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Veröffentlicht am 09.10.2018

Was man von hier aus sehen kann

Was man von hier aus sehen kann
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Was man von hier aus sehen kann, von Mariana Leky

Dieses Buch ist für mich sehr schwer zu bewerten.
Es hat viel, was ein tolles Buch ausmacht, und trotzdem hat es mich nicht begeistern können, sondern ...

Was man von hier aus sehen kann, von Mariana Leky

Dieses Buch ist für mich sehr schwer zu bewerten.
Es hat viel, was ein tolles Buch ausmacht, und trotzdem hat es mich nicht begeistern können, sondern eher im Gegenteil, ich habe mich sehr schwer getan es zu lesen.
Es ist mir vorgekommen wie die vielen einzelnen Teile eines Puzzels oder eines Mosaiks, die dann aber falsch zusammengesetzt wurden und so kein schönes Bild abgaben, oder ein Bild, bei dem ich nichts erkennen konnte, auch wenn die einzelnen Teile da und auch in gewisser Weise schön waren.
Z.B. der Humor, Wortakrobatik, Situationskomik, die Poesie oder der Grundgedanke der Geschichte, es gab Passagen die wie ein Märchen angemutet haben. Es gibt Fabelwesen und Fantasy, aber auch das kommt bei mir nicht mystisch oder fantastisch an, sondern einfach nur konstruiert.
Ich fand es auch in sich so widersprüchlich: steif, distanziert, kalt, dann wieder leise, weich, und einfühlsam.

Hier noch ein Beispiel von so einer widersprüchlichen Passage:
Poetischer Absatz, aber dann doch zu konstruiert zu gewollt witzig und dann doch unsinnig und an dieser Stelle dann für mich total unverständlich.
Zitat:
Die Blätter dachten nicht daran, sich von den Zweigen herunter pusten zu lassen Sie waren halbstark und kräftig, sie begriffen nicht mal, was Elsbeth beabsichtigte, sie fühlten sich kein bisschen bedroht, sie fühlten sich eher geföhnt.

Ich kann deshalb nur 2 Sterne geben, da mir das Buch im Zusammenspiel eben, (ich denke vor allem durch die Art des Schreibstils) so gar nicht gefallen hat.
Außerdem gab es viel zu viele Wiederholungen.

Mit der Ich-Erzählerin, einem 10jährigen Kind (später erwachsen), konnte ich gar nicht warm werden, sie war so abgeklärt, wusste alles, irgendwie übernatürlich, sie plappert Sätze (nach) die sie gar nicht verstehen kann.

Leider blieben mir auch die weiteren Protagonisten fremd.

Hier noch ein Zitat vom Ende, das mir gut gefallen hat:
Es stimmt, dachte Selma, dass die Zeit schneller vergeht, ja älter man wird, und sie fand, dass das unklug eingerichtet war. Selma wünschte, dass ihr Zeitgefühl mit ihr altern, dass es etwas lahmen würde, aber das Gegenteil war der Fall. Selmas Zeitgefühl benahm sich wie ein Rennpferd.

Mein Fazit:
Mag es anderen gefallen (was eben mit „hoher Literatur“ ausgezeichnet ist muss (?) ja gut sein)?
Doch ich gehöre zu den Lesern die zu ihrem Geschmack stehen und sagen:
Das Buch hat MIR in seiner Gesamtheit nicht so gut gefallen.
Auch wenn es gegen Ende noch ein paar schöne Passagen gab.
Deshalb von mir 2,5 Sterne die ich auf 3 aufrunde.

Veröffentlicht am 07.10.2018

Scheunenfest

Scheunenfest
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Scheunenfest, von Nicola Förg

Cover:
Passt, gemütlich und doch hat die Katze einen sehr provozierenden Blick.

Inhalt:
Nach einem Scheunenbrand werden in einem Silo die Leichen von zwei verkohlten Frauen ...

Scheunenfest, von Nicola Förg

Cover:
Passt, gemütlich und doch hat die Katze einen sehr provozierenden Blick.

Inhalt:
Nach einem Scheunenbrand werden in einem Silo die Leichen von zwei verkohlten Frauen gefunden.
Wurden die beiden Opfer eines tragischen Unfalls, oder hatte da jemand mit voller Absicht die Hand im Spiel.
Bei der Untersuchung des Falls weitet sich das Spektrum immer mehr und die Spuren führen weit in die Vergangenheit zurück.

