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Veröffentlicht am 05.12.2016

Unter Markenmenschen

Unter Markenmenschen
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Unter Markenmenschen, von Birgit Rabisch

Cover:
Eine hübsche junge Frau, dreimal abgebildet!
Ein Spiegel oder Klone??

Inhalt:
Die 17jährige Simone lebt in einer Zukunft, in der die Menschen regelrecht ...

Unter Markenmenschen, von Birgit Rabisch

Cover:
Eine hübsche junge Frau, dreimal abgebildet!
Ein Spiegel oder Klone??

Inhalt:
Die 17jährige Simone lebt in einer Zukunft, in der die Menschen regelrecht „produziert“ werden!
Und zwar werden schon die 13jährigen Mädchen sterilisiert (um einer ungewollten Schwangerschaft vorzubeugen) und im gleichen „Atemzug“ werden Follikel entnommen um später gentechnisch aufbereitet zu werden, wenn ein Kinderwunsch da ist.

Simone ist nun eines der wenigen No-Name-Kinder, und sie hat es ihre ganze Kindheit hindurch zu spüren bekommen und darunter gelitten.
Doch nun verliebt sie sich, und nach und nach kommt sie zu einer anderen Sicht der Dinge.
Ihrem Tagebuch vertraut sie ihre Gefühle und Gedanken an……….

Meine Meinung:
Ein unglaubliches Szenario wird uns in diesem Buch erzählt.
Könnte die Menschheit wirklich so weit kommen, dass nur noch das Aussehen zählt? Dass es schon eine Zumutung ist „krank oder leidend“ (wenn man mal Kopfschmerzen oder Grippe hat) gesehen zu werden? Dass es direkt „Marken“ gibt, nach denen die Kinder ausgesucht und im Genlabor „modelliert“ werden?
Kinder nur noch nach Selektion?
Ist das erstrebenswert?
Aus medizinischer Sicht hat es bestimmt seine Berechtigung und klingt verlockend (keine schlimmen Krankheiten etc. mehr).
Aber sonst macht mir so etwas doch Angst.

Das Buch (Büchlein 127 Seiten), schafft Anreize über dieses Thema nachzudenken, oder gibt Anhaltspunkte zur Diskussion, geht aber nicht tief genug in die Materie.

Anhand der Liebesgeschichte von Simone wird gezeigt in welche Konflikte Menschen kommen, wenn dann Gefühle mit ins Spiel kommen und die „Natur“ sich spontan quer stell.

Autorin:
Birgit Rabisch, geb. 1953 in Hamburg, hat sich früh mit den Folgen der Biotechnologie auseinandergesetzt.

Mein Fazit:
Ein Buch das mich aufgeschreckt hat.
Das mir wieder gezeigt hat, dass jeder einzelne sich auf dem Laufenden halten sollte und nicht ganz so gutgläubig jeden Fortschritt der Medizin und Wissenschaft gut heißen und einfach hinnehmen sollte.
Hinterfragen und „gesunder Menschenverstand“, so wie ein menschliches „Bauchgefühl“ ist für unsere Menschheit und Kultur so wichtig.
Von mir 4 Sterne.

Veröffentlicht am 03.12.2016

Das Geheimnis der Hutmacherin

Das Geheimnis der Hutmacherin
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Das Geheimnis der Hutmacherin, von Natalie Meg Evans

Cover:
Ein schönes nostalgisches Cover, das neugierig macht.

Inhalt:
Beginn 1940 / Ende 1961.
Handlungsort: Beginn London, über Paris (Haupthandlungsort), ...

Das Geheimnis der Hutmacherin, von Natalie Meg Evans

Cover:
Ein schönes nostalgisches Cover, das neugierig macht.

Inhalt:
Beginn 1940 / Ende 1961.
Handlungsort: Beginn London, über Paris (Haupthandlungsort), am Schluss sind wir wieder in London.

Cora Masson will mehr vom Leben.
Als der Kunsthändler Dietrich ihr die Chance bietet, mit ihm von London nach Paris zu gehen, willigt sie über Nacht ein.
Dort steigt sie, unter falschem Namen: Coralie de Lirac, in der Modewelt als Hutmacherin, mit eigenem Geschäft auf.
Anfänglich wird sie von Dietrich protegiert und beginnt auch eine Affäre mit ihm.
Dann bricht der Krieg aus!
Kann sie ihre Existenz und ihr Geheimnis wahren?

