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Veröffentlicht am 20.03.2023

Offenes Ende regt dazu an, die Geschichten weiterzudenken

Sommerhaus, später
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Das Buch „Sommerhaus, später“ ist der erste Erzählband von Judith Hermann, den sie vor etwa 25 Jahren geschrieben hat und der jetzt neu aufgelegt wird. Die Geschichten fanden damals große Beachtung und ...

Das Buch „Sommerhaus, später“ ist der erste Erzählband von Judith Hermann, den sie vor etwa 25 Jahren geschrieben hat und der jetzt neu aufgelegt wird. Die Geschichten fanden damals große Beachtung und Lob. Insgesamt sind neun Erzählungen beinhalten. Der Titel wurde einer von ihnen entlehnt. Einige der Kurzgeschichten wurden inzwischen verfilmt und beziehungsweise oder vielfach als Schullektüre analysiert. Sie sind sehr unterschiedlich, jedoch konnte ich auch einige Gemeinsamkeiten erkennen. Allem voran fiel mir auf, dass häufig geraucht wird, sehr viel. Oft wird Alkohol konsumiert, manchmal gekifft und weil es noch nicht erfunden war, schaut niemand auf sein Handy oder tippt darauf herum. Dennoch stellt sich das Ambiente als nicht so entspannt dar, wie es vielleicht zunächst klingt. Jede der Geschichten überraschte mich mit unterschiedlichem Inhalt und interessanten Figuren.

In allen Erzählungen ist eine der ProtagonistInnen eine junge Frau, die das Leben zu genießen sucht, was ihr aber nicht immer nach ihrer Vorstellung gelingt. Dabei erscheint es so, als ob sie ihren Wunsch manchmal nicht genauer spezifizieren können. Ihr Verhalten findet zuweilen wenig Verständnis bei Bekannten und Unbekannten, Freunden und Verwandten. Sie sind Suchende nach einer haltbaren Tragfähigkeit ihres Lebens. Auch die übrigen Figuren sind abwechslungsreich gestaltet wie beispielsweise ein Künstler, der sich nicht zwischen zwei Frauen entscheiden will, ein alternder Hausbewohner mit Herz für die Jugend und ein Autor, der die Abgeschiedenheit sucht.

Der einfühlsame Sprachstil der Autorin hat über die Jahre hinweg nichts an Reiz verloren. Es gelingt ihr, die die Gefühle ihrer Figuren zum Lesenden hinzutransportieren. Rund um die von ihr geschilderten Handlungen schafft sie eine besondere Atmosphäre, die aus den Zeilen zu spüren ist. Ihre Fähigkeit, das Handeln der Personen begreiflich zu beschreiben, warf bei mir die Frage auf, ob Judith Hermann die Situationen, zumindest einige, aus eigener Erfahrung her aufgeschrieben hat.

Auch viele Jahre nach Erscheinen der Erstausgabe zeigen die Erzählungen im Buch „Sommerhaus, später“ ein Lebensgefühl in verschiedenen Szenarien, die Ende der 1990er spielen, bei dem für die ProtagonistInnen gilt, dass vieles Kann und nichts Muss. Das offene Ende regt dazu an, sich die folgenden Handlungen der Figuren vorzustellen. Meiner Meinung nach haben die Geschichten einen Platz in jedem Bücherregal verdient und daher vergebe ich gerne eine Leseempfehlung.

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Veröffentlicht am 20.03.2023

Einfühlsame Geschichte über zwei sensible junge Männer

Leonard und Paul
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In seinem Roman „Leonard und Paul“ hat der irische Autor Rónán Hession über mehrere Monate im fiktiven Leben der titelgebenden jungen Männer geschrieben. Beide sind knapp über 30 Jahre alt, wohnen in der ...

In seinem Roman „Leonard und Paul“ hat der irische Autor Rónán Hession über mehrere Monate im fiktiven Leben der titelgebenden jungen Männer geschrieben. Beide sind knapp über 30 Jahre alt, wohnen in der gleichen Stadt und sind miteinander befreundet. Sie teilen eine Vorliebe für Brettspiele, doch was sie ebenfalls verbindet ist ihre Eigenschaft zu respektieren, dass Personen verschiedene Auffassungen haben. Sie halten sich an das weitverbreitete Sprichwort „Was du nicht willst, das man dir tu, das füg auch keinem anderen zu“, denn ihren alltägliche Umgang mit den sie umgebenden Verwandten, Arbeitskollegen, bekannten und unbekannten Menschen gestalten sie nach eigenem Selbstverständnis fair und gerecht.

