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Veröffentlicht am 09.08.2022

Einfühlsam geschriebener Roman über eine junge Lehrerin in der Frauenbildung der 1930er

Die karierten Mädchen
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Der Roman „Die karierten Mädchen“ ist der erste Band einer Trilogie, die inspiriert ist von der Lebensgeschichte der Großmutter der Autorin Alexa Hennig von Lange. Ende der 1920er Jahre ist die Protagonistin ...

Der Roman „Die karierten Mädchen“ ist der erste Band einer Trilogie, die inspiriert ist von der Lebensgeschichte der Großmutter der Autorin Alexa Hennig von Lange. Ende der 1920er Jahre ist die Protagonistin Klara stolz über eine Stelle als Hauswirtschaftslehrerin in einem Kinderheim in Oranienbaum. Einige Jahre später erhält sie die Leitung eines Frauenbildungsheims. Die Auszubildenden sollen einheitliche Arbeitskleidung tragen. In Anlehnung daran werden sie bald als „karierte Mädchen“ bezeichnet.
Die Geschichte spielt auf zwei Zeitebenen. Einerseits erzählt die Autorin von Klara, die etwa um die Jahrhundertwende 91 Jahre alt und blind ist. Dennoch lebt sie weitgehend unabhängig im eigenen Haus. Ihr Mann ist vor vielen Jahren verstorben, aber ihre Kinder besuchen sie noch regelmäßig. Die Schwangerschaft ihrer Enkelin löst bei Klara verschüttete Erinnerung wach. Ihr kommt die Idee, auf Kassetten aufzunehmen, was sie in der Vergangenheit erlebt hat. Auf der zweiten Zeitebene konnte ich von Klara als junge Frau bei Antritt ihrer ersten Stelle lesen. Chronologisch setzt Alexa Hennig von Lange beide Handlungsebenen fort.
Die Autorin schreibt als allwissende Erzählerin. Dadurch erreicht sie eine gewisse Distanz zum Geschehen, die notwendig ist, um der Geschichte ihrer Großmutter einen breiteren fiktionalen Raum zu geben. Es ist für uns heute schwierig, Gründe für die Handlungen der damals Lebenden nachzuvollziehen. Unsere heutige Meinung über die vergangene Epoche beruht auf der Kenntnis vieler Fakten.
Klara trat ihre erste Stelle in der Zeit der Weltwirtschaftskrise 1929 an. Sie war froh darüber, überhaupt eine Arbeit zu finden in ihrem erlernten Beruf. Aber bald schon geraten die Finanzen des Kinderheims in eine Schieflage und es kommt zu Entlassungen von Personal. Die Protagonistin hat die Idee dazu, sich auf die aufstrebende Partei der Nationalsozialisten zu stützen, die das Heim erhalten will, wenn die neuen Ideologien dort vermittelt werden.
Mit der Figur der Kindergärtnerin Susanne schafft die Autorin eine Person, mit der Klara ihren Standpunkt diskutiert. Susanne kommt aus einer betuchten Familie in Berlin und bringt einen anders gelagerten Blick auf die Machtverhältnisse mit. Durch Einflechten einer Erzählung rund um das jüdische Waisenkind Tolla, dessen Klara sich annimmt, bindet die Autorin zusätzlich die Geschichte der Judenverfolgung mit ein. Obwohl Klara sich und die unter ihrer Obhut stehenden vor weiteren Nöten bewahren möchte, sind ihre Entscheidungen aus moralischer Sicht im Nachhinein kontrovers zu sehen.
Alexa Hennig von Lange schreibt in ihrem Roman „Die karierten Mädchen“ behutsam und einfühlend. Gerne blickt sie hinter die Fassade ihrer Figuren, die sich ändern und weiterentwickeln, aus Sicht des Lesenden nicht immer zu deren Bestem, aber mit Konsequenzen. Auch aufgrund der einfließenden Lebenserinnerungen ihrer Großmutter gelingt es ihr, ein authentisches Bild der damaligen Zeit zu zeichnen. Das Buch ist der erste Teil einer Trilogie, deren Handlungszeit bis in die 1960er Jahre reicht. Schon jetzt freue ich mich auf die Fortsetzung und vergebe gerne eine Leseempfehlung für den vorliegenden Band.

