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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 25.07.2025

Informativ und schlüssig.

Einspruch!
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Wie damit umgehen, wenn die Freundin in der Whatsapp-Gruppe immer wieder unhaltbare Falschmeldungen gegen das Impfen von Kindern anbringt? Wie reagieren, wenn der Vater beginnt, Desinfektionsmittel gegen ...

Wie damit umgehen, wenn die Freundin in der Whatsapp-Gruppe immer wieder unhaltbare Falschmeldungen gegen das Impfen von Kindern anbringt? Wie reagieren, wenn der Vater beginnt, Desinfektionsmittel gegen Corona einzunehmen? Wie antworten, wenn der Bruder unterstellt, der Staat schiebe "den Ausländern" das Geld hinten und vorne rein und das mit einem himmelschreienden Beispiel untermauert? Ingrid Brodnig ist angetreten, in ihrem Buch die Taktiken von Falschmeldungen und Verschwörungsmythen zu durchleuchten und daraus Handlungshinweise für Personen, die Kontra geben wollen, abzuleiten.

Nach einem holprigen Einleitungskapitel, welches mir zu einfach narrativ geraten ist, kommt die Autorin im Laufe des Buches immer mehr in Schwung die genannten Themen gut sortiert und wissenschaftlich begründet darzulegen. Auch wenn mir viele psychologische Hintergründe breits bekannt waren, so bringt die Autorin durchaus sehr aktuelle Erkenntnisse und Theorien ins Spiel. So ist im Buch immer wieder auch Neues zu Einstellungsänderung und Kommunikations- bzw. Diskussionstechniken zu erfahren. Immer wieder unterstreicht die Autorin, dass die abgeleiteten Hinweise durchaus keine Wundermittel gegen festgefahrene Einstellungsmuster darstellen, trotzdem bekommt man beim Lesen immer mehr das Gefühl, mit diesem Handwerkszeug könne man sich der nächsten Diskussion um Felschmeldungen und ähnliches stellen. Dabei erscheint es mir, dass die erläuterten Techniken besonders gut angewendet werden können, wenn man genügend Zeit hat, das Gesagte zu analysieren und darauf eine Antwort zu erstellen, wie es z.B. bei schriftlichen Argumentationen (sei es per Email, Whatsapp oder in Foren) der Fall ist. Für ein erfolgreiches Anwenden der Kommunikationstechniken im persönlichen Gespräch, in dem ein schnelles Erkennen von Mustern und Bereitlegen von Argumenten notwendig wird, muss man schon ein geübter Redner sein. Aber genau diese Übung im Diskutieren regt die Autorin mit ihrem Buch an.

Insgesamt handelt es sich hier um ein durchaus hilfreich erscheinendes Werk, um haarstreubende Argumente von Verschwörungserzählern, oder solchen die auf dem Weg dorthin sind, in ihrer Struktur zu verstehen und dadurch besser aushebeln zu können.

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Veröffentlicht am 25.07.2025

Ein Roman so informativ wie ein Sachbuch über Misogynie in Korea.

Kim Jiyoung, geboren 1982
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Das Cover stellt gleich klar, was in diesem Roman und vor allem bis heute in dem Land (Süd-)Korea Programm ist: Die Erfahrungen von Frauen - über ihr gesamtes Leben hinweg - in dieser ostasiatischen Gesellschaft ...

Das Cover stellt gleich klar, was in diesem Roman und vor allem bis heute in dem Land (Süd-)Korea Programm ist: Die Erfahrungen von Frauen - über ihr gesamtes Leben hinweg - in dieser ostasiatischen Gesellschaft bezüglich der geringeren Wertigkeit des weiblichen Geschlechts sind letztendlich austauschbar. So gesichtslos, wie die Frau auf dem Cover, scheinen sich viele Frauen zu fühlen. Es geht scheinbar (fast) allen Frauen so ähnlich wie Kim Jiyoung, der jungen Frau, um deren Leben es sich in diesem Buch dreht. Sie wird 1982 in eine Zeit geboren, in der es Gang und Gäbe wird, weibliche Föten abzutreiben, die männlichen Nachkommen zu umsorgen und Männern zu jeglichen Privilegien zu verhelfen, selbst wenn aus rechtlicher Sicht "Gleichstellung" von Mann und Frau existiert. Kim Jiyoung zerbricht über diesen Druck der Gesellschaft.

