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Veröffentlicht am 06.10.2025

Versuch einer Aufarbeitung

Die Ausweichschule
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Kaleb Erdmann (*1991) hat seinen Ich-Erzähler als Fünftklässler den Schulamoklauf am 26. April 2002 in Erfurt miterleben lassen. Gute zwanzig Jahre später will er ein Buch darüber schreiben. Doch es stellt ...

Kaleb Erdmann (*1991) hat seinen Ich-Erzähler als Fünftklässler den Schulamoklauf am 26. April 2002 in Erfurt miterleben lassen. Gute zwanzig Jahre später will er ein Buch darüber schreiben. Doch es stellt sich heraus, dass das nicht so einfach ist.

Wir begleiten den Autor durch seine Recherche und seine Schreibversuche. Dabei lesen wir von seiner Suche nach den tatsächlichen Ereignissen und den damit verbundenen Schwierigkeiten. Alltäglichkeiten werden ausgeschmückt und bekommen einen großen Raum.

Herausgekommen ist ein Buch, das sich gut für eine Leserunde eignen würde, da es viel Diskussionsstoff enthält. Während so manche Ausführungen ermüden, war es für mich doch erhellend, wie groß seine Traumatisierung war, ohne dass er es über einen langen Zeitraum bemerkt hatte. Viele Ereignissen scheinen die Erlebnisse seines elfjährigen Ich überlagert zu haben, was vielleicht daran lag, dass er Erfurt bereits zwei Jahre nach den Ereignissen verlassen hatte. Nun verliert er sich bei jedem Versuch, auf den Punkt zu kommen ,in Nebensächlichkeiten. als suche er nach Ausweichmöglichkeiten.

So ist ein Buch entstanden, das im herkömmlichen Sinn kein Roman ist. Die Aufzeichnungen erinnern eher an ein Recherche-Tagebuch. Allerdings nicht mit einem konstanten Ablauf, sondern willkürlich durcheinander gewürfelt. Für mich ist das am ehesten eine gelungene Beschreibung dessen, was ein Trauma bewirken kann.


Fazit: Ich finde es sehr schwer, diesen Roman zu beurteilen. Er hat mir nicht gefallen, hat mich aber an der Zerrissenheit des Erzählers teilhaben lassen. Er hat mich teilweise abgestoßen, aber trotzdem nicht losgelassen, so dass ich es nicht zur Seite legen konnte. Insofern empfinde ich es als literarische Besonderheit.

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Veröffentlicht am 29.09.2025

Eine ungewöhnliche Adlige

Prinzessin Alice
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Schon das Cover macht es deutlich: hier geht es um eine gut gekleidete Frau, die durch ein Gitter von ihrer Umgebung abgeschnitten ist. Die Erzählung handelt vom Leben der Victoria Alice Elizabeth Julia ...

Schon das Cover macht es deutlich: hier geht es um eine gut gekleidete Frau, die durch ein Gitter von ihrer Umgebung abgeschnitten ist. Die Erzählung handelt vom Leben der Victoria Alice Elizabeth Julia Marie Prinzessin von Battenberg (*25. Februar 1885 in Windsor Castle; † 5. Dezember 1969 im Buckingham Palace, London). Sie war die Mutter von Philip Mountbatten und die Großmutter von Charles III.

Irene Dische hat sich damit schon zum zweiten Mal einer ungewöhnlichen historischen Figur gewidmet. Und ebenso wie in Die militante Madonna, in der sie ihre Hauptfigur Chevalier d'Eon de Beaumont zu Wort kommen ließ, lässt sie auch in diesem Buch die Protagonistin selbst erzählen. Doch das macht das Buch nicht unbedingt einfacher zu verstehen.

Während der Beginn einen heiteren Einblick in die Familiengeschichte gewährte, hat der zweite Teil, der das Leben der Protagonistin in der Psychiatrie erzählt, meine Begeisterung etwas gedämpft. Hier habe ich viele Gedanken nicht nachvollziehen können. Aber sicherlich war das Absicht, denn wer kann sich schon in einen verwirrten Kopf hineindenken? Im dritten und letzten Teil durfte ich Alice begleiten, als sie als Nonne verkleidet nach Athen reiste, um sich dort vor den Deutschen zu verstecken. Eine traurige Angelegenheit, die sie aber mit viel Verve zu meistern wusste.