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Veröffentlicht am 04.08.2022

Freude und Leid auf einem Roadtrip im eigenen Land

Wir sehen uns zu Hause
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Nach einem persönlichen Drama beschließt die 53-jährige Anne, eine der Hauptfiguren im Roman „Wir sehen uns zu Hause“ von Christiane Wünsche, die lange geplante Auszeit im alten Camper, ohne ihren Ehemann ...

Nach einem persönlichen Drama beschließt die 53-jährige Anne, eine der Hauptfiguren im Roman „Wir sehen uns zu Hause“ von Christiane Wünsche, die lange geplante Auszeit im alten Camper, ohne ihren Ehemann Peter zu starten. Es ist Juni 2019. Die in Kaarst wohnende Anne ist Lehrerin und hat ein Sabbatical gewählt. Peter ist einige Jahre älter und bereits Rentner. Gemeinsam haben sie sich auf eine achtmonatige Tour durch Nordeuropa gefreut. Von vielen gemeinsamen Urlauben mit dem Wohnmobil ist ihnen die dänische Insel Bornholm schon gut bekannt. Ihre 24-jährige Tochter Alina, die als Kind mit ihren Eltern auf Tour war, bleibt mit ihrem Freund in der Studentenwohnung in Düsseldorf. Beide ahnen beim Abschied nicht, dass das Leben für jede von ihnen eine besondere Herausforderung bereithält.
Anne hat in ihrem Gepäck einen Karton, in dem der plötzlich verstorbene Peter Erinnerungen an seine Familie aus Thüringen aufbewahrt hat. Dazu gehören unter anderem Fotos. Ihr selbst waren die Bilder bis vor kurzem fast alle unbekannt, aber einige der abgelichteten Personen kann sie aufgrund der Beschreibungen ihres Manns benennen. Persönlich begegnet ist sie Peters Familienmitgliedern und früheren Freunden nie. Die beiden haben sich am Tag des Mauerfalls in Berlin kennengelernt, seitdem ist der Kontakt zu Peters Familie abgebrochen.
Der Umgang mit der Trauer fällt sowohl Alina wie auch Anne schwer. Die Stille im Haus ist für Anne erdrückend und obwohl Peter in der Regel das Wohnmobil gelenkt und vor allem gewartet hat, traut sie sich, die Reise allein zu. Alina hat ihr Studium zu absolvieren und neben dem Kummer über den Tod des Vaters kommt nun noch die Sorge um das Wohlergehen ihrer Mutter auf der Fahrt. Während neue Situationen auf der Fahrt für Anne immer wieder Herausforderungen darstellen, wird auch Alina mit einem unerwarteten Problem konfrontiert. Hinzu kommt ein Brief an die beiden, der sowohl Mutter wie auch Tochter eine unerwartete Seite des liebevollen Ehemanns und Vaters zeigt.
Die Fahrt wird für Anne zu einer Reise in die Vergangenheit ihres Ehemanns. Manche Aussage von ihm zu Orten und Personen konnte sie nie zuordnen, hat aber niemals nachgehakt und stattdessen akzeptiert, dass ihr Mann nicht über sein Leben in der DDR reden wollte. Es ist einer dieser Punkte an denen Christiane Wünsche mit viel Feinsinn die Befindlichkeiten ihrer Figuren austariert. Überhaupt gestaltet sich die Geschichte auf der gefühlsmäßigen Ebene als authentisches Bild. Dank guter Recherche und eigener Erfahrungen wirken die beschriebene Umgebung und die handelnden Personen ebenso realistisch, das Geschehen vorstellbar.
Indem die Autorin mit schriftstellerischem Kniff hin und wieder den Fokus auf Figuren wirft, die bestimmte Begebenheiten erklären, klärt sie alle Geheimnisse aus der Vergangenheit Peters bis zum Ende hin für den Lesenden auf.
In ihrem Roman „Wir sehen uns zu Hause“ nahm Christiane Wünsche mich als Leserin mit auf einen Roadtrip im eigenen Land, den eine ihrer Protagonistinnen nach dem plötzlichen Tod des Ehemanns unternimmt. Sie zeigte mir wunderbare Orte und brachte mir die Vergangenheit im geteilten Deutschland näher. In ihrem Roman wechseln sich Freude wie auch Leid gleichmäßig ab und vermitteln eine lebensechte Geschichte. Gerne empfehle ich das Buch weiter.

