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Veröffentlicht am 25.07.2022

Gelungener Thriller über das rätselhafte Leben einer jugendlichen Protagonistin

Als das Böse kam
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„Als das Böse kam“ befand sich die 16-jährige Juno, Protagonistin und Ich-Erzählerin im gleichnamigen Thriller von Ivar Leon Menger, gemeinsam mit ihrem vier Jahre jüngeren Bruder und ihren Eltern auf ...

„Als das Böse kam“ befand sich die 16-jährige Juno, Protagonistin und Ich-Erzählerin im gleichnamigen Thriller von Ivar Leon Menger, gemeinsam mit ihrem vier Jahre jüngeren Bruder und ihren Eltern auf einer einsamen Insel. Vater und Mutter haben Juno erklärt, warum sie seit vielen Jahren so abgeschieden leben. Die Jugendliche hat kaum Erinnerungen an die Zeit davor.

Die Kinder wissen, dass sie sich vor Fremdlingen hüten müssen, die die Insel erreichen, nur die Wächter sind gute Menschen. Doch die Kinder können die beiden Gruppen vom Äußeren her nicht unterscheiden. Eines Tages schwirrt ein großes seltsames Insekt über Junos Kopf und löst auf der Insel wie auch jenseits davon eine Folge von Geschehnissen aus, die für die Jugendliche augenöffnend sind.

Aus der mysteriösen Situation am Anfang her entwickelt sich zunehmend mehr Spannung. Aufgrund der besonders strengen Regeln, die die Eltern für ihre Kinder aufgesetzt haben und die die Beiden ständig beachten müssen, wuchs der Wunsch bei mir als Leserin nach einer schöneren Zukunft für Juno und ihren Bruder. Doch für die Zwei ist die Insel ihre Heimat. Sie leben in einfachsten Verhältnissen mit nur wenigen technischen Errungenschaften und haben nie andere Gegebenheiten kennengelernt. Jedoch wächst mit zunehmendem Alter Junos Neugier auf die Welt draußen und sie stellt interessierte Fragen dazu, ohne befriedigende Antworten zu erhalten.

Am Beginn wunderte ich mich über die Naivität der Protagonistin. Dadurch ist der ganze Thriller in einer einfachen Sprache gehalten. Doch der Autor findet nicht nur für die Arglosigkeit von Juno, sondern für alle Entwicklungen eine Erklärung. Leicht macht er es sich dabei nicht immer und baut manche Wendung ein, bei denen ich mich fragte, wie die Figuren aus der neuen vertrackten Situation entkommen würden, was meinen Lesefluss steigerte.

“Als das Böse kam” ist ein gelungener Thriller von Ivar Leon Menger, in dem er über das rätselhafte Leben seiner jugendlichen Hauptfigur, ihren Eltern und ihrem Bruder auf einer einsamen Insel schreibt. Die Spannung entwickelt sich am Anfang behäbig und nimmt ab dem Zeitpunkt stetig zu, an dem Unerwünschte und Störendes das Eiland erreichen, bis zu einem furiosen Finale. Gerne empfehle ich das Buch weiter.

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Veröffentlicht am 13.07.2022

Romantische Komödie, passend zum Sommer

Kein Sommer ohne dich
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In der romantischen Komödie „Kein Sommer ohne dich“ schaut die US-Amerikanerin Emily Henry auf die platonische Freundschaft von Poppy und Alex, die seit zehn Jahren jeden Sommer gemeinsam in den Urlaub ...

