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Veröffentlicht am 21.11.2019

Begeisternder und bewegender Auftakt einer Trilogie einer Wiesbadener Familie über vier Generationen

Leuchtende Tage
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Der Roman „Leuchtende Tage“ von Astrid Ruppert ist der erste Band einer Trilogie über die Frauen der Familie Winter. Die Autorin erzählt die Geschichte über vier Generationen hinweg. Lisette Winter, ihre ...

Der Roman „Leuchtende Tage“ von Astrid Ruppert ist der erste Band einer Trilogie über die Frauen der Familie Winter. Die Autorin erzählt die Geschichte über vier Generationen hinweg. Lisette Winter, ihre Tochter Charlotte, ihre Enkelin Paula und ihre Urenkelin Maya stehen im Mittelpunkt des Geschehens.

Lisette wächst im gutsituierten Elternhaus in Wiesbaden zu Beginn des vorigen Jahrhunderts auf. Doch ihr Charakter ist gänzlich anders als ihre Mutter ihn sich gewünscht hätte. Sie möchte zur Schule gehen und im Haushalt und Garten helfen. Stattdessen wird sie privat unterrichtet und lernt dabei, wie das Personal ihres zukünftigen Ehemanns anzuweisen ist und wie sie sich in Gesellschaft standesgemäß zu verhalten und Konversion zu gestalten hat. Sie fühlt sich nicht nur im übertragenen Sinne in ein viel zu enges Korsett geschnürt und sie beginnt heimlich damit, Mode für Frauen zu entwerfen, in denen man sich wohlfühlen kann. Der Zufall bringt den noch jungen Schneider Emilie zum Nähen neuer Kleider ins Haus. Die beiden verlieben sich ineinander. Weil Lisette noch unter der elterlichen Aufsichtspflicht steht ist der einzige Weg für eine gemeinsame Zukunft eine Flucht, die ihnen gelingt. Für Lisette beginnen leuchtende Tage, denn Emile gibt ihr den benötigten Freiraum und lässt sie so sein, wie sie sein will.

Lisettes Urenkelin Maya ist Ende Zwanzig, Übersetzerin und lebt in Frankfurt. Beruflich ist sie wenig erfolgreich. Zu ihrer Mutter Paula, die sich immer dagegen gewehrt hat, auf die Mutterrolle reduziert zu werden, hat sie zwar Kontakt, doch ihre Ansichten sind sehr unterschiedlich. Auch Paulas Meinungen sind meist konträr zu denen von Großmutter Charlotte. Aufgrund ihrer Faszination für Lost Places beginnt Maya, sich damit auseinanderzusetzen, wo Lisette einst gewohnt hat. Mehr und mehr versucht sie die Handlungen ihrer Urgroßmutter zu verstehen. Dabei stellt sie ihr eigenes Leben auf den Prüfstand versucht zu ergründen, welche Dinge ihr wirklich wichtig sind.

Astrid Ruppert verknüpft geschickt die Gegenwart mit der Vergangenheit, auf der der Schwerpunkt der Geschichte liegt. Es gelingt ihr sehr gut, den Konflikt zwischen Lisette und ihrer Familie herauszuarbeiten, der dazu führt, dass sie ihr Elternhaus heimlich verlässt. Aus der heutigen Sicht gesehen, konnte ich ihre Handlung verstehen. Nur ungerne ließ ich mich daran erinnern, dass zur damaligen Zeit vor allem Frauen in gehobenen Kreisen nicht nur Kleidervorschriften einzuhalten hatten und sie ausschließlich zum Führen des Haushalts ihres Ehemanns erzogen wurden, was ja leider der Realität entsprach. Die Autorin schafft mit Lisette eine überzeugende Figur, die auf ihrem Weg zur Selbstverwirklichung manche Hindernisse überwinden muss. Dabei sind einige Entscheidungen auch mit Schmerz und Tränen verbunden. Doch auch für Lisettes Mutter Dora wirbt Astrid Ruppert für Verständnis, denn ihr Willen ist ebenso stark wie Lisettes. Beiden gemeinsam ist es, sich dem Elternhaus zu widersetzen.