Im Leben der beiden Freunde treten gerade unerwartete Wendungen ein. Leonard hat bisher gemeinsam mit seiner verwitweten Mutter im elterlichen Haus gelebt, doch nun ist sie verstorben. Seine Arbeit bei einem Verlag für Kinderbücher lenkt ihn nur wenig ab. Er ist sich bewusst, dass der Verlust zu Änderungen in seinem Leben führt. Bald darauf scheint sich zum ersten Mal eine Frau für ihn ernsthaft zu interessieren.

Paul lebt bei seinen Eltern und ist vielfältig interessiert. Bisher hat er sich noch nicht entschieden, welche Arbeit ihm beruflich so ansprechend erscheinen könnte, dass er sie zukünftig ausüben möchte. Stattdessen geht er auf Empfehlung seines Vaters einer Aushilfstätigkeit als Postbote an etwa drei Tagen im Monat nach. Während die Hochzeit seiner Schwester kurz bevor steht und die Familienmitglieder in die Vorbereitungen einbezogen werden, nimmt Paul nach einer plötzlichen Idee an einem Wettbewerb teil.

Ich konnte mich gut in die Gefühlswelt beiden Protagonisten einfinden. Viel zu oft ist man im Alltag mit Menschen konfrontiert, die mit harschen Worten um sich werfen oder sich stets versuchen, einen Vorteil zu verschaffen. Leonard und Paul sind anders. In ihnen scheint die Ruhe verwurzelt zu sein, sehr schön auch symbolisiert durch den Fisch auf dem Cover. Hin und wieder geraten sie aber auch selbst in Bedrängnis. Manchmal reagieren sie so, dass es ihnen leidtut. Das Wichtigste dabei ist, dass sie selbst erkennen, dass ihre Worte oder Handlungen fehl am Platz waren. Dadurch wird eine Korrektur möglich, sei es durch eine Entschuldigung oder der Darstellung der eigenen Sicht, eventuell mit Diskussion darüber.

Manchmal stoßen die beiden Freunde aufgrund ihrer Unerfahrenheit im Umgang mit anderen an ihre Grenzen und fragen sich, wie sie anständig handeln können. Auch ihre eigene Freundschaft gerät dabei auf den Prüfstand. Es ist schön darüber zu lesen, wie die sensiblen Hauptfiguren es über einige Klippen hinweg schaffen, unbeirrt ihren Weg zu gehen. Der Autor stattet seine Figuren nebenbei mit Eigenheiten aus, die sie zusätzlich liebenswert machen und einige Male musste ich schmunzeln, wenn ich mich selbst oder andere darin erkannte. Es war sicher nicht einfach, den Text zu übersetzen und dabei den Sinn zu erhalten. Mein Kompliment dafür geht an Andrea O`Brien.

Ich würde mir wünschen, dass noch mehr Menschen so einfühlsam wie Leonard und Paul agieren würden. Sicher kann der vorliegende Roman von Rónán Hession dazu beitragen, denn er enthält Situationen, an denen manch ein Rüpel sich ein Beispiel nehmen könnte. Daher empfehle ich das Buch sehr gerne weiter.

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Veröffentlicht am 16.03.2023

Ein Roman mit vielen Tiefen und Szenen, die beim Lesen schmerzen

Lieblingstochter
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In ihrem Roman „Lieblingstochter“ erzählt Sarah Jollien-Fardel die fiktive Geschichte von Jeanne, der jüngeren Schwester der titelgebenden Person, die ebenso wie diese in ihrer Kindheit unter der Gewalt ...

In ihrem Roman „Lieblingstochter“ erzählt Sarah Jollien-Fardel die fiktive Geschichte von Jeanne, der jüngeren Schwester der titelgebenden Person, die ebenso wie diese in ihrer Kindheit unter der Gewalt des Vaters gelitten hat. Jeanne ist in einem kleinen Dorf im Wallis, einem Kanton der Schweiz, aufgewachsen. Sie schildert als erwachsene Ich-Erzählerin ihre Vergangenheit in Rückblicken.

