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Veröffentlicht am 07.11.2022

Schwarzer Humor, mystische Elemente und ungewöhnliche Figuren

This Charming Man
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Vampire – gibt es sie wirklich? Mit dieser Frage muss sich die Redaktion der Stranger Times in Manchester im zweiten Band der schauerlichen Trilogie von C.K. McDonnell beschäftigen. Auf dem Buchumschlag ...

Vampire – gibt es sie wirklich? Mit dieser Frage muss sich die Redaktion der Stranger Times in Manchester im zweiten Band der schauerlichen Trilogie von C.K. McDonnell beschäftigen. Auf dem Buchumschlag wird die Geschichte angeteasert. Als Leserin schloss ich daraus, dass die Nachtgestalten existieren und unterwegs sind, ihren Blutrausch zu stillen. Jetzt war ich neugierig, was die MitarbeiterInnen der Zeitungsredaktion dazu herausfinden würden.

Die stellvertretende Chefredakteurin Hannah Willis ist seit drei Monaten bei der Stranger Times beschäftigt. Bereits zu Beginn ihrer Tätigkeit hat sie feststellen müssen, dass es Dinge gibt, die mit dem Verstand nicht zu erfassen sind. Aktuell hat sich in Manchester ein junger Mann vor einen Laster geworfen. Man könnte einen Selbstmord vermuten, wenn die Leiche nicht lange Eckzähne hätte und bei der Obduktion menschliches Blut im Magen gefunden wurde. Dr. Carter, die Rechtsanwältin der Zeitung, die mit übernatürlichen Kräften ausgestattet ist, bietet der Redaktion die Story an, behauptet aber, dass es Vampire nicht gibt. Die Kollegen stehen vor einem Rätsel. Außerdem droht einem der Angestellten eine Entführung durch einen Bautrupp, der das marode Badezimmer der Redaktion renovieren soll.

Nicht nur die Redakteure der Stranger Times und Hannah versuchen den Fall aufzuklären, sondern auch Detective Inspector Sturgess, der ebenfalls aus dem ersten Teil der Serie bekannt ist. Die Kollegen der Stranger Times sehen die Notwendigkeit ein, den seltsamen Geschehnissen, meist in Zweier-Teams, nachzugehen. Obwohl bereits auf den ersten Seiten des Buchs eine mysteriöse Begebenheit geschildert wird, kommen die Mitarbeitenden nur mühsam zu ersten Ergebnissen. Eine Antwort auf die Frage, wer dafür verantwortlich ist, liegt in weiter Ferne. Aber sie können nicht verhindern, dass die oder der Übeltäter beziehungsweise die Übeltäterin auf sie aufmerksam wird.

Chefredakteur Bancroft sieht es als seine Aufgabe an, daran zu erinnern, dass wöchentlich eine Zeitung zu erstellen ist und dafür Artikel notwendig sind. Auch diesmal trägt sein Festhalten an gewissen Prinzipien wieder zum Witz des Buchs bei. Mein Kompliment gilt dem Übersetzer André Mumot, der den trockenen britischen Humor so übersetzt, dass ebenfalls deutsche Lesende darüber schmunzeln können. Wie im ersten Buch sind wieder beispielhaft einige Artikel der fiktiven Zeitung für Unerklärtes und Unerklärliches zwischen den Kapiteln zu lesen.

Eine beachtliche Anzahl neuer Figuren wie zum Beispiel ein Wahrheitssprecher, ein redender Hund und ein Schuldentätowierer tragen mit ihrem besonderen Charakter zu einer abwechslungsreichen, spannenden Lektüre bei. Eine innovative Dating-App sorgt mit einer frischen Idee für Wirbel im Geschehen. Immer wieder gibt es unerwartete Wendungen.