In der romantischen Komödie „Kein Sommer ohne dich“ schaut die US-Amerikanerin Emily Henry auf die platonische Freundschaft von Poppy und Alex, die seit zehn Jahren jeden Sommer gemeinsam in den Urlaub fahren. Sie haben sich beim Studium in Chicago kennengelernt und dabei festgestellt, dass sie in der gleichen Stadt in Ohio aufgewachsen sind. Das Cover versprüht entsprechend des Themas ein schönes Urlaubsfeeling.
Bereits im Prolog las ich vom amüsanten Zusammenspiel von Poppy und Alex und bekam einen Vorgeschmack davon, was mich auf den nächsten Seiten erwarten würde. Die Autorin lässt Poppy als Ich-Erzählerin auf zwei Zeitebenen erzählen, einerseits in der Gegenwart, beginnend mit der Planung ihrer nächsten Reise. Auf der anderen Seite erinnert sich die Protagonistin an die gemeinsamen Urlaube mit Alex in den vergangenen Sommern.
Poppy ist inzwischen 30 Jahre alt und arbeitet für ein Reisemagazin. Sie ist als Jugendliche gemobbt worden und hat alles darangesetzt, ihr altes Leben hinter sich zu lassen. Neue Bekanntschaften schließen und schöne Orte entdecken mit jemandem den sie mag wurden zu ihrem ihr Lebensziel. Zunächst hat auf Social Media dazu gepostet, wie man günstig reist. Sie hat sich dadurch einen Namen gemacht, der ihr dabei half, bei dem Magazin einen Job zu finden. Inzwischen ist sie unzufrieden darüber, dass es ihr an Wünsche für die Zukunft fehlt.
Obwohl Alex einen anderen Lebensplan verfolgt, hat er Poppy urlaubsmäßig immer gerne begleitet. Alex ist Lehrer und sehr bodenständig. Er hat schon früh seine Mutter verloren und sich um seine jüngeren Brüder gekümmert. Nur zum Studium hat er seine Heimat verlassen. Keinesfalls möchte er seiner besten Freundin seine eigenen Lebensziele aufdrängen. Poppy weiß, dass sie sich immer auf ihn verlassen kann und er ihr bei jeder Schwierigkeit mit Rat und Tat zur Seite steht. Ihre verschiedenen Auffassungen sind Gesprächsthemen der beiden.
Von Beginn an machte Poppy mir als Leserin deutlich, dass es vor zwei Jahren, also auf der letzten gemeinsamen Reise, eine Begebenheit gab, die zu einem großen Schweigen zwischen ihr und Alex geführt hat. Die Autorin klärt erst ganz zum Schluss auf, was damals geschehen ist und auf diese Weise die Geschichte spannend macht. Zum ersten Mal spürt Poppy vor sieben Jahren eine Änderung in ihrer Beziehung zu Alex, zwei Jahre später ist sie sich darüber sicher.
Die beiden geben einander viel, das wurde mir als Lesende in vielen Situationen deutlich. Sie lachen miteinander, necken sich liebevoll und sind ein gutes Team im Überwinden unbehaglicher Situationen. Emily Henry versteht es, die Motive für die jeweilige Lebensplanung beider Protagonisten überzeugend darzustellen. Glücklicherweise endet die Geschichte entsprechend dem Genre Liebeskomödie zu der sie gehört.
Emily Henry beweist in ihrem Roman “Kein Sommer ohne dich” viel Einfühlungsvermögen um die Veränderung in der Beziehung ihrer Hauptfiguren, der besten Freunde Poppy und Alex bewegend darzustellen und die Lesenden durch das Herausspielen der Gegensätze der beiden aufzuheitern. Die RomCom passt perfekt zu einem Sommerurlaub, kann aber auch überall anders gelesen werden. Gerne vergebe ich eine Leseempfehlung.

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Veröffentlicht am 06.07.2022

Ein "Muss" für die Lesenden der ersten beiden Teile der Saga

Die Senfblütensaga - Hoffnung im Herzen
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Mit dem Roman „Hoffnung im Herzen“ schließt Olga A. Krouk, die hier unter dem Pseudonym Clara Langenbach schreibt, ihre Senfblütensaga ab. Das Wissen um das Geschehen, das in den ersten beiden Bänden geschildert ...

Mit dem Roman „Hoffnung im Herzen“ schließt Olga A. Krouk, die hier unter dem Pseudonym Clara Langenbach schreibt, ihre Senfblütensaga ab. Das Wissen um das Geschehen, das in den ersten beiden Bänden geschildert wurde, halte ich beim Lesen für hilfreich, jedoch fügt die Autorin an entsprechenden Stellen Erklärungen zum Verständnis ein für diejenigen, die den vorliegenden dritten Teil ohne Vorkenntnisse lesen möchten.

