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Veröffentlicht am 13.10.2021

Unter dem Schnee – ergreifend

Unter dem Schnee
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Unter dem Schnee, von Katrin Burseg

Cover:
Wunderschön und sehr passend zur Geschichte.

Inhalt:
Ende Dezember 1978. Die Familie ist zusammengekommen um Luise von Schwan, die fünfzig Jahre das Familienunternehmen ...

Unter dem Schnee, von Katrin Burseg

Cover:
Wunderschön und sehr passend zur Geschichte.

Inhalt:
Ende Dezember 1978. Die Familie ist zusammengekommen um Luise von Schwan, die fünfzig Jahre das Familienunternehmen geführt hat, zu beerdigen.
Kurz bevor der Schneesturm das Gut endgültig von der Außenwelt abschneidet, bringt der Priester noch eine junge Frau aus Frankreich aufs Gut, die von sich sagt, die Tochter von Luise und einem französischen Zwangsarbeiter, zu sein.
Dann wird die Familie eingeschneit. Fünf Tage in denen jedes Familienmitglied mit verborgenen Wahrheiten konfrontiert wird. Seinen eigenen und denen der anderen.

Meine Meinung:
Ein unglaublich atmosphärischer Roman.
Der Schreibstil ist sehr feinfühlig, überaus emotional und so ergreifend, dass ich mir jede Person so genau vorstellen kann als würde sie direkt vor mir stehen. Jeder ist in meinem Kopfkino direkt präsent.
Die Geschichte wird uns im Wechsel aus der Perspektive der Hauptpersonen erzählt, deshalb können wir uns so gut in jeden hinein versetzen, dabei ist es ein laufender Fluss und nichts kommt ins stocken.
Eine perfekte Mischung aus Chaos im Jetzt und Hier, wegen dem Sturm und der vielen Familiengeheimnissen, die sich langsam aufdröseln und der Rückblicke in denen wir die historische Vergangenheit der Personen kennen lernen.
Jeder in der Familie hat seine Eigenheiten, seinen Platz, sein Leben und sein trauriges Geheimnis, das jeder so tief in sich vergraben hatte um es zu vergessen. So unendlich ergreifend.
Jeder bereitetet ein großes Schweigen/Vergessen über sich und sein Leben, und jetzt bricht es bei allen durch und alles kommt an die Oberfläche. Die jahrelangen unterdrücken Schmerzen und das Leiden kommen an Licht.
Und immer wieder, bis zum Schluss, gibt es neue Wendungen, neue Geheimnisse.

Autorin:
Katrin Burseg, geboren 1971 in Hamburg, studierte Kunstgeschichte und Literatur in Kiel, bevor sie als Journalistin und Autorin arbeitete. Als Kind erlebte sie die Schneekatastrophe im Jahrhundertwinter 1978/1979, mit ihrer Familie war sie mehrere Tage lang eingeschneit.

Mein Fazit:
Ein sehr gut gelungener Roman. Sehr viele Familiengeheimnisse, Rückblicke in die Nazizeit und die Vertreibung aus dem Osten. Auch das Schicksal der Zwangsarbeiter bekommt seinen Raum.
Alles ist sehr einfühlsam und voller Emotionen erzählt.
Von mir volle Punktzahl und 5 Sterne.

Veröffentlicht am 07.10.2021

Poser tanzen nicht

Poser tanzen nicht
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Poser tanzen nicht, von Peter Weisenseel

Cover:
Die weitgehend neutrale Gestaltung gefällt mir.

Inhalt:
1986: Skip und sein bester Freund Apo sehen sich als „Poser“.
Und um sich von zu Hause (in Heidelberg) ...

Poser tanzen nicht, von Peter Weisenseel

Cover:
Die weitgehend neutrale Gestaltung gefällt mir.

Inhalt:
1986: Skip und sein bester Freund Apo sehen sich als „Poser“.
Und um sich von zu Hause (in Heidelberg) abzunabeln, hat Skip eine Stelle auf Sylt als Zivi , in der Gemeindeverwaltung, angenommen. Nicht ganz ohne Hintergedanke.
Als er auf Sylt ankommt ist diese Zivi-Stelle erst mal auf Eis gelegt.
Als Alternative wird ihm eine Stelle in einer Seniorenresidenz angeboten.
Und dann wird es turbulent.

Meine Meinung:
Als ich den Titel las, wollte ich schön über das Buch hinweg gehen.
Doch dann las ich in einer Kurzmeinung: Mit mehr Tiefgang als erwartet. Humorvoll und rührend. Das hat mich dann neugierig gemacht.

