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Veröffentlicht am 03.09.2019

Spannung aus Schweden

Dunkelsommer
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Hin und wieder dürstet es mich zwischen all meinen heiß geliebten Romantik- und historischen Romanen nach einem Thriller - und da mich ein Kriminalroman mit ähnlicher Thematik vor einiger Zeit völlig in ...

Hin und wieder dürstet es mich zwischen all meinen heiß geliebten Romantik- und historischen Romanen nach einem Thriller - und da mich ein Kriminalroman mit ähnlicher Thematik vor einiger Zeit völlig in den Bann gezogen hatte (Charlotte Links Pageturner "Die Suche") war ich gespannt, ob das Werk der Autorin Stina Jackson, von der ich bisher noch nie gehört hatte, seinem Hype als 'bester schwedischer Spannungsroman' gerecht werden würde.

Am düsteren, beinahe angsteinflößenden Cover lässt sich bereits das Genre erkennen und das Motiv, ein Auto mit aufblendenden Scheinwerfern, das durch einen finsteren Wald fährt, triggert sogleich eine Vielzahl von Assoziationen.

Seitdem Lelles Tochter Lina vor drei Jahren spurlos von einer Bushaltestelle verschwand, ist er von einer zermürbenden Rastlosigkeit befallen – das Nicht-Wissen, die Angst um sein Kind, die Selbstvorwürfe lassen ihm keine Ruhe. Sommer für Sommer, Nach für Nacht fährt er jene Straße ab, an der alles seinen Anfang genommen bzw. Lelles persönliches Ende begonnen hatte. Seine Ehe mit Anette ist mittlerweile zerbrochen, der Alkohol sein bester Freund. Linas Mutter verarbeitet die Situation auf andere Weise, flüchtet sich in Facebook-Posts, Schlaftabletten und in die Arme ihres Therapeuten. Plötzlich verschwindet ein weiteres Mädchen, das Lina wie aus dem Gesicht geschnitten ist… Lelle ist überzeugt davon, dass die beiden Fälle zusammenhängen müssen. Auch Teenager Meja, die gerade mit ihrer psychisch labilen Mutter Silje nach Norrland gezogen ist, hat eine Außenseiterrolle – zumindest bis sie die Bekanntschaft mit dem jungen Carl-Johan macht, einem der Nachbarssöhne. Könnte dieses Kaff im Nirgendwo, in das ihre Mutter sie geschleppt hat, vielleicht doch ein paar Annehmlichkeiten bereithalten? Nach diversen Umzügen hatte Meja nie irgendwo richtig heimisch werden und bedeutende Bindungen aufbauen können; sie musste viel zu früh die Erwachsenenrolle übernehmen. Kein Wunder, dass sie sich nach wahrer Nähe verzehrt. Immerhin scheint die aktuelle Affäre ihrer Mutter, Torbjörn, das Herz am rechten Fleck zu haben.

Lelles Verzweiflung wird schonungslos und direkt beschrieben, auch in seinem Alltagstrott, in dem er komplett verloren wirkt, sowie in seinen Handlungen – einerseits möchte man ihn manchmal schütteln, weil er gegen sämtliche Ratschläge immun zu sein scheint und stets sein eigenes Ding durchziehen muss, andererseits sind der Wunsch, endlich die Wahrheit über Linas Verschwinden zu erfahren und der winzige Funken an restlicher Hoffnung, sie eventuell doch eines Tages wiederzusehen, nur allzu nachvollziehbar.

"Als er sich der Bushaltestelle näherte, begann sein Herz zu pochen. In ihm lebte ein kleiner Teufel namens Hoffnung, der jedes Mal erwartete, Lina dort stehen zu sehen […], so wie er sie dort zurückgelassen hatte. Drei Jahre war das jetzt her, aber diese verdammte Bushaltestelle schaffte es immer wieder, ihm den Atem zu rauben. […] Er weigerte sich zu glauben, dass sie tot sein könnte."