Alles in allem konnte ich einen Blick in ein ungewöhnliches Leben mit werfen. Aber meiner Meinung nach hat die Autorin schon bessere Bücher geschrieben.

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Veröffentlicht am 24.09.2025

Erinnerungskartons

Kairos
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Was tun, wenn einem plötzlich zwei Kartons vor die Tür gestellt werden, in denen sehr emotionale Erinnerungen gestapelt sind? Katharina braucht eine Weile, ehe sie sich daran wagt und damit eine nicht ...

Was tun, wenn einem plötzlich zwei Kartons vor die Tür gestellt werden, in denen sehr emotionale Erinnerungen gestapelt sind? Katharina braucht eine Weile, ehe sie sich daran wagt und damit eine nicht gerade einfache Zeit noch einmal zum Leben erweckt.

Sie war 19, als sie sich in einen Mittfünfziger verliebte. Er war verheiratet und sie nicht seine erste Nebenbei-Gespielin. Es entwickelte sich eine sehr intensive Beziehung, deren Aufs und Abs in diesem Buch sehr ausführlich erzählt werden.

„Wie soll man es aushalten, dass die Gegenwart Moment für Moment hinabrauscht und Vergangenheit wird?"

Hier wird eine Liebe beschrieben, die eigentlich von Anfang zum Sterben verurteilt war. Sie kamen aus völlig unterschiedlichen Generationen: während er als Kind noch Vertreibung miterlebte, fehlte ihr jegliche Lebenserfahrung. Nur spielten die Hormone so verrückt, dass sie beide sich das niemals eingestanden.

Die Geschichte spielt kurz vor dem Mauerfall in Ostberlin. Der im Klappentext erwähnte Satz „Vor dem Hintergrund der untergehenden DDR“ hat mich dazu bewogen, das Buch zur Hand zu nehmen. Denn auch dreißig Jahre danach ist die Zeit für mich immer noch sehr spannend. Leider wurde die Zeitgeschichte im ersten Teil des Buches weitgehend ausgespart, dafür bekam ich als Leserin die Gefühle der Protagonisten sehr detailliert geschildert. So konnte ich erleben, wie sich die beiden in ihre Verlorenheit hineinsteigerten, sich in ihren Unsicherheiten einrichteten und sie nicht mehr aufgeben wollten.

Jenny Erpenbeck (*12. März 1967 in Ostberlin) hat zugegeben, dass sie hier eine autobiographische Erfahrung in Worte gefasst hat. Eine Liebesgeschichte, die sich so oder so ähnlich sicherlich oft ereignet. Dabei hat sie uns ganz tief in die Gefühle der beiden mit hinein genommen.

Bei mir blieb im Nachklang aber vor allem Mitleid mit den Protagonisten. Ich litt mit der jungen Frau, die bei ihrem Liebhaber Halt suchte, während er davon träumte, mit ihr noch einmal jung zu sein, bis ihm der Altersunterschied bewusst wurde und er sich fragte, ob er ihr überhaupt genug sein könnte.

Schade fand ich, dass der entscheidende politische Umschwung erst so spät thematisiert wurde. Allerdings war auch diese Zeit sehr intensiv beschrieben, wodurch ich den etwas undurchsichtigen und verwirrenden Schluss gerne verzeihen konnte.

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Veröffentlicht am 21.09.2025

Berührend

Du musst meine Hand fester halten, Nr. 104
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Dieser Familienroman lässt uns in das Leben von vier Generationen schauen. Margret ist die Älteste der Frauen. Sie hat das Zepter in der Hand und gibt es nicht her. Schon in der Kindheit, die sie zum Teil ...