Der Roman ist eingebunden in die Historie der Kleidungsherstellung von Beginn des letzten Jahrhunderts an bis Mitte der 1930er Jahre in Deutschland, aber vor allem in Wiesbaden, dass durch seine Stellung als Kurstadt dem Konservativen anhing. In der Gegenwart hat Maya sich dem allgemeinen Lebensstil angepasst. Ihren Vater hat sie nie kennen gelernt. Sie führt eine lockere Beziehung mit ihrem Freund und hat sich ohne Aufsehen ein selbstbestimmtes Leben in einer kleinen Wohnung aufgebaut. Die Autorin verdeutlicht, dass auch Maya nicht richtig glücklich ist. Ihr fehlt der familiäre Zusammenhalt und die ganz tiefen Gefühle.

„Leuchtende Tage“ von Astrid Ruppert ist der begeisternde und bewegende Auftakt einer Trilogie über die Frauen der Familie Winter, die auf ihre jeweils eigene Art danach streben, so zu sein wie sie sein wollen. Ich bin sehr gespannt, wie die Geschichte sich weiter entwickeln wird, inwieweit Maya an der Kenntnis über die Vergangenheit ihrer Familie selbst weiterwachsen und ob sie herausfinden kann, wer sie sein möchte. Gerne empfehle ich den Roman weiter.

Veröffentlicht am 19.11.2019

Nicht ganz überzeugende Liebesgeschichte

We Will Fall
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Das Buch „We will fall“ der US-Amerikanerin Shannon Dunlap ist eine Liebesgeschichte, wie es im Untertitel heißt, für Jugendliche ab 12 Jahren. Laut der Autorin ist ihre Erzählung kein Roman, weil sie ...

Das Buch „We will fall“ der US-Amerikanerin Shannon Dunlap ist eine Liebesgeschichte, wie es im Untertitel heißt, für Jugendliche ab 12 Jahren. Laut der Autorin ist ihre Erzählung kein Roman, weil sie nicht wirklich neu ist, sondern vom ältesten Thema der Welt handelt, der Liebe.
Die Geschichte trägt verschiedene Elemente der Legende über Tristan und Isolde in sich und daran angelehnt heißen die Protagonisten Tristan und Izzy, wobei Izzy als Abkürzung für Iseult steht, der amerikanischen Form des weiblichen Vornamens Isolde. Die beiden begegnen sich während der letzten Tage der Sommerferien.
Tristan und Izzy sind beide 16 Jahre alt und wohnen in Brooklyn, doch sie kommen aus unterschiedlichen Milieus. Tristan lebt seit einigen Jahren bei seiner Tante, nicht weit entfernt von anderen Verwandten zu denen sein etwa zwei Jahre älterer Cousin Marcus gehört. Er spielt hervorragend Schach. Marcus weiß diese Fähigkeit zu nutzen, indem er seinem Cousin Gegner vermittelt und auf die einzelnen Partien Geldwetten abschließt.
Izzy ist gerade erst mit ihren Eltern und ihrem Zwillingsbruder nach Brooklyn in ein Haus gezogen, dass von der Familie renoviert wird. Izzy sieht Tristan zum ersten Mal auf dem Spielplatz gegenüber von ihrem neuen Zuhause. Er ist verletzt und sie bietet ihm ihre Hilfe an. Schon bei dieser ersten Begegnung liegt ein Knistern zwischen den beiden in der Luft. Schnell stellt sich heraus, dass sie nicht nur zur gleichen Schule gehen, sondern auch gemeinsame Unterrichtsfächer belegt haben. Tristans Aufmerksamkeit für Izzy bleibt von Marcus und seiner Gang nicht unbemerkt. Marcus hat sich Izzy als seine neue Freundin ausgesucht und Tristan soll ihm bei seinem Werben unterstützen.
Shannon Dunlap wählt für ihre Geschichte drei Erzählperspektiven: neben Tristan und Izzy erzählt ihre Mitschülerin Brianna jeweils in der Ich-Form die Geschehnisse. Im Rückblick finde ich die Erzählung von Tristan unrealistisch. Zur Darstellung seiner Sichtweise gibt es bessere Möglichkeiten. Die Perspektive von Brianna ermöglichte mir einen Blick von außen auf die Liebesbeziehung.
Über jedem Kapitel steht der Name des Erzählers mit der Zuordnung seiner Persönlichkeit zu einer Schachfigur. Tristan ist der Springer und damit die unberechenbarste Figur im Feld, Izzy ist die gefährliche Königin und Brianna der geradlinige Turm. Das Schachspielen nimmt eine große Rolle im Buch ein. Tristans Erfolg im Schachspiel bringen ihm auch an der Brennpunktschule, die er besucht Aufmerksamkeit. Durch seinen Erfolg scheint es für ihn einen Weg jenseits von Drogenkriminalität und Gewalt in der Peergroup zu geben. Die Autorin zeichnet dunkle Aussichten für den Großteil der Bewohner des Stadtviertels. Die Begründung, warum Izzys Eltern mit ihren Kindern hierhin ziehen fand ich nicht stichhaltig genug. Während die Handlungen von Tristan nachvollziehbar waren, wirkte die Figur der Izzy auf mich blass und ihre Entscheidungen fand ich nicht stimmig.
„We will fall“ ist eine Erzählung vor dem Hintergrund der Gewalt gegen Schwarze in den USA gekoppelt mit der Legende von Tristan und Isolde, die mich letztlich aber durch ihre Darstellung nicht überzeugen konnte.