Wahrscheinlich würde kein liebendes Elternteil, solange es keine Gewissheit gibt, jemals die Suche nach dem eigenen Kind aufgeben. Wenn die quälenden Fragen nie beantwortet werden, wie soll man dann jemals trauern können und zu einem Abschluss gelangen?

Durch den nüchternen, klaren Schreibstil und die sehr umgangssprachlich gehaltenen Dialoge wirken die Figuren durch und durch glaubwürdig. Nach einem eindringlichen Start ließ die Spannung gegen Mitte des Werks zwar kurz nach, aber dennoch blieb die Entwicklung interessant und ich konnte erste Verdächtigungen anstellen. Im Nachhinein war es genau jenes Herausnehmen des Tempos, das einen noch stärkeren Eindruck von unterschwelliger Bedrohung erzeug hat – ein mutiger Zug der Autorin. Über allem liegt eine trostlose, deprimierende Stimmung, gekonnt erzeugt Jackson eine so drückend melancholische Atmosphäre, dass man am liebsten flüchten möchte. Die Naturbeschreibungen des Waldes schreien förmlich Einsamkeit und Abgeschiedenheit - …“dampfende Moore, die sich wie offene Wunden oder tiefschwarze, bodenlose Teiche über die Landschaft legten. Einen Menschen zu finden, der in dieser Gegend verschwand, war eine Lebensaufgabe.“

Erzählt wird aus abwechselnden Perspektiven und man fiebert auf die Verknüpfung der einsamen Seelen hin – gleichzeitig fürchtet man sich vor den Abgründen, die sich in diesem Zusammenhang auftun könnten. Letztlich dauert es aber eine ganze Weile, bis die beiden Hauptprotagonisten aufeinandertreffen.

Die Auflösung habe ich als schlüssig, jedoch auch als unbefriedigend empfunden, da ich mir einfach ein anderes Ende erhofft hatte, aber das hängt natürlich von jedem Leser individuell ab (– so wie beispielsweise die Meinungen über Cliffhanger von 'interessant' bis 'furchtbar' auseinandergehen) und soll nicht als Wertung verstanden werden.

Fazit: Durchaus empfehlenswert für alle Fans von spannender Lektüre. Ein gelungener Debütroman, der auf rasante Action verzichtet und stattdessen auf psychologischer Ebene brilliert.

Veröffentlicht am 03.09.2019

Ein provokantes Thema, unterkühlt abgehandelt und mit unsympathischen Figuren gestraft

Mittwoch also
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Das in knalligen Signalfarben gehaltene Cover hat einen hohen Wiedererkennungswert und ist ein absoluter Hingucker: modern und kess verspricht es einen alles andere als langweiligen Roman und spricht durch ...

Das in knalligen Signalfarben gehaltene Cover hat einen hohen Wiedererkennungswert und ist ein absoluter Hingucker: modern und kess verspricht es einen alles andere als langweiligen Roman und spricht durch sein modernes Design auch jüngere Generationen an – vielleicht sogar jene Leser/innen, die ansonsten für gewöhnlich vor einem Roman mit solch tiefgründiger, provokanter Thematik eher zurückschrecken würden. Daher kann ich das Cover mit seinem Eye-Catcher-Effekt definitiv als gelungen bewerten.