Der zweite Band der voraussichtlichen Trilogie über die Mitarbeitenden der Stranger Times überzeugt erneut durch den schwarzen Humor, den mystischen Elementen und den ungewöhnlichen Figuren. An mehreren Stellen bleiben offene Fragen. Ungeduldig erwarte ich die Fortsetzung in der Hoffnung, dass sich darin Stellas Geheimnis lüftet und ich mehr über Bancrofts Frau erfahren werde. Gerne empfehle ich den Roman an Lesende weiter, die einen Sinn für übernatürliche Ereignisse mitbringen

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Veröffentlicht am 01.11.2022

Im wahrsten Sinne eine bezaubernde Fantasy für Alle ab 10 Jahren

Brombeerfuchs – Der Zauber von Sturmauge
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Portia Beale und Ben Rees, die inzwischen 13 Jahre alt sind, erleben in der Fantasy „Brombeerfuchs – Der Zauber von Sturmauge“ von Kathrin Tordasi ihr zweites Abenteuer in der Anderswelt. Sie gehören ebenso ...

Portia Beale und Ben Rees, die inzwischen 13 Jahre alt sind, erleben in der Fantasy „Brombeerfuchs – Der Zauber von Sturmauge“ von Kathrin Tordasi ihr zweites Abenteuer in der Anderswelt. Sie gehören ebenso wie der titelgebende Brombeerfuchs, zu dem der Gestaltwandler Robin wird, zu einer Gruppe unterschiedlicher Lebewesen, die nach Sturmauge finden, dem Wohnsitz eines mächtigen Magiers. Dort wollen sie Schlimmes verhindern.
Für ihre Ferien bei ihren Großtanten Rose und Bramble in Wales hat Portia bereits alles gepackt. Doch plötzlich steht Ben vor der Haustür ihrer Familie in London. Ben kann sich nicht daran erinnern, wie er dorthin gekommen ist. In seiner Hosentasche findet er einen Schlüssel und ein zusammengefaltetes Stück Papier, auf dem eine Landkarte skizziert und eine verwischte Botschaft zu lesen ist. Auf der gemeinsamen Fahrt nach Wales bemerkt Ben, dass mit seiner linken Hand etwas Seltsames geschieht. Zusammen mit Portias Großtanten beschließen sie, dass die Anderswelt ihnen Antworten auf die eigentümlichen Vorkommnisse liefern wird, denn Rose und Bramble vermuten, dass Magie im Spiel ist.
Portia und Ben sind seit ihrem letzten Abenteuer erfahrene Weltenwanderer und daher ahnen die beiden, dass in der Anderswelt etwas Wichtiges geschehen sein muss. Entgegen ihrem Versprechen, die Fantasywelt, in der für die Bewohner von Wales seit jeher die Feen wohnen, nicht mehr zu betreten, öffnen die Großtanten gemeinsam mit den Freunden ein Portal. Schon nach wenigen Buchseiten las ich davon, dass jenseits der Tür magische Kräfte zerstörerisch gewaltet haben. Die Wesen der Anderswelt waren ohnmächtig dagegen.
Der kleinen Gruppe aus Menschen stellen sich die Fragen, ob der Zauber aktuell immer noch eine Gefahr darstellt, ob sich die Quelle dazu finden lässt und ob es ihnen möglich ist, die Magie zu beherrschen. Wenig später werden sie auch von der Königin der Feen entdeckt. Sie gibt den Menschen die Schuld an den verursachten Schäden. Portia, Ben, Rose und Bramble müssen nun zusätzlich zu den übrigen Problemen auch noch beweisen, dass sie nicht für die Verwüstungen verantwortlich sind.
Die Spannung baut sich durch den turbulenten Beginn schnell auf. Mit dem Betreten der Anderswelt sind für die Menschen immer Gefahren verbunden, dass wissen nicht nur Portia und ihre Lieben, sondern auch die Lesenden des ersten Teils. Dennoch benötigt man zum Verständnis nicht dessen Kenntnis. In diesem zweiten Band der Reihe liegt das Augenmerk auf Zaubereien, sei es mittels Runen oder auch Sprüchen.
Auch in der Fortsetzung der „Brombeerfuchs-Reihe“ zeigt Kathrin Tordasi wie stark eine Gemeinschaft ist, wenn man einander vertraut und jeder bei der Problemlösung das einsetzt, was er oder sie am besten kann. Während Portia mit ihrer Identität kämpft, weil sie gewisse Neigungen zum Gestaltwandeln in sich spürt, entwickelt Ben zunehmend mehr Selbstsicherheit durch erste kleine Erfolge, die dazu führen, dass er sich immer mehr zutraut. Die Geschichte fordert dazu auf, Neues zu erlernen und schon an kleinen Fortschritten beständig zu wachsen. Außerdem gibt sie einen guten Ratschlag zur Verarbeitung von Verlusten.
Ich liebe die Romane von Kathrin Tordasi und habe mich auch diesmal wieder gerne verzaubern lassen, darum vergebe ich gerne eine Leseempfehlung für Kinder ab 10 Jahren ebenso wie für Ältere jeden Alters.