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Veröffentlicht am 01.08.2022

Erster Teil einer Dilogie mit ergreifenden Porträts zweier fiktiver Protagonistinnen

Das Tor zur Welt: Träume
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In der Auswandererstadt in Hamburg-Veddel, auch BallinStadt genannt, herrschte vor über 100 Jahren emsiges Treiben, das Miriam Georg in ihrem zweiteiligen Roman „Das Tor zur Welt“ einfängt. Im ersten Band ...

In der Auswandererstadt in Hamburg-Veddel, auch BallinStadt genannt, herrschte vor über 100 Jahren emsiges Treiben, das Miriam Georg in ihrem zweiteiligen Roman „Das Tor zur Welt“ einfängt. Im ersten Band mit dem Untertitel „Träume“ erzählt sie von zwei Frauen, die aus unterschiedlichen gesellschaftlichen Schichten kommen. Ebenso verschieden sind ihre Vorstellungen von ihrer Zukunft. Sie lernen sich im Jahr 1911 während ihrer Arbeit in der Auswandererstadt kennen.

Zunächst führte die Autorin mich als Leserin in das Alte Land im Jahr 1892. Hier lebt die 14-jährige Ava de Buur, eine der beiden Protagonistinnen, auf dem Moorhof mit denjenigen zusammen, die sie als ihre Familie ansieht. Ihre Eltern haben sie zurückgelassen, als sie nach Amerika ausgewandert sind. Die Arbeit ist hart, die Erträge gering. Dann kommt ein Unglück zum anderen und plötzlich findet Ava sich allein in Hamburg wieder. Sie beschließt zum Moorhof zurückzukehren.

Nach einem Zeitsprung in das Jahr 1911 lernte ich auch Claire Conrad kennen, eine Frau Ende Zwanzig und die zweite Hauptfigur. Ihre Eltern sind vor Jahren aus Amerika nach Hamburg zurückgekehrt. Sie kommt aus gutbetuchtem Haus, aber inzwischen ist ihr Vater verstorben und ihre Mutter leidet darunter, dass Claire keinen standesgemäßen Ehemann findet. Claire und Ava, die jetzt in Hamburg lebt, begegnen sich, trotz ihrer sehr unterschiedlichen Lebenswege, in der Auswandererstadt. Mit der Zeit wissen sie sich gegenseitig zu schätzen.

Die beiden Protagonistinnen des Romans kommen aus verschiedenen Gesellschaftsschichten. Beide werden auf unterschiedliche Weise daran gehindert, ihre Träume zu verwirklichen. Während Ava sich wünscht, ihre Eltern in Amerika zu suchen, möchte Claire an der Seite des von ihr geliebten Mannes die Welt bereisen. Ava fehlt zur Verwirklichung ihres Traums eindeutig das Geld, bei Claire ist der Verhinderungsgrund nicht ganz so einfach. Sie ist an die Konventionen der angesehenen Gesellschaft von Hamburg gebunden, auf deren Einhaltung ihre Mutter Wert legt und sich dazu sogar Unterstützung holt. Claire ist eine Rebellin, die sich wieder und wieder gegen die an sie gerichteten Ansprüche auflehnt. Dennoch wünscht sie sich manchmal, dass sie über ihren Schatten springen könnte, um dann liebevoller behandelt zu werden. Für eine von beiden rückt der Traum zum Greifen nah, bis er von der anderen zerstört wird.