Der Rückschritt in die 80er Jahre war dann doch überraschend. Die Zeit ohne Handy, ganz andere Musik und Mode hat mir viele Erinnerungen zurückgebracht.

Und ja, das Buch beginnt wie ich es erwartet habe. Jugendlicher Überschwang und ich würde mal sagen Selbstüberschätzung sind Skips ständiger Begleiter. Er ist ja ein netter Junge, mit dem Herz auf dem rechten Fleck, aber er wirft sich doch recht naiv und unüberlegt in all seine Abenteuer.

Als er dann in der Seniorenresidenz anfängt und dort ein gutes Händchen für die Senioren entwickelt denke ich mir, ja jetzt kommt der Tiefgang. Und als er dann Mathilda kennenlernt und wir erfahren, was es mit ihr auf sich hat bin ich überrascht und denke jetzt wird es spannend.

Aber leider mutiert das Buch dann in meinen Augen zum unrealistischen Roadtripp mit rosarot eingefärbtem Ende.

Autor:
Dr. Peter Weisenseel, Jahrgang 1972, ist Mediziner und wohnt in seiner Wahlheimat Hamburg. Durch seine verständliche und sehr bildhafte Sprache lässt er nahbare Charaktere und überraschende Geschichten entstehen. "POSER TANZEN NICHT" ist sein erster Roman.

Mein Fazit:
Eine Geschichte mit Potenzial, das dann leider nicht ausgeschöpft wurde.
Von mir 3,5 Sterne die ich auf 3 abrunde.


Veröffentlicht am 05.10.2021

Morgen, Klufti, wird´s was geben – kurz und heftig

Morgen, Klufti, wird's was geben
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Morgen, Klufti, wird´s was geben, von Klüpfel & Kober

Cover:
Na ja, der Weihnachtsmann kommt ja hier leider nicht.

Inhalt:
Nur noch zwei Tage bis Weihnachten und der „Gegenschwieger“ aus Japan ist angekündigt.
Da ...

Morgen, Klufti, wird´s was geben, von Klüpfel & Kober

Cover:
Na ja, der Weihnachtsmann kommt ja hier leider nicht.

Inhalt:
Nur noch zwei Tage bis Weihnachten und der „Gegenschwieger“ aus Japan ist angekündigt.
Da fällt Erika beim Baumschmücken von der Leiter und fällt aus.
Jetzt ist Kluftiger also alleine für die Festvorbereitungen und die Betrauung des japanischen Besuchers zuständig.
Das Chaos beginnt.

Meine Meinung:
In 24 kleinen Kapiteln erleben wir was Klufti so alles fabriziert. Dass in zwei Tagen so viel Unheil hereinbrechen kann ist kaum zu glauben.
Slapstick in Höchstform. Total überzeichnet, oft frage ich mich: so doof kann doch gar keiner sein??

Am besten haben mir Kluftis Englischversuche gefallen.

Aber wer das liebt (oder für zwischendurch) ist hier genau richtig.

Autoren:

Mein Fazit:
In der Kürze liegt die Würze.
Mehr als die 140 Seiten hätte ich aber auch nicht „ausgehalten“, irgendwann wird es dann einfach zu viel.
Von mir 3 Sterne.

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  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 04.10.2021

Im Wald, da wohnt der Bullerlux

Im Wald, da wohnt der Bullerlux
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Im Wald, da wohnt der Bullerlux,
von Miriam, Lina & Matilda Farung

Cover:
Schön bunt und mit einem Herz als Eye-Catcher.
Gut gemacht.

Inhalt und meine Meinung:
Die Geschichte erzählt was es mit dem ...

Im Wald, da wohnt der Bullerlux,
von Miriam, Lina & Matilda Farung

Cover:
Schön bunt und mit einem Herz als Eye-Catcher.
Gut gemacht.

Inhalt und meine Meinung:
Die Geschichte erzählt was es mit dem „Bullerlux“ auf sich hat.
Es geht darum, sich vor „Fremdem“ und „Unbekanntem“ zu fürchten. Doch wenn man es erst mal kennen gelernt hat, dann merkt man, es ist gar nicht so schlimm. Also sich nicht Bon Vorurteilen leiten zu lassen.
Dies kann auch in unserer Gesellschaft umgesetzt werden.

