Bewegend, ehrlich, inspirierend
Liza - Kids, Wait Till You Hear This!"Am Anfang deiner Karriere, wenn du noch kein Geld hast, und später, wenn du genug Geld hast, wirst du feststellen, dass die Kunst das Einzige ist, das bleibt."
Diese Autobiografie … wie soll ich solch ...
"Am Anfang deiner Karriere, wenn du noch kein Geld hast, und später, wenn du genug Geld hast, wirst du feststellen, dass die Kunst das Einzige ist, das bleibt."
Diese Autobiografie … wie soll ich solch eine geballte Ladung pures Leben nur in Worte fassen? - Laut, glitzernd, schmerzhaft ehrlich und gleichzeitig voller Wärme, das sind die Gedanken, die mir als erstes in den Sinn kommen.
Schon direkt zu Beginn hatte ich mein persönliches Aha-Erlebnis: Liza ist die Tochter von Judy Garland. (!) Wie konnte ich das jemals nicht wissen?! (… zumal ich doch alte Hollywood-Filme so sehr liebe.) Ich habe sogar 'Meet Me in St. Louis' gesehen – den Film, bei dessen Dreh sich Lizas Eltern begegnet sind - allein dieser Gedanke hat beim Lesen eine ganz besondere Magie für mich entfaltet. Dieses - vermeintlich - goldene Hollywood, das mich seit jeher fasziniert (zumindest in puncto Filme - die damaligen Arbeitsbedingungen, nicht nur, aber insbesondere für Frauen, waren allerdings ein Albtraum).
Man spürt in jeder Zeile Lizas tiefe Verbindung zur Bühne, zur Musik, zu all den großen Gefühlen, zu jedem einzelnen Gast ihres Publikums. Ihre unerschütterliche Liebe zur Kunst an sich.
Der Schreibstil: Einerseits herrlich direkt, ungefiltert, humorvoll, selbstbewusst, stellenweise fast schon schon frech, provokant - aber auf sympathische Weise, mit einem Augenzwinkern. Eindeutig: Sie ist eine Ikone, muss nichts und niemandem mehr etwas beweisen. Andererseits wirken ihre Worte oft so verletzlich, dass es einem stellenweise den Atem nimmt.
Die vielen, vielen Fotografien im Buch fand ich wunderschön; sie machen das Gelesene noch greifbarer, lebendiger - als würde man gemeinsam durch Erinnerungen blättern. Nostalgie pur.
Lizas Leben gleicht einem Drahtseilakt, wir lesen von schwindelerregenden Höhen und tiefsten Abstürzen, von Cabaret bis hin zu persönlichen Kämpfen, die sie nie beschönigt. Gerade dieser schonungslose Blick auf Themen wie Sucht, Trauma, Verlust und Selbstfindung hat mich ungemein beeindruckt.
To name just a few details: Der Selbstmordversuch ihrer Mutter, die Scheidung ihrer Eltern, Reichtum, Partys … aber auch Sucht, psychische Erkrankungen, Verrat, finanzielle Abstürze. Große Namen & Glamour? En masse! Frank Sinatra, Elizabeth Taylor, Michael Jackson …
Ihre Ehe mit David Gest - ich musste teilweise wirklich den Kopf schütteln. Nicht, weil man es nicht versteht, sondern weil man merkt, wie verletzlich sie in diesem Moment war. Wie sehr sie einfach jemanden brauchte, der sie auffängt, sie wieder träumen lässt. … und wie sehr diese Sehnsucht ausgenutzt wurde. Das war keine Liebesgeschichte, sondern ein Absturz mit Ansage.
Natürlich findet das Drama rund um die Academy Awards und den berühmten Verrat Erwähnung - pure Sabotage. Warum nur??! Ich konnte das beim Lesen kaum ertragen. Diese Demütigung, dieses Gefühl, die Kontrolle über das eigene Bild zu verlieren - vor Millionen Menschen. Das war so ein Punkt, wo ich wirklich gemerkt habe, wie gnadenlos diese Branche sein kann. Glanz und Schmerz liegen im Showbusiness direkt beieinander. Wie gern hätte ich Liza dieses Trauerspiel erspart. Und ich muss ehrlich sagen, dass ich auf menschlicher Ebene ein Stück weit enttäuscht von Lady Gaga bin.
Die Beziehung zu Judy Garland ist eines der emotionalen Zentren dieses Buches. So viel Liebe, Bewunderung, Lachen … und gleichzeitig Angst, Verantwortung, Überforderung eines Kindes, das viel zu früh lernen musste, stark zu sein. Ständiges Schwanken zwischen Wärme und Unsicherheit, zwischen Geborgenheit und dem Gefühl, aufpassen zu müssen. Ein kleines Mädchen, das nicht weiß, welche Version seiner Mutter es heute erwarten wird. In gewisser Weise war es - in meinen Augen - ganz eindeutig emotionaler Missbrauch. Ihr Vater, Vincente Minnelli, hat mein Leserherz hingegen im Sturm erobert! So sanftmütig und liebevoll … Er war Lizas sicherer Hafen.
Was sich durch alles zieht: Verlust. Immer wieder Verlust. Von Menschen, Gesundheit, Kontrolle, Vertrauen. Dass der Körper irgendwann nicht mehr mitmacht. Dass die Welt weiterzieht. Und trotzdem steht Liza jedes Mal wieder auf. Nicht heldenhaft, sondern irgendwie einfach, weil sie muss.
Trotz all der Schwere ist dieses Buch kein trauriges, im Gegenteil: Es strahlt Hoffnung aus.
"[…] auch in der tiefsten Finsternis ist immer irgendwo ein Licht."
Vielleicht ist genau das die Essenz dieser Geschichte: Fallen. Aufstehen. Weitermachen. Und dabei nie die eigene Stimme verlieren. Den Gedanken, dass man sich selbst immer wieder neu zusammensetzen kann - egal, wie oft man zerbrochen ist -, empfinde ich als enorm tröstlich und inspirierend.
Liza hat meinen tiefsten Respekt - nicht nur für ihre Karriere, sondern dafür, dass sie sich traut, so ehrlich zu sein in Bezug auf Dinge, die viele einfach verschweigen würden.
𝗙𝗮𝘇𝗶𝘁:
Eine bewegende und gleichzeitig lebensbejahende Autobiografie, die zeigt, was es wirklich bedeutet, nicht nur zu überleben, sondern stets voller Anmut zu strahlen.