Während die sanftmütige Ava von Beginn an meine Sympathie hat, ist es mir deutlich schwerer gefallen eine ebensolche für die leicht aufbrausende, verwegene Claire zu entwickeln. Sie ist störrisch, manchmal unbelehrbar und doch erweckte sie mein Mitleid aufgrund des starren Konzepts, dem sie zu folgen hat. Daraus ist ersichtlich, dass sich nicht alles Glück durch genügend Geld erkaufen lässt.

Miriam Georg erweckt im weiteren Verlauf des Romans die quirlige Auswandererstadt zum Leben, was ich als Thema sehr interessant fand. Sowohl Ava als auch Claire finden hier ein Betätigungsfeld. Dazu reihen sich als Figuren noch ein Manager der BallinStadt und ein Fotograf ein, deren Berufe jeweils nochmal einen anderen Gesichtspunkt einbringen. Ich fand es ansprechend, darüber zu lesen, wie viele Menschen vor ihrer Abreise in die Neue Welt Unterkunft finden und verköstigt werden mussten. Auch eine in ihren Einzelheiten sehr berührende Reise nach Amerika wird von der Autorin geschildert.

„Das Tor zur Welt – Träume“ ist der erste Teil einer Dilogie von Miriam George mit ergreifenden Porträts zweier fiktiver Protagonistinnen aus verschiedenen Gesellschaftsschichten, die sich in der Auswandererstadt Hamburg bei ihrer Arbeit kennenlernen. Unterschiedliche Wege haben sie hierhin geführt und ein großer Cliffhänger zum Ende ließ mich als Leserin ungeduldig auf die Fortsetzung wartend zurück mit der Frage, ob es eine glückliche Zukunft für beide geben kann, vielleicht sogar gemeinsam. Sehr gerne empfehle ich den Roman weiter.

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Veröffentlicht am 01.08.2022

Beunruhigender Roman über ein brandaktuelles Thema

Der Anfang von morgen
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Im Roman „Der Anfang von morgen“ zeigt der Schwede Jens Liljestrand ein erschreckendes Szenario, das im Zuge des Klimawandels irgendwann in der baldigen Zukunft sich entwickeln könnte, auf den auch der ...

Im Roman „Der Anfang von morgen“ zeigt der Schwede Jens Liljestrand ein erschreckendes Szenario, das im Zuge des Klimawandels irgendwann in der baldigen Zukunft sich entwickeln könnte, auf den auch der Titel anspielt. Ebenso die farbliche Gestaltung des Umschlags nimmt Bezug darauf und scheint den Interessierten zu warnen. Während des Lesens saß ich auf meiner Terrasse, es waren 34 Grad und im Radio hörte ich davon, dass in Brandenburg ein Wald brennt. Wie schnell doch die Realität die Fiktion einholen kann!

Der PR-Berater Didrik von der Esch urlaubt mit seiner Frau und seinen drei Kindern im Sommerhaus seiner Schwiegermutter, das etwa 300 km nordwestlich von Stockholm am Siljan-See steht. Die anhaltende Hitze hat zu Waldbränden geführt, die dem Aufenthaltsort immer näherkommen. Die Familie muss fliehen und Didrik versucht die Kontrolle zu behalten. Er inszeniert sich gegenüber seiner Familie und in den Sozialen Medien als Held, indem er aus der Masse der Flüchtenden durch das Brechen geltender Regeln und Gesetze auffällt. Er führt die Sicherheit der Familie und die Freiheit als Grund dafür an. Neben seinen Argumenten vermutete ich aber auch, dass Didrik erwartete, an Ansehen zu verlieren, wenn er keine Lösung für die anstehenden Probleme findet. Dennoch hat er kurze Momente der Reflexion über seine Fehler im Leben. In seiner Ehe gibt es schon länger Probleme. Er ist immer noch in Melissa verliebt, mit der er eine außereheliche Beziehung hatte. Mir wurde er nicht sympathisch, genauso wenig wie die anderen drei Hauptfiguren.

