nur für Irland-Fans, sondern generell für alle Leser:innen von gefühlvollen Romanen, in denen die Liebe natürlich auch eine Rolle spielt, allerdings nicht im Fokus steht. Ich bin absolut hingerissen und freue mich sehr über diese tolle Entdeckung!

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Veröffentlicht am 09.03.2026

Fake Dating

Love Arranged – Lakefront Billionaires
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"»Es ist ... kompliziert.«
»Nicht, wenn man jemanden liebt.«"

Auch mit dem dritten Band ihrer beliebten Lakefront-Billionaires-Reihe liefert uns Lauren Asher erneut eine kurzweilige, romantische Geschichte, ...

"»Es ist ... kompliziert.«
»Nicht, wenn man jemanden liebt.«"

Auch mit dem dritten Band ihrer beliebten Lakefront-Billionaires-Reihe liefert uns Lauren Asher erneut eine kurzweilige, romantische Geschichte, die sich wunderbar flüssig lesen lässt. Fake-Dating ist ja einer meiner Lieblingstropes, weshalb ich umso gespannter auf den Read gewesen war.

Im Mittelpunkt stehen Lily und Lorenzo, deren Geschichte abwechselnd aus beiden Perspektiven erzählt wird. Gerade Lorenzo bringt dabei auch eine emotionalere, verletzlichere Seite mit, die seiner Figur zusätzliche Tiefe verleiht, wobei ich mich mit Lily trotzdem mehr verbunden fühlte.

Der Schreibstil von Lauren Asher liest sich gewohnt routiniert, locker und humorvoll. Lebendige Dialoge sowie die aufgeheizte Dynamik zwischen Lily und Lorenzo sorgen immer wieder für charmante, aber auch gefühlvolle Momente. Die kleinen spanischen/italienischen Vokabeleinschübe habe ich als Sprachen-Liebhaberin natürlich besonders geliebt; sie verleihen der Geschichte noch einmal eine zusätzliche persönliche Note.

Weitere tolle Extras, die eine schöne Ergänzung darstellen und dem Werk einen besonderen Wiedererkennungswert geben:
❏ Illustrationen zu Beginn der Kapitel,
❏ Dating-App-Auszüge,
❏ regelmäßig eingestreute Textnachrichten.

Natürlich darf auch eine ordentliche Portion Spice nicht fehlen, und davon gibt es hier reichlich. Die Szenen sind geschmackvoll beschrieben, knisternd und definitiv "hot", ohne dabei übertrieben zu wirken.

Die Handlung selbst bleibt durchgehend unterhaltsam, mit einem gelungenen Zusammenspiel aus Romantik und ernsteren Themen wie Verlust, Zwangsstörungen oder den Herausforderungen rund um die Bürgermeisterwahl.

𝗙𝗮𝘇𝗶𝘁:
Fans von Lauren Asher sowie Leser:innen, die dynamisch erzählte, moderne Fake-Dating-Stories, freche, peppige Dialoge und spicy Romance mögen, werden hier ganz sicher auf ihre Kosten kommen. Ich habe mich auf jeden Fall super unterhalten gefühlt!

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Veröffentlicht am 09.03.2026

Mitreißend + faszinierend = Highlight!

Der letzte Verrat der Boleyns
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"»[…] erschafft man nicht einen Tyrannen, wenn man seine Wünsche erfüllt, bevor er sie äußert?« […] »Machiavelli sagt, Könige werden zu Tyrannen oder vom Thron gejagt. Wir erleben gerade, wie die Tudors ...

"»[…] erschafft man nicht einen Tyrannen, wenn man seine Wünsche erfüllt, bevor er sie äußert?« […] »Machiavelli sagt, Könige werden zu Tyrannen oder vom Thron gejagt. Wir erleben gerade, wie die Tudors sich zu Tyrannen erheben. Auch Anne erhebt sich zur Tyrannin. Und du, mein Kind, musst dafür sorgen, dass du mit ihnen aufsteigst.«"

Ich wusste, dass ich historische Romane liebe … und dass ich schon allein aufgrund meines damaligen Anglistikstudiums ein 500+ Seiten starkes Tudor-Epos genüsslich verschlingen würde, war absehbar - einfach genau my cup of tea. Dennoch war ich total geflasht à la: Wow, was für ein faszinierender Read!!

Schon das Cover mutet wie ein düsteres Gemälde an und gibt mir regelrechte Game-of-Thrones-Vibes (nur ohne Fantasy, versteht sich, aber mit mindestens ebenso viel Macht, Intrigen und Fallhöhe).

Der vorangestellte Stammbaum: Super hilfreich. All die Verbindungen, all die Ehefrauen Heinrichs VIII. … Da schaudert es einen doch schon vorab - schließlich waren das reale Frauen … die alles andere als ein höfisches Märchen erlebt, sondern stattdessen einen grausamen Tod gefunden haben.

Schreibstil: Was soll ich sagen … pure Schreibkunst! Die erzählerische Souveränität … die Detailtiefe … das feine psychologische Gespür, das zwischen den Zeilen mitschwingt … die emotionale Wucht … Philippa Gregory schreibt mit einer Intensität, die mich atemlos gemacht hat und nur so durch die Seiten fliegen ließ.