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Veröffentlicht am 01.11.2022

Schöne Ergänzung der Andor-Spieleserie

Die Legenden von Andor: Varkurs Erwachen
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„Die Legenden von Andor – Varkurs Erwachen“ ist eine Graphic Novel, die von Jens Baumeister gescriptet und von Timo Gruning illustriert wurde. Die Geschichte ist, wie der Name schon sagt, im Fantasy-Universum ...

„Die Legenden von Andor – Varkurs Erwachen“ ist eine Graphic Novel, die von Jens Baumeister gescriptet und von Timo Gruning illustriert wurde. Die Geschichte ist, wie der Name schon sagt, im Fantasy-Universum von Andor angesiedelt, einer Brettspielwelt, die von Michael Menzel und Stefanie Schmitt erdacht wurde. Kenntnisse des Spiels sind für das Lesen nicht erforderlich. Auf den Buchklappen vorne und hinten sind vier Karten enthalten, die als Erweiterung des Basisspiels gemeinsam eine Legende bilden, die mit dem Andor-Brettspiel gespielt werden kann, das man zu diesem Zweck besitzen sollte.

Varkur ist ein Magier. Die Graphic Novel thematisiert seine Vergangenheit bis zum Erwachen seiner dunklen Kräfte. Eines Tages wird er an der Küste von Andor ohne Erinnerung an seine Vergangenheit von Ranja, einer Fischerin aus dem anliegenden Ort, aufgefunden. Sie kümmert sich um ihn. Einer der Dorfbewohner hat ein Auge auf sie geworfen und wird eifersüchtig. Später wird dieser Mann zum eifrigsten Verfolger von Varkur. Der Magier flieht gemeinsam mit Ranja, um herauszufinden, wer er wirklich ist. Ranja geht aus Neugierde mit, um die Welt von Andor jenseits des Fischerdorfs kennenzulernen.

Auf dem Reiseweg begegnen ihnen Kreaturen, die Übles im Sinn haben. Varkur kann zur Verteidigung seine Kräfte zeigen, von denen er selbst überrascht ist. Dadurch beginnt er, sich selbst zu hinterfragen.

Beim Lesen entfaltete sich eine spannende Geschichte, bei der Wesen der Andorwelt wie im Brettspiel zur Bedrohung der Bevölkerung werden. Die Illustrationen in schwarz-weiß schaffen eine dunkle Atmosphäre. Durch Flashbacks erfuhr ich mit und mit mehr über die Ereignisse, die dazu führten, dass Varkur nach Andor kam. Ein offenes Ende gibt Spielraum für eine Fortsetzung. Für alle Andor-Fans ist das Buch ein Muss.

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Veröffentlicht am 01.11.2022

Heilig Abend 1991 mit Höhen und Tiefen als Abschlußband der Wunderfrauen-Reihe

Die Wunderfrauen
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Es ist der Heilige Abend im Jahr 1991 zu dem Stephanie Schuster mich als Leserin ihres Romans „Die Wunderfrauen – Wünsche werden wahr“ auf eine Reise in die Vergangenheit mitnimmt. Die älteste der vier ...

Es ist der Heilige Abend im Jahr 1991 zu dem Stephanie Schuster mich als Leserin ihres Romans „Die Wunderfrauen – Wünsche werden wahr“ auf eine Reise in die Vergangenheit mitnimmt. Die älteste der vier Freundinnen Luise, Marie, Helga und Annabel, die bereits in den vorigen drei Büchern der Serie als Wunderfrauen im Mittelpunkt standen, ist inzwischen Anfang 70. Jede von ihnen kann auf ein bewegtes Leben zurückblicken. Im wohlverdienten Ruhestand ist noch keine von ihnen.

