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Veröffentlicht am 24.11.2020

Der zweite Band steht dem ersten in nichts nach

Fräulein Gold: Scheunenkinder
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Der Roman „Fräulein Gold - Scheunenkinder“ von Anne Stern ist der zweite Teil einer Serie rund um die Schöneberger Hebamme Hulda Gold. Er spielt im historischen Berlin von Mitte Oktober bis Anfang Dezember ...

Der Roman „Fräulein Gold - Scheunenkinder“ von Anne Stern ist der zweite Teil einer Serie rund um die Schöneberger Hebamme Hulda Gold. Er spielt im historischen Berlin von Mitte Oktober bis Anfang Dezember des Jahrs 1923. Der Stadtteil „Scheunenviertel“ rückt in den Mittelpunkt dadurch, dass es dort im November des Jahres ein antisemitisches Pogrom gibt und die Protagonistin in dieser Zeit vor Ort ist. Die vordere Klappe des Buchs bietet in ihrer Gestaltung den Ausschnitt einer Karte von Berlin zur besseren Verortung der Lokalitäten. Der Untertitel des Romans ist unabhängig von den Ausschreitungen und bezieht sich auf strafbare Ereignisse im Viertel bei denen Kinder eine wichtige Rolle spielen. Im Prolog wirft die Autorin das Rätsel auf, wie die dort geschilderte Handlung in den Gesamtkontext einzuordnen ist. Erst zum Ende der Geschichte ergab sich für mich ein Gesamtbild, das allerdings nicht zum Verständnis des Romans notwendig war, wohl aber die Vergangenheit einer der Figuren klärt.

Hulda hat zu ihrem Vater kaum Kontakt, doch über dessen Bekanntenkreis erhält sie den Auftrag, nach der hochschwangeren Tamar im Scheunenviertel zu schauen. Die junge Frau ist eine Nichtjüdin aus Smyrna, dem heutigen Izmir und mit einem galizischen Juden verheiratet. Hulda erlebt die Spannungen in der Familie, die sich aus den verschiedenen Glaubensansichten ergeben. Zwei Tage nach der Geburt verschwindet das Neugeborene spurlos. Es ist nicht leicht, in dem verbauten, als anrüchig betrachteten Scheunenviertel nach einem Säugling zu suchen und als Auswärtige stößt sie bei den Bewohnern auf Misstrauen. Viele sind arbeitslos, das Geld hat immer weniger Kaufkraft. Dafür verantwortlich gemacht werden die Juden des Viertels weswegen es zu Unruhen kommt. Währenddessen ermittelt Kommissar Karl North, Huldas Freund, in einem Fall von Kinderhandel. Obwohl er Hulda gegenüber nicht ins Detail gehen darf, wittert diese einen Zusammenhang mit der Entführung und beginnt mit eigenen Recherchen.

Die sympathische Hulda, inzwischen 28 Jahre alt, ist stolz auf ihre Unabhängigkeit. Ihre Beziehung mit Karl erlebt im Roman einige Höhen, aber auch Tiefen, die von beiden bedauert werden. Sowohl Hulda wie auch Karl sehen die Schuld für ihre Streitigkeiten bei sich. Hulda entspricht nicht der damals geltenden Norm der Frau als Hausfrau und Mutter, weil sie sich ihrem Beruf eng verbunden fühlt. Obwohl es damals für die freien Hebammen klare Grenzen bei der Ausübung ihres Berufs in ihren Tätigkeiten gibt, setzt sie sich mit all ihren Fähigkeiten bei jeder Geburt für die Gesundheit von Mutter und Kind ein. Doch das Leben auf Rufbereitschaft geht nicht ohne Spuren an ihr vorbei. Karl hingegen hat Zweifel an seinen beruflichen Fähigkeiten, weil er den enormen Einsatz seines Kollegen bewundert und seine eigenen Ergebnisse ständig mit dessen vergleicht. Aufgrund seiner Vergangenheit scheut er davor, in der Liebe enttäuscht zu werden und nimmt jedes kritisch beurteilende Wort einer Situation von Hulda persönlich.