Ich hatte beim Lesen ununterbrochen einen Film vor Augen. Die royale Atmosphäre, die realistischen Dialoge … - Tatsächlich musste ich immer wieder an den fantastischen Film "The Other Boleyn Girl" denken, der mich schon vor Jahren begeistert und in die Tudor-Welt hineingezogen hatte. Als ich im Nachwort entdeckte, dass auch dieses Werk aus Gregorys Feder stammt, war das ein herrlicher Aha-Moment!

Immer wieder fragte ich mich während der Lektüre: Hätte ich dort überlebt? Würde ich dort leben wollen? Nein, definitiv nicht. Einen rauschenden Ball besuchen? Sofort. In Kerzenlicht eintauchen und in schicken Kleidern die ganze Nacht durchtanzen? Sehr gern. Aber dauerhaft am Hof präsent sein? Gefangen zwischen Intrigen, Heuchelei, Allianzen, religiösem Fanatismus, Machtspielen und dem ständigen Gefühl, niemandem vertrauen zu können?

"Bei Hofe kann man nie sicher sein, was der andere denkt. […] Es ist ein Spiel, an dem alle […] beteiligt sind, und sein Sinn besteht darin, den König glänzen zu lassen. […] und genau wie alle anderen habe ich gelernt, seiner Selbstsucht mit immer übertriebeneren Komplimenten zu begegnen."

Jeder Blick: ein mögliches Todesurteil. Der Hof lebt und er verzeiht keine Fehler - wenn du nicht funktionierst, schlimmer noch: wenn du versagst, frisst er dich auf. Man muss quasi in permanenter Alarmbereitschaft sein, darf niemals echte Gefühle entwickeln, da sie ohnehin enttäuscht werden würden, darf keine Freundschaften schließen, nur Bündnisse … kein Herz zeigen, nur Kalkül - nicht mal zwingend aus Bosheit, sondern aus purem Überlebenswillen. (Genau das zeigt Gregory übrigens meisterhaft: Wie schmal der Grat zwischen Anpassung und Mitschuld ist.) Kurzum: Ich glaube, ich wäre zu soft dafür gewesen.

Im Zentrum der Handlung steht Jane Boleyn (aka Lady Rochford), aus deren Perspektive in der Ich-Form erzählt wird. - Eine Frau, die die Geschichtsschreibung lange entweder zur mörderischen Intrigantin oder zur sexbesessenen Voyeurin erklärt hat. Hier setzt Gregory an: Sie nimmt die Projektionen männlicher Historiker und schenkt Jane etwas Radikales: Komplexität. Das informative Nachwort hat mich enorm beeindruckt. Differenziert beleuchtet die Autorin die historische Quellenlage und benennt klar, dass Janes Ruf bewusst geopfert wurde, um andere (- insbesondere Anne Boleyn und damit Elizabeth I. -) zu rehabilitieren.

Dieses fesselnde Werk ist weit mehr als ein historisches Drama, es ist eine Studie über Tyrannei. Henry VIII. erscheint hier nicht als schillernder, dreamy-aber-Bad-Boy-König, sondern zunehmend als das, was er war: ein gefährlicher, narzisstischer Machtmensch, der Institutionen verbiegt, Gesetze umschreibt und Loyalität einfordert, ohne sie zu erwidern.

"An Henrys Hof gibt es keinen Raum für subtile Politik und Überzeugungsarbeit; es geht nur darum, einen schwierigen Mann bei Laune zu halten und zu dulden, dass alle anderen Männer entmachtet sind."

"Normale Männer lieben die Jagd und den Jagderfolg. Bei ihm zählt aber nur die Jagd. Er will keinen Jagderfolg, er sucht keine Befriedigung. Er will suchen, immer nur suchen und niemals finden. […] eine treue, liebende Gemahlin bedeutet ihm nichts."

Für mich ist "Der letzte Verrat der Boleyns" ganz große historische Literatur. Ein rundum mitreißender, intelligenter, düsterer wie unterhaltsamer, politisch relevanter und emotional höchst intensiver Roman über Macht und Moral, Loyalität und Selbstschutz.

Passend zu diesem Gedanken habe ich euch abschließend noch meine zwei Lieblingszitate herausgesucht:

"Um einen Tyrannen zu besiegen, ist lediglich der Mut vonnöten, »Nein« zu sagen."

"Die Geschichte lehrt uns, dass wir den Mut finden müssen, andere zu verteidigen, genau wie die Institutionen und Traditionen unseres Landes, und zwar bevor die Gefahr unmittelbar und persönlich wird. Geht ein Tyrann erst einmal gegen uns vor, ist es zu spät. […] Sonst werden wir zum Schweigen gebracht […], und der Tyrann schreibt dann unsere Geschichte."

𝗙𝗮𝘇𝗶𝘁:
Ein monumentales, packendes Highlight. Ich bin restlos begeistert! Und ich weiß jetzt schon: Ich werde noch viele weitere Romane von Philippa Gregory lesen!

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