Jeannes Vater war als Fernfahrer häufig mehrere Tage unterwegs. Wenn er aber zu Hause war, ließ er seinen ständigen Frust an seiner Frau und der älteren Tochter aus und wurde übergriffig. Darum haderte Jeanne schon als Kind mit dem Gedanken, dass sie eher wie er wäre. Aber so wollte sie nicht sein. Ein gezeichneter Tiger und ein unbedachtes Wort ließen sie dann jedoch ebenfalls den Zorn des Vaters spüren.

Das Titelbild zeigt die innere Zerrissenheit der Protagonisten und ihr Leben, das durch die erfahrene Gewalt in Scherben liegt. Erst im Laufe der Zeit beginnt sie, Verständnis für das Verhalten ihrer Mutter aufzubringen, für die die Trennung vom Ehemann und damit auch Jeannes Entkommen der wörtlichen und körperlichen Misshandlungen, nie in Frage kam. Später glaubt Jeanne immer wieder, Einzelheiten im Charakter ihres Vaters an sich selbst zu erkennen.

Bildung ist der einzige Ausweg aus dem Elternhaus, den sie sieht. Obwohl es kaum zu glauben ist, gelingt es ihr mit der Hilfe der Mutter und einer Lehrerin eine weiterführende Internatsschule besuchen zu können. Erst sehr viel später erfährt sie, wer ihr die finanzielle Möglichkeit dazu gegeben hat. Die Übergriffe, die sie, ihre Mutter und ihre Schwester erfahren, sind nicht immer vor anderen zu verbergen wie beispielsweise den Einwohnern des Orts, aber keiner schreitet ein, was Jeanne noch im Erwachsenenalter wütend macht und sie nicht verzeihen kann.

Die Autorin schildert die Exzesse nicht ausschweifend, es reichen wenige pointierte Sätze, um sich als Lesende die anwidernden Szenen bildhaft vorzustellen. Die Gefühle von Jeanne sind nachvollziehbar, auch die Überlegungen, warum sie sich zu der Person entwickelt hat, die sie nun ist. Im Rückblick hinterfragt sie ihre Partnerschaften und man spürt auch, dass sie willens ist eine reine, klare Liebe zu geben und zu erfahren, was aber durch ihre Zweifel erschwert ist.

„Lieblingstochter“ ist ein Roman mit vielen Tiefen und Szenen, die beim Lesen schmerzen und den inneren Zwiespalt der Gefühle der Protagonistin nachvollziehbar machen. Eine traurig schöne Erzählung, die nachhallt und ich daher empfehle. Die Geschichte ist eher nicht für empfindsame Personen geeignet.

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Veröffentlicht am 15.03.2023

Schreiben zwischen Erfindung und Tatsache

Wir hätten uns alles gesagt
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Das Buch „Wir hätten uns alles gesagt“ von Judith Hermann gibt die Vorlesungen wieder, die die Autorin im Rahmen einer Poetik-Vorlesungsreihe an der Goethe-Universität in Frankfurt an drei Abenden gehalten ...

Das Buch „Wir hätten uns alles gesagt“ von Judith Hermann gibt die Vorlesungen wieder, die die Autorin im Rahmen einer Poetik-Vorlesungsreihe an der Goethe-Universität in Frankfurt an drei Abenden gehalten hat. Jedes Semester wird ein Autor oder eine Autorin zur Dozentur über Fragen zur poetischen Produktion und ihren Bedingungen ausgesucht. In diesem Rahmen kann er oder sie das Thema frei wählen. Dem vorgenannten Titel des Buchs wurde erläuternd ein „Vom Schweigen und Verschweigen im Schreiben“ angehängt. Hierin deutet sich an, dass Judith Hermann den Versuch wagt, den zuhörenden StudentInnen beziehungsweise den Lesenden ihres Buchs ihren Schreibkosmos zu erläutern.

Im Buch erklärt sie in einem kurzen Prolog wie der Text der Vorlesungen beziehungsweise des Buchs entstanden ist, in den sich persönlich Erlebtes eingemischt hat. Bewusst bringt sie sich dabei nicht selbst ins Spiel, sondern aus einer überlegenden späteren Draufsicht, ohne dafür die Gründe zu benennen, aber passend zum anschließenden Mysterium, wieviel Wahrheit in den autobiografisch angelehnten, erzählten Begebenheiten liegt.