Veröffentlicht am 18.11.2019

Schmackhafte Rezepte

Rachs Rezepte für jeden Tag
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Das Buch „Rachs Rezepte für jeden Tag“ von Christian Rach und seiner Co-Autorin Susanne Walter trägt den Untertitel „Große Küche für kleines Geld“, daher erwartete ich von den beinhalteten Rezepten eine ...

Das Buch „Rachs Rezepte für jeden Tag“ von Christian Rach und seiner Co-Autorin Susanne Walter trägt den Untertitel „Große Küche für kleines Geld“, daher erwartete ich von den beinhalteten Rezepten eine einfache Umsetzung im Alltag mit Lebensmitteln, die ich auch in Märkten in der Kleinstadt erhalte, in der ich wohne.

Nach einem kurzen Vorwort mit der Erklärung des Autors zu seinem Motto „Kochen ist einfach und macht Spaß“ werden auf einer Doppelseite die häufigsten benötigten Utensilien und auf einer weiteren die wichtigsten Kräuter gezeigt. Da ich mit beidem bestens ausgestattet bin, freute ich mich auf die nun folgenden Rezepte. In der Inhaltsübersicht sind die Kapitel Salate, Suppen & Eintöpfe, Gemüse, Ofengerichte, Nudeln und Reis, Fisch und Meeresfrüchte, Geflügel und Fleisch sowie Süßes und Dessert aufgelistet.

Jedem Gericht ist eine Doppelseite gewidmet auf der die Zutaten und die Kochanleitung aufgeführt wird, begleitet mit einem großformatigen, einseitigen Foto des zubereiteten Rezepts. Auf einer grauen Steinplatte wird das Gericht auf den Fotos von Wolfgang Schardt jeweils auf einem neutralen hellen Teller, in der Pfanne oder dem Backofenblech gezeigt. Vor diesem schlichten Hintergrund leuchteten mir vor allem die Gemüse- und Kräuterfarben entgegen. Das sieht sehr appetitlich aus und fordert zum Nachkochen auf. Grundrezepte über verschiedene Brühen und Saucen werden nicht in der Anleitung beschrieben, sondern finden sich mit Verweis in einem eigenen Kapitel am Schluss des Buchs.