Es gelingt Anne Stern ihre Geschichte an eine wenig thematisierte, aber geschichtlich bedeutende Episode zu koppeln. Die Bevölkerung ist mehr und mehr unzufriedener. Zunehmend ist es schwierig, selbst Lebensnotwendiges zu besorgen, Hunger und Kälte nehmen zu. Die Unzufriedenheit äußert sich in der Kritik gegen die politischen Führungskräfte, durch die Republik geht ein Rechtsruck. Obwohl Hulda nicht religiös ist, wird ihre jüdische Herkunft immer häufiger thematisiert. Die Autorin vermittelt die düstere Atmosphäre der damaligen Zeit. Dennoch finden auch die Vergnügungssuchenden einen Platz im kalten Berlin. Bis in die Nebenfiguren hinein begegnete ich Personen mit interessantem Hintergrund. In der hinteren Klappe wird nicht nur auf den ersten Band der Reihe hingewiesen, sondern auch auf den dritten Teil, der im Mai 2021 erscheinen wird.

Der zweite Band der Romanreihe um die Hebamme Fräulein Gold von Anne Stern stand dem ersten in nichts nach. Auch diesmal schafft die Autorin es, mir ein authentisches Bild der gesellschaftlichen Verhältnisse zur damaligen Zeit zu vermitteln und ihre Figuren dabei nachvollziehbar handeln zu lassen. Gerne empfehle ich das Buch an Leser historischer Romane weiter und freue mich auf den nächsten Band.

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Veröffentlicht am 18.11.2020

Ansprechende Gestaltung, problemlos nach zu kochen

Anyone Can Cook
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Das Kochbuch „Anyone Can Cook – Unsere liebsten Gerichte für jeden Tag“ ergänzt die vielfach bekannte Rezepte- und Koch-App „Kitchen Stories“, die von Mengting Gao und Verena Hubertz gegründet wurde. Es ...

Das Kochbuch „Anyone Can Cook – Unsere liebsten Gerichte für jeden Tag“ ergänzt die vielfach bekannte Rezepte- und Koch-App „Kitchen Stories“, die von Mengting Gao und Verena Hubertz gegründet wurde. Es beinhaltet einige exklusive Rezepte, die man so auf der App nicht findet. Ich erwartete vom Buch raffinierte, aber dennoch einfache Rezepte zum alltäglichen Nachkochen.

Sehr gut gefallen hat mir die Einführung, in der der Aufbau des Buchs erklärt wird, wie die Informationen zu den Rezepten zu lesen sind und was die Symbole auf den Seiten der Rezepte zu bedeuten haben. Bevor die Rezepte, unterteilt in fünf Kapiteln, zum Nachkochen gezeigt werden, fand ich Hinweise dazu, welche sinnvollen Utensilien in einer Küche zu finden und welche Gewürze zur Hand sein sollten sowie welche Zutaten sich für eine ständige Vorratshaltung eignen. Ich finde die Empfehlungen sehr sinnvoll, da ich sie in meiner Küche abgleichen konnte und sie mir das gute Gefühl vermittelt haben, dass ich durch das Vorhandensein der Vorschläge bestens ausgerüstet für das Kochen der folgenden Rezepte sein würde.

Im ersten Kapitel, betitelt mit „Küchentipps“ werden einige Grundlagen des Kochens näher erklärt. Es folgt eine bebilderte Darstellung einiger Schnitttechniken mit dem Hinweis auf verschiedene Rezepte bei denen man eine der vorgestellten Möglichkeiten des Zerkleinerns anwenden kann. Ein Barcode brachte mich zur App „Kitchen Stories“ auf der erklärt wird, wie man Messer schärfen kann. Des Weiteren gibt es Erläuterungen zum Garen im Backofen, zum Braten, Sautieren, Blanchieren, zum richtigen Kochen von Nudeln, Reis und dergleichen sowie zum Rösten von Nüssen und Samen. Alle Anleitungen sind mit nebenstehenden Fotos und übersichtlich angeordnet. Auch hier finden sich wieder Verweise auf Rezepte im Buch.

„Salate & Suppen“, „Vegetarisch und vegan“, „Pasta“, „Fleisch“ und „Aus dem Ofen“ lauten die Bezeichnungen der Kapitel zwei bis fünf, in denen neben den Rezepten zum Nachkochen informative Hinweise und bereichernde Tipps von den Köchen gegeben werden. Hier findet man Ratschläge beispielsweise zum Ergänzen oder dem Austausch von Zutaten und zur Aufbewahrung. Jedes Rezept wird begleitet von der Zeitangabe, wie lange es bis zur Fertigstellung dauert. Manchmal finden sich Angaben zur Ernährungsweise und der Einordnung zur jahreszeitlichen Saison. Besonders begeistert haben mich die mehrseitigen Einschübe in den Kapiteln über die Herstellung verschiedener Variationen bestimmter Gerichte wie zum Beispiel Curry und Pesto.