Der Text ist jeweils als Zweizeiler, die sich mehr oder weniger gut reimen verfasst.
Ich muss sagen, ich bin ein Fan von Reimen bei Klein-Kinder-Büchern. Hier muss ich allerdings sagen sind die Reime nicht gelungen, und ich hätte es dann besser gefunden wenn es ein normaler Fließtext gewesen wäre. Hier stocke ich auch nach mehrmaligem Lesen bei manchen Passagen.
Das gefällt mir fürs Vorlesen so gar nicht.

Autorinnen:
Sie haben mit dieser Geschichte ihrem Vater/Großvater ein schönes Andenken gewidmet.

Mein Fazit:
Eine schöne Geschichte, für mich nicht so gut umgesetzt.
Von mir 3 Sterne.

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Veröffentlicht am 04.10.2021

Das Archiv des Teufels – spannend, schockierend, unglaublich gut

Das Archiv des Teufels
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Das Archiv des Teufels, von Martin Conrath

Cover:
Die düstere und beängstigende Stimmung passt super zum Inhalt.

Inhalt:
1952, in Deutschland, der Krieg ist vorbei, doch die „Mächtigen“ beäugen sich ...

Das Archiv des Teufels, von Martin Conrath

Cover:
Die düstere und beängstigende Stimmung passt super zum Inhalt.

Inhalt:
1952, in Deutschland, der Krieg ist vorbei, doch die „Mächtigen“ beäugen sich argwöhnisch. Jeder verfolgt eigene Ziele. Das Spionagenetz wird ausgebaut, jeder bespitzelt jeden.
In dieser Atmosphäre des Kalten Kriegs bekommt Robert Bennet, ein Amerikaner, den Auftrag, einen gewissen Heiderer zu „cleanen“, da ihn Adenauer als Minister will.
Doch genau dieser Heiderer soll verantwortlich für schwere Kriegsverbrechen (Massaker) und den Tod von Roberts Bruder.
Robert steht vor einem Gewissenskonflikt.

Doch auch der Osten, hier ist es die Agentin Anna Münzinger, will den Naziverbrecher Heiderer zur Strecke bringen.
Klar, dass sich beide Seiten ins Gehege kommen, für beide, Anna wie auch Robert wird es lebensgefährlich.

Meine Meinung:
Ein total spannendes (von der ersten bis zur letzten Seite) und atmosphärisches Buch, das mich tief bewegt hat.

Die Grauen des Krieges, auf allen Seiten, werden deutlich.
Die absurde Zeit des Kalten Kriegs wird mir als Leser vor Augen geführt. Jeder bewacht jeden akribisch, und jeder weiß von jedem anscheinend alles. Und doch ist abwechselnd immer wieder eine Seite eine Nase lang voraus, auch weil nie (auch innerhalb) mit offenen Karten gespielt wird. Ein Schurke wird gegen den anderen ausgetauscht.
Jeder hat seine Meinung, eine andere Sicht auf die Dinge. Und natürlich meint jeder, seine Sicht ist die richtige.
Und ja, es ist auch für mich als Leser oft schwer, mich eindeutig auf eine Seite zu stellen. Besonders dann, wenn es darum geht vorauszusagen, was wohl besser für die Zukunft ist,.

Die große Frage bleibt: ist es möglich, durch Mord und Totschlag, durch Intrigen und Lügen, zu einem gerechten und freien Frieden zu finden?
Denn genau das wurde damals praktiziert, die großen Verbrecher wurden „reingewaschen“ und auf neue Posten gestellt, denn es hieß: Ihr Wissen sei unverzichtbar…

Ich habe einiges gelernt. Ich wusste zwar, dass die Naziseilschaften auch nach dem Krieg leider super funktioniert haben und somit viele Kriegsverbrecher davon gekommen sind, ich wusste aber nicht, dass die Amerikaner hier so bewusst agiert haben.

Dieses Buch hat mich aufgewühlt, hat mir wieder vor Augen geführt wie fragil der Frieden bei uns ist und dass wir jeden Tag dankbar sein müssen.

Autor:
Martin Conrath 1959 in Neunkirchen an der Saar geboren.
Schriftsteller, Musiker, Schauspieler, Journalist und Personalentwickler. Seit 2006 lebt und schreibt er in Düsseldorf. Mitglied bei "Quo Vadis".

Mein Fazit:
Dieses Buch hat mich absolut in seinen Bann gezogen.
Die Gräuel des Krieges (auf allen Seiten) wurden deutlich, auch wie schwer es ist auf diesen Trümmern einen echten und gerechten Frieden zu schaffen.
Von mir eine klare Lese- und Kaufempfehlung und volle 5 Sterne.