Emma Seidel und ihre Schwiegerfamilie sind im Jahr 1918 aus ihrer Heimat Metz geflohen, nachdem die Stadt von französischen Truppen eingenommen wurde. Ihr erster Weg führt sie nach Speyer. Doch es ist nicht ihr Onkel, der Emma wunschgemäß aufnimmt. Stattdessen kommt ihr keine andere Idee, als bei ihren Eltern vorzusprechen, die sie und ihre Schwiegermutter Wilhelmine bei sich aufnehmen. Die beiden haben dort einen schweren Stand. Emmas wertvollster Besitz sind Carls Skizzen für die Herstellung von Senfmaschinen. Doch Emma fragt sich, wie sie eine Senffabrikation ganz alleine aus dem Nichts aufbauen soll. Die Hoffnung, Carl je wiederzusehen, hat sie aufgegeben. Aber ihre Trauer hat sie in sich eingeschlossen, weil es doch weitergehen muss.

Als Leserin hatte ich gegenüber den Romanfiguren den Vorteil, dass die Autorin den Handlungsort wechselt. Auf diese Weise erfuhr ich von dem Aufenthalt Carls in einem Kriegsgefangenenlager in Frankreich. Von Beginn an hoffte ich daher, dass Carl einen Weg nicht nur nach Hause, sondern auch zu seiner Emma findet und gemeinsam mit ihr eine Zukunft aufbauen kann.

Auch im abschließenden dritten Band vermittelt Clara Langenbach wieder ein Stück Zeitgeschichte. Beispielhaft zeigt sie auf, wie sich ein Leben unter der französischen Besetzung der Pfalz abgespielt haben könnte. Als schließlich der weitere Weg die Familie Seidel nach Düsseldorf in die entmilitarisierte Zone führt, erleben sie 1921 die Besetzung der Stadt ebenfalls durch die Franzosen. Bis dahin erlebte ich eine für Emma und Carl sehr wechselhafte Geschichte. Es war bei allem eine Gradwanderung, inwieweit man sich mit den Besatzern solidarisch zeigen sollte.

Die Stärke der Autorin liegt in der Gestaltung der Gefühlswelt ihrer Figuren, die sich ständig weiterentwickeln. Emma versucht das angespannte Verhältnis zu ihren Eltern, zu ihrer Schwiegermutter, zu ihrer Schwägerin, aber auch zu anderen bereits bekannten Personen zu lockern, indem sie sich ein Herz nimmt und die Probleme offen anspricht. Es gelingt Emma sich entgegen den Konventionen der Zeit geschäftlich zu behaupten und ihr Wissen geschickt gegen die Konkurrenz einzusetzen. Misstrauisch nimmt sie das veränderte Verhalten von Antoine wahr, räumt aber auch ihm die Chance auf einen Neubeginn in ihrer Beziehung ein. In ihrer Ehe erlebt sie ein wahres Wechselbad der Gefühle, nicht nur in der Zeit als sie Carl für tot hält. Beide müssen das in der Vergangenheit erlebte zunächst für sich verarbeiten. Einfühlsam beschreibt Clara Langenbach die erneute emotionale Annäherung der Ehepartner.

Auch der abschließende dritte Band der Senfblütensaga von Clara Langenbach ist eine Geschichte voller Gefühle der Protagonisten, die in ihrem Leben manchen Schicksalsschlag zu verarbeiten haben und dennoch ihre Hoffnung auf eine glückliche Zukunft nicht aufgeben. Wieder zeigt sich wie wichtig der Zusammenhalt zwischen Familienmitgliedern und das Vertrauen von Freunden ist. Für die Lesenden der ersten beiden Teile ist das Buch ein „Muss“.

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Veröffentlicht am 04.07.2022

Überzeugender Auftakt der Serie "Akte Nordsee"

Akte Nordsee - Am dunklen Wasser
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„Akte Nordsee“ bezeichnet eine neue Kriminalserie von Eva Almstädt. Mit „Am dunklen Wasser“ legt sie den ersten Fall für die beiden Ermittelnden, der Anwältin Fentje Jacobsen und den Journalisten Niklas ...

