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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 25.05.2026

Der geht unter die Haut

Nebelbeute
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Mit Nebelbeute liefert Benjamin Cors einen düsteren und atmosphärisch dichten Thriller ab, der von der ersten Seite an Spannung erzeugt. Der dritte Band der Reihe um die „Gruppe 4“ verbindet psychologische ...

Mit Nebelbeute liefert Benjamin Cors einen düsteren und atmosphärisch dichten Thriller ab, der von der ersten Seite an Spannung erzeugt. Der dritte Band der Reihe um die „Gruppe 4“ verbindet psychologische Abgründe, ein beklemmendes Setting und eine persönliche Vergangenheit zu einem intensiven Leseerlebnis. Ich empfehle unbedingt die anderen Teile vorher zu lesen!

Im Mittelpunkt steht erneut Mila Weiss, die auf eigene Faust einem Mann aus ihrer Vergangenheit nachjagt: Johannes Toblach. Ihre Spur führt sie in ein abgelegenes Bergdorf, umgeben von dunklen Wäldern, dichtem Nebel und einer fast greifbaren Bedrohung. Als dort eine grausam inszenierte Leiche gefunden wird und Mila plötzlich verschwindet, beginnt für Jakob Krogh und die Gruppe 4 ein Wettlauf gegen die Zeit.

Besonders stark ist die Atmosphäre des Romans. Benjamin Cors gelingt es hervorragend, die verschneiten Wälder, die Isolation des Dorfes und das ständige Gefühl von Gefahr lebendig werden zu lassen. Der Nebel wird dabei fast zu einer eigenen Figur – bedrückend, undurchschaubar und allgegenwärtig. Gerade diese düstere Stimmung sorgt dafür, dass der Thriller lange nachwirkt.

Auch die Figuren überzeugen. Mila Weiss ist eine komplexe Protagonistin, deren persönliche Verstrickung dem Fall zusätzliche emotionale Tiefe verleiht. Gleichzeitig punktet das Team der Gruppe 4 mit glaubwürdiger Dynamik und interessanten Charakteren. Besonders die Zusammenarbeit innerhalb der Ermittlergruppe, die mir mit jedem Band mehr ans Herz wächst, hat mir sehr gut gefallen.

Die Handlung entwickelt sich temporeich und wartet immer wieder mit überraschenden Wendungen auf. Cors versteht es, falsche Fährten zu legen und die Spannung konstant hochzuhalten. Gleichzeitig bleibt genug Raum für psychologische Aspekte und die Entwicklung der Figuren. Wer atmosphärische Thriller mit Serienkiller-Thematik und starken Ermittlerfiguren mag, kommt hier voll auf seine Kosten.

Der Schreibstil ist flüssig, bildhaft und direkt. Gerade die kurzen Kapitel und die wechselnden Perspektiven sorgen dafür, dass man das Buch kaum aus der Hand legen möchte. Allerdings ist Nebelbeute stellenweise sehr düster und brutal – ein klassischer Wohlfühlkrimi ist dieser Thriller definitiv nicht.

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Veröffentlicht am 15.05.2026

Manchmal etwas zu seicht

Fischkopp-Vendetta
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Mit Fischkopp-Vendetta präsentiert Patricia Brandt einen soliden Ostsee-Krimi, der vor allem durch sein norddeutsches Flair und sympathische Figuren punktet. Der Roman bietet eine interessante Ausgangslage ...

Mit Fischkopp-Vendetta präsentiert Patricia Brandt einen soliden Ostsee-Krimi, der vor allem durch sein norddeutsches Flair und sympathische Figuren punktet. Der Roman bietet eine interessante Ausgangslage mit geheimnisvollen Waffenfunden, einer Leiche am Leuchtturm und dunklen Geheimnissen in einem kleinen Küstenort. Die Atmosphäre an der Ostsee ist dabei sehr gelungen eingefangen und sorgt schnell für echtes Küstenkrimi-Feeling.

Besonders positiv fällt der lockere Schreibstil auf. Das Buch liest sich angenehm flüssig und kombiniert Spannung mit einer guten Portion Humor. Vor allem die Dialoge und die Eigenheiten der Figuren verleihen der Geschichte Charme. Kommissar Oke Oltmanns wirkt bodenständig und menschlich, was ihn zu einem sympathischen Ermittler macht.

