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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 24.12.2024

Eine grundsätzlich gute Idee, für mich nicht immer stimmig umgesetzt

Schon immer nachhaltig!
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Das vorliegende Buch sammelt über die Themenbereiche Reinigung, Lebensmittel, Kosmetik und Gesundheit hinweg Tipps und Tricks aus "Großelterns Zeiten". Dabei wird vorausgesetzt, dass dieses Vorgehen nachhaltiger ...

Das vorliegende Buch sammelt über die Themenbereiche Reinigung, Lebensmittel, Kosmetik und Gesundheit hinweg Tipps und Tricks aus "Großelterns Zeiten". Dabei wird vorausgesetzt, dass dieses Vorgehen nachhaltiger und gesünder ist. Gleich auf der ersten Seite werden zehn Tipps aus früheren Zeiten zum nachhaltigen Handeln aufgelistet, die eigentlich jedem sowieso schon bekannt sein sollten (z.B. selbst kochen, Lebensmittel regional und saisonal kaufen etc. pp.). Das Ganze sei dann "für unseren heutigen Alltag aufbereitet und teilweise um moderne Lösungen ergänzt". Dazu später mehr.

Ein Kritikpunkt am Buch vorweg, welcher mir direkt bei der Lektüre des Impressums auffiel: Das Buch propagiert Nachhaltigkeit durch Besinnen auf Früheres, der Verlag hingegen lässt seine Bücher in Lettland drucken, um sie dann nach Deutschland, Österreich und die Schweiz transportieren zu lassen. Das erscheint mir auf den ersten Blick wenig nachhaltig, sondern eher kostenoptimiert.

Nun aber zum Inhalt. Gleich das erste Themengebiet "Natürlich sauber" konnte mich mit wenigen Zutaten über die breit gefächerten Einsatzgebiete von selbst hergestellten Reinigungsmitteln überzeugen. Übersichtlich werden die Grundbestandteile erklärt um später in kurzen, übersichtlich-knackigen Tipps Anwendungsmöglichkeiten darzulegen. Besonders auch die oben genannten "moderne Lösungen" finde ich hier sehr passend, wenn auch selbstgemachtes Geschirrspülpulver vorgestellt wird. Im Bereich zu den Nahrungsmitteln gibt es vorab einen nützlichen regionalen Saisonkalender... Wenn nicht bei den Zeilen "Mirabellen", "Pfirsiche/Nektarinen" und "Pflaumen/Zwetschgen" komplett die Monatsmarkierung fehlen würde. Aber gut. Dann gibt es Wissenswertes zum Konservieren, alles toll. Aber wenn ich auf die Seiten des vor allem Backens schaue, wird leider nicht mehr nachhaltig und modern gedacht. Denn dort tummeln sich die Rezepte mit Ei, Butter, Milch & Co. Das ist nicht modern und erst recht nicht nachhaltig. Denn im Gegensatz zu unseren Großeltern sollten wir uns mittlerweile bewusst sein, dass veganes Kochen und Backen für die Zukunft alternativlos ist. Übrigens nichts die Zutaten veganen Essens sogar meist weniger verderblich, was wiederum schon der Oma entgegengekommen wäre. Dann schließt sich der aus meiner Sicht überflüssigste Teil (kann aber einfach Typsache sein) des gesamten Buches an: "Kosmetik". Ganz ehrlich, diese Rezepturen sind umständlich, mit mitunter nicht alltäglichen Bestandteilen und fragwürdig in ihrem Sinn. Wenn ich mich jetzt mal auf die titelgebenden "Omas Haushaltstipps" berufe, frage ich mich, ob meine "Omma" tatsächlich diesen ganzen Kladderradatsch veranstaltet hat. Wenn es im Buch dann abschließend um Gesundheit und alte Hausmittel zurückkommt erscheint es mir wieder, wie zu Beginn ein gutes Nachschlagewerk, um nicht bei jeder Kleinigkeit Medikamente aus dem Chemielabor zu schlucken.