Währenddessen spielt Melissa in der schwedischen Hauptstadt Housesitter für eine Wohnung eines ehemaligen Tennisprofis. Ihr ist es einerlei von welchem Ort aus sie ihre Influencer-Postings absetzt, ihr Interesse zielt darauf, möglichst viele Likes dafür zu erhalten. Mit ihren Fotos versucht sie, das Schöne auf der Welt festzuhalten, ungeachtet des Klimawandels. Sie empfindet es als radikal, voller Freude und Glück zu leben und lässt sich gerne dafür bezahlen, ihren Followern die erfreulichsten Seiten ihres Lebens zu zeigen. Für sie sind die Einschränkungen der Bevölkerung durch das Chaos, das durch die Waldbrände und der dadurch erfolgten Evakuierungen von Orten ausgelöst wurde, lästig. Ihr eigenes Wohlbefinden stellt sie vor dem des Allgemeinwohls. Ihre Perspektive ist genauso beeindruckend wie die von Didrik und setzt die zeitliche Schilderung der Ereignisse rund um das Desaster fort.

Als Sohn des früheren Tennisstars, auf dessen Wohnung Melissa aufpasst, hat der 19-jährige André mit den Anforderungen seines Vaters zu kämpfen, der nicht versteht, dass er sich beruflich mit dem Thema Leid auseinandersetzen möchte. Obwohl er das Geschehen in Frage stellt, kooperiert er mit einer Gruppe, die ihre Message verbreiten möchte, mit der er selbst sich aber nicht näher auseinandersetzt. Mit André und Vilja, der 14-jährigen Tochter von Didrik, zeigt der Autor zwei jüngere Sichtweisen auf das Chaos.

Zeitlich umspannt der vierte Teil, der von Vilja erzählt wird, die Geschehnisse vom Beginn bis zum Ende der Woche, in denen die Geschichte spielt. Vilja entdeckt dabei ihre soziale Ader. Ihre Hilfsbereitschaft basiert aber auf Unwahrheiten. Es klären sich dabei einige lose Handlungsfäden auf. Aber der Esprit, die beeindruckende Art, die mich in die Geschichte hineingezogen hat, der Schrecken über das, was aus der anhaltenden Hitze entstehen kann, hat mir gefehlt, leider auch schon in der Erzählung von André, in der sich das Geschehen zu sehr der Zerstörung von Eigentum zuneigte.

Jens Liljestrand erreicht es mit seinem Roman, auf die Folgen der Klimakrise aufmerksam zu machen. Strategien für eine Bewältigung bietet er nicht an. Er zeigt auf, wozu Menschen in Notsituationen fähig sind, noch dazu, wenn sie sich in einer Menge Verzweifelter bewegen und der Verstand durch das Beobachten des Verhaltens anderer ausgehebelt wird. Teilweise schweift er vom roten Faden ab, was sich aber durch die Gedankengänge der einzelnen Hauptfiguren erklärt.

Am Ende des Romans bleibe ich zurück mit einer gewissen Furcht vor den kommenden Auswirkungen, die sich aufgrund des Klimawandels ergeben könnten. Dennoch bleibt auch die Hoffnung, dass solche fiktiven Geschichten über die Folgen der Klimakrise wie der hier vorliegende Roman „Der Anfang von morgen“ dazu beitragen, aufzurütteln und allen vor Augen zu führen, dass wir jetzt handeln müssen.

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Veröffentlicht am 25.07.2022

Herzöffnende RomCom

Lieber mit dem Kopf durch die Wand als gar kein Durchblick
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“Lieber mit dem Kopf durch die Wand als gar kein Durchblick” wünscht die Protagonistin Liv Brooks sich im gleichnamigen Roman der Engländerin Alexandra Potter. Die bisher in London lebende Liv hat nach ...

“Lieber mit dem Kopf durch die Wand als gar kein Durchblick” wünscht die Protagonistin Liv Brooks sich im gleichnamigen Roman der Engländerin Alexandra Potter. Die bisher in London lebende Liv hat nach ihrer Scheidung ein Cottage in Nettlewick, einem kleinen Dorf in Yorkshire, erworben und ist sich bewusst, dass der Renovierungsbedarf groß ist. Aber sie hat sich in das Häuschen verliebt, das an einem Ort steht, an dem sie früher gemeinsam mit ihrer Schwester die Ferien bei ihren Großeltern verbracht hat. Ihre Erinnerungen daran sind voller Wärme, die sich in den sonnengelben Punkten auf dem Cover und dem Buchschnitt in der gleichen Farbe widerspiegelt. Die Dots ergeben für den Lesenden ein angenehmes Bild und entsprechend fühlt Liv sich inmitten der verschiedenen Dorfbewohner wohl in ihrer neuen Heimat.