Im Prolog offenbart ein Dieb sein Ansinnen, doch es dauert fast bis zum Ende der Geschichte, bis er geschnappt wird. Dabei konnte ich Annabel mit ihrem kriminalistischen Gespür in ihrem Element erleben. Die Erzählung erhält ebenfalls eine hintergründige Spannung durch die hochschwangere Josie, der Tochter von Luise, die sich mit ihrer Familie auf den Weg von Starnberg aus nach Berlin zum Vater ihres Ehemanns macht, um dort das Weihnachtsfest zu feiern. Unliebsame Überraschungen bereiten der Familie auf ihrer Fahrt einiges an Unbill. Noch dazu hat Josie sich vorher mit ihrer Mutter gestritten und ihre Gedanken kreisen um das, was Luise ihr vorgeworfen hat. Währenddessen versuchen die Wunderfrauen ihre Vorbereitungen für Weihnachten fertig zu stellen, damit sie das Fest wie verabredet gemeinsam verbringen können.

Obwohl die Geschichte nur an einem einzigen Tag spielt, erleben die Wunderfrauen erneut Höhen und Tiefen, auch im Rückblick auf vergangene Ereignisse. Als Leserin erfuhr ich, was seit den Begebenheiten in den 1970er, die im vorigen dritten Band der Serie geschildert wurden, geschehen ist. Im höheren Alter steht jede der Freundinnen mitten im Leben und gibt gerne seine Erfahrungen an die jüngere Generation weiter. Darum kam es auch zum Streit zwischen Luise und ihrer Tochter, bei der es um die verschiedenen Auffassungen der beiden zur Rolle der Frau in der Ehe geht. Luise ist zwar immer noch beruflich äußerst engagiert, jedoch sucht sie sich Freiräume und schätzt zunehmend jeden schönen Moment.

Alle Kinder der Wunderfrauen haben sich inzwischen für einen Beruf entschieden und entwickeln sich darin weiter oder nutzen ihre Kenntnisse, um diese in anderen Gebieten anzuwenden. Ihre Mütter sind stolz auf sie, jedoch auch ängstlich über deren Wohlergehen beispielsweise, wenn sie sich auf einer Reise im Ausland ohne festes Ziel befinden. Keine von ihnen fürchtet sich davor, im Alten allein zu sein, sondern sie erkennen, dass die Liebe nicht aufhört und ein Partner an ihrer Seite ihnen angenehme Momente schenken kann. Außerdem ist ihnen ihre Freundschaft viel Wert und sie wissen, dass sie sich aufeinander verlassen können.

Zwar führt Luise kein Ladenkundebuch mehr, aber sie schreibt weiterhin alles für sie Interessante auf und daher finden sich im Buch auch diesmal wieder zeitgeschichtliche Informationen, Anleitungen und Tipps aus ihrem Notizheft als Einschübe zwischen den Kapiteln. Nebenbei lässt die Autorin aktuelle Musik, Spiele, Markenartikel und anderes in ihre Geschichte einfließen, die zu einem passenden Stimmungsbild beitragen.

In ihrem Roman „Die Wunderfrauen – Wünsche werden wahr“ erzählt Stephanie Schuster ein letztes Mal von den vier Freundinnen aus Starnberg, die für den Heiligen Abend im Jahr 1991 eine gemeinsame Feier geplant haben. Sie blicken voller Hoffnung und in ruhiger Erwartung auf ihre Zukunft. Gerne vergebe ich auch diesmal eine Leseempfehlung.

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Veröffentlicht am 26.10.2022

Raffiniertes Spiel mit der Zeitgeschichte

Der Leuchtturm an der Schwelle der Zeit
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Im Roman „Der Leuchtturm an der Schwelle der Zeit“ lässt die britische Autorin ihren Protagonisten Joe im 19. Jahrhundert alternative Zeitgeschichte erleben. Im Original heißt der Roman „The Kingdoms“ ...

