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Veröffentlicht am 08.05.2026

Altes Wissen neu und interessant verpackt

Permakultur - Dein Garten. Deine Revolution.
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Sigrid Drage, die unter anderem mit ihrem Partner einen Bio-Bauernhof zur Selbstversorgung und mit Verkrauf betreibt, beschreibt in ihrem Buch das Prinzip der Permakultur im Garten, welches die Natur als ...

Sigrid Drage, die unter anderem mit ihrem Partner einen Bio-Bauernhof zur Selbstversorgung und mit Verkrauf betreibt, beschreibt in ihrem Buch das Prinzip der Permakultur im Garten, welches die Natur als Ganzes mit allen Wechselbeziehungen zwischen Mensch, Tier und Pflanze sieht.

Die Autorin bearbeitet wirklich jedes Thema, welches zum Garten gehört. Angefangen bei verschiedenen Pflanzengruppen, aber auch Tierleben, Erd- und Wasserverhältnisse bis hin zu Kompostierung und Mulchen (eine ganz wichtige Säule des Permagartens!). Zunächst beschreibt sie aber, was Permakultur bedeutet und wie man einen solchen Garten planen sollte. Dabei ist der Anfang diesbezüglich meiner Meinung nach durch Drumrum-Reden und Wiederholungen zu lang geraten. Grundlagen, wie "beziehe alle Personen in die Planung mit ein" etc. werden sehr breit getreten. Da hätten die ersten 40 Seiten inhaltlich auf 2-3 Seiten zusammengefasst werden können. Danach geht es sehr strukturiert weiter und es greifen die absoluten Stärken des Buches: übersichtliche, verständliche und anschauliche Infografiken sowie Tabellenübersichten. Diese Darstellungen machen das Buch zum Nachschlagewerk, wenn man so weit ist, die Permakultur im eigenen Garten umzusetzen. Eine weitere Stärke des Buches besteht darin, dass sehr viele, sehr anschauliche Fotos aus dem Bauernhof Drages eingebaut werden. Sie sind nicht rein lehrbuchhaft, sondern wirken über dies durch das Auftauchen von Drage und ihrem Team sehr liebevoll und sympathisch. Diese Fotos vermitteln stets die Freude der Menschen an der Natur, welche sich auf den Leser direkt überträgt. Man will sofort loslegen und den eigenen Garten ökologisch umgestalten. Schluss mit englischen Gärten und Schrebergartentristesse. Und sollten doch mal Nachbarn kritisch über den Zaun gucken, kann man nun mit diesem Buch wedeln und "beweisen", dass es sich nicht um einen "verwilderten" Garten, sondern wunderschöne Natur handelt.
Gegen Ende des Buches werden die Darstellungen leider immer weniger, da hätte ich mir gerade zum Thema Obstgarten noch weitere Übersichtstabellen etc. gewünscht.
Für alle, die sich noch weiter ins Thema einarbeiten wollen, befindet sich im Anhang ein ausführliches Literaturverzeichnis, welches nach Themengebieten geordnet ist. So bleiben kaum Wünsche offen.

Insgesamt ist dieses Buch sehr gelungen, sowohl im Inhalt als auch der Gestaltung. Es ist für jeden "echten" Tier- und Pflanzenfreund zu empfehlen, der seinen Garten naturnah und für die nächsten Generationen nachhaltig gestalten will.

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Veröffentlicht am 08.05.2026

Kurzweilige, amüsante Lektüre für zwischendurch

Die souveräne Leserin
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In "Die souveräne Leserin" dichtet Alan Bennett der Queen die frisch entdeckte leidenschaft fürs Lesen an. Tiefgründige Literatur brauch man hier nicht erwarten, wenngleich das Buch eine interessante Lektüre ...

In "Die souveräne Leserin" dichtet Alan Bennett der Queen die frisch entdeckte leidenschaft fürs Lesen an. Tiefgründige Literatur brauch man hier nicht erwarten, wenngleich das Buch eine interessante Lektüre für Literaturliebhaber ist. Dabei sollte man sich ein bisschen besser in der brittischen Literatur auskennen, da Bennett eine Tendenz zum "name dropping" zeigt.

Gefallen haben mir die kleinen Einblicke in den Alltag einer/der Queen, ohne diesen pompös darzustellen. Die Figur der Queen wird als sehr klug und gar nicht so selbstironiefrei beschrieben. Umso erstaunlicher, dass im Laufe der "Wesensänderung" der Queen hin zur Leserin von deren Hofstaat eine sich einschleichende Demenz vermutet wird. Der Autor legt der Queen die zielsicheren Worte in den Mund: "Information ist kurz, bündig und sachlich. Lesen ist ungeordnet, diskursiv und eine ständige Einladung. information schließt ein Thema ab, Lesen eröffnet es."

Die solide geschriebene Geschichte von Bennett lässt die Lesenden mit Witz nicht nur die Queen entdecken, sondern auch das Lesen genauer beschauen. Mehr als eine kleine literarische Ablenkung zwischen durch ist sie jedoch nicht. Von mir gibt es deshalb den imaginären "vierten Stern" für die schönen Illustrationen von Kai Würbs, welche zur Ausgabe der Büchergilde Gutenberg gehören. Leider sind diese ungünstig im Buch angeordnet, sodass mitunter Illustrationen erscheinen, zu denen man die zugehörige Textstelle noch gar nicht gelesen hat. Das hätte man besser machen können.