Meine Meinung:
Ein ungemein fesselndes Buch.
Der Leser geht mit Cora, die dann zu Coralie wird, mit in ihre Welt hineingezogen.
Coralie ist die Hauptprotagonistin, ein „Stehaufmännchen“, das unglaubliches durchmacht. Privat wie beruflich macht sie mehr als nur eine Achterbahn der Gefühle durch.
Sie steigt auf in die hohen gesellschaftlichen Schichten und stürzt aber auch genau so tief wieder ab, und doch versteht sie es, ihr Leben immer wieder in die Hand zu nehmen und von vorn zu beginnen. Genauso ihre Affäre, die auch zu ihrer Liebe wird, hier weiß sie oft nicht, kann sie Dietrich noch vertrauen, liebt sie ihn noch, oder er sie? Vor allem als der Krieg ausbricht und sie in ein Komplott mit eingezogen wird, wird es sehr gefährlich für sie.

Der Schreibstil ist sehr eindringlich und wir können die Gefühle der Protagonisten und die Handlungen immer sehr gut nachfühlen.
Es geht um Liebe und Vertrauen, Krieg und Intrigen, Geheimnisse und Verrat! Aber irgendwie geht das Leben immer weiter und Coralie sitzt irgendwie immer zwischen den Stühlen.

Und dann, was für ein Finale...........
Unglaublich spannend..........
Unglaublich nervenaufreibend..........
Unglaublich versöhnlich.............

Autorin:
Natalie Meg Evans gab einst ihren Platz an der Kunstakademie auf um einem Londoner Experimentiertheater beizutreten. Heut lebt sie mit ihrem Mann im ländlichen Norden von Suffolk.

Mein Fazit:
Eine unglaubliche Frau geht ihren Weg.
Dies alles wird mit so viel Herzblut und Emotionen erzählt, dass ich als Leser gar nicht anders kann, als in diese Welt zu versinken. Ich befinde mich mit Coralie im Paris von 1940, erlebe die schlimme Kriegszeit, aber auch den unglaublichen Willen das Leben anzunehmen und selber aktiv zu gestallten.
Hut ab vor so viel Energie und dafür von mir 5 Sterne.

Veröffentlicht am 01.12.2016

Wir kennen uns nicht

Wir kennen uns nicht
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Wir kennen uns nicht, von Brigit Rabisch

Cover:
Das Schwarz-Weiße Cover, mit den Raben und dem provokanten roten Titel, hat mich neugierig gemacht.

Inhalt:
Mutter und Tochter, eine Beziehung die oft ...

Wir kennen uns nicht, von Brigit Rabisch

Cover:
Das Schwarz-Weiße Cover, mit den Raben und dem provokanten roten Titel, hat mich neugierig gemacht.

Inhalt:
Mutter und Tochter, eine Beziehung die oft Grund für schwere Konflikte bietet.
Lena (die Mutter) ist eine ehemalige Schriftstellerin, die feministische Bestseller geschrieben hat und ihr gesamtes Leben in ihren Büchern verarbeitet hat.
Sie hat sich bewusst für ein Kind und als alleinerziehende Mutter entschieden, konnte dann aber keinen Bezug zur Tochter aufbauen.
Ariane (die Tochter) arbeitet als Verhaltensforscherin über „Lügen und Tricksen unter Raben“ (wo wir ganz außergewöhnliche Einblicke erhalten). Sie fühlte sich schon als Kind von der Mutter unverstanden und vernachlässigt und vor allem in deren Bücher, als leicht zu erkennender Person, bloßgestellt.
Beide erzählen von ihrem gemeinsamen Leben, jede aus einer völlig anderen Sicht.

Meine Meinung:
Ein Buch das man nicht so einfach weg liest.
Schon der Einstig ist knallhart (und etwas verwirrend), aber es lohnt sich auf jedenfall dran zu bleiben, denn dann versteht man, mit welchen tiefen Emotionen die beiden Protagonisten, Lena und Ariane hier aneinander vorbeileben.
Beim Lesen wechseln die Sympathien, mal sind die auf der Seite von Lena, dann wechseln sie zu Ariane, immer wieder, hin und her.

Obwohl Lena sich ein Kind wünscht, kann sie diesem dann nicht näherkommen. Sie scheint selber geprägt von einer Situation, als sie in ihrer Familie die „ungeliebte Tochter“ war. Sie „verarbeitet“ ihr Leben (und ihre Umgebung) in ihren Büchern, was wiederum von Lena dann als äußerst unangenehm empfunden wird.
So bauen sich von Anfang an Geheimnisse, Missverständnisse und Lügen auf und als Leser frage ich mich, wo ist der Punkt ab dem alles sooo schief läuft?
Beide können ihre Gedanken und Gefühle nicht formulieren und darüber miteinander reden, so werden ihre Probleme nie aufgearbeitet.
Ich denke in der fehlenden Kommunikation liegt das größte Problem der Beiden und dies wird hier sehr deutlich.