Meine Meinung:

WOW!
Dieses Buch ist so viel mehr als nur ein Krimi.
Die Schreibweise, die Wortwahl, der Dialekt und der Humor haben mich gleich auf den ersten Seiten gepackt und positiv überzeugt.
Und im Laufe des Buches kamen dann die ernsten und aktuellen Themen dazu, (Pflegenotsand, Alzheimer, Kriegsgeneration) die so super umgesetzt und eingewoben wurden, dass ich einfach meinen Hut ziehen muss.
Absolut klasse finde ich, dass hier endlich mal kritisch mit Demenz (Alzheimer) bei Eltern umgegangen wird. Nicht alles „heidadei“ und „mit ganz viel Liebe klappt alles“, sondern schonungslos und unerbittlich, wie in der Wirklichkeit eben auch oft.
Auch der historische Teil ist super spannend. Ich lese auch viel historische Romane und bin diesem Thema hier schon öfters begegnet. Ja die Kriegsgeneration und dadurch mit ihr die Nachkriegsgeneration hat einfach zu viel aufzuarbeiten, was auch viel zu oft einfach verschwiegen wurde.

Irmi Mangold und Kathi Reindl haben bei diesem Fall eine sehr vertrackte Ausgangssituation. Die beiden Frauen, die ihre ganz persönlichen und speziellen Eigenheiten haben, schaffen es durch Menschlichkeit und ihren ganz speziellen Charakter zu überzeugen.

Ich kannte die Autorin bisher noch nicht, werde sie aber auf meine ganz persönliche Bestsellerliste setzen.

Ein Buch das mir noch länger im Gedächtnis bleiben wird.

Autorin:
Nicola Förg gebürtige Oberallgäuerin, lebt heute mit Familie sowie Ponys, Katzen und anderem Getier auf einem Hof in Prem am Lech – mit Tieren, Wald und Landwirtschaft kennt sie sich aus.

Mein Fazit:
Eine brillante Geschichte die alles hat um den Leser aufs Beste zu unterhalten.
Humor, Lokalkolorit, Spannung, Dramatik, historischer Teil und aktuelle Problematik, verwoben zu einer Handlung die mich ans Buch fesselt.
Einfach genial, und hier müsste man mehr als 5 Sterne vergeben können.

Veröffentlicht am 03.10.2018

Du springst, ich falle

Du springst, ich falle
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Du springst, ich falle, von Maryam Madjidi

Cover:
Ein trauriges Mädchen, passend.

Inhalt:
In diesem autobiographischen Debüt erzählt Maryam Madjidi von ihrer Kindheit im Iran, wie sie ihr Spielzeug an ...

Du springst, ich falle, von Maryam Madjidi

Cover:
Ein trauriges Mädchen, passend.

Inhalt:
In diesem autobiographischen Debüt erzählt Maryam Madjidi von ihrer Kindheit im Iran, wie sie ihr Spielzeug an die Kinder im Viertel verschenken musste.
In Frankreich sollte ein neues Leben anfangen. Aber die kleine Maryam fühlt sich fremd, weil alles fehlt: die eigene Sprache, echte Freunde, die geliebte Großmutter. In Paris sind die Hände des Vaters plötzlich nutzlos, die Augen der Mutter müde.
Ein Roman über das, was unsere Zeit bestimmt – die Suche nach Identität und Heimat.

Das Ganze in Reimen, Gedichten und lauter kleinen (oder größeren) Episoden bunt gewürfelt erzählt.

Meine Meinung:
Ein Buch, so ganz anders als ich es mir vorgestellt habe.
Ich dachte es wird ein Roman, eine durchgehend erzählte Geschichte, basierend auf tatsächlichen Fakten, gerne auch fiktiv, in dem die Autorin von ihrer Kindheit im Teheran, ihrem Leben in Paris und allem folgenden erzählt.

Tatsächlich ist das Buch nun aber aus vielen kleinen oder auch größeren Episoden zusammengestellt, die auch nicht chronologisch sind, was es mir auch noch zusätzlich erschwert hat in das Buch reinzufinden.
Bei vielen Episoden war mit auch nicht klar, geht es hier um die Autorin, oder jemand anderen?
Ich blicke in eine fremde Welt, ganz unbekannte und unverständliche Welt. Ein paradoxes Land, unwirklich.