Einige Gerichte habe ich getestet. Die Mengenangaben haben gestimmt, ebenfalls die Zubereitungszeiten. Bei Ofengerichten gibt es eine Angabe zum, leider aber nicht darüber, dass es sich um die Gradzahl für Ober- und Unterhitze handelt, das habe ich in der App nachgelesen. Am Ende des Buchs gibt es ein Rezeptregister, das nach Kapiteln aufgeteilt ist. Hier hätte ich mir eine Auflistung nach Zutaten für ein schnelleres Auffinden von Rezepten gewünscht. Ein Lesebändchen sorgt dafür, dass aktuell angesagte Rezept direkt wieder aufzublättern.

Insgesamt hat mir die Aufmachung des Buchs sehr gut gefallen. Die Zubereitung von Djuvec-Reis, Jägerschnitzel mit Pilzsoße und Cobb Salad war problemlos nach der Anleitung möglich. Die großformatigen Fotos der fertigen Gerichte machen Appetit und entsprechen der Realität. Gerne lasse ich mich hiervon zum Kochen inspirieren. Wer durch die beinhalteten Rezepte auf den Geschmack gekommen ist, kann in der App „Kitchen Stories“ sicher noch weitere leckere Gerichte entdecken. Es hat mir sehr gut geschmeckt und gerne empfehle ich das Buch daher weiter.

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Veröffentlicht am 17.11.2020

Gibt einen Eindruck von den Sorgen im Hungerwinter 1946

Winter der Hoffnung
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„Winter der Hoffnung“ war der erste Roman, den ich vom Autor Peter Prange gelesen habe. Er spielt in der Zeit vom ersten Advent bis zum Weihnachtsfest 1946 in Altena, einer Kleinstadt im Märkischen Kreis. ...

„Winter der Hoffnung“ war der erste Roman, den ich vom Autor Peter Prange gelesen habe. Er spielt in der Zeit vom ersten Advent bis zum Weihnachtsfest 1946 in Altena, einer Kleinstadt im Märkischen Kreis. Schon das Cover vermittelte mir, dass in jenem Jahr die Kälte besonders groß war.

Im Mittelpunkt der Geschichte steht die Familie des Fabrikanten Eduard Wolf, dessen drei Töchter Ruth, Ulla und Gundel noch zu Hause wohnen. Ruth ist bereits verheiratet und hat einen dreijährigen Sohn. Ihr Ehemann gilt seit dem Weltkrieg als vermisst. Ulla und Gundel helfen fleißig bei der Flüchtlingshilfe mit und können sich nicht über Verehrer beklagen. Aufgrund der schwierigen Wirtschaftslage nach dem Krieg darbt die Bevölkerung und Familie Wolf lebt auf Weisung von Eduard ebenfalls nur allein von dem, was die Familienmitglieder über ihre Lebensmittelkarten erhalten. Altena ist britisch besetzt und eines Tages erhält Eduard Bescheid darüber, dass die Maschinen in seinem Unternehmen als Reparationszahlungen von denen Briten abgebaut und nach England verschifft werden. Es scheint so, als ob ein Konkurs unvermeidbar ist …

Peter Prange ist in Altena aufgewachsen. Seiner Erzählung merkt man die Kenntnis vom Ort und den Eigenheiten der Bewohner der Kleinstadt an, auch wenn er natürlich nicht zur damaligen Zeit gelebt hat. Indem er sein Wissen einfließen lässt, verleiht er seiner Erzählung Authentizität. Er schafft sympathische Protagonisten, zeigt aber auch die Wandlungsfähigkeit seiner Figuren im Rahmen ihrer Möglichkeiten, die durch Konventionen, Gesetze und finanzieller enger Gegebenheiten eingeschränkt sind. Dennoch gelingt es ihm zu vermitteln, welche Energie viele handelnde Personen innehaben, um sich und ihre Lieben durch den Winter zu bringen in Anbetracht der aufkeimenden Hoffnung auf bessere Zeiten. Trotz der Nöte der Nachkriegszeit streben die Altonaer danach, sich vom Alltag abzulenken. Dabei darf gerne getanzt und gelacht werden.