Die weibliche Hauptfigur, Hedda - nach einem One-Night-Stand plötzlich schwanger und mit dem Gedanken an ein Baby komplett überfordert - war mir gänzlich unsympathisch. Obgleich ich ihrer teilweise unreifen und übertrieben toughen Einstellung zunächst etwas kritisch gegenüberstand und mich schwer in sie hineinversetzen konnte, hatte ich die Hoffnung, dass sich dies im Laufe des Romans noch ändern würde. (Mit zynischen, sarkastischen Charakteren habe ich auch im realen Leben immer meine Probleme; ich finde, sofern man mit einer Person nicht wirklich vertraut ist, kann ein bissiger Humor schnell mit Bosheit und/oder Verbitterung verwechselt werden.) Fairerweise muss man Hedda zugestehen, dass es gerade knüppeldicke für sie kommt: Job als Journalistin futsch, Wunschpartner weg – und nach einer kopflosen Odyssee durch Europa dann auch noch schwanger von einem Urlaubsflirt, dem Aussteiger Milo. Die vom Staat vor einer Abtreibung vorgeschriebene Bedenkzeit tut Hedda als lästiges Übel ab, kommt dann allerdings doch mehr ins Grübeln als erwartet.

Vorweg möchte ich festhalten, dass ich es enorm wichtig finde, dass in einem modernen Frauenroman auch einmal das Selbstbestimmungsrecht der Frau thematisiert wird – gerade im Hinblick auf eine Schwangerschaft. Noch immer gelten Abbrüche als Gesellschaftstabu, oftmals ohne die jeweiligen Gründe für die Entscheidung der betreffenden Frau zu kennen. Es war mir also von vornherein klar, dass der Inhalt dieses Werkes wahrscheinlich polarisieren würde und ich war gespannt darauf, mit wie viel Ernsthaftigkeit die Autorin Heddas Auseinandersetzung mit einem Schwangerschaftsabbruch behandeln würde. Aber daraus gleich ein Rundherum-Feminismus-Werk mit allerlei politischen Phrasen zu machen…ich weiß nicht. Das erschien mir etwas zu viel des Guten – vor allem, da die entsprechende Tiefe fehlt und mir Heddas Verhalten oftmals oberflächlich und ihre Gedankenansätze zu verkrampft-hip und ach-wie-individuell vorkamen. Ehrlich gesagt hatte ich aufgrund des Klappentextes erwartet, dass der Fokus hauptsächlich auf Heddas Entscheidungszeit liegen würde und ihren Zweifeln, Zukunftsängsten, möglichen Lösungsansätzen (- und weniger auf ihrem Liebesleben -) …weit gefehlt. Zwar wurde die Handlung durch einige humorvolle Elemente aufgelockert, das Ganze behielt für mich jedoch einen unterkühlten Beigeschmack. Den Schreibstil der Autorin kann ich definitiv als 'eigen' bezeichnen, ein gedankliches Hin und Her in Form langer Schachtelsätze – das ist Geschmackssache; wenn man sich einmal darauf eingelassen hat, lässt sich das Werk schon am Stück lesen.

Fazit: Inhaltlich anders als erwartet – eine stark polarisierende Hauptfigur, deren Verhalten ich größtenteils nicht nachvollziehen konnte, daher fällt mir eine Empfehlung eher schwer. Eventuell von Interesse für Liebhaber von schwerer Kost oder Fans von düsterem Humor.

Veröffentlicht am 02.09.2019

Krönender Abschluss der Historien-Saga um die Ärztin Ricarda Thomasius

Die Ärztin: Die Wege der Liebe
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Dieses war der erste Roman des Autoren-Ehepaars, den ich gelesen habe. Normalerweise versuche ich stets, die Reihenfolge der Werke einer Buchreihe einzuhalten, um ein besseres Verständnis von den Figuren ...

Dieses war der erste Roman des Autoren-Ehepaars, den ich gelesen habe. Normalerweise versuche ich stets, die Reihenfolge der Werke einer Buchreihe einzuhalten, um ein besseres Verständnis von den Figuren und ihren Hintergrundgeschichten zu erlangen – folglich machte ich meine Lektüre dieses Buches von der Leseprobe abhängig, die mich schließlich so überzeugt hat, dass ich es nicht erwarten konnte, weiterzulesen. Dieser Roman ist in sich abgeschlossen und kann ohne Vorkenntnis der Vorgänger einwandfrei verstanden werden. Alle wichtigen Figuren werden – der Handlung entsprechend – kurz charakterisiert und vorgestellt; zudem findet sich vorab ein Personenregister, das einen Überblick über die Familienverhältnisse gewährt.