Die Autorin Nam-Joo Cho beschreibt in ihrem Roman wirklich zügig und knackig die Lebensgeschichte von Jiyoung. Dabei reiht sich ein Ereignis der erlebten Minderwertigkeit von ihr als Frau an das nächste - von Geburt an bis zur eigenen Mutterschaft. Zwischendurch wird durch Schilderungen zu Jiyoungs Mutter und Schwiegermutter ebenso deutlich gemacht, dass auch Frauen im höheren Alter vor der Geringschätzung ihrer Leistungen keinen Schutz erfahren. Die Schilderungen erscheinen mitunter - selbst über die nur 200 Seiten des Buches hinweg - sehr ermüdend. Man weiß beim Lesen nicht so recht, wohin die Autorin mit ihren Schilderungen möchte, außer den Groll gegen die unfairen gesellschaftlichen Normen bei den Lesenden zu vergrößern. Aber diese Ermüdung ist gewollt, denn genauso ergeht es den modernen Frauen in Korea. Auch sie müssen bis zur absoluten Erschöpfung mit dem belastenden, ungleichen Weltbild klarkommen und vielen Rollen auf einmal gerecht werden. Sprachlich ist der Roman knapp und emotionslos gehalten. Es tauchen sogar ergänzende Fußnoten mit Literaturhinweisen zu sachbuchartigen, soziologischen Erkenntnissen, die in den eigentlichen Romantext eingeflochten sind, auf. Das verwundert zunächst bei der Lektüre, erklärt sich jedoch im klugen Ende des Buches. Dieses Ende stellt für mich den eigentlichen Clou des Buches von Cho Nam-Joo dar.

Insgesamt handelt es sich hier um einen äußerst lesenswerten Roman, in dem die Lesenden viel lernen über die bis heute bestehende Ungleichbehandlung der Geschlechter in Korea. Er konnte mich nicht hundertprozentig emotional packen, ist jedoch sehr schlau konstruiert und überrascht mit einem Ende, das die Darstellungen des gesamten Buches auf den Punkt bringt. Eine klare Leseempfehlung meinerseits.

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Veröffentlicht am 25.07.2025

Dieser mäandernder Roman konnte mich nicht überzeugen

Big Sky Country
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Was nehme ich aus der Lektüre dieses Romans für mich persönlich mit? Nichts Substantielles ehrlich gesagt. Vielleicht, dass die Lebensrealität im Westen der USA an den Rocky Mountains tatsächlich auch ...

Was nehme ich aus der Lektüre dieses Romans für mich persönlich mit? Nichts Substantielles ehrlich gesagt. Vielleicht, dass die Lebensrealität im Westen der USA an den Rocky Mountains tatsächlich auch heutzutage noch vollkommen den gängigen Klischees entsprechen?

Über eine Zeit vom 13. bis zum 20. Lebensjahr begleiten wir den Jungen August beim Erwachsenwerden. Er zieht mit seiner Mutter aus dem Mittleren Westen (Michigan) in den Norwesten (Montana), weil die Mutter zwei Filme mit Brad Pitt, die in diesem Bundesstaat spielen, toll findet. Dort angekommen kann er sich nur schwer in die Gemeinschaft einfügen und wird zum Farmarbeiter.

In der Zwischenzeit trinkt der Junge, wie alle anderen Männer in der Gegend (oder auch nur in diesem Buch?), ständig Alkohol und ernährt sich von energiereichen Fleischgerichten. Zwei Handlungen, die ausführlichst und ständig wiederholend dieses Buch prägen. Psychologische Tiefe sowie umwerfende Landschaftbeschreibungen hingegen sucht man in diesem Buch vergebens. Da ich die am Anfang des Buches benannten Filme mit Brad Pitt nicht kenne, hatte ich kein vorgefertigtes Bild vom Sehnsuchtsstaat Montana vor Augen. Die knappen Schilderungen im Buch halfen dabei auch nicht sonderlich weiter. Schade, wenn die Figuren schon platt sind, der Beziehung untereinander nur ganz leicht gezeichnet wird, hofft man doch wenigstens auf einen tollen Landschaftsfilm im Kopf. Das hat der Autor bei mir zumindest nicht evozieren können. Der Text mäandert über endlose Seiten vor sich hin. Ohne vorhandene Dramaturgie, ohne einen Hinweis darauf, was der Autor mir mit seinem Werk eigentlich mitgeben möchte. Ich habe mich bei der Lektüre gelangweilt, obwohl ich normalerweise ein Faible für "klassische" amerikanische Literatur habe bzw. vor allem früher hatte.

Insgesamt konnte mich dieser Roman nicht überzeugen und gleitet sogar ins Lächerliche ab, wenn die beiden "love interests" der Hauptfigur August auch noch Julie und June heißen...