Dieser Familienroman lässt uns in das Leben von vier Generationen schauen. Margret ist die Älteste der Frauen. Sie hat das Zepter in der Hand und gibt es nicht her. Schon in der Kindheit, die sie zum Teil im Heim verbringen musste, wusste sie, was sie wollte: nämlich weg von hier, weg von der Grausamkeit. Doch das vermeintliche Glück zu einer Tante zu kommen, erwies sich als Trugschluss.
In diesem Hörbuch begleiten wir sie durch ihr Leben, in dem Verluste eine große Rolle spielten. Ihre frühe Prägung durch den Onkel erschwerten ihr Leben bis zum bitteren Ende. Das mussten auch die Tochter Irene, die Enkelin Julia und die Urenkelin Emily aushalten. Unter den Gegebenheiten ist erstaunlich, was sie alles auf die Beine gestellt hat, bevor sie den Boden unter den Füßen verlor!


Wenn auch nicht jede Lebensgeschichte der Menschen, die vor oder während des Zweiten Weltkriegs geboren wurden, mit so vielen schwierigen Erfahrungen verbunden ist, haben doch einige etwas gemeinsam. Auch meine Eltern, die zu dieser Generation gehörten, haben ihre Geheimnisse bewahrt. Es gab Dinge, über die nie gesprochen wurde, Erfahrungen, die ich im Laufe meines Lebens aus Büchern erfuhr und im Kontext zu meinen Eltern erst spät einzuordnen in der Lage war.

In dieser Hinsicht ist Susanne Abel ein besonderes Buch gelungen. Es hat mich tief bewegt, teilweise zu Tränen gerührt und mir wieder einmal klar gemacht, wie sich so manche Erfahrungen unserer Vorfahren bis in unsere Gegenwart hinein auswirken.
Vera Teltz hat das fünfzehn Stunden dauernde Hörbuch mit ihrer sympathischen Stimme zu einem wahren Hörgenuss gemacht.
Ich empfehle dieses Werk jedem, der sich mit unverständlichen Eigenheiten der Vorfahren auseinandersetzen muss. Vielleicht geht es ihm ja wie mir: Ich werde bei solche Lektüre in meiner Einschätzung von ungeliebten menschlichen Eigenschaften milder.

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Veröffentlicht am 15.09.2025

Pubertät

Himmel ohne Ende
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Charlie ist fünfzehn und steckt mitten in der Pubertät. Sie fühlt sich von allen verlassen. Der Vater ist gegangen, als sie sieben war und ihre beste Freundin wurde auch untreu. Sie hat nun niemanden zum ...

Charlie ist fünfzehn und steckt mitten in der Pubertät. Sie fühlt sich von allen verlassen. Der Vater ist gegangen, als sie sieben war und ihre beste Freundin wurde auch untreu. Sie hat nun niemanden zum Reden, da die Mutter viel arbeitet. Nur ihrem Meerschweinchen, das wie sie ein Einzelgänger ist, kann sie ihr Leid klagen.

„Ich frage mich manchmal, wer ich bin und das alles. Ich hasse dich und ich hasse mich und ich hasse alles und ich wünschte, ich wäre tot.“

Erst einem neuem neuen Klassenkamerad, der ein eigenes Gefühlspaket zu tragen hat, gelingt es, sie aus ihrem Schneckenhaus zu holen.


Dies ist ein Buch, das Gefühle anspricht. Der Autorin gelang es, mich in den Gefühlsstrudel hineinzuziehen. Teilweise konnte ich mich an meine eigene, lang zurückliegende Pubertät erinnern, in der ich den Satz „Man kann ans Ende der Welt reisen und nimmt sich immer selbst mit“ noch nicht verstand. Schön war es, als die Jugendlichen entdeckten, dass sie auch mit Trauer im Herzen glücklich sein können.


Julia Engelmann (*13.Mai 1992 in Elmshorn) ist eine deutsche Schauspielerin, Poetry-Slammerin, Dichterin und Sängerin. Bekannt wurde sie durch ihren Poetry-Slam-Text ›Eines Tages, Baby‹, der 2014 viral ging und bisher 14 Millionen Views hat.


Fazit: Ein Buch, das mich mit seiner Intensität überzeugt hat. Es könnte vor allem Jugendlichen ein Wegweiser sein. Ich empfehle es aber auch Eltern und Großeltern, um tiefer in die Gefühlslage des Nachwuchses einzutauchen.

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