Erzählt wird aus verschieden Perspektiven, die sich regelmäßig und auch recht zügig abwechseln, dennoch ist der Szenen- und Perspektivenwechsel stets stimmig gewählt worden: immer, wenn man meint, die Spannung erreicht ihren Höhepunkt oder wenn man gerade besonders intensiv mit den Protagonisten mitfiebert, findet man sich plötzlich im Erzählstrang eines anderen Charakters wieder. Somit wird der Plot stetig vorangetrieben und man kann das Buch – obgleich seiner für manch Leser vielleicht einschüchternd hohen Seitenanzahl – kaum aus der Hand legen.

Der Schreibstil besticht durch emotionsgeladene Wortwahl, bildgewaltige Beschreibungen und authentische Dialoge. Humorvolle Elemente wechseln sich ab mit einer Tragik, deren Bandbreite mir die Tränen in die Augen getrieben hat. Allerdings werden Schicksalsschläge nie ausgeschlachtet, es überwiegt dauerhaft der lebensbejahende Tenor 'immer voran'. Immerhin blieb den Menschen der damaligen Zeit keine andere Wahl, man durfte nicht aufgeben und musste auf eine bessere, eine friedliche Zukunft hoffen.

Dieses Werk ist eine besondere Empfehlung für alle historisch interessierten Leser, da es einen ausgezeichneten Einblick in das Alltagsleben der deutschen Bevölkerung, speziell der Frauen, in den Jahren 1914-1920 bietet. Ricardas Berufswahl ist dahingehend außergewöhnlich, da Frauen in medizinischen Berufen damals noch eine große Ausnahme waren. Durch das Leben von Ricardas Tochter Henny, die es in die USA verschlägt, wird auch der American Way of Life beleuchtet, die Schnelllebigkeit und Oberflächlichkeit der Filmbranche, die Faszination, die schon damals die Stadt der Engel, Los Angeles, ausmachte. Henny erlebt aber auch die Schattenseiten des glamourösen Hollywoods – ihre Bekanntschaft mit der charismatischen Hedda wird ihr Leben grundsätzlich prägen und die Weichen für ihre Zukunft stellen. Bald wird Henny, einen Ozean entfernt von ihrer Heimat, sich entscheiden müssen, wem sie vertrauen kann.

In Deutschland herrscht derweil Chaos – der Große Krieg zerfrisst das Land, das von Hungersnöten geplagt wird und im Elend zu versinken droht. An den baldigen Sieg glauben inzwischen nur noch die wenigsten. Die frisch aus China zurückgekehrte Ärztin Ricarda hatte die Eheschließung ihrer Tochter Henny mit Victor, Sohn der wohlhabenden Florentine von Freystetten, nicht verhindern können. Der junge Mann, gegen den Ricarda zwingende Einwände vorbrachte, ist nun ihr Schwiegersohn und hat ihre geliebte Tochter mit über den großen Teich genommen. Während Ricarda mit mütterlicher Sorge um ihre Älteste bangt, wird auch Töchterchen Antonia flügge – Toni wünscht sich nichts sehnlicher, als im städtischen Zoo arbeiten zu dürfen; ihre Zeit verbringt sie am liebsten mit Tieren, die so viel friedfertiger sind als die Menschen, bei denen sich alles nur um Krieg dreht.

Vielen Familien bleibt statt der Rückkehr ihrer Geliebten nur eine Meldung mit dem trostlosen Hinweis: "Gefallen auf dem Feld der Ehre". Es sind harte Zeiten, doch Ricarda stellt sich mit unglaublicher Stärke den Herausforderungen, die das Schicksal ihr auferlegt.

