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Veröffentlicht am 06.02.2022

Ein Buch über das Erwachsenwerden

Die Gezeiten gehören uns
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Eulabee ist 13 Jahre alt und lebt in Sea Cliff einem Vorort von San Francisco direkt am Pazifik. Sie führt ein sorgloses Leben, besucht zusammen mit ihren Freundinnen eine Privatschule und sie kennt den ...

Eulabee ist 13 Jahre alt und lebt in Sea Cliff einem Vorort von San Francisco direkt am Pazifik. Sie führt ein sorgloses Leben, besucht zusammen mit ihren Freundinnen eine Privatschule und sie kennt den Strand, das Meer, die Klippen und die Macht der Gezeiten so gut, dass die Jungen in der Nachbarschaft staunend zurückbleiben.
Doch das behütete und gleichförmige Leben führt dazu, dass die Mädchen alle gleich geformt werden ähnlich wie in dem Viertel „Häßliches“ versteckt wird. Eulabees Freundin Maria Fabiola erzählt Lügengeschichten, um sich interessanter zu machen. Dabei ist sie eine Schönheit, die alle in ihren Bann zieht und der unbestrittene Mittelpunkt der Clique. Eines Tages verselbstständigt sich Eine von Marias Stories. Als Eulabee nicht gewillt ist, diese Lüge mitzutragen, wird sie zur Geächteten. Und verbringt ihre Tage auf einmal allein.
Die Geschichte wird vom gleichmütigen und ruhigen Erzählstil von Eulabee getragen. Sie berichtet über ihre Freunde, Familie und die Leute von Sea Cliff und deren Eigenarten zum Teil mit einer Reife und Weitsicht, die über ihre 13 Jahre hinausgehen. Und dann wieder ist sie noch ein verrücktes Kind mit zweifelhaften Ideen.
Ein Buch über Freundschaft und deren Verlust, über das Hinfallen und Aufstehen, über die erste Liebe und Verrat, welches trotz allem immer wieder Sonnenstrahlen aus dem grauen Himmel schickt. Viele der Gefühle, die wir Leser bei unserem Erwachsenwerden auch erleben mussten, hat Vendela Vida in dieses eine Jahr im Leben von Eulabee gepresst und das in einer zum Teil magischen Sprache, die den Leser gefühlt auf den Ozean hinausträgt. Sätze und Worte, die den Leser mit sich ziehen und wieder ans Land werfen, so wie die lange Dünung des Ozeans. Und auch Eulabee übergibt im Morgengrauen gedanklich die Gegenstände ihrer Kindheit dem Meer. Ein sehr lesenswertes Buch für Erwachsene.

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Veröffentlicht am 29.01.2022

Schuldgefühle und Trauer

Zwischen Scherben
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David ist ein großes Unglück zugestoßen, an welchem er sich, aber auch sein engeres Umfeld ihm die Schuld gibt.Unter dieser Belastung droht er zu zerbrechen. Als Resultat lebt der 17jährige allein im Wald ...

David ist ein großes Unglück zugestoßen, an welchem er sich, aber auch sein engeres Umfeld ihm die Schuld gibt.Unter dieser Belastung droht er zu zerbrechen. Als Resultat lebt der 17jährige allein im Wald und versucht alles in der Schule und vor seinen neuen Freunden dieses Leben geheim zu halten. Die dunklen Gedanken nehmen zu, so dass die Scherben seines Verstecks ihm immer mehr als Ausweg blinken. Und er fühlt, was er tun muss, damit der Druck nachlässt…

Seine Freunde spüren seinen Schmerz und wollen ihm helfen, aber im Endeffekt muss David diesen Kampf ganz allein beginnen. Diese Erkenntnis ist der Lichtstrahl, der sich durch sein dunkles Leben zieht. Ob er den Kampf aufnimmt und seinem Leben eine Chance gibt?

Annemarie Bruhns hat ein zartfühlendenes, nachdenkliches Buch geschaffen. Sie spricht behutsam über ein Thema, vor welchem wir gern wegsehen. Ein Buch über Trauer, aber auch Freundschaft, Liebe und Hoffnung. Es steht stellvertretend für viele Davids auf unseren Straßen. Ein Buch, was für Jugendliche aber auch deren Eltern lesenswert ist und zum Nachdenken anregt. Ich könnte es mir auch gut als Schulstoff vorstellen.

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Veröffentlicht am 24.01.2022

Familienzusammenführung und junge Liebe

Im Schatten des roten Stieres
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Alessia wächst behütet von ihren Eltern zu einer schönen jungen Frau heran. Sie verliebt sich in den Maler Giacomo, dem sie heimlich Modell sitzt. Nur werden ihre Eltern einer Hochzeit mit einem mittellosen ...

Alessia wächst behütet von ihren Eltern zu einer schönen jungen Frau heran. Sie verliebt sich in den Maler Giacomo, dem sie heimlich Modell sitzt. Nur werden ihre Eltern einer Hochzeit mit einem mittellosen Künstler nicht zustimmen. Während Giacomo versucht, sich in Florenz einen Namen zu machen, um Alessia ein würdiger Ehemann zu sein, erfährt Alessias Vater, dass er ein Sohn des aktuellen Papstes Alexander VI. ist. Auf einmal ist für die Familie nichts mehr wie es war. Die Borgias nehmen sie auf Geheiß des Papstes als Familienmitglieder auf und sind darüber anfänglich nicht begeistert. Alessia muss in den Palast ziehen, um auf das höfische Leben mit einem angemessenen Ehemann vorbereitet zu werden. Auf einmal wird Alessia mit Intrigen, Bedrängungen, Drohungen und dem dunklen Geheimnis ihrer Mutter konfrontiert. Und muss eine schreckliche Entscheidung treffen. Wird der Schatten der Borgias ihr Glück und Leben zerstören oder werden sie und Giacomo doch noch einen Weg für ihre Liebe finden?

