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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 21.04.2017

Unglaublich spannend

Endgültig
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Jenny Aaron hat vor 5 Jahren bei einem Einsatz in Barcelona ihr Augenlicht verloren und lebt seitdem mit der Schuld, ihren Freund und Partner im Stich gelassen zu haben, von dem sie dachte, er sei am Ort ...

Jenny Aaron hat vor 5 Jahren bei einem Einsatz in Barcelona ihr Augenlicht verloren und lebt seitdem mit der Schuld, ihren Freund und Partner im Stich gelassen zu haben, von dem sie dachte, er sei am Ort des Überfalls gestorben. Die beiden waren gemeinsam Mitglied einer streng geheimen Eliteeinheit der Polizei, die immer zu gefährlichen Einsätzen gerufen wird. Mittlerweile ist Aaron Fallanalytikerin beim BKA und trifft zum ersten Mal wieder auf Niko, weil sie wegen eines Falles hinzugezogen wird, der in ihre Vergangenheit reicht.
Andreas Pflüger hat mich mit seiner Geschichte und seinem Schreibstil von der ersten Seite an überzeugt. Die Geschichte wird aus Sicht der erblindeten Jenny erzählt, die hart mit sich ins Gericht geht und Erstaunliches trotz ihrer Blindheit – oder manchmal gerade deswegen – leistet. Ein Plädoyer dafür, Blinde nicht zu unterschätzen. Jenny Aaron trifft nun auf die ehemaligen Kollegen und gerade die Beziehung zu Pavlik und seiner Frau Sandra wird sehr gut näher gebracht. Pflüger gelingt es, die Schwächen und Stärken seiner Protagonisten, die Zweifel und manchmal auch (kleinen) Eitelkeiten gut darzustellen. Daneben gibt es eine rasante Geschichte, die verzwickter ist als sie zu sein scheint. Die Auflösung ist logisch und nachvollziehbar, trotz Überraschungen wirkt sie aber nicht an den Haaren herbei gezogen. Ich hoffe, bald mehr von Pflüger zu lesen.

Veröffentlicht am 21.04.2017

Interessant

Der Sommer, in dem F. Scott Fitzgerald beinahe einen Kellner zersägte
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Es ist der Sommer 1926. F. Scott Fitzgerald verbringt ihn mit seiner Frau Zelda und seiner Tochter Scottie an der Côte d’Azur, in Juan-les-Pins. Eigentlich reisen sie schon im Frühjahr an und bleiben bis ...

Es ist der Sommer 1926. F. Scott Fitzgerald verbringt ihn mit seiner Frau Zelda und seiner Tochter Scottie an der Côte d’Azur, in Juan-les-Pins. Eigentlich reisen sie schon im Frühjahr an und bleiben bis zum Beginn des Winters. Fitzgerald hofft hier, abseits der Ablenkungen und des Trubels in Paris, Ruhe für seinen neuen Roman zu finden, aber es fällt ihm schwer, diesen zu schreiben. Da korrigiert und lektoriert er lieber „Fiesta“ von Hemingway, für den er einen Vertrag bei seinem Verleger ermöglicht hat und somit fühlt er sich verantwortlich. Andererseits ist er aber eifersüchtig auf Hemingway, vor allem, weil dieser ihm seine Rolle als beliebtester Protegé der Murphys wegzuschnappen – so empfindet Fitzgerald es zumindest und er blamiert sich mit seinem Benehmen zunehmend, vor allem, weil er mehr und mehr betrunken ist und kindische Scherze treibt, die keiner außer ihm lustig findet. Seine Frau Zelda kränkelt, in der Ehe kriselt es ab dem Spätsommer. Aber vieles ist dennoch unbeschwert und eine große Party, was vor allem dem Engagement von Sara und Gerald Murphy zu verdanken ist, die in ihrer Villa America viele illustre Gäste beherbergen in diesem Sommer, in dem Antibes noch ein Geheimtipp ist. Pablo Picasso oder Dorothy Parker kommen auch vorbei. Diese unbeschwerte Zeit geht jedoch ihrem Ende zu und Fitzgerald hat bei seiner Rückkehr sein Geld aufgebraucht und sein Buch noch nicht geschrieben.
Emily Walton gelingt es wunderbar, diesen Sommer 1926 vor den Augen des Lesers erstehen zu lassen. Man liest über die unbeschwerte Zeit, fast leere Strände, eine Coctailparty nach der anderen, ein Zusammentreffen vieler Künstler. Doch droht hinter dieser Unbeschwertheit immer schon das Ende dieser Zeit. Die Autorin gibt interessante Einblicke in das Leben der Fitzgeralds, so auch die Unfähigkeit von Scott, korrekte Rechtschreibung zu beherrschen (zum Beispiel schreibt er wohl immer „Rivierra“ mit einem doppelten ‚r‘).
Ein tolles Buch, das leider viel zu kurz ist.

Veröffentlicht am 21.04.2017

Im Spreewald

Spreewaldgrab (Ein-Fall-für-Klaudia-Wagner 1)
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Die Polizistin Klaudia hat sich nach dem Ende ihrer Beziehung vom Ruhrgebiet in den Spreewald versetzen lassen und hofft hier auch mit ihrem Tinnitus besser klar zu kommen.

Ihr neuen Kollegen versuchen, ...

Die Polizistin Klaudia hat sich nach dem Ende ihrer Beziehung vom Ruhrgebiet in den Spreewald versetzen lassen und hofft hier auch mit ihrem Tinnitus besser klar zu kommen.