Zwar nahmen Ricardas Anstellung in der Berliner Charité und ihre Tätigkeit als Ärztin neben all den Nebenerzählungen eine etwas kleinere Rolle ein als erwartet, dafür werden jedoch eine Vielzahl weiterer interessanter Themen mit in die Gesamthandlung eingeflochten, wie allerlei Familiengeheimnisse, Schwangerschaften (und Abbrüche), Vergewaltigungen, Homosexualität und das Trauma der Kriegsheimkehrer und ihrer Angehörigen, denn: "Die Familien wollen, dass ihre Söhne und Männer als Sieger heimkehren. Nicht als Kranke, Verwundete, Verstörte." Etwas zu brutal gestaltet für meinen Geschmack waren gewisse Tier-Szenen - ich sage nur 'Toni und der Wolf'. Dank des im Innencover enthaltenen alten Stadtplans, der das Berliner Zentrum des Jahres 1919 zeigt, lassen sich die Spuren der Protagonisten gut nachverfolgen.

Fazit: Ein sehr empfehlenswerter historischer Roman über couragierte Frauen, die ihrer Zeit in vielfacher Hinsicht voraus waren, sowie über die Stärke des Familienzusammenhalts und die Bereitschaft, auch in Anbetracht von Widerständen und Zweifeln stets seinem Herzen und vor allem seinem Gewissen zu folgen.

Veröffentlicht am 30.08.2019

Emotionaler und erstaunlich spannender Norwegenroman

Das Geheimnis der Fjordinsel
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Dieses war mein erstes Werk der Autorin Christine Kabus und zeitgleich auch mein erster Norwegen-Roman. Dank des Klappentextes hatte ich eine ungefähre Ahnung, welche Handlung mich erwarten würde, jedoch ...

Dieses war mein erstes Werk der Autorin Christine Kabus und zeitgleich auch mein erster Norwegen-Roman. Dank des Klappentextes hatte ich eine ungefähre Ahnung, welche Handlung mich erwarten würde, jedoch war ich nicht vorbereitet gewesen auf die Intensität und Tiefgründigkeit, mit der die Autorin diese unwahrscheinlich fesselnde Geschichte voller atemberaubender Landschaftsbeschreibungen und starker Charaktere zum Leben erwecken würde.

Ostfriesland, 1980. Rike ist bei ihrem Großvater aufgewachsen. Als dieser stirbt, bricht für die junge Frau eine Welt zusammen. Während sie noch mit ihrer Trauer kämpft, stößt Rike auf Ungereimtheiten in ihrer Familiengeschichte. Wieso hatte ihre Großmutter Johanne sie alle einst verlassen? Rikes Mutter ist in dieser Angelegenheit keine große Hilfe, im Gegenteil – sie scheint richtig wütend auf Johanne zu sein und verweigert ihrer Tochter jegliche Auskunft. Rike beschließt, sich selbst auf Spurensuche zu begeben, um endlich Klarheit über ihre verworrenen Familienverhältnisse zu erlangen und mehr über das Leben ihrer Großmutter zu erfahren. Ihre Suche führt sie nach Norwegen… Parallel dazu erhalten wir mittels einem in der Vergangenheit angesiedelten Erzählstrang auch einen Einblick in Johannes Leben. Gekonnt wechselt die Autorin stets dann die Perspektive, wenn die Spannung gerade am größten ist und man unbedingt erfahren möchte, was denn nun als nächstes geschieht. Somit kann man das Buch gar nicht aus der Hand legen – ich habe es in einem Rutsch durchgelesen. Anfangs hatte ich die Befürchtung, dass ich aufgrund des ständigen Wechsels zwischen den beiden Zeitebenen – Rike in der Gegenwart und Johanne in der Vergangenheit – mit keiner der beiden Figuren wirklich warmwerden würde, was sich als völlig unbegründet herausgestellt hat. Beide Charaktere haben mich mit ihrer Stärke und Entschlossenheit beeindruckt und waren gleichermaßen als sympathische Protagonisten ausgearbeitet. Johannes Perspektive (- insbesondere ihre Beziehung zu Leif -) hat mich vielleicht etwas mehr mitgerissen; vor allem die Auflösung des Plots hat mich sehr gerührt.