Ganz besonders gefallen (und verblüfft) haben mir die wissenschaftlichen Untersuchungen an Raben (und Hunden) die hier mit eingebaut werden.

Autorin:
Birgit Rabisch studierte Soziologie und Germanistik und lebt als Autorin in Hamburg.

Mein Fazit:
Ein Buch das voller Wucht, und mit allen (negativen?) Emotionen die eine Mutter-Tochter-Beziehung ausmachen kann aufwartet.
Ein Buch das mit einem offenen Ende, aber mit der Hoffnung auf Veränderung endet.
Das viele Fragen aufwirft und ganz tief nachwirken wird.
(Gerne hätte ich noch weitergelesen, wie und ob die Beiden eine Annäherung schaffen).

Veröffentlicht am 26.11.2016

Im Sommer wieder Fahrrad

Im Sommer wieder Fahrrad
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Im Sommer wieder Fahrrad, Von Lea Streisand

Cover:
Das Foto machte mich einfach neugierig.

Inhalt:
Mit gerade mal 30 Jahren erkrankt Lea Streisand an Krebs. In einem Alter in dem Freunde Weltreisen planen, ...

Im Sommer wieder Fahrrad, Von Lea Streisand

Cover:
Das Foto machte mich einfach neugierig.

Inhalt:
Mit gerade mal 30 Jahren erkrankt Lea Streisand an Krebs. In einem Alter in dem Freunde Weltreisen planen, Jos antreten und Kinder kriegen, kreisen ihre Gedanken um die Krankheit und ihrer Angst vor dem Tod.
Ein Halt in diesem dunklen Tunnel, ist für sie ihr großes Vorbild, ihre Großmutter Ellis. Diese mutige, lustige Frau ist zwar schon gestorben, aber sie hinterließ ihrer Enkelin einen Koffer voller Souvenirs und Briefe, sowie vielen Erinnerungen die sie im Herzen bewahrt hat.

Meine Meinung:
Ein Buch bei dem es mir sehr schwer fällt eine Rezession zu schreiben. Denn es scheint ja eine Autobiographie zu sein, und eine solche Krebserkrankung ist für mich der Horror höchstpersönlich und so fällt es mir schwer mich kritisch zu äußern.
Doch um ehrlich zu sein, möchte ich hier ganz deutlich sagen, ich bewerte hier nur das Buch und wie es auf mich gewirkt hat, nicht die Person Lea Streisand.
Ich bin mir sicher ich bleibe hier ne Ausnahme (weiß auch nicht warum ich so empfinde, bin selber überrascht).

Ich bin mit dem Buch nicht so klar gekommen.
Der Schreibstil war mir zu verwirrend. Lange Schachtelsätze und teilweise Wörter die ich erst nachschlagen musste ( z.B. Kontemplation, Medium der Narration).

Irgendwie ist alles sehr unkonventionell, locker, frech, eigenwillig, schrill, spektakulär, selbstbewusst, Galgenhumor, gewollt komisch (obwohl das Thema alles andere als lustig ist), unglaubwürdig, widersprüchlich, sind Wörter die ich mir beim Lesen notiert habe und irgendwie hatte ich das Gefühl nichts passt zusammen.
Es sind viele Sprünge drin, von der Gegenwart in die Vergangenheit, aber auch in den einzelnen Zeiten.

Lea oder ihre Oma haben für mich einfach keine Gestalt angenommen (vielleicht weil sie so widersprüchlich waren?). Oder Paul, Leas Partner und ein ganz wichtiger Mensch für sie in dieser schlimmen Zeit, blieb für mich einfach Gesichtslos.
Diese schreckliche Zeit, kam bei mir gar nicht so rüber. Mit Ablenkung und viel Rebellion, auf der anderen Seite verkriechen und das schlimmste befürchten, war die Zeit ruck zuck rum.

Autorin:
Lea Streisand, geb. 1979 in Berlin, studierte Neuere deutsche Literatur und Skandinavistik. Seit 2003 liest sie Geschichten auf Lesebühnen und Poetry Slams.

Mein Fazit:
Der Funke ist bei mir leider nicht übergesprungen.
Ich kam mit dem Schreibstil nicht so klar. Die Krankheit ist schlimm, ohne Zweifel, aber mir ist die Geschichte (das Buch) zu verwirrend, zu viele Sprünge. Irgendwie erreichen mich die Emotionen nicht.
Sorry ich vergebe 3 Sterne.