Ausgangspunkt für die Geschichte ist Judith Hermanns Begegnung mit ihrem früheren Psychoanalytiker. Allerdings warfen ihre Aussagen über das, was und wie sie Selbsterlebtes beim Schreiben festhält, die gewollten Zweifel bei mir auf, ob das Erzählte der Realität entspricht. Denn die Autorin wendet das Geschehene wieder und wieder und reduziert dabei auf das, was ihr bemerkenswert erscheint. Ihr ist bewusst, dass dabei Vieles verlorengeht, aber rund um das Zurückbleibende baut sie ihre Geschichten auf und füllt sie mit Fantasie. Ich empfinde das als eine besondere Kunstform.

Bisher war die Autorin zurückhaltend damit, Informationen über sich selbst an die, Öffentlichkeit zu geben. Im vorliegenden Buch „Wir hätten uns alles gesagt“ erzählt Judith Hermann beispielhaft von Geschehnissen, in die ihre Eltern, Verwandte, Freunde und Bekannte eingebunden sind, die sie seit ihrer Kindheit durchs Leben begleitet haben. Dennoch erhält sie sich aufgrund ihres individuellen Schreibstils das Rätsel um den Wahrheitsgehalt des Erzählten. Ein Buch, wie kein anderes, das ich daher gerne empfehle.

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Veröffentlicht am 14.03.2023

Schmackhafte Rezepte in attraktiver Aufmachung des Buchs

Fatmanurs fabelhafte Backwelt
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Fatmanur Kilic bietet in ihrem Buch „Fatmanurs fabelhafte Backwelt“ etwa 60 Rezepte an. Sie ist gelernte Konditorin, Mitte 20 und in den Sozialen Medien unter dem Namen „Kilic-Story“ zu finden. Bei ihren ...

Fatmanur Kilic bietet in ihrem Buch „Fatmanurs fabelhafte Backwelt“ etwa 60 Rezepte an. Sie ist gelernte Konditorin, Mitte 20 und in den Sozialen Medien unter dem Namen „Kilic-Story“ zu finden. Bei ihren Rezepten achtet sie darauf, dass sie einfach zu backen oder zu erstellen sind, lecker schmecken und appetitlich anzusehen sind.

Nach einem Vorwort, einer Kurzvorstellung der Bäckerin und einem Interview mit ihr, beginnt der Rezeptteil. Das Buch ist untergliedert in die Kategorien Basics & Grundrezepte, Klassiker à la Fatmanur, Easy peasy & megalecker, Schönes für besondere Anlässe, Kleine Köstlichkeiten & Dessert sowie Brot, Brötchen & Herzhaftes. Im ersten Kapitel zeigt Fatmanur Kilic auf jeweils einer Doppelseite welche Backzutaten in ihrer Küche nie fehlen und welche Utensilien sie immer zur Hand hat. Dann folgen die Rezepte für vier Grundteige und vier Cremes zum Füllen oder Verzieren des Gebäcks, die begleitet werden mit anregenden Fotos, meist vom Resultat.

Die Rezepte werden ansprechend in Szene gesetzt mit ganzseitigen Fotos von Julia Hoersch und gestylt von Anne Haupt, wobei sich Meike Graf um die Requisite gekümmert hat. Fatnamur Kilic gibt zu manchen Zubereitungen gute Tipps. Zu einigen Rezeptangeboten findet sich auf der Foto- oder Anleitungsseite ein Barcode zum Scannen, mit dem man eine Video-Anleitung aufrufen kann. Mehrfach finden sich im Buch doppelseitige Lifehacks zum Dekorieren des Backwerks, die zum Auffinden leider nicht einzeln gelistet sind. Ein alphabetisches Register am Ende des Buchs hilft dabei, Rezepte zu finden. Hier kann man auch nachschlagen, wenn man eine bestimmte Hauptzutat wie beispielsweise eine Obstsorte vorrätig und damit etwas backen möchte, denn bestimmte Backzutaten oder -arten sind hervorgehoben.

Inzwischen habe ich sowohl die fluffigen Amerikaner wie auch die Dinkel-Quark-Brötchen mit Schokodrops nachgebacken. Die Zubereitung war einfach erklärt und ausführlich. Die Backzeit und -temperatur war passend, so dass das Ergebnis köstlich war. Es fehlte die Angabe, dass mit Ober- und Unterhitze gebacken wird und eine alternative Einstellung für den Heißluftherd.

Das Buch „Fatmanurs fabelhafte Backwelt“ bietet neben schmackhaften Rezepten eine attraktive Aufmachung, die zum Backen anregen. Meine Familie wird sicherlich noch mit mancher Leckerei daraus verwöhnt werden. Daher empfehle ich das Buch gerne weiter.

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