Das Personenregister sowie die Landkarte zu Beginn des Romans waren eine willkommene Ergänzung, allerdings ist die Handlung wirklich gut strukturiert und nachvollziehbar aufgebaut.

Man merkt, dass die Autorin dieses Land liebt und sich intensiv mit dessen Kultur beschäftigt haben muss. Die Landschaftsbeschreibungen haben mich umgehauen und den Wunsch verstärkt, eines Tages selbst das Land der Fjorde zu bereisen. Auch sprachlich tauchen immer wieder norwegische Begriffe auf, deren Bedeutung sich stets aus dem Zusammenhang erklärt. Für zukünftige Ausgaben wäre vielleicht zusätzlich ein Vokabular-Register von Vorteil, auch im Hinblick auf das Plattdeutsch und die Begriffe aus der Seefahrt.

Fazit: Eine klare Leseempfehlung! Familiengeheimnisse, große Gefühle und jede Menge Norwegen-Flair, gepaart mit historischen Informationen zur Prohibitionszeit und interessanten Einblicken in die Kultur dieses faszinierenden Landes.

Veröffentlicht am 29.08.2019

Westie-Hündin Lizzy ist der wahre Star des Romans

Vier Pfoten für ein Weihnachtswunder
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Ich glaube, es gibt wenige Menschen auf der Welt, die Hunde mehr lieben als ich - …sagt wahrscheinlich jeder, der das Glück hat, eine Fellnase als Familienmitglied zu haben. Und dem kann ich mich nur anschließen. ...

Ich glaube, es gibt wenige Menschen auf der Welt, die Hunde mehr lieben als ich - …sagt wahrscheinlich jeder, der das Glück hat, eine Fellnase als Familienmitglied zu haben. Und dem kann ich mich nur anschließen. Folglich ließen mich das niedliche Cover sowie der originelle Buchtitel regelrecht in Verzückung geraten - Hunde UND Weihnachten…besser geht es ja nun wirklich nicht! Entsprechend hoch waren meine Erwartungen an dieses Werk, ich hatte noch nie zuvor einen Roman der Autorin gelesen.

Die Story ist schnell zusammengefasst: Weihnachtsmuffel Laura hatte kürzlich Pech in der Liebe, wechselt daher den Job und landet in der Idylle und Harmonie des Sternbach-Clans. Sie soll das Marketing der familiengeführten Hotelanlagen übernehmen und ist wild entschlossen, keinesfalls wieder den gleichen Fehler zu begehen, Privates und Berufliches zu vermischen. Dumm nur, dass sie gegen die Liebenswürdigkeit der Sternbach-Familie nicht lange immun bleiben kann - vor allem, weil deren Sohn Justus ihr Herz schneller schlagen lässt. Und dann ist da auch noch die entzückende kleine West-Highland-Terrierhündin Lizzy, die mit dem Weihnachtsmann und dem Christkind gemeinsame Sache macht, damit Laura endlich wieder den Zauber der Weihnachtszeit erleben kann…