Der Überschrift folgt ein kurzer Einwurf, in welcher Richtung das Rezept einzuordnen ist wie beispielsweise, ob es würzig-frisch oder deftig, herbstlich oder frühlingsfrisch, mediterran oder asiatisch ist. In einem Kasten links von der Zubereitungsanleitung finden sich die nützlichen Hinweise auf die Zubereitungszeit, die Kilokalorienzahl, die Menge der Eiweiße, Fette und Kohlenhydrate sowie die Angabe darüber, für wie viele Personen das Gericht geeignet ist. Darunter werden die Zutaten im Einzelnen mit Mengenangaben aufgelistet. Bei Zubereitungen im Backofen steht in der Anleitung die Temperatureinstellung für den Elektroherd mit Ober- und Unterhitze. Auf der letzten Seite des Buchs findet sich der Hinweis, dass weitere Temperaturangaben der Gebrauchsanweisung des eigenen Herds entnommen werden sollen.

Die Zubereitungszeit der Hauptgerichte liegt bei einer Stunde, meistens deutlich darunter, viele Gerichte sind schon nach einer halben Stunde fertiggestellt. Gelegentlich greift Christian Rach zur Vereinfachung auch mal zum fertigen Flammkuchen oder Strudelteig. Beim Durchblättern konnte ich mich davon überzeugen, dass fast alle Zutaten handelsüblich zu erhalten sind beziehungsweise die benötigten Kräuter in meinem Gärtchen wachsen.

Mir ist beim Durchblättern aufgefallen, dass das Buch viele vegetarische Gerichte, mit Ausnahme natürlich in den Kapiteln Fisch und Fleisch, enthält, was ich sehr gut finde. Ich habe verschiedene Rezepte aus „Rachs Rezepte für jeden Tag“ ausprobiert: eine Kürbissuppe mit Flammkuchen, eine Ofendorade mit Kartoffeln, Salat und Zitronen-Kräuter-Vinaigrette sowie ein Bananen-Zimt-Quark. Alles ließ sich nach der jeweiligen Anleitung problemlos zubereiten und das fertige Gericht sah vergleichbar so aus wie auf dem Foto im Buch. Auch die Zubereitungszeit passte jedes Mal ungefähr. Es hat mir und meiner Familie sehr gut geschmeckt und daher empfehle ich das Buch gerne weiter. Einige Rezepte habe ich mir bereits markiert, um bald schon die benötigten Lebensmittel einzukaufen und weitere leckere Gerichte von Christian Rach zuzubereiten.

Veröffentlicht am 16.11.2019

Romantische Komödie: Witzig, mit Charme, viel Liebe und Happy End

Happy End für zwei
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„Happy End für 2“ ist eine romantische Komödie der Engländerin Rachel Winters mit viel Liebe und Herzschmerz. Im Mittelpunkt des Romans steht die Protagonistin Evelyn, kurz Evie genannt. Sie erzählt die ...

„Happy End für 2“ ist eine romantische Komödie der Engländerin Rachel Winters mit viel Liebe und Herzschmerz. Im Mittelpunkt des Romans steht die Protagonistin Evelyn, kurz Evie genannt. Sie erzählt die Geschichte in Ich-Form. Der Beginn jedes Kapitels ist wie ein Drehbuch gestaltet, mit Handlungsort und -zeit und einem Aufriss der Handlungssituation. Im Prolog konnte ich Evie in einer Umsetzung ihres Vorhabens erleben, „Magische Momente“ aus bekannten RomCom-Filmen (RomCom= romantische Komödien) nachzuspielen und dabei den Mann fürs Leben kennen zu lernen.