Ihr neuen Kollegen versuchen, ihr die neue Heimat ein wenig schmackhaft zu machen und so erfährt der Leser auch so manches über den Spreewald (allerdings nicht zu viel, denn es ist ja ein Krimi und kein Reiseführer). Klaudia wohnt in der Einliegerwohnung ihres Kollegen Uwe, was dessen Frau Silke nicht so gefällt. Wer ist der heimliche Verehrer oder gar Stalker, der ihr fast jede Nacht eine Rose unter die Scheibenwischer ihres Autos klemmt? Aber diese Frage tritt rasch in den Hintergrund, als in einem Ferienhaus eine Leiche entdeckt wird: der Architekt König wurde erschossen. Gemeinsam mit ihrem halb-vietnamesischen Kollegen ermittelt sie, aber die Suche nach dem Täter ist nicht einfach.

In einem zweiten Erzählstrang ist eine Frau, die gefangen gehalten wird und sich an nichts mehr erinnert die Ich-Erzählerin. Wer ist sie und was hat sie mit der Geschichte zu tun? Diese kurzen Kapitel sind verstörend und rätselhaft; sprachlich heben sie sich vom Rest der Geschichte ab.

Christiane Dieckerhoff ist eine verschlungene und interessante Geschichte gelungen, die komplizierter ist, als sie zu sein scheint, am Ende jedoch mit einer überzeugenden Lösung aufwartet. Die Hintergründe zu Klaudia und ihren Kollegen Uwe und Thang fand ich sehr interessant. Ich bin gespannt auf eine Fortsetzung, um mehr über die Hintergründe zu erfahren.

Veröffentlicht am 21.04.2017

Capelli und Zhou

Sterbegeld
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Dies ist schon der dritte Fall der Frankfurter Ermittlerinnen Em(ilia) Capelli und Mai Zhou. Und ja, endlich duzen sich die beiden - wurde aber auch Zeit. Dieses Mal betrifft der eine Fall die beiden ...


Dies ist schon der dritte Fall der Frankfurter Ermittlerinnen Em(ilia) Capelli und Mai Zhou. Und ja, endlich duzen sich die beiden - wurde aber auch Zeit. Dieses Mal betrifft der eine Fall die beiden ganz persönlich. Ein Kollege ist umgekommen und der Täter kann nur ein Kollege gewesen sein, also werden die beiden hinzugezogen, um gegen die Kollegen zu ermitteln. Keine einfache Sache, denn sie kennen die Kollegen gut, vor allem Em, die sich die Sache sehr zu Herzen nimmt und die Kollegen auch schon länger kennt. Im zweiten Fall geht es darum, dass eine komplette Familie, Vater, Mutter und zwei kleine Kinder ermordet wurde. Der Tatverdächtige sitzt im Gefängnis, aber sein Verteidiger ist sich sicher, dass da was nicht stimmt mit den Ermittlungen und sein Mandat unschuldig ist. Also gehen die beiden Frau dem nach und finden so einiges, was den Fall im neuen Licht zeigt.

Dieses Buch gefällt mir von den drei bisher erschienenen Bänden am besten. Mag es daran liegen, dass man die Personen immer besser kennt und mehr aus dem (Privat-)Leben, oder aber auch daran, dass dieser Fall so interessant ist. Judith Winter hat es auf jeden Fall geschafft, mich zu packen und der Aufbau der Geschichte wie auch die Lösung haben mich sehr überzeugt. Ich bin sehr gespannt darauf, wie es weitergehen wird.

Veröffentlicht am 21.04.2017

Historischer Abenteuerroman

Der Kaffeedieb
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Ich habe einige der Luxemburg-Krimis und auch „Drohnenland“ von Tom Hillenbrand gelesen und so habe ich mich schon sehr auf diesen historischen Roman gefreut, weil ich den Schreibstil des Autoren mag und ...

Ich habe einige der Luxemburg-Krimis und auch „Drohnenland“ von Tom Hillenbrand gelesen und so habe ich mich schon sehr auf diesen historischen Roman gefreut, weil ich den Schreibstil des Autoren mag und ich bin nicht enttäuscht worden.

Ende des 17. Jahrhunderts, Obediah Chalon sitzt in einem Londoner Kaffeehaus und ist sicher, bald das Geschäft seines Lebens abzuschließen. Chalon ist ein begnadeter Fälscher, Naturphilosoph, Kaffeetrinker und liebenswerter Filou – und was sonst noch alles in ihm steckt, offenbart sich erst nach und nach. Natürlich führt das Geschäft nicht zu dem gewünschten Erfolg. Zeitsprung. Obediah Chalon befindet sich im Gefängnis, wird allerdings bald von VOC damit beauftragt, in Mocha Kaffeepflanzen zu stehlen, um das Monopol auf Kaffee zu beenden. Dafür heuert er eine Mannschaft mit ganz unterschiedlichen Fähigkeiten an und die Reise beginnt…

Hillenbrand ist ein gewitzter, intelligenter, sympathischer, manchmal erschreckend naiver Protagonist gelungen, der mit vielen bekannten Leuten korrespondiert und durch diesen Kniff streut der Autor immer wieder historische, technische, naturphilosophische und weitere Erkenntnisse ein. Exkurse und Erkenntnisse zur Codierung und Dechiffrierung ziehen sich wie ein roter Faden durch die Geschichte neben einer kleinen Kaffeegeschichte.

Wer sich ein wenig in der Geschichte auskennt, ist sicherlich im Vorteil; auch Fremdsprachenkenntnisse helfen. Mir hat dieser Stil sehr gut gefallen. Die Geschichte bleibt immer spannend und interessant, da sie gerne unerwartete Wendungen nimmt. Eine absolute Leseempfehlung!