Der Autor weist darauf hin, dass seine Geschichte das Kennenlernen verschiedener Paare beschreibt, deren weiteres Leben in seinem Buch „Unsere wunderbaren Jahre“ Eingang finden. Der Roman kann aber auch selbständig gelesen werden. Er gibt einen guten Eindruck von den vordringlichen Sorgen zur damaligen Zeit genügend Essen zu erhalten und nicht zu erfrieren. Der Schreibstil von Peter Prange ist lesenswert und unterhaltsam. Der Roman „Winter der Hoffnung“ bleibt sicher nicht das einzige Buch, das ich von ihm gelesen habe.

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Veröffentlicht am 12.11.2020

Actionreicher Spionageroman mit toughen Figuren, die eigennützig und mit wenig Gefühl handeln

Die Republik
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Der unter Pseudonym schreibende Autor Maxim Voland lässt seinen Roman „Die Republik“ in einer Parallelwelt spielen, in der im Jahr 1949 die drei Westmächte sich zurückzogen und die Sowjetunion die Kontrolle ...

Der unter Pseudonym schreibende Autor Maxim Voland lässt seinen Roman „Die Republik“ in einer Parallelwelt spielen, in der im Jahr 1949 die drei Westmächte sich zurückzogen und die Sowjetunion die Kontrolle über das heutige Gebiet Deutschlands mit Ausnahme von West-Berlin erhielt. Jedoch spielt die Handlung nicht in einem historischen Setting, sondern in der Gegenwart. Inzwischen ist die DDR ein ernstzunehmender Faktor auf den internationalen Märkten, doch zum Westen hin sind die Grenzen weiterhin gesichert.

Eines Tages ereignet sich im Ostteil Berlins ein Giftgasanschlag, der vielen Zivilbürgern das Leben kostet. Der Vorfall ist schwer einzuordnen und wirft Fragen auf. Vor allem wird befürchtet, dass weiterer Schaden entstehen könnte. Unruhe entsteht unter den allgemein bekannten Agentenorganisationen der Welt. Zu Protagonisten werden ein Stasi-Oberst der DDR, eine MI6 Mitarbeiterin im Westteil Berlins und ein Dolmetscher aus Frankreich, der erstmalig zu Besuch bei seiner Familie im Saarland an sowie seine Cousine.

Der Roman ist nicht für sensible Leser gedacht. Ganz nach Bond-Manier agieren hier die verschiedenen Geheimdienste zu ihrem eigenen Vorteil. Verschwörungen, Intrigen, alte Abrechnungen zwischen den Agenten sind an der Tagesordnung. Jeder manipuliert so gut und so geheim er kann. Jeder Einsatz kostet zahlreiche weitere Opfer. Die Frage danach, warum und wieso sich der der Giftgasanschlag in Berlin ereignen konnte bleibt lange im Verborgenen. Bis fast zum Schluss wird der Drahtzieher gesucht. Aus dieser Hinsicht hält der Roman lange den Spannungsanteil. Die Figuren konnten meine Sympathie nicht wecken, wozu Rachegelüste ohne Rücksicht auf weitere Opfer beitrugen. Die Trauer der in den Fall verwickelten Zivilisten über die hinzunehmenden Verluste ist kurz und nur im Ansatz vorhanden.

Der Autor lässt immer wieder einen Teil Alltag in der DDR-Anteil durchblitzen, wie es heute sein könnte, wenn sich die Geschichte damals, wie oben erwähnt, ereignet hätte. Das Gedankenspiel ist durchaus eigenwillig und beachtenswert. Durch den hohen Anteil unterschiedlicher Agentenorganisationen verlangt es Aufmerksamkeit, die Mitwirkenden den entsprechenden Geheimdiensten zuzuordnen und im Blick zu behalten, wer auf welcher Seite mit welcher Motivation steht. Ein Personenverzeichnis und ein Glossar am Ende des Buchs ist hierbei hilfreich.

„Die Republik“ von Maxim Voland ist ein actionreicher Spionageroman mit vielen toughen Figuren, die eigennützig und mit wenig Gefühl handeln. Komplotte werden geschmiedet, Hinterhalte gelegt, Angriff und Verteidigung erbarmungslos umgesetzt und es gibt einige unerwartete Wendungen in einem ungewöhnlichen fiktiven Szenario bei dem Deutschland sich geschichtlich ganz anders entwickelt hat wie wir es kennen.