Insgesamt handelt es sich für mich hier also um ein gemischtes Leseerlebnis. An vielen Stellen ist das Buch sicherlich als gutes Nachschlagewerk für den Alltag nutzbar, an einigen anderen Stellen aber weniger bis gar nicht. Die Inkonsistenz von Inhalt und Herstellung wirkt sich dann bei mir außerdem entsprechend negativ aus. Hier sind andere Verlage einfach Vorreiter, die zeitlich schon viel früher inhaltlich ähnliche Bücher herausgegeben haben und gleichzeitig auf eine ressourcenschonende Herstellung und auch Recyclebarkeit der Druckerzeugnisse achteten.

Veröffentlicht am 24.12.2024

Unerwartet schwungvoller Roman mit historischem Hintergrund

Die Erfindung der Flügel
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Dieser Roman war für mich ganz anders (im positiven Sinne) als erwartet. Über einen recht langen Zeitraum von über 30 Jahren hinweg begleitet Sue Monk Kidd ihre beiden Protagonistinnen Sarah und Handful ...

Dieser Roman war für mich ganz anders (im positiven Sinne) als erwartet. Über einen recht langen Zeitraum von über 30 Jahren hinweg begleitet Sue Monk Kidd ihre beiden Protagonistinnen Sarah und Handful auf ihrem Weg hin zu einer inneren und vielleicht auch äußeren Befreiung. Sarah ist die Tochter einer Plantagenbesitzerdynastie, der im Alter von 11 Jahren die fast gleichaltrige Sklavin Handful als Kammerzofe übereignet wird. Doch Sarah stehts anders als ihre Familie zum Thema Sklaverei und so entwickelt sich eine interessante Geschichte um die Lebenswege der beiden Mädchen.

Auf den ersten Blick könnte man befürchten, dass der Roman zu einem schwülstigen "Weißes-Mädchen-freundet-sich-mit-Sklavenmädchen-an"-Geschichte wird. Best buddies forever sozusagen. Dem ist nicht so. Oft wird die Beziehung zwischen diesen beiden Menschen, die unterschiedlicher zum Zeitpunkt des Romanbeginns in den Südstaaten der USA in 1803 kaum angesehen werden konnten, gar nicht harmonisch oder gar gleichgestellt dargestellt. Meist gibt es Zeiten der Bewegung voneinander weg und wieder zueinander hin. Sehr wichtig ist die Entscheidung der Autorin hier stetig wechselnd die Kapitel sowohl aus Sicht der weißen Sarah als auch aus Sicht der schwarzen Handful zu erzählen. So kommt es nicht zu einem kritischen Ungleichgewicht zwischen einer "weißen Heldin" (erzählt von einer weißen Autorin) und einer (behüte) "schwarzen Geretteten". Nein, beide Mädchen- bzw. später Frauenrollen sind auf ihre Weise stark und ermächtigen sich gegen ihre eigenen Lebensumstände. Der Roman ist mitreißend geschrieben und entwickelt sich zu einem Pageturner. Ein kleines bisschen zu oft holt dabei die Autorin immer wieder dieselben Bilder hervor, um die Aspekte der Verbundenheit und Freiheit den Leser*innen aufs Brot zu schmieren. Ein wenig mehr Raum für eigene Gedankengänge hätte dem Roman noch besser zu Gesicht gestanden.

Nichtsdestotrotz handelt es sich bei diesem Buch um eine durchaus lohnenswerte Lektüre, umso mehr als die Figur Sarah und weitere Protagonisten historisch existiert haben und man dadurch noch mehr über die amerikanische Anti-Sklaverei- und Frauenbewegung erfährt. Dies erläutert die Autorin übrigens im sehr ausführlichen und unglaublich interessanten Nachwort der mir vorliegenden Hardcover-Ausgabe des Buches. So etwas wünsche ich mir häufiger bei historisch angelehnten Texten, damit eine Einordnung nicht nur über "Wikipedia" geschehen muss.

Veröffentlicht am 08.12.2024

Ein rundum gelungenes Handbuch

Das Kräuterhandwerk
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Das Praxishandbuch zu Heilpflanzen und das Gewinnen derer Wirkstoffe durch verschiedene Verfahren von Karin Buchart ist nicht nur gefüllt mit Wissenswertem sondern auch ganz wunderbar illustriert.