Allerdings zeigt der Roman auch einige Schwächen. Die Handlung entwickelt sich stellenweise etwas vorhersehbar, und manche Wendungen wirken weniger überraschend, als sie vermutlich gedacht waren. Gerade erfahrene Krimileser dürften relativ früh ahnen, in welche Richtung sich der Fall entwickelt. Auch die Ermittlungen verlaufen zeitweise eher gemütlich, wodurch die Spannung zwischendurch etwas abfällt.

Ein weiterer Kritikpunkt ist, dass einige Nebenfiguren recht stereotyp bleiben und nicht besonders viel Tiefe erhalten. Manche Konflikte werden eher oberflächlich behandelt, obwohl sie Potenzial für mehr emotionale Intensität gehabt hätten.

Dennoch gelingt es Patricia Brandt, eine unterhaltsame Geschichte zu erzählen, die vor allem durch ihre Atmosphäre und das Lokalkolorit lebt. Wer harte Thriller oder hochkomplexe Ermittlungen erwartet, könnte etwas enttäuscht sein. Fans von eher ruhigen Regionalkrimis mit norddeutschem Humor und sympathischen Charakteren werden dagegen gut unterhalten.

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Veröffentlicht am 15.05.2026

Spannend und verwirrend

Und morgen du (Ein Fabian-Risk-Krimi 1)
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Mit diesem Buch gelingt Stefan Ahnhem ein düsterer und packender Auftakt zur Fabian-Risk-Reihe, der als Hörbuch noch einmal eine ganz besondere Intensität entfaltet. Die Kombination aus einem raffiniert ...

Mit diesem Buch gelingt Stefan Ahnhem ein düsterer und packender Auftakt zur Fabian-Risk-Reihe, der als Hörbuch noch einmal eine ganz besondere Intensität entfaltet. Die Kombination aus einem raffiniert konstruierten Thriller und der eindrucksvollen Lesung von David Nathan sorgt dafür, dass man sich der Geschichte kaum entziehen kann. Allerdings habe ich beim Hören des zweiten Teils (Herzsammler) festgestellt, dass es sich dabei um den ersten Teil handelt, da er vor diesem hier spielt.

Die Handlung beginnt mit einer grausam zugerichteten Leiche in Helsingborg. Kommissar Fabian Risk, der eigentlich mit seiner Familie einen Neuanfang wagen wollte, wird sofort in die Ermittlungen hineingezogen. Schnell wird klar: Der Täter hat es auf ehemalige Klassenkameraden abgesehen – und Risk selbst scheint enger mit dem Fall verbunden zu sein, als ihm lieb ist. Die Geschichte entwickelt sich zu einem nervenaufreibenden Wettlauf gegen die Zeit voller falscher Fährten, dunkler Geheimnisse und brutaler Überraschungen.

Besonders stark ist die Atmosphäre des Hörbuchs. Ahnhem erschafft eine düstere, beklemmende Stimmung, die perfekt zu diesem skandinavischen Thriller passt. Gleichzeitig überzeugt die komplexe Handlung mit vielen Wendungen und einem Spannungsbogen, der über die gesamte Laufzeit erhalten bleibt.

Ein großer Pluspunkt ist jedoch die Interpretation von David Nathan. Seine markante Stimme verleiht den Figuren Tiefe und macht sowohl die ruhigen als auch die bedrohlichen Momente unglaublich intensiv. Gerade in den Szenen mit dem Täter oder den emotionalen Konflikten von Fabian Risk schafft Nathan es, die Spannung spürbar zu transportieren. Viele Hörbuchfans loben genau diese Mischung aus Atmosphäre und eindringlicher Sprecherleistung.

Fabian Risk selbst ist ein interessanter Ermittler: kompetent, aber keineswegs perfekt. Seine familiären Probleme und seine persönliche Verbindung zu den Opfern machen ihn greifbar und verleihen der Geschichte zusätzliche emotionale Tiefe.

Der Thriller ist stellenweise sehr brutal und nichts für empfindliche Hörerinnen und Hörer. Wer jedoch intensive Spannung und komplexe Serienkiller-Geschichten mag, wird hier bestens unterhalten.

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Veröffentlicht am 05.05.2026

Amüsanter Krimi

Zwei Leichen zum Prosecco
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Eva Reichl liefert hier einen unterhaltsamen und zugleich spannenden Regionalkrimi, der mit einer gelungenen Mischung aus Spannung, Humor und originellen Figuren überzeugt. Als zweiter Band rund um Chefinspektorin ...

Eva Reichl liefert hier einen unterhaltsamen und zugleich spannenden Regionalkrimi, der mit einer gelungenen Mischung aus Spannung, Humor und originellen Figuren überzeugt. Als zweiter Band rund um Chefinspektorin Lotta Meinich zeigt der Roman, wie viel Charme und Dynamik in einem klassischen Ermittlerfall stecken können.