Nach dem Ende ihrer Beziehung vor einem guten Jahr ist Evie eigentlich noch nicht bereit für eine neue große Liebe. Aber als langjährige Assistentin in einer angesehenen Filmagentur hat sie mit dem bedeutendsten Klienten einen Deal abgeschlossen. Der oskarprämierte Ezra Chester hat vor über einem Jahr einen Vertrag für das Drehbuch zu einer RomCom abgeschlossen und verweigert nun die Abgabe. Er hat noch nie in dem Genre geschrieben hat, weil er diese Art von Geschichten für nicht realistisch hält. Für Evie steht dabei viel auf dem Spiel, denn wenn Ezra seinen Vertrag nicht erfüllt, ist ihr Job in Gefahr. Sie bietet ihm an, zu beweisen, dass man sich auf die gleiche Weise wie in den bekannten Filmen kennenlernen und verlieben kann, wenn Ezra im Gegenzuge dafür sein Drehbuch abgibt.

Schon von den ersten Seiten an amüsierte ich mich einerseits darüber, wie Evies Umsetzung von Filmszenen zum Kennenlernen eines festen Partners vollkommen schiefläuft, andererseits bemitleidete ich sie, was sich gefühlsmäßig noch dadurch steigerte als ich den Hintergrund ihrer Handlung auf den nächsten Seiten erfuhr. Dadurch bringt die Autorin zwar ein wenig Drama in die Geschichte, ohne bei mir jedoch die überwiegend heitere Stimmung aufzulösen, denn Evie ist sich ihres Tuns durchaus bewusst und auch der sich daraus ergebenden Konsequenzen. Schon viel zu lange ist sie lediglich Assistentin in der Agentur, ohne sich große Hoffnung auf eine Beförderung zur Agentin zu machen. Sie gibt ihrem geringen Selbstbewusstsein dafür die Schuld und den Umständen in Bezug auf ihr Arbeitsverhältnis. Doch im Laufe des Romans entwickelt sie sich durch ihre gewonnenen Erfahrungen und mit der Hilfe ihrer Freunde weiter.

Der Roman läuft, wie bei einer RomCom zu erwarten ist und so wie der Titel es schon andeutet, auf ein Happy End zu, doch schon nach etwa einhundert Seiten wurde deutlich, dass für Evie mindestens drei potentielle neue Partner in Frage kommen, zu denen ich auch den, noch durch den Deal zu gewinnenden neuen Freund zähle.

Die Geschichte „Happy End für 2“ ruft Erinnerungen an viele unvergessliche romantische Komödien aus den letzten vier Jahrzehnten wach, die im Roman erwähnt werden. Es beeinträchtigt den Lesegenuss nicht, wenn man die erwähnten Filme nicht gesehen hat, aber es fordert geradezu dazu auf, sie sehen zu wollen. Rachel Winters schreibt herzerwärmend und erheiternd. Meine Erwartungen an eine romantische Komödie wurden durch den Roman gänzlich erfüllt. Gerne empfehle ich diese unterhaltsame, liebevolle und amüsante Geschichte weiter.

Veröffentlicht am 13.11.2019

Must-Read für alle Sonderdezernat Q-Fans

Opfer 2117
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Der Däne Jussi Adler-Olsen hat mit dem Thriller „Opfer 2117“ den achten Fall für das Sonderdezernat Q in Kopenhagen, das unter der Leitung von Carl Morck steht, geschrieben. Das Sonderdezernat ist vor ...