Mein größtes Problem war die Schreibweise, der Schreibstil.
Ich denke man muss dies auf jedenfalls als Poetisch bezeichnen.
Ich finde keinen Bezug zu den Personen und der Handlung/Wirklichkeit.
Es gibt Gedichte, oder es wird ganz abstrakt von „das Kind“, „der Vater“, „die Mutter“ geschrieben, dies bringt für mich ganz viel Distanz und ich kann mich einfach nicht einfühlen, ich werde auf Distanz gehalten.

Ich kann ja die Sehnsucht nach der alten Heimat, den Freunden und den Verwandten verstehen, aber dass sie als „freie Frau“, freiwillig dort bleiben will, kann ich nicht verstehen, und ich finde im Buch auch keine Erklärung. (Außer dass sie verliebt ist?)

Vielleicht fehlt mir ja auch die „Bildung“ oder das „Verständnis“ für diese Art von Schreibstil. So bleiben mir die Person und die Handlung einfach fremd.

Autorin:
Maryam Madjidi wurde 1980 in Teheran geboren, verließ mit sechs Jahren den Iran, um mit ihren Eltern in Frankreich zu leben. Heute unterrichtet sie in Paris Flüchtlinge in Französisch und schreibt. Du springst, ich falle ist ihr erster Roman, für den sie u. a. den Prix Goncourt du premier roman 2017 erhielt und mit dem sie ihr Publikum im Sturm eroberte.

Mein Fazit:
Dies ist ein Buch das auf sehr traurigen Tatsachen aufgebaut ist.
Es geht um die Suche nach den eigenen Wurzeln, der eigenen Identität und wo ist mein Platz, also auch sehr aktuell.
Durch den gewollt poetischen Schreibstil, ist es aber so gar nicht meins.

Hier sollte jeder dringend die LP lesen, was ich leider versäumt habe.

Veröffentlicht am 03.10.2018

Pfad der Lüge

Pfad der Lügen
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Pfad der Lügen, von Lucy Dawson

Cover:
Gut gemacht, erzeugt schon ein mulmiges Gefühl.

Inhalt:
Sally wacht total benommen, im Schlafanzug, auf dem Rücksitz eines Taxis, am Rande der Klippen, auf. Der ...

Pfad der Lügen, von Lucy Dawson

Cover:
Gut gemacht, erzeugt schon ein mulmiges Gefühl.

Inhalt:
Sally wacht total benommen, im Schlafanzug, auf dem Rücksitz eines Taxis, am Rande der Klippen, auf. Der Taxifahrer wirft sie regelrecht aus dem Auto.
Sally schwankt auf die Klippen zu und geht in die Knie.
Ein Spaziergänger denkt sie will Suizid begehen und ruft die Polizei.
Obwohl Sally beteuert keinen Suizid begehen zu wollen, glaubt ihr keiner, vor allem da ihr die letzten 12 Stunden wie aus dem Gedächtnis gebrannt zu sein scheinen und sie auch noch so etwas wie einen Abschiedsbrief in der Tasche hat.

Meine Meinung:
Die Geschichte fängt recht dramatisch und spannend an (erstes Drittel). Sie wirft sehr viel Fragen auf und dadurch baut sich eine gewisse Spannung auf.
Doch der Verdacht, dass mit einer „gewissen Person“ etwas nicht stimmt ist eigentlich sofort da.
Im zweiten Drittel, dreht sich dann alle noch einmal im Kreis, es wird von allen Seiten beleuchtet und aus verschiedenen Blickwinkeln betrachtet, aber es passiert nichts neues, dadurch wird die Luft raus genommen. Die Ahnungen und den Verdacht den wir haben werden bestätigt aber ich komme als Leser keinen Schritt vorwärts.
Das letzte Drittel ist dann sehr enttäuschend. Es wird voll beladen mit lauter Klischees, das meiste von dem was wir geahnt haben wird bestätigt und das Motiv (die Erklärung) ist mehr als dürftig.

Das Buch ist also mit jedem Drittel schwächer geworden, insgesamt dann sehr konstruiert, vorhersehbar und mit zu vielen unlogischen Stellen.
Wenn ich für das erste Drittel noch 4 Sterne, für das zweite dann 3 und für das letzte kann ich eigentlich gar keinen vergebe, komme ich auf 2,3 Sterne.

