Der geht unter die Haut
NebelbeuteMit Nebelbeute liefert Benjamin Cors einen düsteren und atmosphärisch dichten Thriller ab, der von der ersten Seite an Spannung erzeugt. Der dritte Band der Reihe um die „Gruppe 4“ verbindet psychologische ...
Mit Nebelbeute liefert Benjamin Cors einen düsteren und atmosphärisch dichten Thriller ab, der von der ersten Seite an Spannung erzeugt. Der dritte Band der Reihe um die „Gruppe 4“ verbindet psychologische Abgründe, ein beklemmendes Setting und eine persönliche Vergangenheit zu einem intensiven Leseerlebnis. Ich empfehle unbedingt die anderen Teile vorher zu lesen!
Im Mittelpunkt steht erneut Mila Weiss, die auf eigene Faust einem Mann aus ihrer Vergangenheit nachjagt: Johannes Toblach. Ihre Spur führt sie in ein abgelegenes Bergdorf, umgeben von dunklen Wäldern, dichtem Nebel und einer fast greifbaren Bedrohung. Als dort eine grausam inszenierte Leiche gefunden wird und Mila plötzlich verschwindet, beginnt für Jakob Krogh und die Gruppe 4 ein Wettlauf gegen die Zeit.
Besonders stark ist die Atmosphäre des Romans. Benjamin Cors gelingt es hervorragend, die verschneiten Wälder, die Isolation des Dorfes und das ständige Gefühl von Gefahr lebendig werden zu lassen. Der Nebel wird dabei fast zu einer eigenen Figur – bedrückend, undurchschaubar und allgegenwärtig. Gerade diese düstere Stimmung sorgt dafür, dass der Thriller lange nachwirkt.
Auch die Figuren überzeugen. Mila Weiss ist eine komplexe Protagonistin, deren persönliche Verstrickung dem Fall zusätzliche emotionale Tiefe verleiht. Gleichzeitig punktet das Team der Gruppe 4 mit glaubwürdiger Dynamik und interessanten Charakteren. Besonders die Zusammenarbeit innerhalb der Ermittlergruppe, die mir mit jedem Band mehr ans Herz wächst, hat mir sehr gut gefallen.
Die Handlung entwickelt sich temporeich und wartet immer wieder mit überraschenden Wendungen auf. Cors versteht es, falsche Fährten zu legen und die Spannung konstant hochzuhalten. Gleichzeitig bleibt genug Raum für psychologische Aspekte und die Entwicklung der Figuren. Wer atmosphärische Thriller mit Serienkiller-Thematik und starken Ermittlerfiguren mag, kommt hier voll auf seine Kosten.
Der Schreibstil ist flüssig, bildhaft und direkt. Gerade die kurzen Kapitel und die wechselnden Perspektiven sorgen dafür, dass man das Buch kaum aus der Hand legen möchte. Allerdings ist Nebelbeute stellenweise sehr düster und brutal – ein klassischer Wohlfühlkrimi ist dieser Thriller definitiv nicht.