Die ...

Das Praxishandbuch zu Heilpflanzen und das Gewinnen derer Wirkstoffe durch verschiedene Verfahren von Karin Buchart ist nicht nur gefüllt mit Wissenswertem sondern auch ganz wunderbar illustriert.

Die Ernährungswissenschaftlerin hat ihr Heilpflanzen-Erfahrungswissen mit ihrem zeitgemäßen, wissenschaftlichen Hintergrundwissen kombiniert und legt ein Nachschlagewerk ebenso wie praxisorientiertes Handbuch zum Thema vor. Man sollte allerdings bedenken, dass dieses großformatige Schwergewicht von einem Buch keins ist, welches man mal eben unter den Arm klemmt und beim Pflanzensammeln mit in die Wildnis nimmt. Vielmehr ist es mit den zahlreichen Illustrationen von Veronika Halmbacher im Innenteil ein wunderschönes und vor allem auch übersichtlich strukturiertes Nachschlagewerk. So kann man perfekt seine Vorhaben planen und dann in der Praxis umsetzen.

Gerade die Übersichtlichkeit des Buches überzeugt mich am meisten. Die verschiedenen Themengebiete wie "Frischpflanzen", "Wässrige Auszüge", "Alkoholische Auszüge", "Fermentierte Kräuter" etc. pp. sind nicht nur klar eingeteilt mit einer kurzen Einleitung, benötigte Zutaten, handwerkliche Schritte und konkrete Rezepte, sondern auch im Buch durch unterschiedliche Farbgebungen am Seitenrand schnell zu finden. Übersichtliche Tabellen machen es einfach hier etwas zu berechnen. Die Illustrationen passen immer genau zum Inhalt und helfen dadurch beim schnellen Begreifen, was gebraucht wird, wie vorzugehen ist.

Ich bin wirklich begeistert von diesem Handbuch und freue mich schon darauf, die ersten Anwendungen auszuprobieren.

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Veröffentlicht am 11.11.2024

When life gives you lemons…

Zitronen
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...make lemonade! Heißt ein bekannter Spruch. So begleiten wir hier August Drach, der in einem Dorf in Österreich aufwächst und dem das Leben nur Zitronen zu geben scheint. Erst wird er von seinem Vater ...

...make lemonade! Heißt ein bekannter Spruch. So begleiten wir hier August Drach, der in einem Dorf in Österreich aufwächst und dem das Leben nur Zitronen zu geben scheint. Erst wird er von seinem Vater ständig verprügelt und psychisch misshandelt, dann verschwindet der Vater und August meint kurz, dass jetzt das Leben besser werden könnte, aber dann liegt er mit einem Virusinfekt darnieder und statt sich zu erholen, bleibt sein gesundheitlicher Zustand fast die gesamte Kindheit weiterhin schlecht. Was er nicht weiß, wir Leser:innen allerdings: Die Mutter von August sucht Bestätigung und Selbstwerterhöhung in der Pflege des Jungen, weshalb sie auch diejenige ist, die ihn krank macht.

In der ersten Hälfte des Romans lernen wir August, seine Mutter und sein Dorf kennen, sowie die dysfunktionalen Bewältigungsstrategien, die in dieser Geschichte ein jeder und jede anwendet. Im zweiten Teil der Geschichte springen wir in Augusts Erwachsenenleben und erfahren, was diese Dysfunktionalität später mit einem Menschen macht, wie sie ihn tief prägen kann und was August aus seinem Leben macht. Er versucht, im übertragenen Sinne Limonade aus den Zitronen, die ihm bisher das Leben gegeben hat, zu machen. Ob ihm dies gelingt, sollte man sich selbst erlesen.

All dies beschreibt Valerie Fritsch mit einer gleichsam poetischen und hochpräzisen Sprache. Meines Erachtens ist die Sprache das Herausragendste an diesem kurzen Roman. Aber auch wie Fritsch die psychologischen Zusammenhänge darstellt und mit einem mitunter bitterbösen Ton Familiendynamiken herausschält. Wie in diesem Roman immer wieder Bilder auftauchen, die später aufgegriffen werden und Handlungen enden, die man so nicht hat kommen sehen, finde ich äußerst gelungen.