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Veröffentlicht am 05.11.2020

Folge deinen Träumen und genieße dein Leben Tag für Tag

Für einen Sommer unsterblich
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Wenige Wochen lang scheint das Leben für Claudine, kurz Claude genannt, still zu stehen, nichts ist mehr wie sonst und nichts so wie erwartet. In ihrem Roman „Für einen Sommer unsterblich“ für Leser ab ...

Wenige Wochen lang scheint das Leben für Claudine, kurz Claude genannt, still zu stehen, nichts ist mehr wie sonst und nichts so wie erwartet. In ihrem Roman „Für einen Sommer unsterblich“ für Leser ab 14 Jahren erzählt die US-Amerikanerin Jennifer Niven die Geschichte ihrer 18-jährigen Protagonistin in dem Zeitraum kurz vor deren High School Abschluss bis hin zum Studienbeginn. Sie lässt Claude selbst erzählen, so dass ich als Leser ganz dicht an der Figur war.

Kurz vor ihrer Abschlussfeier erfährt Claude, die in einer Kleinstadt in Ohio lebt, dass sich ihre Eltern scheiden lassen. Zunächst soll sie darüber nach außen hin noch Stillschweigen bewahren. Ihre Mutter entscheidet sich, vorläufig auszuziehen und mit Claude gemeinsam auf einer Insel vor der Küste Georgias den Sommer zu verbringen. Die Pläne von Claude für ihre Sommerferien sind hinfällig. Ihre Laune verschlechtert sich noch mehr als sie erfährt, dass ihre langjährige beste Freundin sich verliebt hat. Eher widerwillig folgt sie ihrer Mutter und begegnet auf der Insel Jeremiah, von dem sie sich auf eine ganz neue Weise wahrgenommen fühlt.

Jennifer Niven schreibt auch in dieser Geschichte erneut sehr gefühlsbetont. Sie bringt deutlich zum Ausdruck wie falsch sich das Leben für Claude plötzlich anfühlt, nachdem sie von der Scheidung erfahren hat. Ihre Protagonistin schimpft mit sich selbst, weil sie keinerlei Anzeichen wahrnahm, obwohl sie sich mit beiden Elternteilen sehr gut versteht. Auf die Zeit nach der High School, in der es Abschied nehmen von zu Hause, sich eine neue Umgebung erschließen und neue Freunde finden heißt, hat sie sich emotional vorbereitet. Die Entscheidung ihrer Eltern trifft sie unerwartet und macht sie traurig und wütend, weil sie machtlos ist, etwas dagegen zu unternehmen. Das Geständnis ihrer Freundin bringt sie ins Grübeln und macht sie sprachlos. Sie fühlt sich nicht mehr wahrgenommen und benötigt Zeit zu erkennen, dass sie selbstbewusster werden muss.

Als sie Jeremiah kennenlernt hält sie ihn zunächst für besserwisserisch, doch er begegnet ihr mit Zuneigung und Nonchalance. Beide finden eine gemeinsame Basis darin, sich nicht ineinander zu verlieben, aber den Sommer in jeder ihnen gebotenen Art zu genießen. Einige Inselbewohner stehen Jeremiah aufgrund seiner Vergangenheit skeptisch gegenüber. Hierin zeigt die Autorin die Schwierigkeit, sein Leben zu ändern und sein früheres Image hinter sich zu lassen.

In ihren Roman lässt Jennifer Niven eigene Erfahrungen einfließen, wie aus dem Dankeswort am Ende des Buchs zu erfahren ist. Die Figuren handeln authentisch, die widerstreitenden Gefühle von Claude fand ich nachvollziehbar. Aber dennoch fehlt der Geschichte ein gewisser Schwung oder etwas Spannung im Hintergrund. Fast von Beginn an ist klar, dass das Leben von Claude sich Studienbeginn drastisch verändern wird, ganz egal wie sie ihren Sommer gestaltet. Die Ausführungen des Insellebens ziehen sich stellenweise durch Belanglosigkeiten.

In ihrem Roman „Für einen Sommer unsterblich“ zeigt Jennifer Niven erneut ihre einfühlsame Art zu schreiben. Anhand der 18-jährigen Claude verdeutlicht sie, dass man seinen Wünschen und Träumen folgen und jeden Tag seines Lebens genießen soll. Gerne empfehle ich das Buch an junge Leser und Erwachsene weiter.

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