PS: Thriller ist wohl auch ein bisschen eine unglücklich gewählte Bezeichnung, wenn schon, dann Psycho-Thriller.

Autorin:
Lucy Dawson ist eine britische Autorin. Sie studierte Psychologie, bevor sie eine Karriere als Redakteurin bei einem Magazin für Kinder begann. Inzwischen widmet sie sich ganz dem Schreiben.

Mein Fazit:
Das Buch hat gut angefangen, sehr mysteriös und spannend. Aber dann hat es mich doch schnell enttäuscht und am Ende konnte es mich nicht überzeugen. Deshalb auch nur 2,5 Sterne, die ich aber auf 2 abrunde.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Spannung
  • Geschichte
  • Atmosphäre
  • Charaktere
Veröffentlicht am 02.10.2018

Das Mädchen mit dem Edelweiß

Das Mädchen mit dem Edelweiß
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Das Mädchen mit dem Edelweiß, von Jillian Cantor

Cover:
Sehr schön und passend zum Buch, die Berge, die Aufbruchstimmung….

Inhalt:
Als Kathie (sie lebt in Los Angeles) ihren Vater, wegen beginnender ...

Das Mädchen mit dem Edelweiß, von Jillian Cantor

Cover:
Sehr schön und passend zum Buch, die Berge, die Aufbruchstimmung….

Inhalt:
Als Kathie (sie lebt in Los Angeles) ihren Vater, wegen beginnender Demenz, schweren Herzens, ins Heim geben muss, will sie seine Sammelleidenschaft und sein Lebenswerk, seine gesammelten Briefmarken, überprüfen lassen. Hat er doch ein Leben lang, jede freie Minute damit zugebracht, mit ihr als Kind, die Flohmärkte und alle möglichen Quellen nach „einem besonderen Schatz“ abzusuchen.
Und tatsächlich entdeckt Benjamin einen vergilbten ungeöffneten Brief, mit einer seltsamen Briefmarke: der Stephansdom (in Österreich) mit einem eingravierten Edelweiß aus dem Jahr 1938.
Beider Neugier ist geweckt, sie beschließe dem Geheimnis des Briefes auf den Grund zu gehen.

Meine Meinung:
Ein wunderschöner Roman, der mitten ins Herz trifft.
Beide Erzählstränge, die Gegenwart und die Vergangenheit sind voller Emotionen und als Leser fiebere ich bei beiden Handlungen voll mit.

In der Vergangenheit, geht es zurück ins Jahr 1938 nach Österreich, zu der jüdischen Familie von Friedrich Faber, der ein sehr bekannter Briefmarkengraveur ist. Der Waisenjunge Christoph kommt als Lehrling zu ihm und findet bei der Familie die Wärme die er immer vermisst hat. Außerdem verliebt er sich in die Tochter Elena und würde für sie alles tun.
Hier erfahren wir dann auch von den Auswirkungen des Antisemitismus in Österreich und wie ein Teil des Widerstandes dort agiert hat und u.a. von den Kindertransporten nach England.

In der Gegenwart ist das Spektrum auch breit gefächert. Die Protagonisten haben alle ihre eigenen Probleme und der schöne Schreibstil geht behutsam mit jedem um. Das schöne dabei ist, dass sich keiner in den Vordergrund drängt und jeder wichtig für die Geschichte ist.
So geht es um Partnerschaft, Scheidung, Liebe, Alzheimer, ja sogar der Mauerfall in Berlin wird gekonnt eingebaut.

Das Buch punktet vor allem durch das Zusammenspiel von Vergangenheit und Gegenwart, die Gesamt-Idee und das grandios erzählte Rätsel, das sich nach und nach enthüllt. Nicht so sehr die Einzelheiten, denn da habe ich doch ab und zu mal ein kleines Fragezeichen für mich im Kopf.

Autorin:
Jillian Cantor studierte Englisch, bevor sie mit dem Schreiben begann. Sie lebt mit ihrem Mann und ihren beiden Söhnen in Arizona.

Mein Fazit:
Eine wunderschöne Geschichte die von der Gegenwart in der „neuen Welt“ (Amerika) auf wundersamen und überraschenden Wegen in die „alte Welt“ (Österreich) führt und zu Wurzeln, von denen Katie gar nichts gewusst hat.
Von mir 5 Sterne.