Insgesamt hätte ich mich auch noch etwas länger in diesem Kosmos aufgehalten und empfand den Roman einen Tick zu kurz. Auf jeden Fall eine interessante Idee, das Münchhausen-Stellvertretersyndrom prosaisch darzustellen und dessen Folgen auf das betroffene Kind in dessen Erwachsenenleben zu extrapolieren.

3,5/5 Sterne

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Veröffentlicht am 25.10.2024

Unverzichtbar!

Unversehrt. Frauen und Schmerz
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Mit ihrem Sachbuch „Unversehrt“ legt die Autorin Eva Biringer ein fesselnd geschriebenes Werk zum lange übersehenen Thema Frauen und Schmerz vor, welches durch seine Verständlichkeit besticht und die wichtigsten ...

Mit ihrem Sachbuch „Unversehrt“ legt die Autorin Eva Biringer ein fesselnd geschriebenes Werk zum lange übersehenen Thema Frauen und Schmerz vor, welches durch seine Verständlichkeit besticht und die wichtigsten wissenschaftlichen und kulturell(-historisch)en Fakten zum Thema zusammenführt. Gerade wenn man/frau sich gerade erst in das Thema neu einlesen will, ist dies ein sehr guter Startpunkt und eine klasse Übersicht.

Nach ein paar persönlichen, einführenden Worte, die sich um die Leidensgeschichte von Biringers Großmutter drehen, leitet die Autorin nachvollziehbar her, wie es sein kann, dass noch bis zum heutigen Tage die Schmerzen von Frauen, schwere, schmerzauslösende Erkrankungen bei Frauen und bedenkliche aktuelle Tendenzen in den sozialen Medien weiterhin übersehen werden, nicht ausreichend behandelt werden, nicht ausreichend unterbunden werden. Dabei bringt sie unglaubliche Beispiele von Unterdrückung durch das patriarchale System aber auch dadurch bei vielen Frauen eingeprägte, dysfunktionale Verhaltensweisen sich selbst gegenüber, die Schmerzen auslösen. So bekommt man ein punktgenau zusammengefasstes und trotzdem weitreichendes Bild dieses Themenkomplexes und kann während und nach der Lektüre nur geschockt und wütend zurückbleiben.

Kaum zu glauben ist der Hinweis darauf, dass zum Beispiel in 1986 eine Studie zum Einfluss von Übergewicht auf Brust- und Gebärmutterkrebs durchgeführt wurde, die ohne eine einzige weibliche Teilnehmerin auskam! Genauso eine weitere beispielhaft erwähnte Studie über den hormonellen Einfluss auf Herzerkrankungen, bei der nicht eine einzige Frau zur Stichprobe gehörte!

Sprachlich löst die Autorin dies immer gekonnt, wissenschaftlich genug, aber gleichzeitig nicht zu hochtrabend, manchmal sogar humorvoll bis sarkastisch. Dadurch werden die Leiden der Frauen und der Umgang damit in unserer Gesellschaft und in Sprechzimmern jedoch nie verharmlost oder lächerlich gemacht. Immer ist während der Lektüre klar, wie tiefgreifend der problematische Umgang mit weiblichem Schmerz ist und wie wichtig ein Wandel hin zu einem wertschätzenden Umgang ist. Dafür zeigt die Autorin zum Ende hin auch Beispiele auf, deren Nachahmung nur unterstützenswert ist.

Ebenso unterstützenswert ist diese Buchveröffentlichung. Ich hoffe sehr, dass viele, viele Menschen (weiblich/männlich/divers!) dieses und ähnliche Bücher lesen werden, damit der bisher nur zaghaft eingeschlagene Weg, weg von diskriminierendem Umgang innerhalb der Gesellschaft und speziell in der Medizin und Psychosomatik gegenüber Frauen und weiblich gelesenen Menschen vorangetrieben wird.

Eine klare Leseempfehlung von mir, die unglaublich viel gelernt hat durch die Lektüre.

5/5 Sterne

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