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Veröffentlicht am 25.07.2025

Sieben Frauen und ein Mann in einer Lebenskrise

Wer soll denn das anziehen, bitteschön
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In den acht Erzählungen dieses Bandes versammelt Susanne Schedel fast durchweg Frauen an verschiedenen Wendepunkte bzw. in Krisen ihres Lebens. Dies variiert von der Modedesignstudentin bis hin zur Witwe ...

In den acht Erzählungen dieses Bandes versammelt Susanne Schedel fast durchweg Frauen an verschiedenen Wendepunkte bzw. in Krisen ihres Lebens. Dies variiert von der Modedesignstudentin bis hin zur Witwe Mitte 70, die ihr Glück im Casino sucht.

Dabei bleiben die Geschichten untereinander stets abwechslungsreich, wenn auch im jeweiligen Plot wenig überraschend. Herausragend an diesem Erzählband ist definitiv die Sprache der Autorin. Auf hohem Niveau zieht diese die Lesenden sofort in das entsprechende Szenario und zu den Protagonistinnen heran. Warum sich unter die sieben Frauen als Hauptprotagonistinnen nun noch als achter ein Mann geschlichen hat, bleibt offen. Wobei seine Geschichte meines Erachtens auch eine der stärksten des Bandes darstellt.

Somit handelt es sich hierbei um eine durchaus thematisch eher leicht angelegte Sammlung, die durch ihre Sprache heraussticht, und mal gut zwischendurch gelesen werden kann. Eigentlich 3 Sterne, aber durch die Sprache auf die 4 Sterne gehoben.

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Veröffentlicht am 25.07.2025

Eine kognitive Zumutung mit Knoten im Kopf, die sich lohnt in Kauf zu nehmen!

DAVE - Österreichischer Buchpreis 2021
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DAVE ist die Hoffnung einer ganzen Gesellschaft auf Verbesserung der Lebensumstände, Erlösung und tatsächlich Lösung aller Probleme, denn DAVE soll als Künstliche Intelligenz mit Bewusstsein eine dystopische ...

DAVE ist die Hoffnung einer ganzen Gesellschaft auf Verbesserung der Lebensumstände, Erlösung und tatsächlich Lösung aller Probleme, denn DAVE soll als Künstliche Intelligenz mit Bewusstsein eine dystopische Welt für die Menschen retten. Syz ist Programmierer in einem riesigen Laborgebäudekomplex, welcher eine Stadt mit zehntausenden Einwohnern für sich darstellt. Tag und Nacht arbeitet er an den SCRIPTs für DAVE und wird plötzlich in den höchsten Zirkel der Entwickler berufen, mit einer - sogar DER - wichtigsten Funktion überhaupt: Er soll mit seiner Persönlichkeit die Grundstruktur für DAVE vorgeben. So die grobe Ausgangslage des Romans, wenn man diese überhaupt einfach zusammenfassen kann.

Edelbauer bastelt in ihrem zweiten Roman virtuos eine surreale Szenerie einer Hightech-Gesellschaft zusammen, welche nicht nur sprachlich hochintellektuell und anspruchsvoll konstruiert ist, sondern auch inhaltlich ebenso anspruchsvoll die technischen wie auch philosophischen Grundannahmen herausarbeitet, die mit der Entwicklung von Künstlicher Intelligenz zusammenhängen. Dabei ist der Einstieg des Buches im Höchstmaße fordernd bis auch sogar überfordernd gestaltet. Um diesem Buch folgen zu können, ist maximale Konzentration notwendig. Zu Beginn sind vor allem die theoretischen naturwissenschaftlichen und philosophischen Annahmen raumgreifend, später die zunehmend verwirrende, surreale Handlung, welche Leserinnen des Debütromans noch bekannt vorkommen sollten. Es lohnt sich hier definitiv am Ball zu bleiben, denn man kann als Leserin nur von der enormen Rechercheleistung der Autorin profitieren. Eine solch dezidierte Auseinandersetzung mit dem theoretischen Aufbau zum Thema Künstliche Intelligenz und angrenzenden Themen habe ich bisher im literarischen Bereich noch nicht gelesen.

Zugegebenermaßen bildet dieses Buch aber auch einen Raum ab, für den sich die Lesenden wahrscheinlich stark interessieren müssen und bestenfalls bereits ein Grundwissen mitbringen. Ansonsten kann es schnell zur Überforderung führen. Die Verschachtelung der Themen, der fachliche Anspruch, das surreale Setting und auch die sprachliche Extravaganz grenzen den Kreis der Menschen, die diesen Roman genießen werden können, stark ein. Für diesen Personenkreis wird es jedoch eine ausgesprochen anregende Lektüre werden. So wie es für mich eine nie einfache aber immer fordernde und damit ausgezeichnete Lektüre darstellte.

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