„Akte Nordsee“ bezeichnet eine neue Kriminalserie von Eva Almstädt. Mit „Am dunklen Wasser“ legt sie den ersten Fall für die beiden Ermittelnden, der Anwältin Fentje Jacobsen und den Journalisten Niklas John, vor. Fentje hat vor fünf Jahren ihre beste Freundin Clara verloren, als diese beim Schwimmen in der Nordsee ertrunken ist. Nicht nur dadurch, sind ihr die Gefahren des Wassers bewusst, sondern auch, weil sie in der Nähe des Meeres auf der Halbinsel Eiderstedt aufgewachsen ist und immer noch dort lebt.

Die 29-jährige Fentje betreibt nicht nur eine Anwaltskanzlei, deren Räumlichkeiten sich auf dem Bauernhof ihrer Großeltern befinden. Sie hilft auch tatkräftig bei den landwirtschaftlichen Arbeiten mit. Eines Tages findet sie bei der Kontrolle der Schafe einen jungen Mann mit Namen Tobias Asmus bewusstlos auf der Weide liegend vor. Später erzählt dieser, dass er sich an die letzten Stunden nicht erinnern kann und bittet Fentje ihn zu seiner Freundin zu fahren, denn dort vermutet er sein Auto. Im Garten finden beide die Freundin von Tobias tot vor. Wenig später wird Tobias des Mordes verdächtigt und Fentje übernimmt seine Verteidigung.

Unterdessen sind im nahe gelegenen Internat zwei Schülerinnen verschwunden, die sich ein schönes Wochenende machen wollten. Jedoch sind sie montags immer noch nicht zurückgekehrt. Es stellt sich die Frage, ob ihnen ein Verbrechen zugestoßen ist und ob es einen Zusammenhang zu dem Mord gibt, denn die Freundin von Tobias war eine Lehrerin der beiden.

Die Serie spielt dort, wo Eva Almstädt sich gut auskennt: an der Nordsee. Es ist schön, zwischen den Zeilen die Begeisterung der Autorin für die Landschaft zu spüren. Weil die Kriminalpolizei wenig Anstalten macht, sich intensiver den Anzeichen für einen Mord zu widmen und Tobias vorverurteilt, übernimmt Fentje die Ermittlerrolle. Sie ist engagiert in den Dingen, die sie tut, gerechtigkeitsliebend und neugierig. Interesse an der Aufklärung des Falls, allerdings aus ganz anderen Gründen, hat auch der 34 Jahre alte Niklas John. Er ist Journalist der örtlichen Tageszeitung und hat regelmäßig Artikel abzuliefern. Ein Mord rechtfertigt das Aufdröseln einer interessanten Story, welches einiges an Platz auf den Seiten einnimmt und das Kaufverlangen der Kundschaft weckt. Niklas ist im betuchten Elternhaus aufgewachsen, mag teure Autos und Markenware.

Es kommt in den Dialogen von Fentge und Niklas regelmäßig zum amüsanten Schlagabtausch der beiden vom Charakter her verschiedenen Hauptfiguren. Im Laufe der Geschichte lernen die zwei, einander zu schätzen. Dennoch bleiben sie bewusst auf Abstand, obwohl sie sich immer sympathischer werden. Auch ich als Leserin mochte die beiden, für ihre je eigene Art.

Die Autorin legt mehrere Fährten aus und bringt unterschiedliche Tatverdächtige ins Spiel Sie brachte mich dabei zum Miträtseln, ob die Fälle zusammenhängen und wer schuldig wird. Die Einbettung der Ermittelnden in einen ansprechenden privaten Hintergrund fand ich gelungen.

Insgesamt konnte Eva Almstädt mich mit dem Auftakt ihrer neuen Serie „Akte Nordsee“ überzeugen. Die Spannungskurve steigt vom Auffinden des bewusstlosen, späteren Beschuldigten an und bleibt hoch bis zur Auflösung der Fälle. Gerne empfehle ich das Buch allen Lesenden im Genre Krimi weiter.

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Veröffentlicht am 23.06.2022

Zwischen Pflicht und Gefühl - erfrischender Regency-Roman

Wie man sich einen Lord angelt
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In ihrem Debütroman „Wie man sich einen Lord angelt“ entführte Sophie Irwin mich beim Lesen in das Zeitalter der Romantik ins Jahr 1818 nach London, wo die Protagonistin Kitty Zutritt zur feinen Gesellschaft ...