Der Däne Jussi Adler-Olsen hat mit dem Thriller „Opfer 2117“ den achten Fall für das Sonderdezernat Q in Kopenhagen, das unter der Leitung von Carl Morck steht, geschrieben. Das Sonderdezernat ist vor einigen Jahren gegründet worden, um bereits abgeschlossene Fälle erneut zu bearbeiten. Diesmal jedoch drängt die Zeit zur Aufklärung einer neuen Tat, die per Telefon angekündigt wurde.
Im Mittelpunkt des achten Buchs der Serie steht Hafez el-Assad, von allen kurz Assad genannt. Er gehört seit Gründung des Dezernats im Jahr 2002 zum Team. Sein familiärer Hintergrund und seine Herkunft wurden in den Büchern bisher bewusst von Unwahrheiten begleitet. Im vorliegenden Fall wurden alle meine diesbezüglichen Fragen zum Charakter jedoch beantwortet.
Die Handlung des achten Bands der Serie spielt im Jahr 2018, zwei Jahre nach den letzten beschriebenen Ereignissen. Sie führte mich zu Beginn des Buchs nach Barcelona zu dem wenig erfolgreichen Journalisten Joan. Auf Zypern sind Flüchtlinge aus Syrien gelandet, doch nicht alle haben die Überfahrt überlebt. Joan sieht in einer Reportage über dieses Unglück seine berufliche Chance.
Während er vor Ort in Zypern ist, wird die Leiche einer Frau an den Strand gespült, die aus guten Verhältnissen zu sein scheint. Später stellt sich heraus, dass sie nicht ertrunken, sondern erstochen wurde. Sie wird als Opfer 2117 registriert und ist titelgebend. In Kopenhagen sieht sich wenig später ein junger Gamer durch den Zeitungsbericht über diese Frau veranlasst, einen bestimmten Spielstand dazu zu nutzen, seine Eltern mit einem Samuraischwert, wie auf dem Cover abgebildet, zu töten. Sein Vorhaben meldet er etwa zwei Wochen vorher dem Kopenhagener Kommissariat.
Die oben genannten Handlungsstränge des Thrillers sind durch den Mord von Opfer 2117 verbunden. Die Themen im Buch waren innerhalb der Serie noch nie so aktuell. Es geht um die Flüchtlingskrise, um Radikalisierung, um die Wahrheit hinter Reportagen und um die Gefahr von Computerspielen. Es ist ein sehr intensives Lesen und auch ein teilweise verstörendes. Um Wechsel in der Szenerie zu verdeutlichen, sind die Kapitel mit den Protagonisten der jeweiligen Handlung überschrieben. In unregelmäßigen Abständen findet sich dort die Angabe einer verbleibenden Tagesanzahl bis zum voraussichtlichen Erreichen der angekündigten Gewalttaten, die zusätzlich für Spannung sorgte, denn ich spürte dadurch noch deutlicher, wie schnell die verbleibende Zeit verrinnt.
Jussi Adler-Olsen ließ mich in Rückblicken tief in die Vergangenheit von Assad eintauchen. Damit verbunden sind Terror, Folter und Grausamkeiten, die aber auch in der Beschreibung der gegenwärtigen Ereignisse im Buch zahlreich zu finden sind. Der Thriller ist daher nicht für zarte Gemüter geeignet. Ich konnte mir die Geschehnisse durchaus in der Realität vorstellen, aber die kurzfristige Einsatzbereitschaft von Rose, so wie sie im Buch beschrieben wird, fand ich unglaubwürdig. Dennoch habe ich mich als Morck-Fan gefreut, wieder die Entwicklung der bekannten Charaktere der bisherigen sieben Bücher weiter verfolgen zu können. Während die Geschichte rund um Assad und auch Assads Gefühlslage durchgehend düster sind, bringt Roses Resolutheit erneut ein wenig Aufheiterung in das Geschehen. Zum Ende hin gibt der Autor einen kurzen Einwurf, den ich schon als Thema des nächsten Bands vermute.
Jussi Adler-Olsen gelingt mit „Opfer 2117“ eine lose Verflechtung dreier ungewöhnlicher Handlungen zu überaus aktuellen Themen. Das Buch ist ein Must-Read für alle Freunde des Sonderdezernats Q, weil sie hier alles über familiäre und berufliche Vergangenheit von Assad erfahren und natürlich, weil die vorliegenden Fälle auch wieder spannend sind.