Kunst und Gehirn - Symbiose von Roman mit Fachbuch
Und Sie sind also der KünstlerHäufig denkt man, man benötigt für Kunst viel Herz und zu viel Kopf wäre schädlich. Aber was ist, wenn man viel Herzblut in überdimensional große Bilder steckt, die aber niemand kauft, so wie bei unserem ...
Häufig denkt man, man benötigt für Kunst viel Herz und zu viel Kopf wäre schädlich. Aber was ist, wenn man viel Herzblut in überdimensional große Bilder steckt, die aber niemand kauft, so wie bei unserem Künstler. Seine Sorgen trinkt er weg, aber das Geld ist nunmal knapp, die Schulden beim Dealer seines Vertrauens müssen bezahlt werden, und somit kommt die Anstellung als „Kunsttherapeut“ bei Patienten mit Hirnschädigungen gerade recht. Da der Künstler immer eine mit trockenem Humor durchsetzte, wenn auch meist angetrunkene, Sichtweise auf die Welt hat, findet er sich dort schnell zurecht und bekommt auch Zugang zu mehreren Patienten, die dass Angebot Gehirne zu zeichnen annehmen.
Und ab diesem Punkt hat mir das Buch richtig gut gefallen. Es ist eine Parodie, die Handlungen und Sichtweisen auch im Bezug auf die Kunstszene überspitzt, aber man lernt unglaublich viel über das Gehirn und diverse Erkrankungen, Verletzungen und deren Auswirkungen.
Wer hier einen Roman über rührselige Patientengeschichten, aufopferungsvolle Ärzte und verständnisvolle Pfleger, die alles für die Kranken tun, erwartet hat, wird enttäuscht werden. Das Buch ist zum Teil bitterböse, der Künstler keine Florence Nightingale, sondern ein unter chronischer Geldknappheit leidender Gelegenheitstrinker, der einfach Geld verdienen muss. Böse, zynisch, interessant, voll schwarzem Humor und lehrreich. Mir hat es gefallen.