Liv hat Abstand zu ihrem bisherigen Leben gesucht und daher hat sie nach der Trennung von ihrem Mann auch ihre Stelle als Lehrerin und ihre Wohnung gekündigt. Weil sie sich allein fühlt, überlegt sie, ob sie sich einen Hund anschaffen soll. Wie der Zufall es möchte, verliebt sie sich im Tierheim in einen älteren Hund, von dem sie glaubt, dass er ihr gefühlsmäßig ähnlich ist. Harry verändert auf ganz besondere Weise ihr Leben, denn nachdem er seine anfänglichen Ängste überwunden hat, lässt er sich auf unbekannte Menschen ein und wird Liv dadurch zum Vorbild.



Alexandra Potter fügt einen Reigen von Figuren zu einem Roman voller Herzlichkeit. Eine der Personen, die dazu beiträgt, ist Valentine, ein Nachbar, dessen Frau im Pflegeheim wohnt und der deshalb jeden Morgen auf der Spaziergangsroute von Liv und Harry, einsam am Fenster zu sehen ist. Ferner begegnen die beiden dem sechsjährigen Stanley, der aufgrund seines Autismus Verhaltensauffälligkeiten zeigt. Nicht jedes Kapitel wird von Liv in der Ich-Form erzählt. In einigen Abschnitte konnte ich als Leserin zusätzlich außerhalb der Beschreibungen von Liz einige Figuren und Orte unvoreingenommen kennenlernen.



Zwischen Liv, Valentine und Stanley entsteht unter Mitwirkung von Harry ein ganz besonderes Verhältnis. Zu ihnen gesellt sich Maya, die sechszehnjährige Nachhilfeschülerin von Liv. Sie weist ihre Lehrerin auf aktuelle Probleme unserer Welt hin. Zunehmend gelingt es Liv, in der Ortsgemeinschaft Kontakte zu knüpfen. Sie überdenkt das Erlebte und zieht daraus ihre Lehren. Dadurch gelingt ihr mehr und mehr eine Anpassung an die Gepflogenheiten vor Ort und ihr Selbstvertrauen steigert sich. Es tut gut, darüber zu lesen, dass es zwar Sorgen gibt, für die es aber durch Zusammenhalt gelingt, Lösungen zu finden.



Natürlich darf in einer romantischen Komödie wie der vorliegenden die Liebe nicht fehlen. Als gebranntes Kind ist Liv zunächst noch nicht bereit für einen neuen Partner. Doch durch die schönen Erfahrungen in Nettlewick lässt sie sich bald auf neue leidenschaftliche Gefühle ein. Schließlich sind sogar zwei Männer an ihr interessiert, was zu Szenen mit amüsierender Eifersucht führt. Alexandra Potter reichert ihre Geschichte mit Briefen von Liz an eine mysteriöse empfangende Person an. Darin spiegeln sich nochmals von der Erinnerung her die wohligen Gefühle von Liv wider.


In der RomCom “Lieber mit dem Kopf durch die Wand als gar kein Durchblick” von Alexandra Potter gelingt es der Protagonistin Liv mit ihrem Hund Harry die Herzen der Dorfbewohner an ihrem neuen Heimatort zu öffnen. Sie halten zusammen und helfen einander, manchmal nur durch Zuhören oder einigen aufrichtigen teilhabenden Worten. Ganz nebenher beginnt Liv sich dadurch auch wieder nach ihrer Scheidung auf das Abenteuer Liebe einzulassen. Der Roman hat stellenweise Tiefgang, ist mit Feinsinn geschrieben, lebensbejahend und bewegend. Gerne empfehle ich das Buch weiter.

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