Ein spannend und anschaulich geschriebener Roman, der mich ins 15. Jahrhundert entführt hat. Dank der gründlichen Recherche und des bildhaften Erzählstils der Autorin kann man zusammen mit Alessia in das Leben von Rom und Florenz eintauchen - mit ihr über staubige Straßen schlendern, die päpstliche Bibliothek bestaunen oder die weihrauchhaltige Luft der Kathedralen atmen. Aber auch das Blut von Opfertieren und der Geruch von Scheiterhaufen der Ketzer sind allgegenwärtig. Man spürt Alessias Herzklopfen beim Anblick ihres Geliebten, ihre Furcht vor Cesare Borgia, ihr Vertrauen zu Lucretia Borgia und die Liebe zu ihren Eltern. Ein Buch, welches man innerhalb weniger Abende liest und hofft, dass alles gut werden möge. Ein sehr gelungener Roman, der die mächtige Familie Borgia von anderer Seite beleuchtet.

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Veröffentlicht am 21.01.2022

Freundschaft

Nachrichten von Micah
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Micah ist verschwunden. Er hat für Sesame nur eine kurze Nachricht hinterlassen, in welcher steht, dass sie ihn suchen soll. Sein Handy und die Telefone seiner Eltern liegen in ihrem verlassenen Haus. ...

Micah ist verschwunden. Er hat für Sesame nur eine kurze Nachricht hinterlassen, in welcher steht, dass sie ihn suchen soll. Sein Handy und die Telefone seiner Eltern liegen in ihrem verlassenen Haus. Für Sesame ist klar, Micah wurde von der Sekte, der seine Eltern angehören verschleppt und die ist seine einzige Chance auf Rettung. Und verbissen sucht sie, verteilt Flugblätter, stöbert in verfallenen Häusern. Und kämpft dabei gegen das wachsende Misstrauen ihrer Freunde an, die ihr genau wie die Polizei nicht wirklich glauben, denn es gibt ein Entschuldigungsschreiben der Eltern in der Schule, dass Micah mit ihnen im Urlaub ist. Doch dass wüsste Sesame. Da ist sie sich sicher. Und sucht weiter…

Ein sehr schönes Buch, dass dadurch besticht, dass die Kapitel abwechselnd von Sesame und Micah erzählt werden. Auf der einen Seite, der atemlose Erzählstil von Sesame, die den Leser direkt anspricht, und welche man sich immer rennend vorstellt. Aber Sesame ist mehr. Normalerweise ist sie pure Poesie und ein Menschenfreund. Sie gibt sich nur sehr stark. Die Kapitel von Micah, der eingesperrt ist, sind deutlich ruhiger und mit jedem spürt man seine wachsende Verzweiflung. Er schreibt erst auf Papier und später im Geist weiter Nachrichten an Sesame. Dies gibt ihm Mut, dem Guru immer wieder die Stirn zu bieten - im Gegensatz zu seinen Eltern. Ein tolles Buch über Freundschaft, Hoffnung, Mut und Vertrauen, welches durchaus auch Erwachsene anspricht. Mir hat besonders die Entwicklung der beiden Hauptpersonen gefallen. Sesame, die lernen musste, dass man Vertrauen nur gewinnt, wenn man sich anderen öffnet und Micah, der im Gegenteil dazu erfahren muss, wie schlimm es ist, wenn das Urvertrauen eines Kindes in die Eltern zerstört wird. Hoffentlich kann Sesame ihn und gleichzeitig sich selbst rechtzeitig retten.

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Veröffentlicht am 13.01.2022

Tragödie

Wuhan
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Kcriss Li, ein chinesischer Journalist schmuggelt sich in das abgeriegelte Wuhan um über eine neuartige Lungenkrankheit zu berichten. Er bloggt seine Recherchen im Internet und als er mit einem simplen ...

Kcriss Li, ein chinesischer Journalist schmuggelt sich in das abgeriegelte Wuhan um über eine neuartige Lungenkrankheit zu berichten. Er bloggt seine Recherchen im Internet und als er mit einem simplen Rechenbeispiel, die offiziellen Todeszahlen ad absurdum führt, wird er verhaftet und verschwindet.
Aber der Autor lässt die Geschichte fortleben mit Hilfe fiktiver Figuren, reellen Nachrichten und Chats aus der abgeschlossenen Stadt und offiziellen Kommentaren aus dem In- und Ausland. Und dieses Zusammenspiel von wirklich existierenden und erfundenen Charakteren, angereichert mit tatsächlichen Chatnachrichten und Hilferufen zeigen das unvorstellbare Grauen dieser Tragödie.
Und wenn man bedenkt, wie sich die Pandemie ausgebreitet hat, möchte man nur weinen.
Die Sprache ist berichtend, zum Teil mit zynischen Unterton. Aber was außer Zynismus kann man bei dem Handeln der Behörden noch empfinden.
Ein gewaltiges, anspruchsvolles Buch, welches wie ein Mahnmal wirkt und die Pandemie ist noch nicht vorbei.

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