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Veröffentlicht am 08.05.2026

Wenig gehaltvoll, aber schön illustriert

In die Wildnis
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Zur Info vorab: Ich habe nicht die Originalausgabe, sondern die Veröffentlichung der Büchergilde Gutenberg mit den Illustrationen von Christian Schneider gelesen. Diese Information ist deshalb wichtig, ...

Zur Info vorab: Ich habe nicht die Originalausgabe, sondern die Veröffentlichung der Büchergilde Gutenberg mit den Illustrationen von Christian Schneider gelesen. Diese Information ist deshalb wichtig, weil das Buch durch die illustrationen viel mehr von außen erwarten lässt, als dann zwischen den Buchdeckeln inhaltlich zu finden ist.

Krakauer schildert im Vorwort, dass das Buch aus einer Reportage für das Magazin "Outside" kurz nach Auffinden der Leiche des Amateur-Alaska-Abenteurers Christopher McCandless in 1992 entstanden sei. Diese Reportage sei gut angekommen, sodass er ein buch daraus gemacht habe (kurz zusammengefasst). Und genau das ist hier geschehen: Krakauer bläst einen Artikel auf Buchlänge auf und tut dies durch einfallslose Erzählungen, langweilige Anekdoten und ohne jeden literarischen Anspruch. Thematisch war der fünseitige Artikel sicherlich sehr gut gelungen, als Buch ist das Ganze jedoch definitiv "zu dünn". Warum in Anführungszeichen? Weil Das Buch (in meiner Ausgabe) mit seinen 340 Seiten defintiv ermüdend "zu lang" geworden ist. Allein die tollen Illustrationen von Schneider, welche so auch entweder in einem Naturkundebuch für Alaska oder einem Jack London Roman hätten erscheinen können, lassen Bilder dieser beeindruckenden Landschaft im Geiste des Lesers entstehen. Der Autor selbst schafft dies leider gar nicht.

Insgesamt ein unausgegorenes Buch, was man sich auch ersparen kann. Lieber gleich Jack London lesen. Und so schön die Illustrationen in der Büchergilde-Ausgabe auch sind, einen Kauf dieser Ausgabe lohnt sich allein deshalb trotzdem nicht.

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Veröffentlicht am 08.05.2026

Im Limbus... oder doch Nimbus?

Licht aus im Wunderland
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In diesem dritten Roman von dbc pierre stolpert Gabriel, ein 25jähriger Engländer, von London über Tokio nach Berlin, von einem dekadentem Exzess zum nächsten und hat das stets das unverschämte Glück des ...

In diesem dritten Roman von dbc pierre stolpert Gabriel, ein 25jähriger Engländer, von London über Tokio nach Berlin, von einem dekadentem Exzess zum nächsten und hat das stets das unverschämte Glück des Hochstaplers auf seiner Seite. Durch einen Zufall, wie so viele in diesem Buch, gerät er in die verschwörerischen Kreise der Haute Cuisine. Dort werden scheinbar ständig Orgien gefeiert, Drogen genommen und Abartigkeiten zur dekadenten Perfektion gebracht.

Die Sprache des Buches ist äußerst klug, wie von dbc pierre gewohnt und der Text noch mit zusätzlich philosophischen Fußnoten versehen. Trotzdem geht der Erzählstil des manisch-depressiven Ich-Erzählers Gabriel dem Leser rasch auf die Nerven. Ständig geht es um den "Limbus", den "Nimbus", die "Sphinx" und die "Enthsiasmen, die gesprochen haben". Auch nervt der Hauptcharakter, obwohl Nebencharaktere besser erklärt werden und es der gebürtige Australier dbc pierre schafft, sich gut in die ostberliner Seele einzufühlen. So richtig warm wird man hier mit niemandem. Nur mit den leidtragenden Lebewesen, die in den Orgien der Finanzelite dran glauben müssen. Denn das Ende, ist nur schwer zu ertragen für den empfindlichen Leser. Da sollte man starke Nerven und einen starken Magen haben, denn nicht jede Delikatesse, ist in diesem Buch so einfach zu verdauen.

Insgesamt handelt es sich stilistisch schon um einen "klassischen" dbc pierre, ist solide, mit guten Denkanstößen, jedoch nicht großartig.

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Veröffentlicht am 08.05.2026

Eine Sammlung von Meisterwerken

Das wahre Wesen der Dinge
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Diese Kurzgeschichtensammlung von Ted Chiang herausgegeben vom tollen Golkonda Verlag versammelt alles, was den Autor auszeichnet und wofür er - zu Recht - bisher auch schon vielfach ausgezeichnet wurde.

Die ...

Diese Kurzgeschichtensammlung von Ted Chiang herausgegeben vom tollen Golkonda Verlag versammelt alles, was den Autor auszeichnet und wofür er - zu Recht - bisher auch schon vielfach ausgezeichnet wurde.

Die Kurzgeschichten rangieren zwischen Science-Fiction, Horror und Kuriositäten, Sozial-, Technik- und Wissenschaftskritik. All diese Bereiche bearbeitet der Autor literarisch herausragend. Das Niveau der Geschichten ist gleichbleibend hoch und der Leser wird durchgängig kognitiv gefordert. Bei der Varianz der behandelten Themen frage ich mich, ob der Autor ein Universalgenie ist oder einfach "nur" sehr gut wissenschaftlich recherchieren kann. Egal um was es sich handelt, das Resultat ist atemberaubend.

Diese Textsammlung gefällt mir noch einmal viel besser als "Die Hölle ist die Abwesenheit Gottes". Auch beim Cover hat sich der Verlag hier einen Hingucker geleistet. Uneingeschränkt empfehlenswert für anspruchsvolle Leser.

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