Die Geschichte beginnt mit einem schockierenden Fund im Kürnbergwald: Lotta und ihr Vater Gustav stoßen bei einem Spaziergang auf eine grausam zugerichtete Leiche – und nur kurze Zeit später folgt ein zweiter Mord. Besonders reizvoll ist dabei die Ausgangslage: scheinbar keine Verbindung zwischen den Opfern, Verdächtige mit wasserdichten Alibis und ein Fall, der sich lange jeder klaren Lösung entzieht.

Was den Roman jedoch wirklich besonders macht, ist die ungewöhnliche Ermittlerkonstellation. Die Zusammenarbeit – oder besser gesagt: das Chaos – zwischen Lotta und ihrem Vater sorgt immer wieder für humorvolle, aber auch überraschend tiefgründige Momente. Gustav bringt mit seinen eigenwilligen Aktionen frischen Wind in die Ermittlungen und stellt Lottas Geduld ordentlich auf die Probe, was dem Buch eine charmante Leichtigkeit verleiht.

Auch die Figuren überzeugen insgesamt durch ihre Lebendigkeit. Lotta ist eine starke, zugleich menschliche Ermittlerin, die nicht nur den Fall lösen muss, sondern auch mit persönlichen Herausforderungen konfrontiert wird. Gerade diese Mischung aus Professionalität und emotionaler Beteiligung macht sie zu einer glaubwürdigen und sympathischen Protagonistin.

Die Handlung ist spannend aufgebaut und entwickelt sich stetig weiter. Reichl gelingt es, falsche Fährten zu legen und die Auflösung bis zum Schluss offen zu halten. Gleichzeitig bleibt genug Raum für zwischenmenschliche Entwicklungen, sodass der Roman mehr ist als ein reiner „Whodunit“.

Der Schreibstil ist flüssig, leicht zugänglich und mit einer angenehmen Prise Humor versehen. Dadurch liest sich das Buch sehr kurzweilig, ohne an Spannung einzubüßen.

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Veröffentlicht am 05.05.2026

Geschichtsstunde super verpackt

Die Hoffnung, die uns trägt
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Mit diesem Buch gelingt Kerstin Lange ein eindrucksvoller historischer Roman, der persönliche Schicksale und politische Umbrüche auf bewegende Weise miteinander verbindet. Die Geschichte führt ins Lissabon ...

Mit diesem Buch gelingt Kerstin Lange ein eindrucksvoller historischer Roman, der persönliche Schicksale und politische Umbrüche auf bewegende Weise miteinander verbindet. Die Geschichte führt ins Lissabon der frühen 1960er-Jahre und zeichnet das Porträt einer jungen Frau, die zwischen familiärer Verantwortung, Liebe und dem Wunsch nach einem selbstbestimmten Leben ihren Weg finden muss.

Im Mittelpunkt steht Amália, deren Leben nach einem schweren Verlust aus den Fugen gerät: Der Tod ihres Bruders, das Verschwinden des Vaters und die Krankheit der Mutter zwingen sie, früh Verantwortung zu übernehmen. Besonders gelungen ist, wie die Autorin diese persönliche Geschichte mit den politischen Spannungen im Portugal jener Zeit verknüpft. Die Begegnung mit dem engagierten Studenten Marcelo bringt nicht nur eine Liebesgeschichte ins Spiel, sondern auch das Thema Widerstand gegen ein autoritäres Regime – und damit eine zusätzliche emotionale und gesellschaftliche Tiefe. Mir persönlich ist die portugiesische Geschichte komplett fremd gewesen.

Stärken des Romans liegen vor allem in seiner Atmosphäre und Figurenzeichnung. Lissabon wird lebendig und greifbar beschrieben, während Amálias innerer Konflikt – zwischen Sicherheit und Aufbruch – sehr nachvollziehbar dargestellt ist. Die Autorin schafft es, große Themen wie Freiheit, Verantwortung und Hoffnung in eine persönliche, nahbare Geschichte einzubetten. Dabei wirken die Emotionen nie überzogen, sondern ruhig und authentisch erzählt.

Der Schreibstil ist flüssig, einfühlsam und gut zugänglich. Die Handlung entwickelt sich eher ruhig, bleibt aber durchgehend fesselnd, da man Amália gern auf ihrem Weg begleitet. Besonders die Verbindung aus Liebesgeschichte und politischem Hintergrund verleiht dem Roman eine zusätzliche Spannungsebene.

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