Im Roman „Der Leuchtturm an der Schwelle der Zeit“ lässt die britische Autorin ihren Protagonisten Joe im 19. Jahrhundert alternative Zeitgeschichte erleben. Im Original heißt der Roman „The Kingdoms“ und er trifft genau wie der deutsche Titel den Kern der Erzählung. Zum einen steht ein Portal zum Zeitreisen, das sich in der Nähe eines Leuchtturms befindet, im Fokus, andererseits erfasst die englische Bezeichnung die Besonderheit, dass kleine Veränderungen in der Weltgeschichte aufgrund von Ränkespielen sowie Schlachten zu Lande und zur See zu dramatischen Verschiebungen der politischen Situation in den Königreichen von Großbritannien, Frankreich und Spanien führen können. Bei Zeitreisen in beide Richtungen ergeben sich dadurch jedes Mal neue Umstände.
Joe findet sich an einem Morgen des Jahres1898 an einem Londoner Bahnsteig wieder. Er kann sich zwar an seinen Namen erinnern, aber nicht an seine Vergangenheit. Einzig eine Frau mit dem Namen Madeline fällt ihm ein. Sein Gedächtnis wird in einer Klinik untersucht, die eine Suchanzeige für ihn aufgibt. Nach einiger Zeit meldet sich dort ein fein gekleideter Mann, der behauptet sein Herr zu sein. Die ihn begleitende jungen Frau behauptet, mit ihm verheiratet zu sein. Einige Monate später erhält er von seinem Herrn die wohlverdiente Freiheit.
Wenige Zeit danach trifft ein mysteriöser Brief ein, der 93 Jahre vorher bei der Post aufgegeben wurde. Er enthält eine Postkarte mit einem Leuchtturm vor der Küste Schottlands und der Aufforderung, nach Hause zu kommen, wenn er sich erinnert. Der Appell ist mit einem einfachen M unterschrieben. Zwei Jahre später ergreift Joe die Gelegenheit und meldet sich, als ein Techniker zur Reparatur eben jenes Leuchtturms gesucht wird. Bestimmt wird er bald wieder mit Madeline vereint sein, die nach seiner Vermutung seine frühere Geliebte war.
Natasha Pulley zeigt auf faszinierende Weise wie das Verhalten bereits einer einzelnen Person sich auf das große Spiel der Mächtigen auswirken kann. Joe droht sich aufgrund seiner Amnesie selbst zu verlieren. Von Anfang an spürt er eine innere Sehnsucht und obwohl er sich an wenig erinnert, verblasst diese nie. Auch eine glückliche Gegenwart kann ihm nicht sein tiefes Verlangen nehmen. Er macht sich auf die Suche nach dem, was er verloren zu haben scheint und findet sich in einer Umgebung wieder, die ihm fremd ist und sich doch bekannt anfühlt.
Neben der Figur des Joe, der viele Facetten zeigt, glänzt vor allem der Charakter des Kapitäns Missouri Kite. An Bord seines Schiffs lernt Joe dessen Härte gegenüber seiner Mannschaft und die Unwägbarkeiten der See kennen. Während Joe sich entsprechend seiner Rolle, die ihm die weltgeschichtlichen Ereignisse zuweisen, verändert, zeigt Kite seine wechselhaften Seiten in Abhängigkeit von seiner Stellung und seinen Erfahrungen. Natasha Pulleys Frauenfiguren wirken eigenständig, obwohl sie ihrer Zeit entsprechend schlechte Anerkennung finden.
Dank sehr guter Recherche beschreibt die Autorin das Leben an Bord eines Schlachtschiffes vorstellbar mit all ihren Härten, die nicht nur im Kampf bestehen, sondern auch beim Wachdienst, dem Segelsetzen und dem Plankenschrubben auf Hoher See. Es finden sich an Bord weitere interessante Figuren, die durch ihre Entwicklung zu losen Enden in der Geschichte beitragen, die über die Zeiten hinweg zum Ende hin von der Autorin zusammengefügt werden.
„Der Leuchtturm an der Schwelle der Zeit“ ist eine Steampunk-Fantasy von Natasha Pulley, die hierin mit der Möglichkeit der Zeitreise spielt. Sie zeigt, wie heftig das Verlangen sein kann, der Liebe zu folgen, die tief im Inneren verwurzelt ist, und dafür alles zurückzulassen, was inzwischen an Wichtigkeit gewonnen hat. Erst zum Schluss zeigt sich im Rückblick, wie gekonnt die Autorin die einzelnen Aspekte ihrer Geschichte zusammengefügt. Gerne empfehle ich das Buch an alle Fantasy-Lesende mit Interesse an Weltgeschichte weiter.

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