Veröffentlicht am 24.11.2016

Blumenkinder

Blumenkinder
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Blumenkinder, von Meike Dannenberg

Cover:
Einfach klasse. Der Gegensatz zwischen "Blumenkinder (weiß/ alles Gut) und dem düsteren Schwarz und dem bedrohlichen Himmel ist echt klasse.
Als ich das Buch ...

Blumenkinder, von Meike Dannenberg

Cover:
Einfach klasse. Der Gegensatz zwischen "Blumenkinder (weiß/ alles Gut) und dem düsteren Schwarz und dem bedrohlichen Himmel ist echt klasse.
Als ich das Buch fertig gelesen habe, war die Hütte für mich auch ein Ort der Handlung.

Inhalt:
Im beschaulichen Lüneburg wird ein 12jähriges Mädchen getötet.
Sonderermittlerin Nora Klerner und Fallanalytiker Johan Helms werden hinzugezogen.
Bald wird eine weitere Leiche entdeckt. Und ein Fall eines weiteren toten Mädchens (in Tschechien- ungeklärt) vor einem halben Jahr zeigt, hier ist Eile angesagt.
Nora und Johan erkennen bald, dass ihnen die Zeit davonläuft.
Beide gehen über ihre Grenzen hinaus.

Meine Meinung:
Ein tolles Debüt. Kaum zu glauben, dass es eines ist.
Die Schreibweise ist total klasse, sehr flüssig zu lesen und doch etwas besonderes. Viele Sätze, Bilder und Vergleiche ragen aus der durchschnittlichen Masse heraus, und das meine ich überaus positiv.
Zitat: …spürte sie, wie ihre Fingerspitzen kalt wurden und ein harter Klumpen in ihrem Bauch zum Leben erwachte, seine Tentakel ausfuhr und sich in ihren Eingeweiden zu schaffen machte.

Die Geschichte fängt sehr dramatisch mit dem Tod einer 12jährigen an.
Schnell ist klar, dass es sich um einen Serientäter handelt, denn ein weiteres Mädchen wurde vor ca. einem halben Jahr auf die gleiche Weiße getötet.

Das Polizeiteam wird durch die besonderen Ermittler Nora und Johan unterstützt. Sie sind beide Außenseiter, doch um den Fall zu lösen, sind sie bereit sich einzufügen, dies gelingt Johan besser als Nora. Doch sie hat auch mit ihren eigenen Dämonen zu kämpfen, die wir als Leser immer wieder in kleinen Sätzen und Anmerkungen (oder Gedanken) erfahren. Dies ist auch mein einziger Kritikpunkt, dass wir bis zum Ende des Buches nicht erfahren was ist da jetzt eigentlich wirklich in Noras Vergangenheit vorgefallen.
Sie ist eine ganz besondere Person, die sich total in den Fall vertieft und alles hinten anstellt.

Die Krimihandlung wird sehr spektakulär begonnen und steigert sich kontinuierlich, und endet genau so spektakulär, ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen.
Es wird ganz deutlich gemacht wie schwer es für die Polizei ist die Flut von Hinweisen (oder auch einfach die ganz normalen Gegebenheiten) zu sichten und zu erkennen, was sind verwertbare Spuren, was führt zum Ziel, welche Fährte soll verfolgt und bearbeitet werden. Klar, wir als Leser wissen oft mehr als das Ermittlerteam (wobei Nora und Johan eindeutig im Mittelpunkt stehen und das restliche Team für mich fast im Hintergrund verschwindet), doch ist es total spannend mit zu fiebern und die Spuren mit zu verfolgen. Es gibt immer wieder neue Ansätze, die ein Umdenken in Gang bringen und dann doch wieder ins Nichts führen.
Das Ende ist ein wahrer Showdown. Alles an dem Fall wird glaubwürdig und am Ende mit einer unglaublichen Überraschung aufgeklärt.

Autorin:
Meike Dannenberg, geb. 1974, studierte angewandte Kulturwissenschaften. Seit 2003 ist sie freie Journalistin und Literaturredakteurin, seit 2011 verantwortlich für den Bereich Krimi und Kinder-und Jugendbuch. Sie lebt mit ihrer Familie in Bremen.

Mein Fazit:
Ein unglaublich tolles Debüt, das für den Krimi Fall (und für die absolut hervorragende Schreibweise) von mit 5 Sterne bekommt.
Einen Stern ziehe ich ab, weil mir Nora zu viele Geheimnisse behält, das mag ich nicht so, aber das ist nur meine ganz persönlich Meinung.
Auf das nächste Buch bin ich sehr gespannt.
Ein packendes Debüt, das von mir somit 4 Sterne erhält.