Zunächst möchte ich festhalten: ich habe den Roman mitten im Hochsommer gelesen und fühlte mich sogleich in die kühle Jahreszeit versetzt. Weihnachtsfeeling pur, herrlich! Die vielen detaillierten Beschreibungen des wundervoll gewählten Settings (- im familienbetriebenen Hotel der Sternbachs würde ich sofort einen Urlaub verbringen wollen -) ließen automatisch die Bilder der Handlung vor meinem inneren Auge entstehen – als würde man einen Film anschauen. Man kann beim Lesen förmlich den Schnee unter den Füßen knirschen hören, während man mit Laura und Justus durch den Wald spaziert. Zum Schreibstil finde ich nur lobende Worte, die Dialoge und Gedankengänge der Figuren sind meist sehr authentisch und nachvollziehbar gestaltet worden. Keine schwere Lesekost, tatsächlich fliegen die Seiten nur so dahin, weil man sich mit den größtenteils sympathischen Charakteren so wohl fühlt, dass man einfach wissen muss, wie es weitergeht. Anfangs habe ich kurz stutzen müssen, als mir klar wurde, dass sowohl Santa Claus, das Christkind sowie diverse Elfen Teil der Handlung sind – aber wenn nicht in einem Weihnachtsroman, wann dann? Auf jeden Fall war dies eine erfrischende Abwechslung von anderen Weihnachtsgeschichten; auch die außerordentlich tiefgründigen Hintergrundstories der Protagonisten haben mich überrascht – die Autorin hat sich wirklich ins Zeug gelegt, um ihren Roman von der Masse abzuheben. Am niedlichsten fand ich die Gedankenbeschreibungen der kleinen Hündin – Lizzy ist für mich mit Abstand der eigentliche Star der Geschichte. Gerne hätte ich noch mehr von ihr gelesen, aber sie nimmt doch eine kleinere Rolle ein als erwartet. Die weibliche Hauptfigur, Laura, fand ich nett und angenehm – sie ist alles andere als verbittert, obwohl sie in der Vergangenheit schon viele Schicksalsschläge erleben musste. Und erst ihre Marketingideen – äußerst kreativ! Was ihre Persönlichkeit angeht, wird sie allerdings in Sachen Wiedererkennungswert und Sympathiefaktor von ihrer Freundin Angelique in den Schatten gestellt, die unheimlich auf Zack ist und mich komplett begeistert hat. Eventuell hat die Autorin ja ein zukünftiges Projekt rund um Lauras Freundin geplant, vielleicht in Kombination mit dem anderen Sternbach-Sohn (Patrick)...?

So bezaubernd ich die Grundidee des Werkes finde, gab es dennoch ein paar Dinge, die mir nicht so gefallen haben, weshalb ich nicht die volle Anzahl an Sternen vergeben kann. Die Familie Sternbach kam mir sehr überzeichnet vor – ja, sie sollten extrem liebenswert, herzlich und einnehmend wirken, aber letztlich fand ich sie wahnsinnig anstrengend und in ihrem Verhalten ziemlich penetrant. Dass sie ihre neue Angestellte permanent und ungefragt für Privatangelegenheiten einteilen – meinetwegen. Aber Justus und seine Flirtattacken auf Laura, obwohl diese ihn wiederholt bittet, Abstand zu halten, grenzen schon an Belästigung. Was, wenn sie ihn nicht attraktiv finden würde? An ihrer Stelle hätte ich mich mehr als unwohl gefühlt. Als er sie dann in einer Szene auch noch machomäßig "braves Mädchen" nennt, konnte ich gerade noch einen Würgereflex unterdrücken. Justus hätte so charmant sein können, aber als das konnte ich ihn wahrlich nicht empfinden. Am schlimmsten waren die eindeutig zu detaillierten Sexszenen. Vielleicht liegt es an mir, aber in einem mit unschuldigem Cover getarnten Weihnachtswerk inklusive Santa Claus möchte ich nichts über Brustwarzen, eindringende Finger, Orgasmen und Co. lesen – das passt einfach rein gar nicht zusammen und hat mir teilweise gehörig die Lesefreude verhagelt. Selbiges gilt für die Tränendrüsen-Elemente, die gegen Ende des Romans etwas zu viel des Guten waren.

Fazit: Wenn man die Erotikszenen überblättert und hinsichtlich des aufdringlichen Verhaltens der Figur Justus ein Auge zudrückt, hat man hier einen stimmungsvollen Weihnachtsroman.