In ihrem Debütroman „Wie man sich einen Lord angelt“ entführte Sophie Irwin mich beim Lesen in das Zeitalter der Romantik ins Jahr 1818 nach London, wo die Protagonistin Kitty Zutritt zur feinen Gesellschaft erhalten möchte. Im Titel spiegelt sich der Anlass wieder, warum die junge Frau auf eine Einführung drängt. Der dezente Hinweis auf dem Cover, dass die Geschichte ein „Lady’s Guide“ ist sollte augenzwinkernd aufgenommen werden.

Kitty hat vier jüngere Schwestern. Nach dem Tod der Eltern fühlt sie sich nicht nur für ihre Geschwister, sondern auch für den Erhalt des Familienanwesens verantwortlich, der mit Schulden belastet ist. Sie überlegt, dass jeder der Berufe, die sie ergreifen könnte, ihr nicht das benötigte Gehalt einbringen wird, um die Gläubiger zu befriedigen. Ihr bleiben noch vier Monate Zeit, um ihr Vorhaben umzusetzen, in höhere Kreise einzuheiraten. Glücklicherweise steht in London die nächste Ballsaison vor der Tür.

Tante Dorothy, eine alleinstehende Freundin ihrer verstorbenen Mutter, nimmt Kitty und ihre Schwester Cecile bei sich in London auf. Sie weist die Schwestern darauf hin, dass ihnen die feine Gesellschaft offensteht, aber die Welt der Lords und Lady’s mit Vermögen verschlossen bleiben wird, denn dort wird man hineingeboren. Allerdings hat Dorothy nicht mit dem Durchsetzungswillen und der Sturheit gerechnet, mit der Kitty ihr Anliegen umsetzt. Schon bald kann sie das Herz von Archie, einem ansehnlichen Lord, gewinnen. Doch sie hat nicht damit gerechnet, dass Lord Radcliffe, dessen älterer Bruder, ihr Spiel durchschaut.

Kitty ist sich ihres Tuns überaus bewusst. Zielstrebig geht sie ihrem Ziel nach und versucht zu keiner Zeit einen falschen Eindruck zu vermitteln. Durch ihre offene und ehrliche Art fällt sie in der Londoner Gesellschaft auf und wird dafür mit Zuneigung belohnt. Ihr Aussehen und ihr Charme unterstützen ihr Anliegen. Obwohl sie ihr Vorhaben nie aufgibt, gibt es für Kitty Grenzen des guten Geschmacks, was sie noch sympathischer für mich werden ließ. Allein an Wissen und Erfahrung über ein ansprechendes Benehmen in der feinen Gesellschaft fehlt es ihr. Als Leserin durfte ich Kitty dabei begleiten, welche Möglichkeiten sie sich erschließt, um an die benötigten Kenntnisse zu gelangen, dabei kommt es zu kleinen Längen.

Im Roman bedient Sophie Irwin manches Klischee. Die Autorin spielt mit den Eindrücken, die Kitty in London sammelt und gestaltet dadurch manche Szene amüsant aus. Lord Radcliffe gelingt es, Kitty zum Nachdenken zu bringen, durch beiläufige Erwähnungen von Schwächen derjenigen, deren Gunst sie sich sicher glaubt. Plötzlich wird der jungen Frau bewusst, dass Geld allein nicht für ein ehrbares Leben ausreicht, sondern sie auch mit den Marotten eines betuchten Gatten und seinem Ruf in der Gesellschaft zurechtkommen muss. Denn Klatsch und Tratsch blühen auf den Bällen der Saison, jenseits von Respekt und gutem Geschmack.

Sophie Irwin schreibt in ihrem Roman „Wie man sich einen Lord angelt“ über den verzweifelten Versuch der jungen Kitty, die während der Ballsaison 1818 einen reichen Ehemann aus den besten Kreisen Londons sucht. Geht sie zunächst ihr Ziel ohne Herz, nur aus niedrigem Beweggrund aus an, regt sich in ihr schon bald die Liebe, die sie in ein Gefühlschaos stürzt. Gerne empfehle ich das Buch an diejenigen weiter, die Romane mögen, die in der Epoche des britischen Regency spielen. Eine Fortsetzung könnte ich mir gut vorstellen.

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